Wangerland ist eine Gemeinde im Landkreis Friesland in Niedersachsen. Die Gemeinde mit Einwohnern erstreckt sich auf einer Fläche von 176 Quadratkilometern und ist damit die flächenmäßig größte Gemeinde des Landkreises Friesland. Verwaltungssitz der Gemeinde ist Hohenkirchen.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde Wangerland liegt im Nordosten der ostfriesischen Halbinsel direkt an der Nordsee. Im Norden und im Osten der Gemeinde verläuft die 27 Kilometer lange Nordseeküste mit ihren Sielorten. Das vorgelagerte Watt gehört zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, das seit 2009 zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer gehört.
Gemeindegliederung mini|Blick über das Wangerland in Richtung Nordwesten; im Hintergrund die Insel Wangerooge und Schiffsverkehr im Fahrwasser der Außenjade Die Gemeinde Wangerland besteht aus den folgenden 17 Ortschaften, die nur im Zusammenhang mit der Einwohnerverwaltung eine Rolle spielen:Das Wangerland: Ortschaften
Altgarmssiel, Förrien, Friederikensiel, (Haddien), Hohenkirchen, Hooksiel, Horum, Horumersiel, Middoge, Minsen, Neugarmssiel, Oldorf, Schillig, Tettens, Waddewarden, Wiarden und Wiefels. Daneben gibt es weitere kleinere Orte mit erkennbarer Ortsstruktur und zum Teil eigener Kirche, deren Bewohner jeweils den oben genannten Ortschaften zugerechnet werden.
Die 12 Gemarkungen im Gemeindegebiet sind Pakens, St.-Joost, Wüppels, Wiarden, Minsen, Oldorf, Waddewarden, Westrum, Wiefels, Hohenkirchen, Tettens und Middoge. Im Jahr 1910 existierten diese zwölf Gemarkungen noch als selbständige Gemeinden im Amt Jever, Großherzogtum Oldenburg. Zum Amt Minsen gehörten Minsen, Oldorf, Pakens, Waddewarden, Wiarden sowie Wüppels, und zum Amt Tettens gehörten Tettens, Hohenkirchen, Middoge, St. Joost, Wiefels und Westrum.
Der Verwaltungssitz der Gemeinde ist in Hohenkirchen: Dort befindet sich das Rathaus mit der Gemeindeverwaltung.
Neben den Ortschaften listet das Ortsverzeichnis Niedersachsen 344 weitere Wohnplätze für die Gemeinde Wangerland auf.LGLN: Ortsverzeichnis Niedersachsen. (aktualisiert am 1. August 2024) Tabelle der Gemarkungen und Ortschaften mini|links|hochkant=2.5|Gemeinde Wangerland: Gebietsgliederung in 12 Gemarkungen(ehemals selbständige Gemeinden im Amt Jever, Großherzogtum Oldenburg)
Gmk.-schlüssel Gemarkung Fläche Flächenangaben gerundet https://geoindex.io/haBev.1910-12-01Bev.
Ergebnisse des Zensus 2011 zum Download - erweitert, Bevölkerung im 100 Meter-Gitter (Stichtag 9. Mai 2011, aggregiert nach Gemarkungen)2011-05-09OrtschaftenLage 030246 Middoge 1390,53 441 272 Middoge 030247 Tettens 2540,92 1257 993 Tettens, Neugarmssiel 030248 Hohenkirchen 3844,02 1627 2201 Hohenkirchen, Altgarmssiel, Friederikensiel 030249 Wiefels 933,6 312 404 Wiefels 030250 Westrum 367,8 100 87 030251 Waddewarden 1974,52 703 885 Waddewarden, (Haddien) 030252 Oldorf 781,57 306 265 Oldorf 030253 Minsen 1674,51 825 1003 Minsen, Förrien, Horum, Schillig 030254 Wiarden 1213,71 601 701 Wiarden, Horumersiel 030255 Wüppels 791,61 308 161 030301 St.-Joost 631,75 259 143 030302 Pakens 1462,86 645 2265 Hooksiel GemeindeWangerland 17607,40 7384 9380
Nachbargemeinden Aufgrund ihrer Lage an der Nordsee hat die Gemeinde Wangerland auf dem Festland nur im Westen und im Süden Nachbarn. Im Westen grenzt sie an die Stadt Wittmund, im Süden an die Stadt Jever, an die Stadt Schortens sowie an die Stadt Wilhelmshaven. Nördlich des Wangerlandes liegt die Insel Wangerooge, die eine eigene Gemeinde bildet.
Flächennutzung Die Gemeinde hat überwiegend ländlichen Charakter. Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 15.124 Hektar. Davon sind etwa ein Drittel Ackerland und zwei Drittel Grünland.
Gewässer Im Bereich der Gemeinde Wangerland gibt es zahlreiche Tiefs. Sie dienen vor allem zur Entwässerung des Binnenlandes. In früheren Zeiten wurden sie zudem als Verkehrswege genutzt, heute auch für die Freizeitsportarten Paddeln und Angeln. Folgende Tiefs sind zu nennen: Bübbenser Tief, Crildumer Tief, Hohenstief, Hooksieler Binnentief, Hooksieler Tief, Horumer Tief, Kopperburger Leide, Poggenburger Leide, Südliches Verbindungstief, Tettenser Tief, Wangertief und Wüppelser Tief.
Nördlich von Hohenkirchen liegt das Wangermeer, ein rund 100 Hektar großer künstlich angelegter Freizeitsee.
Geschichte mini|Zufluss des Hohenstiefs zum Wangertief am Schöpfwerk Wangerland Das Gau „Wanga“ wird bereits zu Zeiten Karls des Großen erwähnt, als dieser Willehad zum Bischof in dem Gau machte. Siedlungsfunde deuten auf kleinere Ansiedlungen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. hin. Das Wangerland war durch das Hooks Tief im Süden von Östringen und durch die Harlebucht im Westen von Harlingen getrennt. Zum Wangerland gehörten die Dörfer bzw. Kirchspiele Hohenkirchen, Oldorf, Pakens, Tettens, Middoge, Minsen, Waddewarden, Westrum, Wiarden, Wiefels, St. Joost, Wüppels und die Insel Wangerooge.
Im 13./14. Jahrhundert kam es zu einem immer engeren Zusammengehen von Wangerland, Östringen und Rüstringen. Aus dem Wangerland und Teilen Östringens und Rüstingens bildete sich schließlich die Herrschaft Jever.
Hooksiel war zu frühen Zeiten (1583–1870) Vorhafen der Stadt Jever. In Schillig waren bereits während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 (Napoleonschanze) Truppen stationiert. Während des Ersten Weltkriegs und Zweiten Weltkriegs waren in Schillig Teile der Marine stationiert. Zu diesen Zeiten gab es eine Bahnlinie nach Schillig, die jedoch ausschließlich der Marine und der Versorgung deren Küstenbefestigungen vorbehalten war. Auf Schiffen, die auf Schillig-Reede vor Anker lagen, begann in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1918 der Matrosenaufstand, der innerhalb weniger Tage zur Novemberrevolution und zum Sturz der Monarchie in Deutschland führte.
Im 19. Jahrhundert gab es im Wangerland zwei Ämter. Das Amt Tettens war zuständig für die Kirchspiele bzw. Ortschaften Hohenkirchen (bis 1845), Middoge, Tettens, Wangerooge und Wiefels, das Amt Minsen (Sitz Hooksiel) für Minsen, Oldorf, Pakens, Waddewarden, Westrum, Wiarden, Wüppels, St. Joost. Beide Ämter fielen 1858 an das Amt Jever (siehe auch Herrschaft Jever).
Durch das Gesetz, betreffend die Vereinfachung und Verbilligung der öffentlichen Verwaltung (Vereinfachungsgesetz) vom 27. April 1933 wurde aus den bisherigen Gemeinden Oldorf, Hohenkirchen, Middoge, Tettens, Wiefels und Westrum eine neue Großgemeinde gebildet, die die Bezeichnung Wangerland erhielt und 1933 4.215 Einwohner hatte.Abschnitt I, Kapitel 1, §§ 1, 2. Nr. 7 Vereinfachungsgesetz vom 27. April 1933 (Gesetzblatt für den Freistaat Oldenburg – Oldb.Ges.Bl. – S. 176 f.) 1948 wurde die Gemeinde Wangerland durch das Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948 aufgelöst. Es wurden die Gemeinden Hohenkirchen, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Hohenkirchen und Oldorf, Tettens, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Middoge, Tettens und Wiefels, und Waddewarden, bestehend aus den Bezirken der alten Gemeinden Waddewarden und Westrum, neu gebildet.§§ 4 und 5 Nrn. 8, 22 und 23 Gesetz über die Neubildung von Gemeinden im Niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 26. April 1948 (Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt – Nds. GVBl. – S. 50 f.)
Die heutige Gemeinde Wangerland besteht seit dem 1. Februar 1971. Die Gemeinde wurde im Zuge der Gebietsreform des Landes Niedersachsen aus den Gemeinden Hohenkirchen (Oldenburg), Minsen und Tettens als Einheitsgemeinde gebildet. Da diese Region nördlich von Jever seit Jahrhunderten als das Wangerland bezeichnet wurde, erhielt die Gemeinde diesen Namen. Am 1. Juli 1972 wurden Hooksiel und Waddewarden eingegliedert.
Um die regionale Identität zu pflegen, gründete sich 1990 die Geschichtswerkstatt Wangerland. Der Verein hat seither zahlreiche Chroniken publiziert.Geschichtswerkstatt Wangerland e. V., abgerufen am 8. September 2012.
Im Sommer 2025 meldete die Wangerland Touristik GmbH Insolvenz an. Sie gehört vollständig der Gemeinde. Die Gemeinde hatte versucht, durch den Bau eines Thalasso-Meeres-Spa in Horumersiel ihr touristisches Angebot aufzuwerten, um zahlungskräftigere Gäste zu gewinnen.https://www.t-online.de/leben/reisen/deutschland/id_101143720/campingplatz-schillig-nordsee-juwel-wird-von-gemeinde-verkauft.html Die Baukosten des Spa stiegen auf 23 Millionen Euro, fast das Dreifache des geplanten Betrages.ndr.de 25. Februar 2026: Wegen Insolvenz: Wangerland Touristik verkauft Campingplatz Schillig
Politik Rat mini|Rathaus der Gemeinde Wangerland in Hohenkirchen
Der Rat der Gemeinde Wangerland besteht aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9001 und 10.000.Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 1. November 2011; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 17. August 2024. Der Rat wird durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Mario Szlezak (Kandidat der SPD).
Die letzte Kommunalwahl am 12. September 2021 ergab das folgende Ergebnis:Gemeindewahl 12.09.2021 - Gemeinde Wangerland, abgerufen am 16. September 2021.
Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung Stimmen Veränderung Sitze SPD 34,57 % 8 -7,72 % −2 CDU 25,21 % 6 −10,07 % −2 WPW 22,19 % 5 +22,19 % +5 Bündnis 90/Die Grünen 9,14 % 2 -1,16 % −1 UWW 3,62 % 1 -2,94 % −1 FDP 3,20 % 1 -2,34 % 0 Freie Bürger 2,06 % 1 +2,06 % +1
Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2021 lag mit 56,46 % leicht unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 57,1 %. Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl vom 11. September 2016 lag die Wahlbeteiligung bei 54,15 Prozent.
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Wangerland ist Mario Szlezak (SPD). Bei der letzten Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 erreichte Szlezak 39,30 Prozent der Stimmen, seine Mitbewerber Bernd Abrahams (Parteilos) 25,93 Prozent, Peter Podein (Parteilos) 23,74 Prozent und Jens Damm (CDU) 17,64 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 56,58 Prozent. Daraufhin erfolgte am 26. September 2021 die Stichwahl zwischen den Bewerbern Szlezak und Abrahams. Bei der Stichwahl erreichte Szlezak insgesamt 50,76 Prozent und Abrahams 49,24 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,00 Prozent. Mario Szlezak trat sein Amt zum 1. November 2021 an.Gemeinde Wangerland – Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014, abgerufen am 22. Oktober 2014.
Vertreter in Land- und Bundestag mini|hochkant|Landtagsabgeordneter und Niedersächsischer Ministerpräsident Olaf Lies Bei den Wahlen zum Niedersächsischen Landtag gehört die Gemeinde Wangerland zum Landtagswahlkreis 70 Friesland, der den gesamten Landkreis Friesland umfasst. Das Direktmandat wurde im Januar 2013 durch Olaf Lies von der SPD gewonnen. Bei der Wahl vom 15. Oktober 2017 konnte er den Erfolg wiederholen. Bei der letzten Landtagswahl vom 9. Oktober 2022 konnte Lies das Direktmandat mit 48,96 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 59,54 % erneut verteidigen. Weiterhin werden Katharina Jensen (CDU) und Sina Beckmann (Grüne) den Landkreis im Landtag vertreten. Sie zogen über die jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien in das Parlament. Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Parlaments fand am 8. November 2022 statt. Die Wahlperiode endet im Herbst 2027.