Die Pesa Link (Projektname DMU 120) sind Dieseltriebwagen des polnischen Herstellers Pesa. Das Konzept der Triebwagen ist modular ausgelegt, sodass Pesa die Größe und Ausstattung der Fahrzeuge in weiten Teilen an die jeweiligen Anforderungen der Auftraggeber anpassen kann. Es werden ein- bis vierteilige Triebzüge angeboten.
Fahrzeugkonzept mini|links|Drehgestell eines einteiligen Link
Antrieb Die verschiedenen Varianten der Pesa Link können nach Kundenwunsch bzw. entsprechend den Erfordernissen der Fahrpläne motorisiert werden. In den bisher ausgelieferten Varianten erfolgt der Antrieb über Powerpacks des Herstellers MTU Friedrichshafen, in denen neben dem Antriebsaggregat mechanische Getriebe vom Typ ZF EcoLife vorhanden sind. Die einteilige Variante wird mit einer Leistung von 565 kW beworben, während in den zweiteiligen Versionen zwei Motoren mit einer Leistung von jeweils 390 kW (zweiteilig) verbaut wurden. In der dreiteiligen Variante werden Motoren mit 565 kW bzw. 625 kW eingebaut. Sämtliche Motoren erfüllen die Stage-IIIb-Abgasnorm und beschleunigen die Triebwagen je nach Konfiguration auf bis zu 160 km/h. Ein Motor treibt jeweils beide Achsen eines Drehgestells an. Bei mehrteiligen Fahrzeugen werden lediglich die Drehgestelle an den Fahrzeugenden angetrieben; zwischen den Wagenteilen befinden sich Jakobsdrehgestelle als Laufdrehgestelle.
Die Pesa Link erhalten eine Vielfachsteuerung für Mehrfachtraktionen bis zu drei Fahrzeugen.
mini|links|Innenraum eines Pesa Link in der tschechischen Version
Innenraum
Der Innenraum der Pesa Link ist im Mittelteil in Niederflurbauweise ausgeführt, während die Fahrgastbereiche an den Fahrzeugenden über den Triebdrehgestellen hochflurig ausgelegt sind. Die Bodenhöhe des Niederflurbereiches kann variabel an die Bahnsteighöhen in den entsprechenden Verkehrsnetzen angepasst werden. Bestellt wurden bereits Varianten mit Bodenhöhen von 600 mm und 800 mm über Schienenoberkante. Auch die Innenraumgestaltung kann in weiten Teilen an die Anforderungen der Verkehrsunternehmen angepasst werden. Jedes Fahrzeug verfügt über ein Mehrzweckabteil, Rollstuhlrampen für Bahnsteige von geringerer Höhe und eine behindertengerechte Toilette. Die Fahrzeuge sind auch mit Außenlautsprechern ausrüstbar, sodass für Blinde das Fahrtziel mit Zwischenhalten angesagt werden kann. Je nach Ausstattungsvariante und -länge verfügen Pesa Link über unterschiedliche Zahlen von Sitz- und Stehplätzen.
Varianten Pesa Link werden als ein- bis vierteilige Triebzüge angeboten. Folgende Konfigurationen wurden bisher verkauft oder hergestellt:
Variante Baureihe(Betreiber) AnzahlWagen Länge InstallierteLeistung Link I 631 (DB) 1 28,65 m 1 × 565 kW Link II 632 (DB)844 (ČD) 600 (Regentalbahn)SA139 (Woiwodschaft Westpommern, Woiwodschaft Lebus)(Niederbarnimer Eisenbahn) 2 43,73 m 2 × 390 kW Link III 633 (DB) 3 57,13 m 2 × 565 kW, 2 × 625 kW
Bestellungen
Übersicht Land Auftraggeber Einsatzgebiet Bestelltermin GeplanterEinsatzbeginn TatsächlicherEinsatzbeginn Link I Link II Link III GesamtČeské dráhy März 2011 Ende 2012 Ende 2012 31 31 ab 2021 106 106 Regentalbahn Regionalzugnetz Ostbayern Dezember 2011 Dezember 2014 Vertrag gekündigt 12 12 Deutsche Bahn Vorabfahrzeuge 2012 1 1 2 Deutsche Bahn Sauerland-Netz 2013 Dezember 2016 5. August 2018WDR, Lokalzeit Südwestfalen, Nachgebesserte Problem-Züge im Test, 26. Juli 2018 20 16+1https://hochsauerlandkreis.ratsinfomanagement.net/sdnetrim/UGhVM0hpd2NXNFdFcExjZRdJrtkplgbhWg51tRI474oS456xbctSA40LdhaOBl3v/Praesentation_NWL.pdf 37 Deutsche Bahn Dreieichbahn 2013 Juni 2016 2. Februar 2019 2+1 7 10 Deutsche Bahn Dieselnetz Allgäu 2014 Dezember 2017Ende 2020 26 26 Niederbarnimer Eisenbahn Netz Ostbrandenburg 2013 Dezember 2015Juni 2016 und Januar 2019 7 + 4 2 11Woiwodschaft LebusApril 201344Woiwodschaft LebusNovember 201722Woiwodschaft WestpommernStettin – Kołobrzeg201222Polregio2017–2018 20211111 Koleje Wielkopolskie März 2018 4 4Railway Gazette, 31. März 2018: World rolling stock market March 2018Gesamtanzahl119450245
České dráhy mini|ČD-Baureihe 844 mini|Die ČD-Baureihe 847 hat eine überarbeitete Front. Erstauftrag
Das tschechische Eisenbahnverkehrsunternehmen České dráhy (ČD) bestellte am 17. März 2011 insgesamt 31 Einheiten des Link II für 1,99 Mrd. Kč (ca. 79,6 Mio €). Vertraglich vereinbart wurde eine Auslieferung der Fahrzeuge zwischen September 2012 und Januar 2014. Von 2012 bis 2013 fanden Versuchsfahrten auf dem Eisenbahnversuchsring Velim statt; dort wurde auch die Zulassung für das tschechische Streckennetz abgeschlossen.References. Website des Forschungsinstituts der Eisenbahn (englisch), abgerufen am 15. Februar 2015. Die Fahrzeuge werden im Nahverkehr der Regionen Plzeňský kraj, Karlovarský kraj, Ústecký kraj und Zlínský kraj eingesetzt.
Weiterentwickelte Serie
Im Jahr 2021 schloss die ČD einen Rahmenvertrag über maximal 160 Zweiteiler ab. Stand 2023 wurden davon 106 Fahrzeuge abgerufen. Die Züge besitzen eine andere Frontgestaltung als die älteren Serien und werden von der ČD als RegioFox bezeichnet.
Regentalbahn mini|Link II für die Oberpfalzbahn Die Regentalbahn bestellte im Dezember 2011 für das Regionalzugnetz Ostbayern zwölf Link-II-Fahrzeuge. Diese sollten von Juli bis September 2014 geliefert werden und ab Dezember 2014 auf der Strecke Regensburg–Marktredwitz–Schirnding eingesetzt werden. Dieser am 20. Dezember 2011 unterzeichnete Auftrag hatte einen Bestellwert von 31,2 Mio. Euro. Die Züge mit 124 Sitzplätzen sollten im gelb-grünen Design der Oberpfalzbahn verkehren. Unterhalten werden sollten die Züge in der Werkstätte der Regentalbahn in Schwandorf. Der geplante Inbetriebnahmetermin konnte wegen noch nicht erteilter Zulassung nicht eingehalten werden.eurailpress.de, 8. Dezember 2014: Meldung über Ersatzfahrzeuge. Abgerufen am 25. Februar 2015Meldung der Frankenpost vom 9. Februar 2015. Abgerufen am 25. Februar 2015Antwort des bay. Verkehrsministeriums auf eine Anfrage des MdL Jürgen Mistol in Drucksache 17/4728 (PDF; 921 kB) S. 8. Abgerufen am 25. Februar 2015. Als Ersatz wurden nun LINT 41 bestellt und der Vertrag mit Pesa von der Oberpfalzbahn Mitte Februar 2015 gekündigt. Die weitere Verwendung der Fahrzeuge war 2015 offen,Oberpfalznetz.de, 26. Februar 2015: drei von ihnen fuhren seit 2017 mit an die Region angepasster Innenausstattung in der Woiwodschaft Westpommern.Railway Gazette, 28. Oktober 2017: World rolling stock market – October 2017
Woiwodschaft Westpommern
Im Jahr 2012 bestellte die Woiwodschaft Westpommern die ersten beiden Fahrzeuge für einen polnischen Kunden.Railway Gazette, 1. Juli 2012: World rolling stock market July 2012
Im November 2021 wurden die beiden Fahrzeuge an Polregio verkauft.
Deutsche Bahn mini|Dreiteiliger Pesa Link (Baureihe 633) für die Deutsche Bahn im Pesa-Werk in Bydgoszcz Auf der InnoTrans 2012 unterzeichneten die Deutsche Bahn und Pesa einen Rahmenvertrag über bis zu 470 Pesa Link, deren möglicher Bestellwert sich auf 1,2 Mrd. Euro belief. Der Vertrag ist Ende 2018 ausgelaufen, wobei es nur zum Abruf von 73 Triebzügen kam. Er umfasste ein-, zwei- und dreiteilige Regionalverkehrstriebwagen zum Einsatz bei DB Regio. DB Regio rief aus dem Vertrag Triebzüge für die gewonnenen Vergabenetze „Sauerland-Netz“, „Dreieichbahn“ und „Dieselnetz Allgäu“ ab. Nachdem Ende 2014 Zulassungsprobleme beim Konkurrenten Regentalbahn bekannt wurden, rief die Deutsche Bahn keine Fahrzeuge mehr aus dem Rahmenvertrag ab und bestellte für gewonnene Ausschreibungen nur noch Dieseltriebzüge des Konkurrenten Alstom.
Im Jahr 2012 hatte die Deutsche Bahn AG zwei Vorabfahrzeuge zur Erprobung bestellt.Eurailpress.de, 12. März 2013. DB: Zwei Pesa-Link vorab bestellt Damit sollte die Zulassung der Varianten Link I und Link III in Deutschland bis Oktober 2015 erreicht werden. Die Zulassung der Variante Link II sollte im Rahmen des Auftrages der Oberpfalzbahn erfolgen. Auf der InnoTrans 2014 wurde von der Deutschen Bahn und Pesa erstmals ein Fahrzeug der Variante Link I (Baureihe 631) vorgestellt.Presseinformation Deutsche Bahn, 24. September 2014:
Sauerland-Netz Am 5. September 2013 gab der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) bekannt, dass die DB das Sauerland-Netz (beide Lose) gewonnen hat und auf diesen Strecken mit 20 zwei- und 16 dreiteiligen Triebzügen (Baureihe 632 bzw. Baureihe 633) des Typs Pesa Link verkehren wird. Die Fahrzeuge wurden mit einer Einstiegshöhe von 760 mm über Schienenoberkante bestellt, um an den entsprechend modernisierten Stationen im Sauerland-Netz einen niveaugleichen Übergang von Bahnsteig zu Fahrzeug zu gewährleisten. Die Fahrzeuge sind überdies mit einem Fahrkartenautomaten und Steckdosen für die Fahrgäste ausgestattet. In den Fahrzeugen sind Monitore installiert, auf denen sich der weitere Fahrtverlauf nachvollziehen lässt.
Schon durch die misslungene Betriebsaufnahme bei der Regentalbahn im Dezember 2014 war bekannt, dass die Fahrzeuge das deutsche Lichtraumprofil um wenige Millimeter überschritten, sodass eine Zulassung erst nach einer entsprechenden Umkonstruktion erfolgen kann. Nach der Zulassung und Auslieferung der zweiteiligen Fahrzeuge für die Niederbarnimer Eisenbahn im Juni 2016 sollten auch an DB Regio zwei zweiteilige Triebzüge für das Netz Dreieich ausgeliefert werden. Die Fahrzeuge wurden seitens DB Regio allerdings nicht abgenommen, da sie nicht die technischen Anforderungen hinsichtlich der Masse und des Antriebes erfüllten. Seitdem nimmt Pesa erneut eine Umkonstruktion an dem Fahrzeugmodell vor. WDR, 11. Juli 2017 Eine im Verkehrsvertrag des Sauerland-Netzes vorgesehene frühzeitige Kündigungsmöglichkeit bei Nichtproduktion von 75 Prozent der Fahrzeuge bis zum 31. Januar 2018 wurde seitens des Zweckverbandes Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) nicht wahrgenommen. Die Verantwortlichen halten das Ersatzkonzept bis zur Fahrzeuglieferung für die bessere Alternative.Sauerlandnetz – Berichterstattung zum aktuellen Sachstand Vorbereitung der Sondersitzung der Zweckverbände Schienenpersonennahverkehr NWL und ZRL am 26. Mai 2017 Hochsauerlandkreis, Ausschuss für Wirtschaft, Struktur und Tourismus, 23. Mai 2017 mini|Halt eines Pesa-Link-Zuges der Deutschen Bahn am Bahnhof Winterberg (Westf)