Der Luftangriff auf Darwin durch japanische Luftstreitkräfte, der Kidō Butai, am 19. Februar 1942 war der erste und zugleich der schwerste von 97 Luftangriffen in Australien von 1942 bis 1943. Es war eine militärische Auseinandersetzung im Pazifikkrieg während des Zweiten Weltkriegs. Dieser Angriff, einige Wochen nach dem Beginn der Feindseligkeiten mit dem Kaiserlichen Japan, hatte weitreichende psychologische Auswirkungen auf die australische Bevölkerung, die auch Darwin Panic genannt wird. Das Ereignis wird oft als Angriff auf Australiens Pearl Harbor bezeichnet.Douglas Lockwood: Australia’s Pearl Harbour. Darwin 1942. Penguin Books, Melbourne 1992 (Nachdruck), ISBN 0-14-016820-6, S. xiii und 5. Obwohl Darwin ein weniger bedeutendes militärisches Ziel war, wurden mehr Bomben abgeworfen als während des Angriffs auf Pearl Harbor. Wie auch Pearl Harbor war Darwin nicht auf den Angriff vorbereitet.

Vor Angriffsbeginn mini|links|Lage von Darwin auf dem australischen Kontinent Darwin hatte zum Zeitpunkt des Angriffs eine Zivil-Bevölkerung von etwa 2000 Menschen, etwa 3000 Einwohner waren zuvor evakuiert worden. Der Ort war strategisch als Kriegshafen und Luftwaffenbasis von Bedeutung. Etwa 15.000 alliierte Soldaten waren in diesem Gebiet stationiert.

Die japanische Streitmacht war vier Tage vor der Bombardierung mit vier Flugzeugträgern, zwei Schlachtschiffen, drei Kreuzern und neun Zerstörern von Palau ausgelaufen und startete ihren Angriff von der Bandasee aus. Die meisten der angreifenden Flugzeuge starteten von den japanischen Flugzeugträgern Akagi und Kaga. Von der Hiryū und Sōryū und von Land startende schwere Bomber waren ebenso beteiligt. Die japanischen Luftstreitkräfte griffen in zwei Angriffswellen an, an denen insgesamt 242 Flugzeuge beteiligt waren.

In Darwin befanden sich kaum nennenswerte Flugabwehrwaffen. Die einzige Einheit mit schweren Flakgeschützen war die 14th Heavy Anti-Aircraft Battery, die in Darwin auf verschiedenen Positionen stationiert war und den Hafen sicherte. Die 14th Heavy Anti-Aircraft Battery war mit 16 QF-3.7-inch-AA-Geschützen und zwei 3-inch-AA-Geschützen ausgerüstet. Diese Einheit hatte aber vor dem Angriff der Japaner niemals mit scharfer Munition geübt. Auf Übungen mit scharfer Munition wurde verzichtet, um die Bevölkerung nicht zu verunsichern.Jack Mulholland: Darwin Bombed: The Unit History of the 14th Heavy Anti-Aircraft Battery. Australian Military History Publications, 1999. Es gab sonst nur einige leichte Lewis Gun Maschinengewehre und keine anderen Flak-Geschütze.Tom Hall: Darwin 1942: Australia’s Darkest Hour. Methuen 1980, S. 104 f. Die Flug-Kampfgruppen der Royal Australian Air Force (RAAF) befanden sich in Europa, Nordafrika oder im Mittleren Osten.

Die einzigen modernen Jagdflugzeuge während des Angriffs waren zehn einsatzfähige und zwei nichteinsatzfähige P-40E Kittyhawk, der Far East Air Force 33rd Pursuit Squadron (Provisional) der United States Army Air Forces.Walter D. Edmunds: They Fought With What They Had. Center For Air Force History, 1992, S. 351. Es gab sonst noch einige leicht bewaffnete oder veraltete Schulflugzeuge wie die fünf Wirraways und sechs Hudson der RAAF, die lediglich für Patrouillenflüge geeignet waren. Eine Radarstation im Experimentalstadium und die fünf Wirraways waren nicht einsatzbereit.

Die P-40 hatten am 15. Februar 1942 in Darwin eine Zwischenlandung gemacht. Eine der Maschinen war nach der Landung so beschädigt, dass sie längerfristig repariert werden musste. Zu diesem Zeitpunkt bildete eine einzige andere P-40 den Jagdflugzeugschutz für Darwin, da eine zweite dort stationierte P-40 bei einem Einsatz zur Verteidigung eines Konvois verschollen war. Am 19. Februar startete die 33rd Pursuit Squadron (Provisional) um 9.00 Uhr morgens mit zehn P-40 zum Kupang-Flughafen auf Timor. Dabei nahm sie auch die letzte P-40, die in Darwin stationiert war, mit. Eine B-17E flog als Navigationsflugzeug der Jagdflieger mit. Die Flugzeuge kehrten wegen des schlechten Wetters über Kupang nach 20 Minuten Flugzeit um, während die B-17 allein nach Bali flog. Bei der Rückkehr landeten fünf P-40. Die anderen fünf P-40 wurden auf Patrouillenflug geschickt. Die Piloten der Jagdflugzeuge waren relativ unerfahren. Lediglich einer von ihnen, 2nd Lt. Robert G. Oestreicher, hatte mehr als 20 Flugstunden auf einer P-40 absolviert.Walter D. Edmunds: They Fought With What They Had. Center For Air Force History, 1992, S. 342.

Angriff am 19. Februar mini|Die Neptuna explodierte im Stokes Hill Wharf. Vor der Explosionssäule ist die Vigilant zu sehen, die Rettungsarbeiten unternahm. In der Mitte im Hintergrund ist das geflutete Trockendock zu erkennen, in dem sich die Korvette Katoomba befand. Im Vordergrund befindet sich die beschädigte Zealandia.

Die erste Welle mit 188 japanischen Kampfflugzeugen, geführt von Kapitän zur See Fuchida Mitsuo, hob um 8.45 Uhr von den Flugzeugträgern ab.

Etwa um 9.15 Uhr wurde die fliegende Streitmacht durch die Küstenwache auf Melville-Insel (umstritten bei Robert Rayner in seinem Buch Darwin Fortress) und anschließend durch John McGrath, einen katholischen Priester, der als Missionar auf Bathurst Island tätig war, gemeldet.Lockwood: Australia’s Pearl Harbour. 1992, S. 23. Pfarrer McGrath sandte die Nachricht: „An unusually large air formation bearing down on us from the northwest.“ (deutsch: „Eine ungewöhnlich große Luftstreitmacht überquert uns von Nordwesten.“). Darwin erreichten beide Funkwarnungen spätestens 9.37 Uhr. Diese Warnungen wurden nicht ernst genommen, wie auch zwei Monate zuvor beim japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Der diensthabende Offizier wertete die Berichte als Meldung über die zurückfliegenden US-Jagdflugzeuge. Damit verstrich die Chance, sich in letzter Minute gegen den Angriff zu wappnen und Alarm auszulösen.

Ein US-Wasserflugzeug, eine PBY Catalina, wurde bei Bathurst Island von neun japanischen Jagdflugzeugen angegriffen. Beim Angriff wurde die Catalina in Brand geschossen. Der Pilot Lieutenant Thomas Moorer konnte kontrolliert in der See wassern. Die Flugzeug-Mannschaft wurde von dem in der Nähe befindlichen Frachter Florence D gerettet. Lieutenant Moorer wurde später Chief of Naval Operations und Chairman of the Joint Chiefs of Staff. Obwohl die Florence D anschließend angegriffen und versenkt wurde, überlebten die meisten Mannschaftsmitglieder und konnten danach gerettet werden. Ein anderes Schiff in der Nähe, die Don Isidro, wurde ebenfalls versenkt.

mini|Die Luftaufnahme eines japanischen Fotografen zeigt die brennenden Schiffe im Hafen von Darwin während des ersten Angriffs.

Die fünf P-40 auf Patrouillenflug wurden von hinten aus Richtung Inland von japanischen Mitsubishi A6M „Zero“-Jagdflugzeugen angegriffen. Die japanischen Flugzeuge griffen Darwin nicht vom Meer aus an, sondern sie flogen vorher einen Bogen, um aus Richtung Inland anzugreifen. Mit der größeren Anzahl von Flugzeugen, dem Überraschungsmoment und der Erfahrung auf ihrer Seite schossen die japanischen Jägerpiloten innerhalb kurzer Zeit vier US-Jagdflugzeuge ab, bis auf das des Piloten Oestreicher. Die zweite Gruppe von fünf P-40-Jagdfliegern versuchte zu starten. Zwei der Jäger wurden noch am Boden, ein Flugzeug beim Starten auf der Landebahn zerstört. Die restlichen zwei Jagdflugzeuge wurden in der Luft abgeschossen. Nach Abflug der ersten Angriffswelle konnte der letzte beschädigte US-Jäger landen und der Pilot die Maschine verlassen, bevor auch dieses Flugzeug bei der zweiten Angriffswelle zerstört wurde. Vier der zehn US-Piloten wurden getötet.Walter D. Edmunds: They Fought With What They Had. Center For Air Force History, 1992, S. 353–357.

Insgesamt 81 Nakajima B5N „Kate“-Torpedo-Kampfflugzeuge griffen die 47 Frachtschiffe im Hafen an. Während 71 Aichi D3A Val-Sturzkampfbomber, eskortiert von 36 Mitsubishi A6M-Jagdflugzeugen, die Luftwaffenbasis der RAAF, den zivilen Flughafen und das Krankenhaus angriffen. Etwa um 10.40 Uhr verließ die erste Welle der japanischen Flugzeuge das Kampfgebiet. Alle alliierten Flugzeuge, die sich in der Luft befanden oder aufstiegen, wurden zerstört oder waren nach dem ersten Angriff nicht mehr einsatzfähig. Nur zwei von den in der Luft befindlichen Piloten überlebten den Angriff. Dem US-Piloten Oestreicher wurde von der USAAF der Abschuss eines Val-Sturzkampfbomber bestätigt, während der zweite angegebene Abschuss nicht anerkannt wurde. Ein vom zweiten überlebenden US-Piloten John G. Glover gemeldeter Abschuss wurde nicht bestätigt.

Fuchida Mitsuo schrieb später über den Angriff: zitiert das in dem Buch Midway: The Battle that Doomed Japan.

Kurz vor Mittag erfolgte der zweite Angriff aus großer Höhe durch auf Land stationierte japanische Bomber, der sich auf den Militärflugplatz von Darwin konzentrierte. Daran beteiligt waren 27 Mitsubishi G3M Nell, die von Ambon-Insel und 27 Mitsubishi G4M Betty, die von Kendari auf Sulawesi gestartet waren. Beim zweiten japanischen Angriff, der 20 bis 25 Minuten dauerte, konnte kein einsatzfähiges alliiertes Flugzeug mehr zur Abwehr eingesetzt werden.

Nachbetrachtungen mini|Die gesunkene Neptuna und die ausgebrannten Hafenanlagen von Darwin nach dem Angriff der AWM 027334

Opfer mini|Zerstörtes Haus Die Anzahl der getöteten Menschen während des Angriffs am 19. Februar wird sehr unterschiedlich angegeben. Die Lowe Commission, die den Angriff im März 1942 untersuchte, identifizierte 243 Opfer und nahm (da einige unidentifizierbar waren) an, dass sich die Anzahl auf ungefähr 250 beliefe.territorystories.nt.gov.au: The Parliament of the Commonwealth of Australia: Commission Of Inquary Concerning The Circumstances Connected With The Attack Made By Japanese Aircraft At Darwin In 19th February, 1942. (Lowe-Report), S. 9. Einige Forscher und Offizielle der Regierung, einschließlich John Bradford, der Buchautor von In the Highest Traditions – RAN Heroism Darwin 19 February 1942,home.st.net.au: Two Japanese Air Raids At Darwin, NT On 19. FEBRUAR 1942 Dr. Peter Stanley, der leitende Historiker des Australian War Memorials und Autor zahlreicher Bücher über die historische Militärgeschichte Australiens,awm.gov.au Tom Womack, Autor von The Dutch Naval Air Force against Japan,netherlandsnavy.nl Paul Rosenzweig (Autor von Darwin 1942: A Reassessment of the first Raid Casualties),awm.gov.au und Admiral Kevin Scarce, der Gouverneur von South Australiagovernor.sa.gov.au gehen davon aus, dass es 250 bis 262 Opfer gab.

Allerdings wurde 2011 in Darwin ein Denkmal enthüllt, das 292 Opfer nennt.Peter Grose: An Awkward Truth: The Bombing of Darwin, February 1942, Crow’s Nest. NSW Allen & Unwin, 2009, S. 192. Die Plakette zählt 10 Matrosen auf, die auch getötet wurden und sich außerhalb der USS William B. Preston befanden, allerdings nennt die US Navy 13 und Peter Grose, Autor des Buches An Awkward Truth bestätigt weitere Gefallene auf der USS William B. Preston und damit ist für ihn die Anzahl von 297 bekannten Getöteten der genaueste Wert, der je ermittelt wurde … die Gesamtzahl dürfte ein wenig über 310 oder 320 liegen.Peter Grose: An Awkward Truth. S. 193. Im Jahr 2000 sprach vor Überlebenden in Darwin der Historiker Peter Forrest, der den Angriff in einem nicht veröffentlichten Buch untersuchte, und antwortete auf die Frage eines Journalisten, dass der erste japanische Luftangriff sicherlich mehr als doppelt so viele Leben gekostet habe wie die offiziell genannte Zahl von 243,: APP Australian General News: NT: Historian doubles Darwin air raid death toll aber zwei Jahre später verringerte er die Anzahl auf „maximal zweimal 243“.