Walter Bison (* 25. Juli 1913 in Düsseldorf; † 13. April 1985 in HeilbronnGeburts- und Todesdatum nach Stadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-10031, Eintrag zu Walter Bison in der Datenbank HEUSS) war ein deutscher Theaterintendant, -schauspieler und -regisseur, der in der Geschichte des Heilbronner Theaterlebens eine wichtige Rolle spielte. Von 1954 bis 1968 hatte er die Leitung des Kleinen Theaters Heilbronn e.V. inne, von 1968 bis 1980 war er Geschäftsführer der Heilbronner Theater GmbH, 1970 wurde ihm die Goldene Münze der Stadt Heilbronn verliehen. 1980 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.Jürgen Frahm: Streiflichter zur Heilbronner Theatergeschichte nach dem Jahre 1945. In: Herbert Haldy (Hrsg.): Stadttheater Heilbronn: zur Eröffnung am 16. November 1982. Heilbronn 1982, S. 65–78, dazu S. 68.

Leben mini|1936, Stralsunder Theater mini|1936, Görlitzer Theater mini|1937–1939, Danziger Stadttheater Walter Bison wurde in Düsseldorf als Sohn des Oberingenieurs Friedrich Bison und seiner Frau Elfriede, geb. Bockelmann geboren. 1918 übernahm Bisons Vater den Aufbau der Flender-Werke in Lübeck als Direktor und Betriebsleiter. Walter Bison verbrachte seine Kindheit in Lübeck, wo er auf dem Johanneum zu Lübeck Ostern 1932 sein Abitur machte. Danach absolvierte er eine dreijährige Lehre als Kaufmann in der Lübecker Handelsfirma Possehl GmbH; parallel dazu nahm er Schauspielunterricht bei Wilhelm Kürten am Städtischen Theater in Lübeck. Im Frühjahr 1935 bestand er sowohl die kaufmännische als auch die schauspielerische Abschlussprüfung. Die Schauspieler-Abschlussprüfung legte er vor einer staatlichen Kommission in Hamburg unter Vorsitz des Generalintendanten Heinrich Karl Strohm ab.

Sein erstes Engagement als Schauspieler hatte Bison beim Grenzlandtheater Flensburg (heute Schleswig-Holsteinisches Landestheater). Danach folgten weitere Jahresverträge am Theater am Olof-Palme-Platz in Stralsund und am Theater am Demianiplatz in Görlitz. 1937 wurde er für zwei Jahre am Staatstheater Danzig als erster Jugendlicher Held und Liebhaber engagiert. Im April 1936 heiratete er die Schauspielerin Ingeborg Boysen, ihr gemeinsamer Sohn Olaf wurde am 5. Oktober 1938 geboren. Ingeborg ertrank im September 1941 in Cranz. Ab 1940 war Bison Soldat in der Wehrmacht. Sein Truppenteil war am Frankreichfeldzug beteiligt, wurde im Februar 1941 an die Ostfront verlegt und blieb dort bis zur Kapitulation im Frühjahr 1945. Im Herbst 1945 gelang ihm die Flucht aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Im Oktober 1945 hatte Bison am Stadttheater Lübeck nach Wiedereröffnung der Theater ein Engagement als Erster Charakterheld. 1947 ging er zur Jungen Bühne nach Hamburg. Zum Ensemble des Hamburger Theaters gehörten damals Will Quadflieg, Günther Lüders, Hardy Krüger und Albert Florath. Neben Bisons Arbeit auf der Bühne war er auch häufig im Rundfunk (NDR) beschäftigt. Bisons erstes Engagement als Spielleiter schloss er im Jahre 1948 an das Staatstheater in Kassel ab. 1949 wurde er Oberspielleiter des Schauspiels am Stadttheater Hildesheim. In der gleichen Position war er 1952 am Landestheater Württemberg-Hohenzollern in Tübingen. In der Spielzeit 1954/55 übernahm er die Leitung des Kleinen Theater Heilbronn e.V. Zur Spielzeit 1956/57 wurde Bison zum Intendanten ernannt. Als das Heilbronner Theater in der Spielzeit 1968/69 die Rechtsform einer GmbH annahm, wurde Bison Geschäftsführer.

Bison inszenierte über 160 Stücke und spielte in über 80 Stücken selbst wichtige Rollen wie den König Lear von William Shakespeare, den Nathan den Weisen von Gotthold Ephraim Lessing, den Philipp in Don Carlos von Friedrich Schiller und den General Harras in Des Teufels General von Carl Zuckmayer. Als im März 1970 die Heilbronner Theater GmbH eine zweite Spielstätte (Studiobühne) in der Harmonie eröffnete, lehnte dies Walter Bison wegen des zu kleinen Ensembles und der ungeeigneten Räumlichkeiten ab. Im März 1977 wurde der Betrieb der Studiobühne in der Harmonie beendet. 49 Studio-Produktionen waren bis dahin gezeigt worden. Im Juli 1980 beendete Walter Bison seine Tätigkeit als Intendant und wurde mit dem Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet.

Walter Bison beschrieb in Der Kampf ums Theater lohnte sich, wie der Zuschuss von 50.000 auf 1.500.000 Mark wachsen konnte:

Rezeption Bisons Arbeit war Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen. So wurde die im Oktober 1975 erfolgte Inszenierung von La Guerre de Troie n’aura pas lieu („Der trojanische Krieg findet nicht statt“) des französischen Berufsdiplomaten und Schriftstellers Jean Giraudoux aus dem Jahre 1935 sehr kritisiert:

Der Vorsitzende des Heilbronner Kunstvereins Ulrich Dehn und Jürgen Dieter Ueckert kritisierten, dass Walter Bison überfordert sei:

Der Gießener Schauspieler Günter Hänel, Ex-Mitglied des Heilbronner Ensembles und zu Theaterfragen sachverständig publizierender Schauspieler, kritisierte in der RNZ vom 13. und 18. September 1975 Walter Bison, darauf setzte sich Bürgermeister Fuchs für Walter Bison ein:

Die Stuttgarter Zeitung würdigt ihn in einem Nachruf. Dabei wird beschrieben, dass das Theater „unter seiner Leitung nie größer oder gar groß geworden“ sei.

Walter Bison wurde im Der Spiegel erwähnt, als Bison in dem Drama „La Machine à écrire“ von Jean Cocteau spielte:

Publikationen Walter Bison (Hrsg.): Kleines Theater Heilbronn: Jubiläumsspielzeit 1960/1961 [10 Jahre Kleines Theater Heilbronn …] Kleine Festschrift zum zehnjährigen Bestehen des Kleinen Theaters Heilbronn. Mit einer Chronik von Hans Franke und einer Liste der aufgeführten Stücke ab 1951. Heilbronn 1961. Walter Bison (Hrsg.): 25 Jahre Heilbronner Theater: 1951–1976. Kleine Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Kleinen Theaters Heilbronn. Mit einer Chronik von Hans Franke bis 1961 (erschien bereits in der Festschrift zum zehnjährigen Jubiläum) und einer Liste der aufgeführten Stücke ("Werkstatistik") ab 1951. Heilbronn 1976.

Einzelnachweise

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