Tschechowo (, ) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Nordosten des Rajon Bagrationowsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Bagrationowsk.

Geographische Lage mini|Uderwangen südöstlich von Königsberg i. Pr. und nördlich von Preußisch Eylau auf einer Landkarte von 1910. Der Ort liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 23 Kilometer südöstlich von Königsberg (Kaliningrad) (Königsberg) und 22 Kilometer nordöstlich von Preußisch Eylau (Bagrationowsk).

Durch den Nordbereich des Ortes fließt der Frisching (russisch: Prochladnaja) auf seinem Weg zum Frischen Haff unweit von Uschakowo (Brandenburg).

Geschichte Ältere Ortsbezeichnungen sind Auderwangk und Uderwange; die ursprüngliche Bedeutung des Ortsnamens Uderwangen ist ‚Otterwald‘.

UderwangenUderwangen im Informationszentrum Ostpreußen wurde im Jahre 1365 als Zinsdorf gegründet. Im Jahr 1785 wird Uderwangen als ein königliches Amt, Vorwerk und Dorf mit einer Kirche, einer Wassermühle, einer Windmühle und 58 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 195 (Google Books). Um 1831 hatte das Dorf Uderwangen (ohne das Vorwerk) 5569 Morgen Land, 27 landwirtschaftliche Betriebe, drei Krüge und 632 Einwohner; das ehemalige Domänen-Vorwerk Uderwangen, das 1823 in Erbpacht vergeben worden war, hatte über 783 Morgen Land und zwölf Einwohner.Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 585–586, Ziffer 1–2 (Google Books).

Am 7. Mai 1874 wurde der Ort Namensgeber für den neu errichteten Amtsbezirk UderwangenRolf Jehke, Amtsbezirk Uderwangen, der bis 1945 bestand und zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

In den Jahren 1885 und 1887 wurden Teile des Gutsbezirks Gauleden (Forst) in die Landgemeinde Uderwangen eingegliedert. 1910 zählte der Ort 1223 Einwohner.

Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinden Uderwangen und Unruh (russisch: Kertschenskoje) sowie die Gutsbezirke Eberswalde (Mochowoje) und Pilgrim (Soldatskoje) zur neuen Landgemeinde Uderwangen zusammen, die 1933 bereits 1321 und 1939 schon 1616 Einwohner zählte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Uderwangen zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen.

Der Ort erhielt 1947 nach dem russischen Schriftsteller Anton Pawlowitsch Tschechow den – mehrfach vorkommenden – Namen TschechowoDurch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad" vom 17. November 1947) Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Marijski selski Sowet eingeordnet. Seit 1950 war Tschechowo selber Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2016 gehörte Tschechowo zur Landgemeinde Gwardeiskoje selskoje posselenije und seither zum Stadtkreis Bagrationowsk.

Amtsbezirk Uderwangen (bis 1945) Uderwangen war zwischen 1874 und 1945 Amtsdorf und namensgebender Ort eines Amtsbezirks, zu dem sich anfangs vier Landgemeinden und drei Gutsbezirke zusammenschlossen und in den am 1. Januar 1945 noch sechs Gemeinden eingegliedert warenRolf Jehke, Amtsbezirk Uderwangen (wie oben): Name (bis 1946) Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Landgemeinden: Frisching Prochladnoje Trinkheim Wyssokoje Uderwangen Tschechowo Unruh Kertschenskoje 1928 in die Landgemeinde Uderwangen eingegliedert Gutsbezirke: Eberswalde Mochowoje 1928 in die Landgemeinde Uderwangen eingegliedert Liebenau NN.kein russischer Name bekannt 1928 in die Landgemeinde Frisching eingegliedert Pilgrim Soldatskoje 1928 in die Landgemeinde Uderwangen eingegliedert Im Jahre 1930 wurden die Orte Ackerau (russisch: Armeiskoje) aus dem Amtsbezirk Blankenau (Jerschowo) sowie Lewitten (Soldatskoje) aus dem Amtsbezirk Groß Lauth (Newskoje) und 1937 auch Thomsdorf (Solnetschnoje) aus dem Amtsbezirk Wittenberg (Niwenskoje) in den Amtsbezirk Uderwangen umgegliedert, der am 1. Januar 1945 aus den Gemeinden Ackerau (Armeiskoje), Frisching (Prochladnoje), Lewitten (Soldatskoje), Thomsdorf (Solnetschnoje), Trinkheim (Wyssokoje) und Uderwangen (Tschechowo) bestand.

Tschechowski selski Sowet/okrug 1950–1959 und 1966–2008 Der Dorfsowjet Tschechowski selski Sowet (ru. Чеховский сельский Совет) wurde am 7. Oktober 1950 als Nachfolger des Marijski selski Sowet eingerichtet. Er befand sich zunächst im Rajon Kaliningrad. Nach der Auflösung dieses Rajons im Jahr 1959 wurde der Dorfsowjet innerhalb des zu dieser Zeit bis an den Pregel reichenden Rajon Bagrationowsk in den Lugowskoi selski Sowet umgewandelt. Nachdem im Jahr 1965 der Rajon Gurjewsk (wieder) erweitert wurde, wurden innerhalb des Rajons Bagrationowsk der Südteil des Lugowskoi selski Sowet zusammen mit einigen Orten, die ursprünglich zum Tischinski selski Sowet und zwischenzeitlich zum Gwardeiski selski Sowet gehörten, am 26. Dezember 1966 erneut zu einem Dorfsowjet Tschechowski selski Sowet zusammengefasst. Nach dem Zerfall der Sowjetunion bestand die Verwaltungseinheit als Dorfbezirk Tschechowski selski okrug (ru. Чеховский сельский округ). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen acht Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Gwardeiskoje selskoje posselenije eingegliedert.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen Iljuschino (Ильюшино) Bönkeim und Johannisberg Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Tischinski. Kertschenskoje (Керченское) Unruh Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Marijski. Er wurde vor 1975 an den Ort Tschechowo angeschlossen. Marijskoje (Марийское) Weißenstein Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Marijski. Minino (Минино) Bögen und Skoden Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Tischinski. Nowosjolki (Новосёлки) Klein Waldeck Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Tischinski. Ossokino (Осокино) Groß Waldeck Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Tischinski. Prochladnoje (Прохладное) Frisching Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Marijski. Er wurde vor 1975 verlassen. Solnetschnoje (Солнечное) Thomsdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Marijski. Tischino (Тишино) Abschwangen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Tischinski. Tschechowo (Чехово) Uderwangen Verwaltungssitz Wyssokoje (Высокое) Trinkheim Der Ort wurde 1950 umbenannt und gehörte zunächst zum Dorfsowjet Marijski. Er wurde vor 1988 verlassen.

Von 1950 bis 1959 gehörte vermutlich auch der 1947 umbenannte Ort Partisanskoje (Schönmohr), der zunächst zum Marijski selski Sowet gehört hatte, zum Tschechowski selski Sowet. Später gelangte er dann in den Niwenski selski Sowet.

Kirche mini|Kirchturm der Dorfkirche Uderwangen um etwa 1895Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 174–175 (Google Books). miniatur|hochkant|Turmruine (2017)

Kirchengebäude Bei der Uderwangener Kirche handelt es sich um einen niedrigen verputzten Feldsteinbau, der zusammen mit dem Turmuntergeschoss im 14. Jahrhundert entstand. Der Anbau des Chores und der Sakristei erfolgte im 16. Jahrhundert, während das neogotische Turmobergeschoss mit dem Ackerfries erst 1876 aufgesetzt wurde.

Kriegsbedingt erlitt die Kirche 1914 und 1945 Schäden. Aber erst auf Veranlassung der örtlichen Kolchose wurde sie 1985 bewusst zerstört, um Baumaterial zu gewinnen.

Heute steht von dem ganzen Gebäude nur noch die Turmruine, die provisorisch vor dem Verfall gesichert wurde.

Kirchengemeinde Uderwangen war ein altes Kirchdorf und bestand als solches bereits in vorreformatorischer Zeit. Mit dem Einzug der Reformation blieb der Ort Pfarrdorf und gehörte lange zur Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers. Bis 1945 war es dann in den Kirchenkreis Preußisch Eylau (russisch: Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Zur Zeit der Sowjetunion kam das kirchliche Leben zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden, von denen die in Gwardeiskoje (Mühlhausen) Tschechowo am nächsten liegt. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) und gehört zur Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Uderwangen 16 Orte:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470Der * kennzeichnet einen Schulort

Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer Name * Ackerau Armeiskoje Liebenau NN.kein russischer Name bekannt Dichtenwalde Semjonowo Moddien Nekrassowo EberswaldeKreis Preußisch Eylau Mochowoje Pilgrim Soldatskoje * Frisching Kreis Preußisch Eylau Prochladnoje Schneiderwinkel NN. Groß Haferbeck Komarowo * Thomsdorf Solnetschnoje Haferbeck (Forst) NN. * Trinkheim Wyssokoje Kämmersbruch NN. * Uderwangen Tschechowo * Lewitten Soldatskoje Unruh Kertschenskoje

Pfarrer Von der Reformation bis zum Jahr 1945 amtierten in Uderwangen 25 evangelische GeistlicheFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 145: Johann Kostett, 1541/1545 Georg Kolbitz, ab 1545 Andreas Finkelthaus, bis 1566 Paul Wagner, 1577–1587 Johann Wilhelm Rohdius, bis 1621 Albrecht Wegner d. Ä., 1627 Albrecht Wegner d. J. Martin Frank, 1663–1667 Johann Pancratius, 1667–1710 Johann Wilhelm Pancratius, 1701–1710 Nicolaus Friedrich Pöpping, 1710–1724 Gottfried Thien, 1724–1739 Johann Jacob Wagner, 1739–1750 Johann Christoph Grube, 1750–1768 Christian Friedrich Becker, 1768–1787 Georg Ludwig Heroldt, 1797–1823 August Theodor Siemienowski, 1824–1834 Carl Heinrich Wilhelm Neumann, 1834–1843 Hans Carl Eduard Räbel, 1843–1853 Rudolf Ottomar Emil Kleist, 1853–1854 Carl Ludwig Bandisch, 1854–1891Bandisch (1810–1900) war Angehöriger des Corps Masovia, wirkte nebenamtlich als Kreis-SchulinspektorCentralblatt für die gesamte Unterrichts-Verwaltung in Preußen, No. 2 und 3, Berlin, 23. Februar 1880, S. 123 (Google Books). Karl Rudolf A. Hering, 1892–1915 Gottfried Wilhelm Steckel, 1915–1923 Bruno Wiebe, 1924–1929 Hans Buttgereit, 1930–1945

Verkehr Durch die Ortschaft verläuft die russische Fernstraße 27A-083 (ehemalige russische A 196 bzw. deutsche Reichsstraße 131), die von Kaliningrad bis nach Krylowo (Nordenburg) verläuft und vor 1945 weiter bis nach Arys (heute polnisch: Orzysz) führte. In Tschechowo endet eine von Gwardeiskoje (Mühlhausen) (an der Fernstraße 27A-017 (ehemalige russische A 195 bzw. Reichsstraße 128) gelegen) über Tambowskoje (Vierzighuben und Karlshof) und Soldatskoje (Lewitten und Pilgrim) kommende Nebenstraße.

Bis 1945 war Uderwangen Bahnstation an der Bahnlinie von Königsberg (Kaliningrad) nach Angerburg (Węgorzewo), die aber nicht mehr in Betrieb ist.

Literatur Uderwangen, Dorf, rechts des Frisching, Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Uderwangen (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 174–175 (Google Books).