mini|320px|Wetterau und Büdinger Waldt in der Topographia Hassiae et regionum vicinarum von Matthäus Merian

Der Büdinger Wald ist eine Waldlandschaft und ein Naturraum am rechten Rand des mittleren Kinzigtales in Hessen. Unterbrochen von Straßen oder Flüssen schließen sich im Norden, Osten und Süden (Spessart) weitere ausgedehnte Wälder an. Der nordwestliche kleinere Teil gehört politisch zum Wetteraukreis, der größere südöstliche zum Main-Kinzig-Kreis; historisch-politisch gehörte das Gebiet zur Wetterau.

Anders als der Name vermuten lässt, hat der Büdinger Wald nie zur Stadt Büdingen gehört. Vielmehr geht der Name auf die Isenburg-Büdinger Grafen zurück. Historisch war er als Reichswald ein Zubehör der königlichen Pfalz Gelnhausen. Schon im Mittelalter ging er als Reichslehen an die Burggrafen von Gelnhausen und spätestens zwischen 1461 und 1511 an Ludwig II., Graf von Ysenburg, Herr von Büdingen und Birstein. Nach über 300 Jahren unter der Verwaltung der Büdinger Grafen ist er durch Allodifizierung (1812, die Echtheit der Allodifizierungsurkunde ist allerdings umstritten) tatsächlich in das Eigentum der Grafen zu Ysenburg und Büdingen bzw. ihrer Speziallinien (Nebenlinien) gelangt. Diese Eigentumsverhältnisse änderten sich erst 2006 grundlegend, als nach einem Konkurs der Isenburg-Büdinger Forstbetriebe die Forstgesellschaft Constantia Forst GmbH neuer Eigentümer des Waldes wurde.

Die Büdinger Grafen (seit 1725 drei Speziallinien: in Büdingen, in Meerholz und in Wächtersbach) waren zur Zeit des Heiligen Römischen Reiches Mitglieder im Wetterauer Grafenverein, nach dessen Auflösung nach 1803 im 19. Jahrhundert zwischen 1806 und 1813 Standesherren im Fürstentum Isenburg und ab 1816 in den beiden Staaten des Deutschen Bundes unter den Großherzögen von Hessen-Darmstadt und den Kurfürsten von Hessen-Kassel (nach der Vereinigung – Annexion – Kurhessens mit Preußen, ab 1868 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau) und den preußischen Königen.

Nach der Staatsumwälzung 1918/19 infolge der Novemberrevolution, verblieb der nordwestliche Teil im Kreis Büdingen (Provinz Oberhessen des Volksstaates Hessen), der südöstliche Teil bis 1944 im Kreis Gelnhausen (Provinz Hessen-Nassau des Freistaates Preußen) und gehörte nach der Auflösung dieser Provinz ab 1. Juli 1944 zur preußischen Provinz Nassau (Anpassung an die Struktur der Reichsverteidigungsbezirke); die Kreiszugehörigkeit änderte sich auch nach der Bildung von Groß-Hessen am 18. September 1945 und Hessen (1946) als neuem Staat in der US-Besatzungszone nicht (das Besatzungsstatut endete erst am 5. Mai 1955). Die Kreiszugehörigkeit blieb bis zur Gemeindegebietsreform 1972/74 unverändert, dabei ging dann der Kreis Büdingen im Wetteraukreis und der Kreis Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis auf.

Grenzen Die Grenzen des naturräumlichen Büdinger Waldes sind von denen des historischen Reichswaldes verschieden:

Naturräumlich bezeichnet der Büdinger Wald das Gebiet südlich vom durchgängigen Basaltschild des Vogelsbergs bis zum Tal der Kinzig zwischen Steinau (Osten) und Gelnhausen (Süden) und über die namengebende Stadt Büdingen vorspringend nach Nordwesten bis in die Gegend von Stockheim und Glauburg. Obgleich orographisch die Vogelsberg-Südabdachung, stellt der Büdinger Wald (nördlich der Kinzig) geologisch eine nordwestliche Fortsetzung des sich südöstlich anschließenden Sandsteinspessarts dar.

Davon weicht die historisch als Büdinger Wald bezeichnete Landschaft etwas ab und reicht insbesondere im Nordwesten und Osten nicht ganz so weit, ist allerdings im Zentralteil etwas umfangreicher. Sie umfasst das Gebiet in den Grenzen des früheren Reichslehens (Wald des Reiches) unter den Grafen (nach dem Untergang des alten deutschen Reiches als Standesherren in Büdingen 1840 und in Wächtersbach 1865 Fürsten) von Ysenburg und Büdingen zwischen den Städten Büdingen, Wächtersbach und Gelnhausen. Dessen Grenzen sind im Wesentlichen historisch bestimmt durch das Grenzweistum von 1377.Landscheidung um Wald und Freiheit des Büdinger Waldes. Vom 25. März 1377. In: Friedrich Battenberg: Isenburger Urkunden, Regesten zu Urkundenbeständen und Kopiaren der fürstlichen Archive in Birstein und Büdingen, 947-1500. Bd. 1, Darmstadt/Marburg 1976 (Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt, 7, 1), Nr. 823Heinrich Reimer: Hessisches Urkundenbuch. Band 4, Leipzig 1897, Nr. 50.Gustav Simon: Die Geschichte des reichsständischen Hauses Ysenburg und Büdingen Dritter Band: Das Ysenburg und Büdingen’sche Urkundenbuch, Nr. CXCIII., Heinr. Ludw. Brönner’s Verlag, Frankfurt a. M.: S. 200, Digitalisat Es sind Wasserläufe: Im Norden der heute durch die Stadt Büdingen fließende Seemenbach (im Mittelalter war er die Südgrenze der Stadt), im Osten die Bracht (Gemeinde Brachttal und Stadt Wächtersbach), im Süden die Kinzig; die Westgrenze ist nicht genau bezeichnet, verläuft aber fast an der Bundesstraße 457 nördlich von Gründau-Lieblos nach Büdingen.

Die administrative Ein- und Zuteilung der unterschiedlichen Teile des Waldes war früher (bis ins 20. Jh.) zum kleineren Teil den in und um ihm liegenden Dörfern als Gemeindegemarkung, zum größeren Teil den verschiedenen Gutsbezirken (die herrschaftlichen [Guts-]Höfe und die Waldgrundstücke waren gemeindefreie Gebiete) zugeteilt. Der größte Teil der Gutsbezirke ist im 20. Jh. aufgelöst und in die Gemeindegemarkungen eingegliedert wordenz. B. die Waldgrundstücke der in der Nähe der Stadt Büdingen liegenden Waldgemarkungen: § 4 des Gesetzes über die Eingemeindung gemeindefreier Grundstücke im Regierungsbezirk Darmstadt vom 4. Juli 1966, Inkrafttreten am 1. Januar 1967.

Geographie Naturraum Naturräumlich wird der Büdinger Wald als eine von sechs Haupteinheiten (Kennziffer 143) der Gruppe Odenwald, Spessart und Südrhön (14) eingestuft.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen / Bad Godesberg 1953–1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960). Der 201,68 km² große Naturraum bildet ein recht einheitliches Gefüge und wird – als eine von bundesweit nur ganz wenigen Haupteinheiten – nicht weiter in Untereinheiten gegliedert.Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952–1994. → Online-Karten Blatt 139: Frankfurt a. M. (Brigitte Schwenzer 1967; 35 S.) Blatt 140: Schweinfurt (Brigitte Schwenzer 1968; 43 S.)

Geologie Innerhalb des Südwestdeutschen Schichtstufenlandes (Großlandschaft 2. Ordnung) repräsentiert der Büdinger Wald – wie der Großteil der Odenwald-Spessart-Gruppe – die Schichtstufe des Buntsandsteins. Lediglich an seinem Stufenrand treten Zechsteinablagerungen zutage. Die Oberrotliegend-Stufe des sich westlich anschließenden Ronneburger Hügellandes überragt er um rund hundert Meter.

Der Basaltsteinbruch Breitenborn in Breitenborn A. W. (ab 1972 Ortsteil von Gründau) war mit 143 Hektar der größte in den alten Bundesländern. Inzwischen werden Teile nicht mehr genutzt und vor der Renaturierung verfüllt.

Das Gebiet ist im Süden reich an Sandsteinbrüchen. Augenfällig sind die Brüche von Gründau-Lieblos über Gelnhausen bis nach Wächtersbach, die man sowohl von der Bahnstrecke Frankfurt–Göttingen wie von der Bundesautobahn 66 aus gut sehen kann. Auch im Inneren des Waldes wurde früher Sandstein und in Gettenbach (Eichelkopf) und Breitenborn Basalt gebrochen.

Geologisch wird der kleinere nördliche Teil dem Vogelsberg zugeordnet (Basalt), der größere südliche dem Spessart (Sandstein).

Landschaft mini|Schloss Büdingen vor dem Büdinger Wald

Als Südabdachung des einige hundert Meter höheren Vogelsbergs ist der Büdinger Wald kein eigenständiges Gebirge; er überragt aber Kinzig und Ronneburger Hügelland deutlich. Parallel zum Stufenrand verläuft die sehr junge Hebungsachse des Büdinger Waldes. Sie steigt von 320 m im Westen bis auf 380 m. Westlich von Wächtersbach liegen die größten Höhen um 420 m, während die Hochfläche im östlich gelegenen Brachttal wieder um etwa 50 m abfällt.Zahlen nach Armin Gerstenhauer: 143. Büdinger Wald. In: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands nach Großregionen. S. 235f. Die östlichen Höhenlagen werden von Flutbasalten bedeckt, die entweder isolierte Lappen sind oder zungenförmig vom Vogelsberg übergreifen. Auf diesen magmatischen Gesteinen sind vorwiegend mittel- bis flachgründige, steinige Böden entstanden, die eine sandig-grusige bis tonige Beschaffenheit aufweisen. Den größeren Teil des Büdinger Waldes nimmt aber die Sandsteintafel der Hochfläche ein, die das Ausgangsgestein für die dortigen mittel- bis tiefgründigen lehmigen und anlehmigen Sande bildet. In den Talgründen liegen Auelehme.

Die vom Vogelsberg kommenden, tief eingeschnittenen Flüsse und Bäche (siehe Liste unten) gliedern den bewaldeten Buntsandstein in verschiedene Riedel. Die höchsten Erhebungen liegen dabei im Abschnitt zwischen der Gründau und der Bracht, welcher nach Süden bis zum Kinzigtal reicht (Hammelsberg 415,6 m, Vier Fichten 406,2 m). Ganz allgemein liegt das Kerngebiet zwischen Seemenbach (Nordwest), Kinzig (Süd) und Bracht (Nordost) bzw. zwischen Büdingen (Nordwest), Gelnhausen (Süd), Wächtersbach (Südost) und Wittgenborn (Nordost). Von dieser 11 bis 12 km Durchmesser einnehmenden Basis ausgehend, zieht sich ein 4 bis 5 km breiter Streifen senkrecht zu den Tälern nach Nord(nord)westen und ein sich verjüngender Streifen am rechten Kinzigufer entlang nach Nordosten, von welchem sich am Brachttal ein etwas breiterer Buntsandsteinsaum beiderseits des Ufers nach Norden zieht. Aufgrund dieser auffälligen Form kann der Naturraum auch auf Luftbildern leicht identifiziert werden, da er im Westen und Norden an nur inselhaft bewaldete Gebiete stößt und auch das Kinzigtal im Südosten einen schmalen Saum breit unbewaldet ist.

Das die Landschaft prägende, zusammenhängende Waldgebiet des Büdinger Waldes hat heute eine Fläche von 8500 Hektar, die auf den Gemeindegebieten von Ortenberg (Norden), Kefenrod (kleinere Anteile im östlichen Norden), Büdingen (Zentrum), Gründau (südwestlich des Zentrums), Gelnhausen (Süden), Wächtersbach (Osten), Brachttal (nördlich davon), Bad Soden-Salmünster (Nordosten) und Steinau an der Straße (äußerster Nordosten) liegen. Der Wald setzt sich (2010) aus den Baumarten Buche (34 %), Fichte (29 %), Douglasie (11 %), Lärche (9 %), Eiche (6 %), Buntlaubhölzer (3 %) und sonstigem Laubholz (8 %) zusammen. Die von der Constantia Forst GmbH bewirtschaftete Fläche von ca. 9250 ha (gesamt) umfasst neben der Waldfläche auch noch 300 ha Wiesen, 125 ha Steinbrüche, 35 ha Ackerflächen, 25 ha Wasserfläche, es gibt darin 500 km befestigte Waldwege und acht Waldhütten.

Geschichte Reichswald