Gambara ist eine weibliche literarische Figur aus der Stammsage (Origo gentis) des germanischen Volks der Langobarden. Nach der Origo Gentis Langobardorum und der Historia Langobardorum (I 3, 7, 8) des Paulus Diakonus wird Gambara als Mutter der mythischen dioskurischen Stammesanführer Ybor (Ibor) und Agio (Ajo) geschildert. In der Gesta Danorum (VII, 28) des Saxo Grammaticus erscheint Gambara in einer namentlichen Variante als Gambaruc und als Mutter von Aggo und Ebbo. Gambara rettet die Langobarden durch ihren Einsatz bei der Göttin Frea vor dem Angriff der den Wodan verehrenden Wandalen und erwirkte dadurch den Sieg ihrer Söhne.
Überlieferung Der langobardische Ursprung, noch unter dem Namen „Winniler“, erfolgte durch einen Losentscheid zur Bestimmung welcher Teil des Volkes aus dem skandinavisch-südschwedischen Stammland unter Führung von Ybor und Agio abwanderte. Diaconus gibt als Ursache den Topos einer durch Überbevölkerung entstehenden Zwangslage an (Historia Lang. I 1, 2).
Die Langobarden/Winniler unter der festsituierten Führung von Ybor und Agio und der mitwirkenden Gambara, gelangten im weiteren Erzählkontext in die Konfliktsituation mit den Wandalen. Bei der Verortung des Geschehens trennt sich die Überlieferung. In der Origo Lang ist die Situation in Schonen (Scadanan) angesiedelt, hingegen bei Diaconus, in der Historia, bei dem in der Forschung ungeklärten Ort Scoringa.
Gambara handelt nun umgehend und sucht göttliche Hilfe: Durch Gambaras Handeln und Wirken zur Umsetzung des göttlichen Rats, wurde nicht nur das Bestehen der Vinniler durch den Sieg gesichert, sondern auch die Identifikation gestiftet durch vom Geschehen abgeleiteten neuen Namen Langobarden. In der jüngsten Überlieferung der Historia aus dem 9. Jahrhundert, der sogenannten Historia Langobardorum Codicis Gothani wird Gambara (zu I, 3) als Seherin (Pythia, Sibylle) bezeichnet.
Name und Interpretation Zur Etymologie des Namens der Gambara werden in der Forschung unterschiedliche Thesen vertreten. Karl Hauck verband, Dag Strömbeck folgend, den Namen mit altnordisch gand-bera = Stabträgerin. Simek folgt Hauck mit Vorbehalt in der Etymologie. Wolfgang Haubrichs und andere stellen Gambara zu althochdeutsch gambar als Glosse zu lateinisch strennus = kraftvoll. Haubrichs hebt hervor, dass diese Form zuzüglich im Inventar langobardischer Toponyme (Ortsnamen) in Nord-Italien vorliegen.
Hauck interpretierte Gambara als Priesterin und irdische Repräsentantin der Frea und vermutet dadurch einen Bezug zu einer vormals wanischen der Vinniler. Simek stellt die etymologische Anbindung an gandbera, Stabträgerin als Funktionsnamen der Germanischen Seherinnen. Der Stab gilt als ein Attribut der Seherinnen wie bei der nordischen Völva aus der Eiríks saga rauða (Erikssaga). Rudolf Simek merkt jedoch vorbehaltlich an, dass von Gambara – außer Strömbecks und Haucks Etymologie und dem Texteinschub aus der Historia Langobardorum Codicis Gothani – keine Tätigkeiten als Seherin beschrieben sind.
Siehe auch Ganna (Seherin) Waluburg
Quellen Paulus Diaconus: Geschichte der Langobarden. Historia Langobardorum Herausgegeben und übersetzt von Wolfgang F. Schwarz. WBG, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22258-2 Origo gentis Langobardorum. In: Pauli historia Langobardorum I, 3ff. In: Historia Langobardorum codicis Gothani 1f. In:
Literatur Wolfgang Haubrichs: Amalgamierung und Identität. Langobardische Personennamen in Mythos und Herrschaft In: Walter Pohl, Peter Erhart (Hrsg.): Die Langobarden. Herrschaft und Identität. In: Forschungen zur Geschichte des Mittelalters. Band 9. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 978-3-7001-3400-8, S. 67–102. Jörg Jarnut: Gambara. In: Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 10. De Gruyter, Berlin/New York 1998, ISBN 3-11-015102-2, S. 406.
Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie (= Kröners Taschenausgabe. Band 368). 3., völlig überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X, S. 367–369. Norbert Wagner: Cambra. Beiträge zur Namenforschung 18 (1983), S. 71–73.
Kategorie:Literarische Figur Kategorie:Germanische Sagengestalt Kategorie:Germanische Mythologie Kategorie:Langobarden Kategorie:Prophet Kategorie:Weibliche Sagengestalt