mini|Holm Schneider (2010) Holm Schneider (* 1. Januar 1969 in LeipzigKürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. 2012, S. 3562.) ist ein deutscher Kinderarzt, Neonatologe, Genetiker und Buchautor. Er ist Professor und Leiter des Zentrums für Ektodermale Dysplasien am Universitätsklinikum Erlangen. Seine Bücher über Lebenswege von Menschen mit Behinderung machten ihn auch außerhalb seiner akademischen Tätigkeit bekannt. Neben seinem Engagement für Menschen mit Behinderung ist er auch in der Lebensrechtsbewegung aktiv.

Leben Holm Schneider studierte von 1989 bis 1995 als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen VolkesJahresbericht 2009 der Studienstiftung des deutschen Volkes, S. 179. Medizin an den Universitäten Leipzig und London und wurde 1996 in Leipzig promoviert. Nach einem Jahr am Universitätsklinikum Leipzig ging er für drei Jahre als Postdoktorand an die University of London. 1999 wechselte er an die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, wo er sich habilitierte und seine Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde abschloss. 2006 wurde er zum Professor für Experimentelle Neonatologie an die Medizinische Universität Innsbruck berufen und baute dort die gleichnamige Forschungsabteilung auf. Im März 2008 nahm er den Ruf auf eine Professur für Kinderheilkunde am Universitätsklinikum Erlangen an. Er erforscht angeborene Krankheiten, die durch Genmutationen oder eine gestörte Differenzierung von Körperzellen verursacht werden, insbesondere genetisch bedingte Hauterkrankungen (s. Genodermatose).Vorgestellt: Prof. Holm Schneider. Medizinische Universität Innsbruck, 16. Januar 2007, abgerufen am 2. Juli 2016. Außerdem ist er Beirat des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM). Seit März 2017 leitet er die Expertengruppe zu Ektodermalen Dysplasien und verwandten Erbkrankheiten im Europäischen Referenz-Netzwerk (ERN) Skin., Universitätsklinikum Erlangen, 29. September 2017, abgerufen am 3. Januar 2018.

Schneider ist verheiratet und Vater von sechs Kindern.Holm Schneider. Neufeld Verlag, abgerufen am 4. Januar 2015.

Forschung Im April 2018 veröffentlichte ein Team um Schneider die Ergebnisse mehrerer im Jahr 2016 durchgeführter Heilversuche der anhidrotischen Form der Ektodermalen Dysplasie.Weltweit erste erfolgreiche Therapieversuche bei Erbkrankheit Ektodermale Dysplasie. Drei Kinder dank vorgeburtlicher Proteinspritze außer Lebensgefahr. Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, 26. April 2018, abgerufen am 26. April 2018.Holm Schneider et al.: Prenatal Correction of X-Linked Hypohidrotic Ectodermal Dysplasia. In: The New England Journal of Medicine. Band 378, Nr. 17, 2018, S. 1604-1610, PMID 29694819, doi:10.1056/NEJMoa1714322. Für diese Erbkrankheit hatte es bis dahin keine Therapiemöglichkeiten gegeben. Schneider behandelte betroffene Kinder noch im Mutterleib durch Injektion spezieller Proteine ins Fruchtwasser, was dauerhafte therapeutische Wirkung hatte.Christina Berndt: Ärzte behandeln erstmals Gendefekt im Mutterleib. In: Süddeutsche Zeitung, 25. April 2018. Damit gelang, wie das Wissenschaftsmagazin New Scientist später feststellte, die „erste vorgeburtliche Therapie einer genetisch bedingten Krankheit“ mit einem auf die molekulare Ursache fokussierten Ansatz.Clare Wilson: How new fetal therapies are treating genetic conditions in the womb. In: New Scientist. 26. Juni 2023, abgerufen am 8. Dezember 2025. Die bei der Behandlung der Kinder verwendete Methode, ein fehlendes Protein durch Kopplung an die Fc-Komponente menschlicher Antikörper als Transporthilfe in das Blut der ungeborenen Kinder einzuschleusen, wird als eine mögliche Grundlage für die Behandlung weiterer Erbkrankheiten diskutiert.Richard Friebe: Deutsche Mediziner therapieren Erbkrankheit im Mutterleib. In: Der Tagesspiegel. 27. April 2018, abgerufen am 8. Dezember 2025.Twins treated for genetic disorder in the womb. CNN, 18. Mai 2018, abgerufen am 8. Dezember 2025. Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Schweizer EspeRare-Stiftung initiierte Schneider eine multizentrische klinische Prüfung des Therapieverfahrens,Dr. Heike Haarhoff: Immer wieder drohender Hitzschlag. In: Der Tagesspiegel 13. Juni 2022, abgerufen am 8. Dezember 2025. die noch nicht abgeschlossen ist.

Ehrenamtliches Engagement Holm Schneider ist ehrenamtlich tätig im Laufclub 21, einem Sportverein für Menschen mit Down-Syndrom,Ich kann laufen so wie du. In: Pharmazeutische Zeitung, Nr. 3, 2013. sowie in den medizinischen Beiräten des Bundesverbandes zur Begleitung von Familien vorgeburtlich erkrankter Kinder (BFVEK) e. V.,, Bundesverband zur Begleitung von Familien vorgeburtlich erkrankter Kinder e. V. der Selbsthilfegruppen Ektodermale Dysplasie e. V., Selbsthilfegruppe Ektodermale Dysplasie e. V. und Interessengemeinschaft Epidermolysis bullosa-DEBRA Deutschland e. V., Interessengemeinschaft Epidermolysis bullosa e. V. und schreibt seit vielen Jahren Bücher über Kinder und Erwachsene, die anders aussehen als die meisten anderen Kinder und Erwachsenen. Zu bioethischen Themen verfasste er auch Gastbeiträge für die Frankfurter Allgemeine ZeitungHolm Schneider: In: FAZ. 19. Oktober 2010., den TagesspiegelHolm Schneider: Die Botschaft der Deutschen Botschaft in Nairobi? In: Tagesspiegel. 17. Oktober 2024, abgerufen am 8. Dezember 2025. und Die Tagespost.Holm Schneider: Heute kaufe ich mir mal Kinder. In: Die Tagespost. 9. April 2016, abgerufen am 8. Dezember 2025. Von 2010 bis 2025 war er Erster stellvertretender Bundesvorsitzender der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA), der größten deutschen Lebensrechtsorganisation, Aktion Lebensrecht für Alle; abgerufen am 2. Juli 2016. und Mitglied im Herausgeberbeirat der Zeitschrift für Lebensrecht. Weiter engagierte er sich im Forum Deutscher Katholiken, Website des Forums Deutscher Katholiken. und war Kuratoriumsmitglied von ProLife Deutschland., Website von ProLife Deutschland, abgerufen am 2. Juli 2016. Bis Ende 2012 gehörte er dem Verwaltungsrat der Krankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen BKK IHV in Wiesbaden an, die ihre umstrittene Kooperation mit ProLife Deutschland im Juni 2012 beendete. BKK IHV, 21. Juni 2012. Im Juli 2019 errichtete er die Holm-Schneider-Stiftung für vorgeburtliche Therapie, die medizinisch notwendige Behandlungen noch ungeborener Kinder unterstützt, wenn die Krankenkasse nicht oder nicht ausreichend zahlt, sowie Forschung zur Verbesserung vorgeburtlicher Therapien fördert.Fetalchirurgie: Forschungspreis für Ueli Möhrlen, In: Medinside - Das Portal für die Gesundheitsbranche, 14. Juli 2026, abgerufen am 18. Juli 2026.

An der Aktion „Stoppt PID“, die 2010 die Einführung der Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verhindern wollte, hatte sich Schneider maßgeblich beteiligt.Holm Schneider. Website von „Stoppt PID“, abgerufen am 1. Dezember 2013. In Vorträgen und Presseinterviews äußerte er scharfe Kritik an der Einführung eines umstrittenen vorgeburtlichen Bluttests auf das Down-Syndrom.Eingriffe vor der Geburt: Facharzt referiert in Trier. In: Trierischer Volksfreund. 20. Juli 2012, abgerufen am 8. Dezember 2025. In einem Interview mit der Welt am Sonntag verglich er die geplante Aufnahme dieses Tests in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen mit einem „Jagdrecht“ auf Kinder mit Down-Syndrom. Wirkliche Inklusion beginne bereits vor der Geburt.Sabine Menkens: „Das ist ein Jagdrecht auf behinderte Kinder“. In: Welt am Sonntag. 26. Februar 2017, abgerufen am 8. Dezember 2025. In Vorträgen zum Thema „Warum ein perfektes Baby eine Illusion und ein behindertes keine Katastrophe ist“ plädiert er dafür, die „Bilder von Behinderung in unseren Köpfen“ zu korrigieren.Heike Duczek: „Ein perfektes Baby ist eine Illusion“: Arzt fordert vor Auftritt in Rosenheim Inklusion statt Selektion. In: Oberbayerisches Volksblatt, 22. Oktober 2019.

Auszeichnungen Erste wissenschaftliche Arbeiten Schneiders wurden mit dem Rolf-Emmrich-Preis der Sächsischen Gesellschaft für Innere Medizin (1996), dem Dr. Carl-Zeise-Preis der Universität Leipzig (1996), dem Förderpreis der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung (2002) und dem Arthur-Vick-Preis (2004) gewürdigt.

2006 wurde Holm Schneider gemeinsam mit Regina Betz von der Universität Bonn mit dem Gottron-Just-Wissenschaftspreis für seinen Ansatz zur Behandlung der Erbkrankheit Epidermolysis bullosa ausgezeichnet.

Im Jahr 2008 erhielt Schneider zusammen mit seiner Arbeitsgruppe die Goldmedaille der Union of European Neonatal and Perinatal Societies (UENPS) für den Nachweis, dass sich aus bestimmten Stammzellen des Nabelschnurblutes Knochen-, Knorpel-, Skelettmuskel- und Herzmuskelzellen züchten lassen.Ute Missel: Erlanger Mediziner züchten Zellen aus Nabelschnurblut. In: Informationsdienst Wissenschaft. 18. Dezember 2008, abgerufen am 8. Dezember 2025.

2015 erhielt er für sein Engagement für Menschen mit Behinderung den Erlanger Inklusionspreis.Erlangen: Lebenshilfe zeichnet gelebte Inklusion aus. In: Nürnberger Nachrichten. 24. November 2015.

Für seine Arbeiten zur vorgeburtlichen Therapie der Ektodermalen Dysplasie wurde ihm neben dem Wissenschaftspreis der European Society for Pediatric Dermatology 2018 und dem Kenneth S. Brown Research Award der National Foundation for Ectodermal Dysplasias der USA der Care-for-Rare Science Award 2019 verliehen. Care-for-Rare-Stiftung, abgerufen am 28. November 2019.

Veröffentlichungen Wissenschaftliche Veröffentlichungen (Auswahl) Holm Schneider, Charles Coutelle: In utero gene therapy: the case for. In: Nature Medicine. Band 5, Nummer 3, März 1999, S. 256–257, . doi:10.1038/6458. PMID 10086371. Simon N. Waddington, Suzanne M. K. Buckley, Megha Nivsarkar, Sarah Jezzard, Holm Schneider, Thomas Dahse, Geoff Kemball-Cook, Maznu Miah, Nick Tucker, Margaret J. Dallman, Mike Themis, Charles Coutelle: In utero gene transfer of human factor IX to fetal mice can induce postnatal tolerance of the exogenous clotting factor. In: Blood. Band 101, Nummer 4, Februar 2003, S. 1359–1366, . doi:10.1182/blood-2002-03-0779. PMID 12393743. Alfiya Akhmetshina, Katrin Palumbo, Clara Dees, Christina Bergmann, Paulius Venalis, Pawel Zerr, Angelika Horn, Trayana Kireva, Christian Beyer, Jochen Zwerina, Holm Schneider, Anika Sadowski, Marc-Oliver Riener, Ormond A. MacDougald, Oliver Distler, Georg Schett & Jörg H.W. Distler: Activation of canonical Wnt signalling is required for TGF-β-mediated fibrosis. In: Nature Communications. Band 3, Artikelnummer 735, 2012, doi:10.1038/ncomms1734. Frederic Pacho, Giovanna Zambruno, Valentina Calabresi, Dimitra Kiritsi, Holm Schneider: Efficiency of translation termination in humans is highly dependent upon nucleotides in the neighbourhood of a (premature) termination codon. In: Journal of Medical Genetics. Band 48, Nummer 9, 2011, S. 640–644, . doi:10.1136/jmg.2011.089615. PMID 21693480. Katharina Hermes, Pascal Schneider, Peter Krieg, Ahn Thu Dang, Kenneth Huttner, Holm Schneider: Prenatal therapy in developmental disorders: drug targeting via intra-amniotic injection to treat X-linked hypohidrotic ectodermal dysplasia. In: Journal of Investigative Dermatology. Band 134, Nummer 12, 2014, S. 2985–2987, . doi:10.1038/jid.2014.264. PMID 24950237. Holm Schneider et al.: Prenatal Correction of X-Linked Hypohidrotic Ectodermal Dysplasia. In: The New England Journal of Medicine. Band 378, Nr. 17, 2018, S. 1604–1610. doi:10.1056/NEJMoa1714322. PMID 29694819. Holm Schneider, Christine Schweikl, Florian Faschingbauer, Smail Hadj-Rabia, Pascal Schneider: A Causal Treatment for X-Linked Hypohidrotic Ectodermal Dysplasia: Long-Term Results of Short-Term Perinatal Ectodysplasin A1 Replacement In: International Journal of Molecular Sciences. Band 24, Nr. 8, Artikelnummer 7155, 2023, doi:10.3390/ijms24087155. PMID 37108325.

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