Der Landkreis Bergstraße ist eine Gebietskörperschaft mit Einwohnern () im hessischen Regierungsbezirk Darmstadt. Der Landkreis liegt im äußersten Südwesten des Landes und besteht aus zehn Städten, zwölf Gemeinden und dem gemeindefreien Gebiet Michelbuch. Der Landkreis Bergstraße gehört zu den länderübergreifenden Metropolregionen Frankfurt/Rhein-Main und Rhein-Neckar. Daneben ist die Bezeichnung Kreis Bergstraße entsprechend der Eigenbezeichnung der Kreisverwaltung allgemein üblich.

Geographie Geographische Lage Ein Teil des Landkreises liegt im Odenwald, der andere befindet sich in der Oberrheinischen Tiefebene und gehört zum Teil zum Hessischen Ried. Die beiden Städte Hirschhorn und Neckarsteinach im Neckartal sowie die Gemarkung Michelbuch bilden eine Exklave, die auf direktem Wege nur über den Odenwaldkreis oder den zu Baden-Württemberg gehörenden Rhein-Neckar-Kreis zu erreichen ist und keine direkte Verbindung zum Kreisgebiet hat.

Namensgebend ist die Bergstraße, eine touristische Route, die von Darmstadt nach Süden bis nach Wiesloch in Baden-Württemberg führt. Der nördliche Teil dieser Strecke führt durch den Landkreis Bergstraße.

Die höchsten Erhebungen im Landkreis sind die Neunkircher Höhe (), der Hardberg () und die Tromm ().

Nachbarkreise Der Landkreis grenzt, im Nordwesten beginnend im Uhrzeigersinn, an die Landkreise Groß-Gerau, Darmstadt-Dieburg und Odenwaldkreis (alle in Hessen), an den Rhein-Neckar-Kreis und an den Stadtkreis Mannheim (beide in Baden-Württemberg). Im Westen bildet der Rhein die natürliche Grenze zu Rheinland-Pfalz. Hier grenzt der Kreis mit einem kurzen Stück an den Rhein-Pfalz-Kreis, an die kreisfreie Stadt Worms und an den Landkreis Alzey-Worms.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2021.

Natur und Schutzgebiete Der Landkreis erstreckt sich von der Rheinebene über die Bergstraße bis weit in den Vorderen Odenwald und vom Melibokusmassiv bis zum Neckartal, über Höhenlagen von 88 m am Rheinufer bis über 600 m auf der Neunkircher Höhe. Dieses vielgestaltige Areal enthält zahlreiche seltene Lebensraumtypen mit reichhaltiger Fauna und Flora wie beispielsweise Flussauen, Sandtrockenrasen, Buchenwaldgesellschaften, Blockhalden und Niedermoore.

Zum Schutz dieser Biotope sind 31 Naturschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von rund 1.900 Hektar und vier Landschaftsschutzgebiete ausgewiesen. Außerdem gibt es 34 Natura-2000-Gebiete (davon 27 FFH-Gebiete und sieben Vogelschutzgebiete), die teilweise kreisübergreifend sind. Über 150 markante Einzelbäume oder Baumgruppen, Felsformationen oder Kleinflächen sind als Naturdenkmal geschützt. Eine Reihe von Waldbereichen ist als Bannwald, Schutzwald und Erholungswald ausgewiesen.

Siehe auch: Liste der Naturschutzgebiete im Landkreis Bergstraße Siehe auch: Liste der Naturdenkmale im Landkreis Bergstraße Siehe auch: Liste der Landschaftsschutzgebiete in Hessen Siehe auch: Liste der FFH-Gebiete in Hessen Siehe auch: Liste der EU-Vogelschutzgebiete in Hessen

Geschichte Das Gebiet des Landkreises Bergstraße gehörte vor 1800 größtenteils zu Kurmainz, teilweise zur Kurpfalz, zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und der Grafschaft Erbach-Schönberg. Nach dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 kam es an Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen, in die Provinz Starkenburg. Die Verwaltungseinheiten waren zunächst die Ämter Bensheim, Fürth, Gernsheim, Heppenheim, Hirschhorn, Kürnbach, Lampertheim, Lindenfels, Lorsch, Pfungstadt, Schönberg, Seeheim, Wald-Michelbach, Wimpfen und Zwingenberg. 1821 wurden statt der Ämter nun Landratsbezirke eingesetzt. Diese waren die Vorläufer der Kreise. Im Bereich des heutigen Landkreises Bergstraße wurden die Landratsbezirke Bensheim, Heppenheim, Hirschhorn und Lindenfels sowie Wimpfen mit Amt Kürnbach als Exklave in Baden gebildet. Dabei wurden einige Orte an benachbarte Landratsbezirke abgegeben.

Nach der am 20. August 1832 bekanntgegebenen Neugliederung sollte es in Süd-Starkenburg künftig nur noch Kreise, nicht mehr Landratsbezirke, und zwar den Kreis Bensheim und den Kreis Lindenfels geben. Heppenheim war zur Eingliederung in den Kreis Bensheim vorgesehen; sein Landratsbezirk sollte an den Kreis Bensheim fallen. Noch vor dem Inkrafttreten der Verordnung zum 15. Oktober 1832 wurde diese aber dahingehend revidiert, dass statt des Kreises Lindenfels neben dem Kreis Bensheim der Kreis Heppenheim als zweiter Kreis gebildet, die Stadt Heppenheim mithin nicht in den Kreis Bensheim eingegliedert wurde. Der Landratsbezirk Wimpfen blieb selbständiger Verwaltungsbezirk.

Am 31. Juli 1848 wurden die beiden Kreise Bensheim und Heppenheim zum Regierungsbezirk Heppenheim zusammengeschlossen. Der Landratsbezirk Wimpfen kam zum Regierungsbezirk Erbach. Diese Verwaltungsreform hatte jedoch nur knapp vier Jahre Bestand, denn am 12. Mai 1852 wurde die Zusammenlegung wieder aufgehoben. Dabei entstanden wieder der Kreis Lindenfels und der neue Kreis Wimpfen, die 1874 aber endgültig aufgelöst wurden und den Landkreisen Bensheim und Heppenheim zugeschlagen wurden. Nach der 1936 erfolgten Auflösung der Provinzial- und Kreistage im nunmehrigen Volksstaat Hessen (ab 1918) und der 1937 durchgeführten Aufhebung der drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen brachte das Jahr 1938 eine Überprüfung der Kreisgrenzen. Am 1. November 1938 wurde in Hessen eine einschneidende Gebietsreform durchgeführt. In jeder der drei ehemaligen hessischen Provinzen Starkenburg, Rheinhessen und Oberhessen wurde jeweils ein Kreis aufgelöst. In Starkenburg war davon der Kreis Bensheim betroffen, dessen Gebiet auf drei Nachbarkreise verteilt wurde. Der größte Teil wurde dem Kreis Heppenheim zugeschlagen, der auch die Rechtsnachfolgerschaft des Kreises Bensheim übernahm und in Landkreis Bergstraße umbenannt wurde.: „Der Kreis Heppenheim, der wesentliche Teile des Kreises Bensheim nach dessen Auflösung umfasst, führt vom 1. Oktober 1938 an die Bezeichnung Kreis Bergstraße.“ - Das Gesetz über die Auflösung der Kreise Bensheim, Schotten und Oppenheim vom 7. April 1938 trat allerdings nach einer Änderung vom 23. September 1938 erst am 1. November 1938 in Kraft. Das Gebiet der heutigen Gemeinden Alsbach-Hähnlein, Bickenbach und Seeheim-Jugenheim (ohne Malchen) kam zum Kreis Darmstadt, während das Gebiet der heutigen Gemeinden Biblis, Bürstadt, Groß-Rohrheim und Lampertheim an den Kreis Worms abgegeben wurde.

Die nach 1945 erfolgte Grenzziehung der Besatzungszonen entlang des Rheins sorgte für eine Eingliederung der rechtsrheinischen Gebiete von Stadt und Landkreis Worms in den Landkreis Bergstraße. Ebenfalls durch alliierte Verfügung wurde im Gegenzug das bisher als Exklave zum Landkreis Bergstraße gehörende Bad Wimpfen an den badischen Landkreis Sinsheim abgegeben, das nach Volksbefragung zum 1. Mai 1952 in den württembergischen Landkreis Heilbronn umgegliedert wurde.

Bei der Gebietsreform in Hessen wurde der Landkreis Bergstraße in seinen Außengrenzen kaum verändert. Es ging lediglich die Gemeinde Laudenau am 1. Juli 1971 nach einer Bürgerbefragung an den Landkreis Erbach und wurde ein Ortsteil der Gemeinde Reichelsheim im Odenwald und am 1. Januar 1977 wurde der Weiler Schmal-Beerbach aus Ober-Beerbach im Landkreis Darmstadt herausgelöst und in die Gemeinde Lautertal eingegliedert.

Einwohnerstatistik mini|Bevölkerungspyramide für den Landkreis Bergstraße (Datenquelle: Zensus 2011)

Die folgende Übersicht zeigt die Entwicklung der Einwohnerzahlen in den Landkreisen Bensheim, Heppenheim und Bergstraße.

Kreise Bensheim und Heppenheim Jahr Kreis Bensheim Kreis Heppenheim 1900 55.916 47.083 1910 65.760 51.909 1925 72.863 55.087 1933 78.917 59.000

Landkreis Bergstraße

Jahr Landkreis Bergstraße 1939 97.105 1950 170.373 1961 186.562 1969 226.100 1970 223.991 1987 240.111 1990 248.500 2001 264.695 2007 264.380 2011 261.158 2015 266.928 2020 271.015

Konfessionsstatistik Laut der Volkszählung 2011 waren 31,8 % der Einwohner evangelisch, 37,8 % römisch-katholisch und 30,4 % gehörten einer sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensus 2011 / Hessen. Hessen unter der Lupe. Wiesbaden 2014, auf Seite 15 der Datei: „Religionszugehörigkeit in den hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten am 9. Mai 2011 (in %)“ Der Anteil der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Gemäß Zensus 2022 waren (2022) 25,1 % der Einwohner evangelisch, 29,5 % katholisch und 45,4 % gehörten einer sonstigen oder keiner Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Zensusdatenbank: 1000A Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022) - wähle „Zum Thema“: 1000A-1018 Personen: Religion - wähle „Zur Tabelle“ - wähle „Anpassen“ - wähle „anderes Merkmal auswählen“: Landkreise u. krsfr. Städte (Stand 15.05.22) - wähle „Anwenden“: Trefferzeile „(400/400)“ anklicken: hessische Treffer auf Seite 2 der Trefferliste - Anwende-Häkchen auf die gewünschten Treffer eingrenzen - wähle „Anwenden“

Botschafter der Bergstraße Persönlichkeiten, die im Kreis aufgewachsen oder ihm anderweitig verbunden sind, können aufgrund herausragender Leistungen mit dem Titel „Botschafter der Bergstraße“ ausgezeichnet werden. Zu den bislang Geehrten gehören u. a. die Winzerinnen bzw. Weinprinzessinnen Lisa Edling (2004), Charlotte Freiberger-Rabold (2017), Katja Simon, Caroline Kolb (2015) & Carolin Hillenbrand (2019), die Rennsportler Sebastian Vettel & Reinhold Joest, die Fußballer Timo Hildebrand & Klaus Schlappner (2005), Kanutin Nicole Reinhardt (2005), die Unternehmer Franz-Josef Fischer (2018), Jürgen Gromer (2007), Oliver Zipse, Holger Zinke, die Musiker Thomas Johannes Mayer (2021) & Franz Lambert (2006), das Ensemble „Original Blütenweg Jazzer“, der Nobelpreisträger Harald zur Hausen (2008) sowie der Schauspieler Walter Renneisen (2008).

Politik Kreistag Für den Kreistag des Landkreises Bergstraße erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2026 in Vergleich gesetzt zu den Ergebnissen früherer Kreistagswahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Kreiswahl 2021Votemanager: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2016 und von 2011Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2006 und 2001Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnisse der Kreiswahlen von 2001 und 1997

Wahlvorschläge202620212016201120062001%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%Sitze%SitzeCDUChristlich Demokratische Union Deutschlands36,12637,52733,12436,83042,33443,235SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands16,01119,91423,91729,22334,02838,831AfDAlternative für Deutschland17,6138,1615,911——————GrüneBündnis 90/Die Grünen13,81018,31311,1819,4168,067,36FDPFreie Demokratische Partei4,037,256,953,835,644,54FW-KBFreie Wähler Kreis Bergstraße3,934,734,735,144,645,75Die LinkeDie LinkeWahl 2006: WASG3,523,023,122,222,32——VoltVolt Deutschland2,92——————————BSWBündnis Sahra Wagenknecht 1,7 1——————————Freie WählerFreie Wähler ——1,31————————PiratenPiratenpartei Deutschland————1,011,31————FLBFreie Liste Bergstraße————0,30——————REPDie Republikaner——————2,323,23——Gesamt100,071100,071100,071100,081100,081100,0Die Tierschutzpartei errang 2001 0,5 % der Stimmen und keinen Sitz.81Wahlbeteiligung in Prozent54,251,447,649,346,052,0

Seit den Kreistagswahlen 2001 regierte eine Mehrheitskoalition aus CDU, FDP und FWG, die die zuvor regierende große Koalition ablöste. 2011 verlor diese Koalition die Mehrheit und wurde durch ein Bündnis von CDU und Grünen abgelöst, das wiederum 2016 seine Mehrheit verlor. Zwischen 2016 und 2021 bildeten CDU und SPD eine Mehrheitskoalition. Seit der Kommunalwahl 2021 bestand erneut eine Koalition aus CDU und Grünen.

Landrat mini|hochkant|Christian Engelhardt, seit September 2015 Landrat des Landkreises Bergstraße