mini|Blick auf Horní Planá Horní Planá (deutsch Oberplan) ist eine Stadt im südböhmischen Okres Český Krumlov in Tschechien.

Geographie mini|Lipno-Stausee in Horní Planá Durch die Lage am nördlichen Ufer des Moldaustausees ist Horní Planá ein beliebter Ausflugsort. Jenseits des Stausees liegt im Süden die Ortschaft Přední Zvonková (Vorderglöckelberg). In einer Entfernung von etwa sieben Kilometern verläuft im Südwesten der Schwarzenberger Schwemmkanal und dahinter die Grenze zum österreichischen Mühlviertel.

Adalbert Stifter schildert die geografische Lage der gerodeten Landschaft und die „herumgestreuten Dörfer“ in seiner Erzählung Der beschriebene Tännling:

Nachbarorte sind Hodňov (Honetschlag) und Olšina (Langenbruck) im Nordosten, Mokrá (Mugrau), Hůrka (Stuben) und Černá v Pošumaví (Schwarzbach) im Osten sowie Pernek (Berneck) im Nordwesten. Nördlich der Stadt befindet sich der Truppenübungsplatz Boletice sowie der 1220 Meter hohe Špičak (Spitzberg).

Gemeindegliederung Die Gemeinde Horní Planá besteht aus den Ortsteilen Bližší Lhota, früher Přední Štifta (Vorderstift), Hodňov (Honetschlag), Horní Planá (Oberplan), Hory (Spitzenberg), Hůrka (Stuben), Olšina, früher Dlouhé Mosty (Langenbruck), Pernek (Berneck) und Žlábek (Rindles).Části obcí Územně identifikační registr ČR, abgerufen am 14. September 2018. Grundsiedlungseinheiten sind Bližší Lhota, Hodňov, Horní Planá, Hory, Hůrka, Maňava-Pihlov (Pichlern), Olšina, Pernek, Pestřice (Stögenwald), Přední Zvonková (Vorderglöckelberg), Stará Hůrka, U nádraží und Žlábek.Základní sídelní jednotky Územně identifikační registr ČR, abgerufen am 14. September 2018.

Außerdem gehören zu Horní Planá mehrere Einschichten, darunter Jasenka, Jenišov (Hossenreith), Karlovy Dvory (Karlshof), Olšov (Olschhof), Račín (Ratschin), Valtrov (Waltersgrün) und Zadní Hamr (Hinterhammer) sowie die Wüstung Zadní Zvonková (Hinterglöckelberg).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Horní Planá, Pernek, Pestřice und Zvonková (Glöckelberg).Katastrální území Územně identifikační registr ČR, abgerufen am 14. September 2018.

Nachbargemeinden

Geschichte mini|links|Ansicht um 1823 (Adalbert Stifter) Oberplan gehörte seit 1263 zum Zisterzienser-Kloster Goldenkron. 1349 verlieh der böhmische König Karl IV. Oberplan das Marktrecht. Während der Hussitenkriege, in denen das Klostergut säkularisiert wurde, gelangte Oberplan 1420 an Ulrich II. von Rosenberg und damit an die Herrschaft Krumau, mit der es bis zur Aufhebung der Patrimonialherrschaft 1848 verbunden blieb.

1568 erhielt Oberplan von Kaiser Maximilian II. ein eigenes Wappen. Es zeigt einen nach rechts gerichteten Bären, der auf einem gerodeten Hügel sitzt und in seinen Vordertatzen die Rose des Adelsgeschlechts der Rosenberger hält, eine Blume mit goldener Mitte und grünem Laub. Der Legende nach sollen die Rosenberger aus dem altrömischen Fürstengeschlecht der Orsini (orsa/Bärin) hervorgegangen sein.

mini|Stadtplatz (2009) mini|Pfarrkirche St. Margaretha Seit 1850 bildete Oberplan einen eigenen Gerichtsbezirk (Gerichtsbezirk Oberplan). Mit dem Eisenbahnanschluss, der Oberplan 1892 erreichte, folgte ein wirtschaftlicher Aufschwung.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Habsburgermonarchie im Vertrag von Saint-Germain aufgelöst. Oberplan (Horní Planá) kam zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Infolge des Münchner Abkommens wurde es 1938 mit dem Sudetenland an das Deutsche Reich abgetreten und gehörte bis 1945 zum Landkreis Krummau an der Moldau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung von Oberplan vertrieben, ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Durch die Vertreibung ging die Einwohnerzahl zunächst deutlich zurück.

Nach der politischen Wende von 1989 erfolgten Maßnahmen zum Ausbau der Infrastruktur, die vorwiegend den Besucherströmen in den Sommermonaten galt. Eine Ausweitung auf den Wintersport stößt auf den Widerspruch von Naturschützern.

Grafitabbau in Südböhmen In dem heute zu Oberplan zählenden Ort Stuben/Hůrka und den benachbarten Orten Schwarzbach/Černá v Pošumaví sowie Mugrau/Mokra wurde Grafit schon im 18. Jh. entdeckt, jedoch erst 1811 wurde mit dem Abbau begonnen. Grafit ist ein vielseitig verwendbares Mineral und wird häufig auch industriell genutzt.

Der Ort Stuben liegt südwestlich von Oberplan, die Mine befand sich etwas weiter südlich. Heute liegt der Ort am Ufer des Moldaustausees. Als gegen Ende des 19. Jh. die Bahnlinie von Budweis über Krummau nach Wallern gebaut wurde, wurde am Ort des Grafitabbaus ein Verladepunkt errichtet, und der Ort des Abbaus in Schwarzbach/Černá v Pošumaví mit einer Schmalspurbahn verbunden. Somit war eine Transportmöglichkeit auch an die Industriegebiete in Deutschland gegeben. So wurde Grafit aus Stuben sogar an die Fa. Krupp in Essen geliefert. Nach 1918 kam der Grafitbergbau in Südböhmen zum Erliegen.

Die Einwohnerzahl des Ortes Stuben betrug im Jahr 1910 1.025 Personen, die vorwiegend im Grafitwerk beschäftigt waren. 2005 zählte der Ort Hůrka noch 152 Bewohner.

Der Schriftsteller Hans Watzlik veröffentlichte 1927 eine Erzählung mit dem Titel „Das Glück von Dürrnstauden“, in der es vor allem um strittige Eigentumsverhältnisse bei den südböhmischen Grafitminen geht.Waldheimat 1. Jg. 1924, Nr. 5 Seite 68

Bevölkerungsentwicklung VolkszählungEinwohner gesamtNationalitätJahrDeutscheTschechenAndere1900182918254 (0,2 %)019301598156434 (2 %)019391612 - -19911924 - -

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Stifterhaus mini|Geburtshaus von Adalbert Stifter Im Geburtshaus des Schriftstellers Adalbert Stifter wurde 1960 auf Veranlassung der Staatlichen Denkmalpflege Prag eine Gedenkstätte errichtet, die vom Museum in Český Krumlov verwaltet wird. Die Gedenkräume im Stifterhaus wurden nach einem Entwurf des tschechischen Kulturhistorikers und Denkmalpflegers Hugo Rokyta vom Direktor des Krummauer Bezirksmuseums Jan Huleš ausgestattet. Dabei verwendete man unter anderem Originalmobiliar aus Stifterschem Besitz. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt Rokyta, der hauptsächliche Vermittler Stifters in der ČSSR, 1995 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Horní Planá/Oberplan.Hugo Rokyta, Bildmaterial An der Vorderseite des Geburtshauses befindet sich die älteste Gedenktafel Adalbert Stifters von 1868. Eine tschechische Gedenktafel vom 23. Oktober 1960 lautet übersetzt: „In diesem Hause wurde am 23. Oktober 1805 Adalbert Stifter geboren. Er war ein treuer Sohn des Böhmerwaldes, dessen Schönheit und Vergangenheit er in seinen Werken besungen hat.“ Die neu geordnete zweisprachig konzipierte Dauerausstellung Adalbert Stifter und seine Heimat vermittelt umfangreiche biografische Daten und zeigt zahlreiche Werkausgaben. Sie gibt Einblick in Stifters weitere Tätigkeiten als Maler, Zeichner, Hauslehrer, Konservator und Schulreformer.

St. Margaretha Die ursprünglich frühgotische Dekanatskirche St. Margaretha wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet und um 1700 barockisiert. Sie enthält in ihrem ältesten Teil figurale Renaissancemalereien aus dem 16. Jahrhundert. An der Außenmauer der Pfarrkirche befinden sich ein Epitaph für die Mutter Adalbert Stifters und eine weitere einfache Gedenktafel für seinen Lehrer und ersten Förderer, den Landlehrer Josef Jenne.

Adalbert-Stifter-Denkmal mini|hochkant|Stifterdenkmal auf dem Gutwasserberg von Karl Wilfert Im Jahr 1906 wurde dort das Denkmal Adalbert Stifters von Karl Wilfert dem Jüngeren aus Eger enthüllt. Der Dichter wird als nachdenklicher Wanderer dargestellt, mit einem Buch in der Rechten, den Wanderhut in der Linken. Die strenge Linienführung der hochgereckten Gestalt im lange herabfallenden Wandermantel und die Schriftgestaltung sind der Formensprache der Wiener Secession verpflichtet.Hugo Rokyta: Die Böhmischen Länder. Handbuch der Denkmäler und Gedenkstätten europäischer Kulturbeziehungen in den Böhmischen Ländern. Böhmen. Vitalis-Buchverlag, Prag 1997. ISBN 80-85938-23-5, Artikel Horni Planá, S. 90. Die Bronzetafel auf dem Steinquader zitiert eine Passage aus Stifters Hochwald: Da ruhen die breiten Waldes- rücken und steigen lieblich schwarzblau dämmernd; ab gegen den Silberblick der Moldau; Es wohnet unsäglich viel Liebes und Wehmütiges in diesem Anblicke.

Die Konzeption des Denkmals diente als Vorbild für nachfolgende Dichterbilder Stifters: „Sie setzen Stifter mit Buch und abstützenden Armen in eine böhmische Kompositionslandschaft mit allen Requisiten einer Kulisse (Berghintergrund, Bäume, Findlinge, dunkler Waldsee), vor der der Dichter sinnend und denkmalgleich verharrt“.Rolf Selbmann: Späte 'bunte Steine'. Die Denkmäler für Adalbert Stifter. In: Jahrbuch des Adalbert-Stifter-Instituts des Landes Oberösterreich, Bd. 3/1996. Hrsg. von Herwig Gottwald und Manfred Mittermayer, Linz 1996, S. 119. Von Park und Denkmal aus konnte man damals ungehindert auf die markanten Orte der Stifterschen Böhmerwaldlandschaft sehen, auf Oberplan, das Moldauherz, die Burgruine Wittinghausen, auf Hochficht, Plöckenstein und Dreisessel.

Gutwasserkapelle mini|Adalbert Stifter: Gutwasserkapelle (1845) Über dem Stifterdenkmal steht die spätbarocke Gutwasserkapelle von 1777 bis 1779, die der schmerzhaften Muttergottes zum guten Wasser geweiht ist (am 17. Oktober 1779 durch den Krumauer Prälaten Johann Franz Kfeller von Sachsengrün). Der Bau der Wallfahrtskirche ersetzte eine ältere Kapelle. Das gnadenreiche Wirken der Pietà bestimmt Stifters Novelle Der beschriebene Tännling, die Wallfahrtskapelle ist in seinem zeichnerischen Werk festgehaltenzum Beispiel: Die Gutwasserkapelle bei Oberplan, 1845, Bleistift auf Papier, Abbildung in: Franz Baumer: Adalbert Stifter – der Zeichner und Maler, Verlag Passavia, Passau 1979, S. 109..

Schwarzenberger Schwemmkanal Der Schwarzenberger Schwemmkanal, rund sieben Kilometer südwestlich von Horní Plana, verbindet die Moldau mit dem Stromsystem der Donau und diente der Holzschwemme.

Parks Der Adalbert-Stifter-Park erstreckt sich auf dem Gutwasserberg/Dobrá Voda oberhalb der Stadt. Das nach dem Zweiten Weltkrieg verwilderte Areal wurde anlässlich des Stifterjahres 2005 rekultiviert. Das Gesamtprojekt der Neugestaltung wird vor allem getragen durch den Verein für Wiederherstellung und Entwicklung des Stifterparks am Gutwasserberg/Spolek pro obnovu a rozvoj Stifterova parku na Dobrà Vodě.

Naturdenkmäler Horní Planá liegt im Nationalpark und Landschaftsschutzgebiet Šumava und zeichnet sich durch eine artenreiche Natur aus.

Sport Am Stadtplatz befindet sich ein Bowling-Restaurant mit drei Bahnen. Die befindet sich an der Straße nach Hodňov.

Regelmäßige Veranstaltungen Im Juli findet das dreitägige Margarethen-Volksfest statt. Im August wird das zweitägige Rock fest na letňáku veranstaltet.

Oberplan in der Literatur Neben der mehrfach erwähnten Erzählung Der beschriebene Tännling, ist Oberplan auch der Schauplatz von Stifters Erzählung Granit.

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Als Stadt im größten Erholungsgebiet von Südböhmen sind hier hauptsächlich Bewirtungs- und Beherbergungsbetriebe und Campingplätze vorherrschend.

Öffentliche Einrichtungen Gesundheitszentrum Kindergarten und Grundschule Seniorenheim VLS-Division Oberplan

Bildung Das Centrum Adalberta Stiftera/Adalbert-Stifter-Zentrum ist ein tschechisch-deutsch-österreichisches Studien-, Bildungs- und Begegnungszentrum. Die 1997 gegründete und beim Innenministerium in Prag registrierte Studien- und Bildungsinstitution befindet sich auf der Straße vom Stadtplatz zum Stausee Lipno. Jeden Herbst finden dort die „Oberplaner Gespräche“ (tschech. Hornoplánské rozpravy) statt, bei denen sich tschechische, deutsche und österreichische Politiker, Schriftsteller, Künstler, betroffene und interessierte Zeitzeugen treffen.

Verkehr Der Bahnhof Horní Planá liegt an der Bahnstrecke České Budějovice–Černý Kříž.