Das Artophorion (griechisch: ἀρτοφόριον artophórion „Brotgefäß“Weitere Bezeichnungen: griechisch: κιβωτός kibōtós und kirchenslawisch: кївѡтъ kïvōt’ „Lade“; russisch хлебоносец „Brotträger“, дарохранительница „Gabenträgerin“.) ist ein liturgisches Gerät in der Orthodoxen Kirche. Es hat sich aus der Form der Pyxis entwickelt und ist etwa seit der Jahrtausendwende nachweisbar. Das Artophorion dient dazu, die Eucharistie für die Krankenkommunion und die Präsanktifikatenliturgie aufzubewahren. Verschiedene Formen kommen vor, am häufigsten die einer Miniatur-Kirche. In dieser Form wird das Artophorion im slawischen Raum als „Zion“ oder „Jerusalem“ bezeichnet. Daneben gibt es Artophorien als Lade oder als Miniatur-Sarg sowie als Taube. Je nachdem steht das Artophorion auf dem Altar oder hängt (als Taube) darüber.

Beispiele Bild Ort und Zeit Museum Beschreibung140x140pxAntiochia am Orontes, um 970Aachener DomschatzkammerArtophorion, sekundär als Reliquar genutzt. Das Kirchenmodell ist 39 cm hoch mit einer Seitenlänge von etwa 20 cm. Die Architektur ist der Heilig-Grab-Ädikula in Jerusalem nachempfunden.Ulrike Koenen: Byzanz: Knotenpunkt und Schmelzpunkt. Reflexionen über die Begriffe ‚Einfluss‘ und ‚Rezeption‘ an ausgewählten Beispielen des Kunsthandwerks. In: Andreas Speer, Philipp Steinkrüger (Hrsg.): Knotenpunkt Byzanz. Wissensformen und kulturelle Wechselbeziehungen (= Miscellanea Mediaevalia. Band 36). De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 761–784, hier S. 762–766.140x140pxKonstantinopel, 1059–1067Rüstkammer des Moskauer KremlsArtophorion, sekundär als Demetrios-Reliquar genutzt.140x140pxMariä-Entschlafens-Kathedrale (Moskau), 1486 (Replik)Staatliches Historisches Museum, Moskau140x140pxTranssilvanische Werkstatt, um 1510Muzeul Național de Artă al României, BukarestDem Kloster Timios Prodromos (Johannes der Täufer) in Serres 1616 gestiftetBenaki-Museum, Athen22 cm hohes Kirchenmodell, Silber vergoldet, Details mit weißem, blauem und grünem Email eingelegt.Benaki-Museum: Post-Byzantine and Neo-Hellenistic art140x140pxKloster Visoki Dečani, 1626Nationales Historisches Museum (Bulgarien)Genaue Replik der Klosterkirche. Werkstatt Chiprovtsi.National History Museum Sofia: Adrianopel, 1667Benaki-Museum, AthenSilberne Pyxide, Höhe mit Kreuz 15 cm, Durchmesser 12 cm.Benaki-Museum: Post-Byzantine and Neo-Hellenistic artAdrianopel (Ostthrazien), vor 1668Byzantinisches und Christliches Museum, AthenZylinderförmig, 71 cm hoch. Holz mit silbernen, vergoldeten Beschlägen verkleidet. Aus dem persönlichen Besitz des Metropoliten von Adrianopel Neophytos, ab 1668 Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel.Byzantine and Christian Virtual Museum: Wooden Ciborium (artophorion), Offering by Neophytos, Metropolitan of Adrianople140x140pxMoldau, 1668/69Muzeul Național de Artă al României, Bukarest140x140pxKloster der Panagia Ikosifinissa, Gemeinde Amfipoli, 18. JahrhundertNationales Historisches Museum (Bulgarien)140x140pxWalachische Werkstatt, 1784Muzeul Național de Artă al României, BukarestNachbildung der Kathedrale von Curtea de Argeș140x140px19. JahrhundertBenaki-Museum, Athen68 cm hohes Kirchenmodell. Silber teilvergoldet.Benaki-Museum: Post-Byzantine and Neo-Hellenistic artGeorghe Anghelachi, Rumänien, 1884Ikonen-Museum Recklinghausen26 cm hoch, Messing. „Über dem Schrein mit der Lade ein Aufbau mit drei Kuppeln, die von ornamentierten Kreuzen gekrönt werden.“Kunstsammlungen der Stadt Recklinghausen: Ikonen-Museum. Aurel Bongers, 6. Auflage 1981, S. 199.140x140pxFedor Mishukov, Russland, 1912Tretjakow-Galerie, Moskau

Literatur

Jean Paul Deschler: Wort und Bedeutung. Glossar zu Liturgie und Ikonographie mit besonderer Berücksichtigung ostkirchlicher Theologie. Kerala 2012. (Online)

Anmerkungen

Kategorie:Byzantinischer Ritus