mini|hochkant=1.2|Briefkasten der Deutschen Bundespost, der heute noch von der Deutschen Post AG genutzt wird. – Der rote Punkt kennzeichnete bis Mitte 2025 die Leerung am Sonntag. mini|hochkant=1.2|Briefkasten der Bahnpost In Deutschland ist die Zahl der durch die Deutsche Post AG unterhaltenen Postbriefkästen leicht rückgängig. Zwischen 2011 und 2019 sank sie von 112.381 auf 109.791 Kästen. Briefkästen anderer Postunternehmen sind meist nur regional vertreten und unterscheiden sich in Gestaltung und Farbgebung. Ihre Anzahl belief sich 2012 auf 6.000 Briefkästen.
Geschichte
Einführung mini|Stadtbriefkasten der Königlich Preußischen Post von 1824 mini|hochkant=1.2| Post-Briefkästen aus verschiedenen Zeiten und Ländern im Museum für Kommunikation Berlin Behälter, Kisten oder tonnenartige Gefäße wurden bereits bei antiken Reit- und Botenposten an den Sammelstellen aufgestellt, um zu befördernde Nachrichten schon vor der Ankunft des Boten oder Reiters einwerfen zu können.
In einem Posthaus in Hamburg wurden 1641 insgesamt 13 Holzbriefkästen angebracht. Ihr lochartiger Einwurf war mit verschiedenen Städtenamen beschriftet. Die damals noch nicht frankiertenDa es damals noch keine Briefmarken gab, konnten nur unfrankierte Briefe in Briefkästen eingeworfen werden, deren Transportkosten vom Empfänger zu begleichen waren. Briefe konnten so von den Absendern auf die verschiedenen Richtungen verteilt werden.ZPF. Heft-Nr. 2/1974, S. 61. Bereits 1633 wurde der erste deutsche Postbriefkasten für den Postkurs von Breslau nach Leipzig im niederschlesischen Liegnitz erwähnt.Manfred Stephan: Zahlreich Kasten sieht man hängen. VEB transpress-Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-344-00163-9, S. 157.
Ein Briefkasten bei der preußischen Post wird erstmals 1766 erwähnt; er wurde auf dem Flur des damaligen Berliner Hofpostamtes (Poststraße Ecke Königstraße) „zur Gemächlichkeit der Correspondenten und Facilitirung deren Correspondence“Heinrich von Stephan: Geschichte der preußischen Post. S. 314. aufgestellt.Briefkästen und Briefbeutel. In: Herbert Leclerc: Die Postabteilung des Bundespostmuseums. 1973, S. 29. Im 1816 bezogenen Berliner Posthaus in der König- und Spandauer Straße scheint es zunächst keinen Briefkasten gegeben zu haben, denn aus Berliner Geschäftskreisen wurde der Wunsch laut, nach dem Vorgange größerer Städte Frankreichs und Englands auch für Berlin Anstalten zu treffen, „dass man die zur Post bestimmten Briefe nicht einem dazu am Fenster oder Tische befindlichen Sekretär (welches diesem sowohl als dem Publico besonders an den beiden wöchentlichen lebhaften Posttagen dienstags und sonnabends äusserst beschwerlich ist) überliefert, sondern zu allen Zeiten des Tages – von Morgen bis Abend – in eine neben diesem Fenster oder Tische angebrachte Klappe mit zwei schmalen Oeffnungen von der Länge eines gewöhnlichen Briefes und darüber werfen kann“.Aus der Geschichte der Briefkasten. In: DVZ. 1879, H. 22, S. 170.
Mit der allgemeinen Einführung von Briefkästen – weiterhin noch aus Holz gefertigt – begann die preußische Post erst 1823 aufgrund eines gutachtlichen Berichts des Oberpostamts in Köln von 1818. Anlass waren die von den Franzosen während ihrer Herrschaft von 1794 bis 1814 im linksrheinischen deutschen Gebiet aufgestellten Briefkästen, die in Frankreich schon seit 1653 üblich waren. 1817 wurde erwogen, diese Briefkästen abzuschaffen, welche in einzelnen Hauptorten der Rheinprovinz noch von der französischen Herrschaft her vorhanden waren, und zwar an den Posthäusern selbst und auch an anderen geeigneten Stellen. Beim Oberpostamt Koblenz wurde der Kasten beseitigt, und erst nach längeren Erörterungen gelang es, die Abneigung gegen die Einrichtung so weit zu verdrängen, dass der General-Postmeister Johann Friedrich von Seegebarth nicht nur die Beibehaltung der Briefkästen in Aachen, Düsseldorf und Jülich genehmigte, sondern 1818 auch die Wiedereinführung in Koblenz erlaubte. Auch außerhalb der preußischen Verwaltung konnte man sich damals nicht mit Briefkästen anfreunden. Beispielsweise erklärte die Fürstliche Thurn und Taxis’sche Ober-Postamts-Direktion 1818, „dass ein eigener Briefkasten für die unfrankirten … Briefe beim Frankfurter Ober-Postamt niemals bestanden habe.“ Weiter heißt es: „Nur für die nach Frankreich gestellten unfrankirten Briefe hat eine Zeitlang ein eigener Kasten bestanden, welcher aber, da er oft von Uebelgesinnten missbraucht wurde, … wieder eingestellt worden ist.“
Auf Antrag des General-Postmeister Karl Ferdinand Friedrich von Nagler erließ der preußische König folgende Kabinettsorder:
Am 23. Oktober 1823 folgte ein Rundschreiben an sämtliche Postämter mit der Maßgabe, dass „an allen Orten der Monarchie, wo der Briefwechsel von einiger Bedeutung ist, Briefkasten an den Posthäusern, und in grossen Städten auch an anderen schicklichen Stellen, angebracht werden, in welchen das Publikum zu jeder Tageszeit die mit der Post abzusendenden Briefe niederlegen kann, insofern sie unfrankirt und nicht nach Staaten oder an Personen bestimmt sind, für welche Briefe nur franco angenommen werden können.“ Zum Schluss hieß es noch: „An den kleinen Orten, wo diese Einrichtung für das Publikum nicht nöthig erscheint, ist das General-Postamt doch geneigt, zur Bequemlichkeit der Beamten einen solchen Kasten im Flur des Posthauses zu gestatten. Es muss aber Genehmigung eingeholt, und die Kosten des Kastens müssen in diesem Falle von dem Beamten bestritten werden, der von dieser Bequemlichkeit profitieren will.“ Ab 1. Januar 1824 gab es hölzerne Briefkästen in zwei Größen, die von unten geöffnet wurden. Verschlossen wurden sie durch ein starkes Schnäpperschloss. In der Beschreibung heißt es: „Damit bei dem Oeffnen keine Briefe von den Seiten fallen können, sind zwei lederne Seitenwände angebracht, die von Innen an den Seiten des Kastens und an der Klappe mit Nägeln befestigt sind und in der Mitte einen Kniff haben, der sich nach dem Innern des Kastens hinlegt. Vorne am Kasten, in einer ¼zölligen Vertiefung, befindet sich die gedruckte Vorschrift über den Gebrauch mit Kleister befestigt. Der übrige äußere Teil des Kastens ist mit guter weißer Ölfarbe gestrichen.“ Ende der 1870er-Jahre kam man auf diese erste Briefkastengestaltung wegen deren Einfachheit, nützlichem Gebrauch und Sicherheit zurück.Aus der Geschichte der Briefkasten. In: DVZ. 1879, H. 22, S. 171.
mini|„Brief-Kasten“ der preußischen Post um 1850 Der Briefkasten von 1823 war ein mit weißer Ölfarbe angestrichener Holzkasten, der unten geöffnet wurde. Auf der Vorderseite waren auf Papier gedruckte „Verhaltungs-Regeln“ angebracht.Abbildung: Stadtbriefkasten mit Gebrauchsanweisung – Preußen 1850 In: Wehmütig klang das Posthorn auf der letzten Tour. () Nachfolgend beispielsweise Regeln auf einem späteren (1850) blauen preußischen Holzbriefkasten: „In den Brief-Kasten sind nicht zu legen, sondern im Post-Bureau abzugeben: die Briefe an seine Majestät den König und Ihre Majestät die Königin, an die Prinzen des Königlichen Hauses und an die Mitglieder der Fürstenhäuser Hohenzollern-Hechingen und Hohenzollern-Sigmaringen; diejenigen nach fremden Ländern bestimmten Briefe, welche ganz oder theilweise dem Frankirungszwange unterliegen; diejenigen Briefe, welche der Absender nicht durch Freimarken oder Franko Couverts, sondern durch baare Erlegung des Frankos zu frankiren wünscht; die recommandirten Briefe; alle mit Geld, declarierten Cassen-Anweisungen, Staats-Papieren, Preciosen u.s.w. beschwerten Briefe, über welche ein Einlieferungsschein erteilt wird“.
Briefe, die an das Königshaus oder an die Fürstenhäuser gingen, durften nicht in den Briefkasten eingelegt werden, weil dem bayerischen König Ludwig I. zahlreiche Bettel- und Schmähbriefe zugegangen waren, nachdem 1846 die Tänzerin Lola Montez die Gunst des Königs gewonnen hatte.ZPF. Heft-Nr. 2/1974, S. 61.
1830 führte die Post des Königreichs Württemberg, kurz darauf die Bayerische Post Briefkästen ein. In Bayern bestanden zunächst Sicherheitsbedenken bei außen an Gebäuden angebrachten Briefkästen, weshalb Einwurfschlitze an den Schaltern im Postgebäude angebracht wurden. Erst ab 1845 gab es Außenbriefkästen in Bayern.
Nach der Einführung der Briefmarke (Schwarzer Einser am 1. November 1849 im Königreich Bayern) wurden Briefkästen überall in größerer Zahl aufgestellt, weil jetzt auch frankierte Briefe (keine Kosten für den Empfänger) eingeworfen werden konnten.Handwörterbuch des Postwesens. 3. Auflage. 1973, S. 406.
Material, Fertigung und Einheitsmodelle Bis in die 1850er-Jahre wurden die Briefkästen aus Holz gefertigt. 1837 wurde probeweise Blech verwendet.
Danach wurden gusseiserne Kästen mit Bronzeüberzug verwendet, die ab 1866 mit Krone, Adler und Konsole verziert waren. Die Briefe wurden anfänglich einzeln entnommen, bevor der Reihe nach Einsatzbeutel aus Leinen und Leder, Einsatzkästen aus Blech, Leinen, Drahtgeflecht, Holz und Büffelleder verwendet wurden. 1874 wurde zur Leerung die Fallklappe, aus der die Briefe in einen darunter gehaltenen Behälter fielen, eingeführt.
Um 1910 kamen erste aus Stahlblech gefertigte Briefkästen in Gebrauch. Die Beschaffung sämtlicher Briefkästen im Reichspostgebiet lag Mitte der 1920er-Jahre bei der Oberpostdirektion (Berlin). Lieferant war Franz Kuppler aus Berlin-Weißensee.Handwörterbuch des Postwesens; 1. Auflage 1926, S. 152. Dies lässt erste Bestrebungen zur Vereinheitlichung der in Deutschland eingesetzten Briefkästen erkennen.
Die ab 1930 ausschließlich aus Stahlblech bestehenden acht Einheitsmodelle (EB) wurden von der Deutschen Bundespost und der Deutschen Post der DDR weiter benutzt. Ab 1955 wurden in der DDR eigene Briefkästen aus Stahlblech gefertigt (statt der bisherigen 8 nur 5 Modelle mit eigener Bezeichnung von A bis F).Manfred Stephan: Zahlreich Kasten sieht man hängen. 1989, S. 160.
Einzelne vor der Entwicklung der Einheitsbriefkastenserie aus Stahlblech verwendete gusseiserne Modelle sind nur noch an historischen Stätten zu finden oder werden an unter Denkmalschutz stehenden Örtlichkeiten eingesetzt.
Nach 1950 gab es erste Überlegungen bei der Deutschen Bundespost, Kunststoff für die Fertigung von Briefkästen zu verwenden, aber bis 1952 wurden die alten Kästen weiter benutzt und ein neuntes Modell aus Stahlblech eingeführt. Eine erste Versuchsserie von 50 Briefkästen aus Kunststoff wurde 1956 in Dienst gestellt, die Serienherstellung begann 1960. Für die Erprobung und Beschaffung war das Posttechnische Zentralamt (PTZ) in Darmstadt zuständig.Handwörterbuch des Postwesens. 2. Auflage, S. 174. Die Einzelteile der Kunststoffbriefkästen werden aus postgelb eingefärbtem glasfaserverstärktem Polyesterharz gepresst und miteinander verklebt, vernietet oder verschraubt.
Die Deutsche Bundespost benutzte zuerst neun Briefkastenmodelle (Normbezeichnung „EB 1“ bis „EB 9“). Aus Gründen der Typenbeschränkung wurde die Zahl zunächst von neun auf sechs beschränkt, dann aber wieder um zwei Modelle erweitert.
Stückzahlen 1828: 112 Briefkästen im preußischen Postgebiet (88 Postorte).In Städten wie Berlin, Köln und Königsberg waren je zwei Briefkästen, in Aachen, Breslau, Düsseldorf, Elberfeld, Liegnitz, Potsdam und Stettin je ein Briefkasten aufgestellt. Zu den 153 Orten mit Postämtern, aber ohne Briefkasten, zählten unter anderem: Arnsberg, Bielefeld, Bromberg, Crefeld, Dortmund, Memel, Münster, Trier. General-Postmeister von Nagler regte an, eine größere Anzahl von Briefkästen zu installieren. Als Ergebnis wurden für Aachen und Koblenz je ein, für Elberfeld und Stettin je zwei Briefkästen neu geliefert. Für alle übrigen Orte wurde von den betreffenden Unterbehörden kein weiterer Bedarf gemeldet. 1856: 4.809 Briefkästen in Preußen. 1873: 39.271 Briefkästen im Deutschen Reich.Davon 30.665 bei der Reichspost, 5.543 in Bayern und 3.063 in Württemberg. 1880: 58.000 Briefkästen im Deutschen Reich. 1910: 153.000 Briefkästen im Deutschen Reich.