Shangri-La ist ein fiktiver Ort in Tibet, in dem Menschen in Frieden und Harmonie leben. Der Ort wurde 1933 im Roman Lost Horizon (dt. Der verlorene Horizont) des britischen Schriftstellers James Hilton beschrieben und steht seitdem als ein Synonym für ein imaginäres Paradies oder einen idealen Rückzugsort aus dem Weltgeschehen.Collins Wörterbuch der englischen Sprache In: collinsdictionary.com, abgerufen am 1. November 2018

Etymologie Shangri-La setzt sich zusammen aus shang (tibetisch gtsang, eine historische Bezeichnung für Zentraltibet), ri (tibetisch für Berge) sowie la (tibetisch für Pass).Chinese Buddhist Encyclopedia In: chinabuddhismencyclopedia.com, abgerufen am 1. November 2018 Da Hiltons Fiktion in verschiedene Sprachen übersetzt wurde, variiert die Schreibweise (beispielsweise Schangri-La, Shangri-la, Shangrilá, Xangri-lá, Changrila; mit und ohne Bindestrich). Überwiegend wird die Schreibweise Shangri-La verwendet, was der Orthographie in Hiltons Roman entspricht.Lost Horizon als frei zugänglicher Text in der originalen englischen Fassung auf Project Gutenberg In: gutenberg.net, abgerufen am 1. November 2018

Es wird angenommen, dass die Bezeichnung Shangri-La, als mystischer Ort in Tibet, vor 1933 noch nicht existierte und der Mythos mit einer Fantasie der westlichen Welt verbunden ist. Jedoch basiert Hiltons Shangri-La auf der tibetischen Legende von Chang Shambhala, das als Quelle der Weisheit bereits in frühen buddhistischen Schriften erwähnt wird.Peter Bishop: The myth of Shangri-La. Tibet, travel writing, and the western creation of sacred landscape. University of California Press, 1989, S. 6 f.Donald Lopez: Prisoners of Shangri-La. University of Chicago Press, 1998, S. 2 f. Shambhala ist hier ein verborgenes Paradies und das geistige Zentrum der Erde. Dieses soll erst wieder zugänglich werden, wenn die Menschheit dafür bereit ist – und nur dann, wenn einige wenige die geistige Reife besitzen, die Lehre zu verstehen und zu bewahren.Claudia Frickel: Mystery. Das verborgene Paradies Shangri-La. Web.de-Magazin, 7. Juni 2017. In: web.de Magazine, abgerufen am 31. Oktober 2018

Publikationsgeschichte Die Erstveröffentlichung von Lost Horizon erfolgte zeitgleich am 26. September 1933 bei Macmillan Publishers (London) und bei William Morrow & Company (New York).Featured Manuscript - Lost Horizon; Lakin Literary Arts. In: lakinandmarley.com, abgerufen am 10. Dezember 2018 Für den Erfolgsroman erhielt Hilton am 10. Juni 1934 den Hawthornden-Preis.Literary London: Hawthornden Prize. The Sydney Morning Herald, 14. Juni 1934. Bis zu diesem Zeitpunkt waren bereits sieben Auflagen bei Macmillan und neun Reprints bei William Morrow erschienen.Brian M. Stableford: Yesterday‘s Bestsellers. A Journey Through Literary History. Wildside Press, 1998, S. 47.Barcroft Books: Lost Horizon by James Hilton, William Morrow & Co. 1934. In: etsy.com, abgerufen am 10. Dezember 2018 Anschließend wurde das Buch in 34 Sprachen übersetzt und unter Lizenz bei verschiedenen Verlagen vielfach nachgedruckt.Michael Buckley: Shangri-La. A Practical Guide to the Himalayan Dream. Bradt Travel Guides, 2008, S. 23. 1937 folgte Frank Capras Literaturverfilmung Lost Horizon (dt. In den Fesseln von Shangri-La). Der oscarprämierte Film trug gegen Ende der 1930er Jahre zu einem Medienhype und erheblich zum Mythos von Shangri-La bei.Claudia Frickel: Mystery. Das verborgene Paradies Shangri-La. Web.de-Magazin, 7. Juni 2017. In: web.de Magazine, abgerufen am 10. Dezember 2018

1939 erschien der Roman als Pocket Book Nr. 1 bei Simon & Schuster und wird fälschlicherweise oft als das erste Taschenbuch bezeichnet. Jedoch war es das erste Paperback, das nicht nur in die Tasche gesteckt werden konnte, um es unterwegs zu lesen, sondern das sich auch Menschen mit bescheidenen Mitteln leisten konnten. Das Buch kostete 25 Cent (entspricht derzeit etwa 5 US-Dollar) und wurde allein von diesem Verlag innerhalb kurzer Zeit 2.514.747 Mal verkauft. Damit löste Lost Horizon eine Revolution im Buchhandel aus.Thomas W. Ennis: The Pocket Books Founder Robert F. de Graff dies at 86. The New York Times, 3. November 1981. In: nytimes.com, abgerufen am 1. November 2018David C. Major, John S. Major: 100 One-Night Reads. A Book Lover‘s Guide. Random House Publishing Group, 2008, S. 116.

Lokalisierung James Hilton beschreibt Shangri-La in seinem Roman als ein idyllisches Tal, gelegen am westlichen Ende der Kunlun-Berge, wo entsprechend der chinesischen Mythologie auserwählte Menschen Unsterblichkeit erlangen können. Als Inspiration diente ihm das vollständig mit grüner Vegetation bedeckte Hunzatal im Norden von Pakistan (damals Britisch-Indien), nahe der chinesischen Grenze, welches er 1931 besucht hatte. Das abgelegene Hunzatal befindet sich am westlichen Ende des Himalayas und ist von Bergen vollständig eingeschlossen. Dazu erklärte Hilton 1936 in einem Interview der New York Times, dass er bei seinen Recherchen auf Reisebeschreibungen aus dem British Museum in London zurückgegriffen habe. Wichtige Ausgangspunkte für ihn sollen insbesondere die Berichte über den Buddhismus in Tibet der beiden französischen Missionare Évariste Régis Huc und Joseph Gabet gewesen sein, die zwischen 1844 und 1846 von Peking aus eine Reise nach Tibet unternahmen.B. R. Crisler: Film gossip of the week. The New York Times, 26. Juli 1936, S. 3.

Hiltons Roman war so erfolgreich, dass viele an die reale Existenz Shangri-Las glauben.Aboutbooks: Der verlorene Horizont von James Hilton. In: lovelybooks.de, abgerufen am 29. Oktober 2018 Abenteurer, Wanderer, westliche Sinnsucher, Pilger sowie Natur- und Kulturinteressierte begaben sich in die weite Stille Tibets und auf die Suche nach Shangri-La. Dabei setzt sich die „Forschung“ nach dem mystischen Ort unverändert fort.

Im Jahr 1999 behaupteten zwei US-Amerikaner, dass ein Kloster in der abgelegenen Region Muli im Süden der chinesischen Provinz Sichuan das Vorbild von Shangri-La sei. Über das Muli-Kloster habe Anfang der 1930er Jahre bereits der Geograph Joseph Francis Rock im National Geographic Magazine mehrere Artikel veröffentlicht, welche angeblich James Hilton als Vorlage für seine Schilderung dienten. Diese Behauptung wurde 2002 durch den Historiker Michael McRae widerlegt.Michael McRae: The Siege of Shangri-La. The Quest for Tibet's Sacred Hidden Paradise. Broadway Books, 2002.Timothy Carroll: Could this be the way to Shangri-La? The Telegraph, 29. Juli 2002. In: telegraph.co.uk, abgerufen am 31. Oktober 2018

2001 gab ein Team von mehr als 40 chinesischen Wissenschaftlern bekannt, dass es ihnen gelungen sei, Hiltons Shangri-La im Kreis Zhongdian zu lokalisieren, woraufhin die gleichnamige Stadt in Shangri-La () umbenannt wurde. Dem folgte die Gründung der Greater Shangri-La Ecological Tourism Zone, welche das Autonome Gebiet Tibet sowie Teile der Provinzen Yunnan, Sichuan und Qinghai umfasst. Aufgrund der geheimnisvollen Geschichte, der vielfältigen nationalen Kulturen, üppigen Naturlandschaften sowie einzigartigen Wildtiere entwickelte sich die Region zu einem beliebten Ziel für Öko- und Kulturtouristen.Emily T. Yeh, Chris Coggins, Mapping Shangrila. Contested Landscapes in the Sino-Tibetan Borderlands. Studies on Ethnic Groups in China. Washington, University of Washington Press 2014, 20. Stable URL: https://www.jstor.org/stable/j.ctvbtzmm4.8, Zugriff 9. April 2025.

Dagegen kam der britische Fernsehmoderator und Historiker Michael Wood im Jahr 2005 bei einer Forschungsreise durch Tibet zu dem Ergebnis, dass Shangri-La mit Tsaperang, der verschollenen Hauptstadt des ehemaligen buddhistischen Königreiches von Guge, im heutigen chinesischen Regierungsbezirk Ngari identisch sei.Michael Wood: Mythen & Helden - Shangri-La. DVD der BBC, 2006. Auch der Paderborner China-Experte Richard Erb argumentierte 2021 anhand von Indizien, dass „James Hilton sein fiktives Shangri-La mit dem realen Tal von Guge verschmolzen hat und dass, wenn es einen Ort geben kann, der Shangri-La entspricht, dieser das Tal von Guge sein muss.“Richard Erb: Eine Suche nach Shangri-La: die Spur ins Tal von Guge. In: Paderborner Historische Mitteilungen 34 (2021), S. 76.

Nicht wenige Literaturkritiker kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass Hilton den fiktiven Schauplatz seiner Erzählung nur deshalb in das Hochland von Tibet verlegte, weil der Himalaya seinerzeit die wahrscheinlich am wenigsten zugängliche Region der Erde war. So würde der Autor die Handlung nunmehr vielleicht auf der „Rückseite des Mondes“ oder auf dem Mars stattfinden lassen. Letztlich sei Shangri-La nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Metapher für einen abgeschiedenen Ort der Stille, des Friedens, der inneren Ordnung, der Nachhaltigkeit und der Reflexion. Dabei soll und will Shangri-La kein „Paradies auf Erden“ symbolisieren, Hiltons Shangri-La-Bewohner sind keine Wundertäter und haben weder den Tod besiegt noch den körperlichen Verfall.Helmut Puschmann: James Hilton. Der verlorene Horizont. 2018. In: Puschmann Literarische Rezeption, abgerufen am 29. Oktober 2018Martin Brauen: Traumwelt Tibet. Westliche Trugbilder. Haupt, Bern 2000, S. 96–100.

Adaption mini|Das Duke-Anwesen Shangri-La auf Hawaii, 2005 mini|Der Ferienort Shangri-La am Shangri-La-See in Skardu, 2016 mini|Shangri-La ist die große, dunkle Region im Zentrum dieser Aufnahme vom Titan, 2004 mini|hochkant|Winston Churchill und Franklin D. Roosevelt beim Angeln in Shangri-La, 1943, heute Camp David

Hiltons Beschreibung von Shangri-La hat den westlichen Blick auf Tibet und den Lamaismus nachhaltig geprägt.Die Suche nach dem "Mikro-Shangri-La" als Rückzugsraum im Zeitalter der Globalisierung In: internetloge.de, abgerufen am 26. Oktober 2018Claudia Frickel: Mystery. Das verborgene Paradies Shangri-La. Web.de-Magazin, 7. Juni 2017. In: web.de Magazine, abgerufen am 26. Oktober 2018 In vielen Ländern entwickelte der von mystifizierenden Vorstellungen umgebene Begriff Shangri-La – abgetrennt von seinem Sinn im Roman – ein Eigenleben, das anhält. Als Beispiele dafür:

Geschäfte und Restaurants auf der ganzen Welt tragen den Namen Shangri-La. 1963 benannte sich eine amerikanische Girlgroup The Shangri-Las. Williams Electronics baute von 1962 bis 1967 einen Flipper namens Shangri-La. Zwischen 1963 und 1973 trat ein italienischer Rennfahrer unter dem Pseudonym Shangri-La regelmäßig bei internationalen Autorennen an. Der Multimilliardär Robert Kuok gründete 1971 die Luxushotelkette Shangri-La Hotels and Resorts. Steve Bing und Adam Rifkin gründeten im Jahr 2000 die Filmproduktionsgesellschaft Shangri-La Entertainment. Shangri-La Air war eine Fluggesellschaft in Nepal, die im August 2002 nach einem Flugzeugabsturz vor allem in Deutschland eine größere Bekanntheit erlangte. Als Shangri-La-Dialog wird seit 2002 die wichtigste Sicherheitskonferenz in der Region Asien-Pazifik bezeichnet. Viele Schlagertexte nutzen das Wort zur symbolischen Ortsbezeichnung. Auch in zahlreichen Büchern wurde Shangri-La behandelt oder adaptiert.

Topographisches Die Millionenerbin Doris Duke taufte ihr luxuriöses Anwesen auf Hawaii Shangri-La. Ein 1946 gegründetes Seebad in Uruguay heißt Shangrilá. Antarktische Täler: Teilnehmer der Victoria University’s Antarctic Expeditions gaben 1961 einem vollständig von Berggipfeln isolierten Tal in Viktorialand den Namen Shangri-La, ebenso trägt das Shangri-La Valley den Namen Ein noch unerforschtes Gebiet auf dem Titan, dem größten Mond des Planeten Saturn, heißt seit 2006 Shangri-La. In Pakistan wird der Untere Kachura-See seit 1983 offiziell parallel Shangri-La-See genannt. Eine 1992 neu gegründete Gemeinde an der Küste von Rio Grande do Sul in Brasilien erhielt den Namen Xangri-lá.

Musik Die britische Rockgruppe The Kinks sang auf ihrem Konzeptalbum Arthur (1969) das Lied Shangri-La, womit das Reihenhaus des Titelhelden gemeint ist, in dem er sein Paradies und eigenes Königreich findet und sich für seine harte Arbeit belohnen kann.