miniatur|hochkant|Eröffnung erste Aktion „Brot für die Welt“ miniatur|hochkant|Leitspruch der 50. Aktion: „Es ist genug für alle da!“ Brot für die Welt ist ein Hilfswerk der evangelischen Landeskirchen und Freikirchen in Deutschland für die weltweite Entwicklungszusammenarbeit. Das Werk leistet Hilfe zur Selbsthilfe für die Arbeit von kirchlichen und nicht-kirchlichen Partnerorganisationen. Brot für die Welt unterstützt dauerhaft mehr als 1500 Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Schwerpunkte der Arbeit sind Ernährungssicherung, Förderung von Bildung und Gesundheit, Stärkung der Demokratie, Achtung der Menschenrechte, Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Bewahrung der Schöpfung.
Das Werk begründet seine Arbeit mit dem christlichen Glauben, der Nächstenliebe und Gerechtigkeit voranstellt. Es unterstützt seine Partnerorganisationen hauptsächlich durch finanzielle Förderung, aber auch durch die Entsendung von Entwicklungsfachkräften und Freiwilligen sowie durch die Vergabe von Stipendien. Dabei betreibt das Hilfswerk ausdrücklich keine Missionsarbeit. In Deutschland und Europa versucht Brot für die Welt, durch Lobby-, Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit politische Entscheidungen im Sinne der Armen zu beeinflussen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise zu schaffen. Brot für die Welt ist Teil des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e. V. (EWDE), zu dem auch die Diakonie Katastrophenhilfe gehört, die humanitäre Soforthilfe in akuten Krisen leistet, sowie die Diakonie Deutschland, der Wohlfahrtsverband der evangelischen Gemeinde und Kirche. Brot für die Welt gilt als Pendant zum katholischen Hilfswerk Misereor.Kampf gegen Armut und für globale Gerechtigkeit; DLF, 12. Dezember 2019
Geschichte Am 12. Dezember 1959 eröffneten die evangelischen Kirchen in der Deutschlandhalle in Berlin vor rund 12.000 Besuchern die erste Aktion Brot für die Welt. Hauptanlass für diese erste Spendenaktion war eine Hungersnot in Indien, von der etwa zwölf Millionen Menschen betroffen waren. Der Aufruf wurde begründet mit der großzügigen Hilfe aus dem Ausland, die den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglicht hatte. Zunächst war nur eine einmalige Kampagne geplant. Die erste Sammlung erbrachte rund 19 Millionen Mark, von denen fast fünf Millionen in Ostdeutschland gespendet wurden. Diese erste Aktion von Brot für die Welt nutzte Sammelbüchsen mit der bekannten „Hungerhand“ des Berliner Künstlers Rudi H. Wagner.Bildergalerie: 60 Jahre Brot für die Welt, abgerufen am 14. Juli 2019.
Im ersten Aktionsjahr 1959/60 wurden 15 Projektanträge aus mehr als zehn Ländern auf drei Kontinenten zur Bewilligung vorgeschlagen. Der Schwerpunkt der Arbeit lag zu dieser Zeit in Indien. Dort wurden drei Projekte zur Kinderspeisung und zur landwirtschaftlichen Entwicklung gefördert. Aufgrund des großen Erfolges wurde die Aktion im Advent 1960 wiederholt und schließlich zu einer dauerhaften Einrichtung unter dem Dach des Diakonischen Werks.
Im Jahr 1962 gründete die Evangelische Kirche die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe. Damit ging sie – wie die Römisch-katholische Kirche mit der Katholischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe – auf das Angebot der Bundesregierung ein, den Kirchen öffentliche Mittel zur Förderung der Entwicklungsvorhaben ihrer Partner zur Verfügung zu stellen.Georg-Hinrich Hammer: Geschichte der Diakonie in Deutschland. Kohlhammer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-17-022999-0, S. 316.
1968 rief der Theologe Helmut Gollwitzer auf der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland die Kirche dazu auf, sich gegenüber den Mächtigen in Politik und Wirtschaft für die Interessen der Armen einzusetzen. Die Synode empfahl den Landeskirchen, mindestens zwei Prozent der Einnahmen aus Kirchensteuern für die Bekämpfung der Armut in der Welt bereitzustellen. Viele evangelische Landes- und auch Freikirchen beteiligten sich daran und gründeten daraufhin als gemeinsames Werk den Kirchlichen Entwicklungsdienst.
1970 wurde die „Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Entwicklungsdienst“ gegründet. In diesem Verbund arbeitete die Aktion Brot für die Welt des Diakonischen Werks zusammen mit der Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe, mit Dienste in Übersee, mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission als Vorgänger des Evangelischen Missionswerks in Deutschland und dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland. Diese Zuordnung geschah auch vor dem Hintergrund der Einschätzung, dass die Arbeit der Missionswerke durch ihre damals noch kaum aufgearbeitete Verflochtenheit in koloniale Abhängigkeiten, ihre Konzentration auf wenige Partnerkirchen und ihre vorrangige Orientierung an glaubensweckender Verkündigung einer institutionellen Ergänzung bedurfte.
1986 bestätigte die EKD-Synode in Bad Salzuflen die Option für die Armen, eingebettet in die ökumenische Solidarität der Kirchen, als grundlegende Zielperspektive für den kirchlichen Entwicklungsdienst. Sie setzte sich für eine Verstärkung der Bildungs- und Informationsarbeit über Entwicklungsfragen im Inland und eine Fortführung des Dialogs mit Regierung, Parteien und Verbänden ein. In den Jahren 1995 und 1996 befassten sich die EKD-Synoden erneut mit den Perspektiven der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit. Um die vorhandenen Mittel effektiver zu nutzen, wurden die evangelischen Entwicklungsorganisationen aufgefordert, Vorschläge für eine Strukturreform zu erarbeiten.
Im Jahr 2000 fusionierten dann die Evangelische Zentralstelle für Entwicklungshilfe, der Kirchliche Entwicklungsdienst, Dienste in Übersee und der Ökumenisch-Missionarische Weltdienst des EMW zum Evangelischen Entwicklungsdienst. 2003 schloss sich ihm das Ökumenische Stipendienwerk an.
In den 50 Jahren von der Gründung bis 2009 wurden 1,8 Mrd. Euro Spenden gesammelt und 20.000 Entwicklungsprojekte durchgeführt. Im Jubiläumsjahr wurde die Stiftung Brot für die Welt gegründet, um die Nachhaltigkeit der Arbeit zu unterstützen.Georg-Hinrich Hammer: Geschichte der Diakonie in Deutschland. Kohlhammer, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-17-022999-0, S. 314.
2012 fusionierten der Evangelische Entwicklungsdienst und das Diakonische Werk der EKD mit Brot für die Welt und bildeten zusammen das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung (EWDE). Internationale Entwicklungsarbeit und nationale Sozialarbeit sollten auf diese Weise enger zusammengeführt werden. Eines der beiden Teilwerke des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung ist Brot für die Welt, das auch die Diakonie Katastrophenhilfe für die unmittelbare Nothilfe umfasst. Im Oktober 2012 nahm das Werk seine Arbeit am neuen Standort in Berlin auf.
Präsidentin wurde die Pastorin Cornelia Füllkrug-Weitzel, die schon seit 2000 als Direktorin im Diakonischen Werk für Brot für die Welt zuständig war. Seit 1. März 2021 ist Dagmar Pruin Präsidentin.
Arbeitsschwerpunkte und Ziele Förderung von Projekten und Programmen im Süden Im Mittelpunkt der Arbeit von Brot für die Welt steht die Förderung von Projekten und Programmen in den Ländern des globalen Südens. 2024 förderte das Hilfswerk insgesamt 2.919 Projekte. Die Projekte verteilen sich weltweit über 81 Länder mit zwei Schwerpunkten: Afrika 791 Asien und Pazifikraum 699.
Eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen soll gewährleisten, dass die Hilfe zur Selbsthilfe den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Gegebenheiten vor Ort angepasst ist. Mit den ihnen anvertrauten staatlichen Mitteln sind die Partnerorganisationen oft an konkrete Vorgaben ihrer staatlichen Geber gebunden. Sofern sie Spendenmittel verwenden, sind sie bei der Zweckbestimmung und der Wahl weiterer Partner frei. Um Frauen wie Männern die Möglichkeit zu geben, gleichberechtigt an der Gestaltung ihrer Gesellschaft mitzuwirken, achtet Brot für die Welt bei allen Projekten auf Geschlechtergerechtigkeit.
Die Projekte und Programme verfolgen insbesondere die Ziele: Ernährung sichern Bildung und Gesundheit fördern Wasserversorgung verbessern Klimawandel begrenzen und Umwelt schützen Gleichberechtigung vorantreiben Menschenrechte und Frieden fördern
Kampagnen- und Lobbyarbeit Brot für die Welt weist auf Basis seiner Erfahrungen aus dem Dialog mit den Partnerorganisationen die Öffentlichkeit und Politik auf Missstände hin, schlägt Veränderungen vor und drängt auf deren Realisierung.
Ein Beispiel dafür ist die Initiative für ein Lieferkettengesetz, das der Bundestag beschließen soll. Damit könnten künftig deutsche Unternehmen für Vergehen ihrer Zulieferer verantwortlich gemacht werden. Das soll die Unternehmen dazu bringen, auf die Einhaltung internationaler Standards und nationalen Rechts bei diesen Firmen zu achten und nicht mehr davon zu profitieren, wenn Arbeitsrecht oder Umweltgesetze gebrochen werden.
Brot für die Welt ist neben anderen Organisationen auch Träger der jährlich Anfang Januar stattfindenden Demonstration unter dem Motto Wir haben es satt! in Berlin. Abgerufen am 5. Dezember 2013.
Öffentlichkeitsarbeit Zentraler Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit ist die Aufklärung der Bevölkerung über Ursachen und Hintergründe von Hunger, Armut und Gewalt in den Ländern des Südens sowie die Einwerbung von Spenden. Dabei stützt sich die Organisation auf ein Netz engagierter Personen, Gruppen, Kirchengemeinden und Schulen.
Förderung des fachspezifischen Dialogs Die Organisation unterstützt einen gleichberechtigten fachspezifischen Dialog zwischen Nord und Süd über alle Aspekte einer zukunftsfähigen Entwicklung.
Kirchen helfen Kirchen „Kirchen helfen Kirchen“ wurde Mitte der fünfziger Jahre ins Leben gerufen. Das Programm war laut eigenen Angaben die Antwort der evangelischen Kirchen in Deutschland auf die großzügige Hilfe, die sie in der Nachkriegszeit von Partnerkirchen aus dem Ausland erhalten hatten. Laut Brot für die Welt / Kirchen helfen Kirchen geht es dabei um folgende Ziele. „Nach wie vor gibt es weltweit Kirchen, die auf zwischenkirchliche Hilfen angewiesen sind. Sie müssen sich neuen Herausforderungen stellen, möchten ihr Tätigkeitsfeld erweitern oder bedürfen Hilfe, um plötzliche Krisenzeiten zu überbrücken. Dabei unterstützt ,Kirchen helfen Kirchen' pastorale Programme ebenso wie diakonische Aktivitäten.“ Das Projekt „Kirchen helfen Kirchen“ wurde 2019 mit rund zwei Millionen Euro von Brot für die Welt unterstützt.
Finanzierung Die wichtigsten Einnahmequellen waren im Jahr 2024: Bundesmittel (168 Mio. Euro) Spenden und Kollekten (74 Mio. Euro) Mittel des kirchlichen Entwicklungsdienstes (63 Mio. Euro) Hinzu kommen kleinere Beträge von der EU oder aus Finanzerträgen, sodass Brot für die Welt 2024 insgesamt rund 332 Mio. Euro für seine Arbeit eingenommen hat. Die Mittel des kirchlichen Entwicklungsdienstes stammen aus der Kirchensteuer.
Der größte Teil der Ausgaben im Jahr 2024 waren Projektausgaben (289 Mio. Euro). Die weiteren Ausgaben flossen in Werbung und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit (11 Mio. Euro) sowie in die Verwaltung (19 Mio. Euro).
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen vergab 2024 erneut das DZI-Spendensiegel an Brot für die Welt und bestätigte damit den verantwortungsvollen und satzungsgemäßen Umgang mit Spendengeldern sowie angemessene Verwaltungsausgaben.
Mitgliedschaften, Kooperationen Die Organisation ist Gesellschafter von GEPA – The Fair Trade Company. Sie ist außerdem Mitglied von: Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO) Bündnis Entwicklung Hilft zusammen mit der Welthungerhilfe, Misereor, terre des hommes und medico international. ACT AllianceMitglieder der Alliance Klima-Allianz Deutschland Aktionsbündnis gegen Aids Forum Fairer Handel Forum Umwelt & Entwicklung Right to Food and Nutrition Watch Consortium