mini|alternativtext=,|Wappen

Die Sankt-Peters-Abtei (ndl. Sint-Pietersabdij) ist eine ehemalige Benediktinerabtei in Gent, der Hauptstadt der Provinz Ostflandern im Königreich Belgien. Das Kloster liegt an einem alten Scheldearm auf dem Blandinberg oder Blandinenberg (ndl.: Blandijnberg), einem Hügel, der mit 28 m der höchste Punkt von Gent ist.

Geschichte mini|Neu angelegter Weingarten vor der Sint-Pieterskerk auf dem Blandinberg mini|Kloster und Kirche auf dem Pietersplein (Petersplatz)

Auf einem Hügel namens Blandinium gründete der Mönch Amandus im 7. Jahrhundert zur Regierungszeit des fränkischen Königs Dagobert ein Kloster, aus dem später die Benediktinerabtei von Sankt Peter (lateinisch: S. Petri Blandiniensis coenobium) hervorging. Im Laufe der Jahre konnte das Kloster durch allerlei Schenkungen seinen Besitz mehren.Viele Orte sind hier so erstmals erwähnt, wie z. B. Merendree als villa Merendra bei einer Schenkung an das Kloster St. Peter für das Jahr 722 unter Abt Baudemundus, gemacht von einem Wendelfridus: Annales Blandinienes. MGH 872, p.22 Karl der Große soll das Kloster Blandinium kurz vor seinem Tod noch wieder herrichten lassen haben.Karl der Große besuchte den ANNALES REGNI FRANCORUM für das Jahr 811 zufolge zuerst den Küstenort Bononia (Boulogne) im damaligen äußersten Westen Flanderns, besichtigte dort die von ihm zuvor gewünschte und daher neuerbaute Schiffsflotte, ließ dort den alten Leuchtturm wieder instand setzen und begab sich anschließend in den Osten Flanderns an die Schelde, wo er in Ganda (Gent) den Bau der Schiffe für ebendiese Flotte begutachtete. Danach kehrte er Mitte November nach Aquae (Aachen) zurück. (Originaltext in den Annalen: „Ipse autem interea propter classem quam anno superiore fieri imperavit videndam, ad Bononiam, civitatem maritimam, ubi eaedem naves congregatae erant, accessit, farumque ibi ad navigantium cursus dirigendos antiquitus constitutam restauravit, et in summitate eius nocturnum ignem accendit. Inde ad Scaldim fluvium veniens, in loco qui Ganda vocatur, naves ad eandem classem aedificatas aspexit, et circa medium Novembrium Aquas venit.“) Es ist sehr wahrscheinlich, dass er bei dieser Gelegenheit auch die beiden Klöster in Gent besuchte und sich über deren Zustand informierte. Karls Sekretär und Architekt Einhard wurde von dem Sohn und Nachfolger Ludwig dem Frommen dort zum Laienabt ernannt. Schon im Jahre 815 soll dort am Südhang des Blandinbergs Wein angebaut worden sein.

Um 870 erwarb Baldwinus Ferreus (Balduin mit dem Eisenarm), erster Graf von Flandern (837/40–879) das Kloster. Sein Sohn, Baldwin der Kahle (879–918), zweiter Graf von Flandern, ist der Klosterchronik zufolge auf dem Hügel gestorben und ebenfalls dort begraben. Wie alle Klöster in Flandern hatte auch St. Peter unter den Wikingerraubzügen zu leiden. Um 960 ließ Graf Arnulf der Große das Kloster aufwändig wiederherstellen und wurde kurz darauf (964) ebenfalls hier zur letzten Ruhe gebettet.

Über das Mittelalter sollen hier insgesamt fünf flandrische Grafen begraben worden sein, weshalb der Ort in der Geschichte Flanderns eine besondere Bedeutung hat. Wegen seiner Bedeutung entstand um das Kloster herum ein regelrechtes Klosterdorf (Sint-Pietersdorp). Während der Reformationszeit erfasste der Bildersturm dann das Kloster.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen wurde das Kloster im Jahr 1796 aufgelöst. Den Anbau von weißen Weintrauben, der am Südhang des Hügels, hinunter zur Schelde, betrieben wurde, ließ Napoleon verbieten, wohl um die französischen Weinbauern vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Die Mönche kehrten nach dem Ende der Besatzung nicht zurück. Die Klosterkirche wurde von nun an durch die benachbarte Kirchengemeinde genutzt, da deren Kirche Onze-Lieve-Vrouw 1799 abgebrochen worden war. Die ehemalige Klosterkirche trägt deshalb seitdem die Doppelbezeichnung Onze-Lieve-Vrouw-Sint-Pieterskerk. Das Klostergebäude selbst diente weltlichen Zwecken. Die Abtei wird heute als Museum und Ausstellungsraum verwendet, und am sonnenbeschienenen Südhang sind wieder Weinstöcke zu sehen.

Am Zusammenfluss von Schelde und Leie, nicht weit vom ersten Kloster entfernt, gründete Amandus ein weiteres Kloster mit Namen „Ganda“ (heute die Abtei des Heiligen Bavo: Sint-Baafsabdij).Einhard beschreibt die Lage des Klosters am Zusammenfluss von Schelde und Leie in einer seiner Schriften über zwei Heilige (Translatio et Miracula sci Marcellini et Petri): „… de monasterio Sancti Bavonis quod situm est iuxta Scaldim in loco Ganda vocato, ubi idem amnis Legiae flumini coniungitur“ (Ü.: … vom Sankt-Bavo-Kloster, das an der Schelde gelegen ist, an einem Ort Ganda genannt, dort wo ebendieser Fluss mit dem Fluss Leie zusammengeht). Aldawin oder auch Allowin von Haspengau, angeblich ein Sohn des Pippin von Landen und danach Bruder von Begga und Gertrudis, trat in das erste Kloster von Amandus ein und nahm den Namen Bavo an. Nach seinem Tod wurden seine Überreste ins zweite Kloster gebracht, das seit dem 9. Jahrhundert seinen Namen trägt.

Baugeschichte mini|Die Kuppel der Kirche

Die karolingischen Bauten wurden im 12. bis 13. Jahrhundert weitgehend durch solche im romanischen Stil ersetzt. Zwischen 1629 und 1651 wurde dann eine Kirche im Barockstil aus Sandstein errichtet, und weitere Umbauten im 18. Jahrhundert geben der Anlage schließlich ihr heutiges Gesicht. Anfang November 1796 wurden die letzten Mönche vertrieben und die Klostergebäude in eine Kaserne verwandelt. Später dienten die Gebäude als Gefängnis, welches erst 1948 aufgelöst wurde. Heute wird das ehemalige Kloster, wie bereits erwähnt, als Raum für Ausstellungen verwendet.

mini|Urkunde Ludwigs des Frommen aus den Zeitraum 814 bis 819, worin er dem „monasterium Ganda“ auf Wunsch Einhards Immunität gewährt.Eine Schwierigkeit in der Geschichte der beiden Klöster in Gent besteht darin, dass sich zuweilen nicht entscheiden lässt, welches der Klöster gemeint ist. So werden in der Urkunde Ludwigs sowohl der Name Sankt Peter als auch Sankt Bavo genannt. Das lässt die Annahme zu, das beide Klöster zeitweise gemeinsam verwaltet wurden. Auszug aus der Urkunde Ludwigs des Frommen (heute im Besitz des Genter Stadtbibliothek):

Catalogus Abbatum Die catlog von ab1te dieser abtei hat monche von adliger familien.L'Abbaye de Saint Pierre à Gand.-Edmond de BUSSCHER 1867 – PAg. 130 618–1000 Periode Name I 618–636 S. Flobertus II 636–658 S. Ioannis III 1658–731 Baudemundus IV 731- Ferrecus V Hatta VI Coelestinus VII Scoranus VIII Folradus IX –870 Aynardus X 870–937 Robertus XI 937–953 Gerardus I XII 953–982 Womarus XIII 982–986 wido Sapiens XIV 986–995 S. Odwinus XV 995–1005 Rotbaldus

1028–1209 Periode Name XVI 1028- Richardus XVII 1034–1059 Wyckhardus XVIII 1059–1070 Everelmus XIX 1070–1088 Folcardus XX 1088–1108 Segherius I XXI 1108–1115 Ansboldus XXII 1115–1115 Eremboldus I XXIII 115–1132 Arnoldus I XXIV 1132–1138 Ghysbertus XXV 1138–1158 Seghereius II XXVI 1158–1163 Ememboldus II XXVII 1163–1177 Gualtherinus XXVIII 1177–1190 Hugo XXIX 1190–1201 Gerardus XXX 1201–1209 Hugo II 1209–1390 Periode Name XXXI 1201–1209 Hugo III XXXII 1209–1230 Arnoldus II XXXIII 1230–1234 Theodoricus XXXIV 1234–1238 Segherius III XXXVI – Robertvs II vande VeldeXXXV–Arnoldus III XXXVII – Robertvs III Campinus XXXVIII – Joannes de Scalda XXXIX – Aegidius Spelmaeghen XL – Theodoricvs II ab Yprae XLI 1281–1308 Ioannes III Pacificator XLII 1308– Balduinis de Laecke XLIII 1317– Fulcro de Rycke XLIV 1337– Joannes IV ab Pitthem XLV 1375– Balduinis de Gruutere XLVI 1384– Ioannes V de Rycke XLVII1387- Gerardvs III de Munter

1390–1517 Periode Name XLVIII 1390–1412 Geeraert IV de Leeuwenaert XLIX 1412–1422 Ioannes VI de Maeyeghem L1422–1443 Busschardvs de Munter LI 1443–1475 Ioannes VII Haesebyt LII1475–1494 Filips I von Polignac LIII 1494–1517 Filips II Courault

1517–1700 mini|Ghisleen Temmerman, abt OSB

Periode Name LIV1494–1517 Ioannes VIII von Cauweburcht LV 1517–1555 Geeraert Cuelsbrouck LVI1555–1569 Franciscus de SchelfautLVII1569–1582 Ghislenus de TemmermanLVIII1582–1595 Lambertus HubertiLIX1595–1597Frederik van Eyne LX1597–1615 Colombanus Vrancx LXI1615–1633Joachim Arsenius Schaecx LXI1633–1650 Geeraert Rym LXII1650–1656 Antonius EngrandLXIII1656–1680Amandus HovelincxLXIV1680–1684Robertus IV WillocqueauLXV1684–1712Maurus Verschueren

Finis mini|Grab Martinus Gheerts mini|Grab Filips Standaert, OSB

Periode NameLXVI 1716–1719 Aemilianus CruyckeLXVII 1720–1760 Antonius Mutsaert1730–1760 Filips Standaert1760–1791 Gudwalus Seigers1791– Martinus vande Velde

Handschriften mini|160px|Seite aus dem Codex Blandiniensis

In der Schreibstube des Klosters sind im Laufe des Mittelalters verschiedene Handschriften und Urkunden entstanden, wie: die Annales S. Petri Blandiniensis, die Informationen über die Zeit von 570 bis 1292, insbesondere hinsichtlich der Geschichte Flanderns sowie der flandrischen Grafen im Mittelalter liefern. (Siehe: Quellen) der Codex Blandiniensis, eine der ältesten Handschriften mit den Texten der Messgesänge, entstanden im 8. bis 9. Jh., heute in der Königlichen Bibliothek zu Brüssel befindlich. der Liber traditionum sancti Petri Blandiniensis (Het boek der schenkingen aan de St.-Pietersabdij / Oorkondenboek der stad Gent), Urkunden- und Dokumentsammlung des Klosters St. Peter.Informationen zum Liber Traditionum: (englisch).Aus dem Liber traditionum: Schenkung des Gerard von Oudenaarde von Land in Oosterzele an das Kloster St. Peter in Gent (lateinisch). die Vita Sancti Amandi, ein Text über das Leben des Klostergründers aus dem 8. Jahrhundert, die einem Baudemundus als Verfasser zugeschrieben wird. Es dürfte sich dabei wohl um den zweiten Abt der St. Petersabtei handeln. Eine der überlieferten Handschriften dieses Textes wird heute in der Bibliothek der Universität Gent aufbewahrt.

Herausgaben Annales S. Petri Blandinienses. In: MGH Scriptores 5: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici. VII. Annales Blandinienses a. 1 – 1292, ed. Ludw. Bethmann, S. 20–34 (lateinisch). Fundatio Blandiniensis coenobii [a. 941, Gent]. In: M. Gysseling, A. C. F. Koch: Het „fragment“ van het tiende-eeuwse Liber traditionum van de Sint-Pietersabdij te Gent. In: Bulletin de la Commission royale d’Histoire. Band 113. Paleis der Academiën, Gent 1948, S. 253–312 (Hier S. 272–299, persee.fr) (= Diplomatica Belgica. Nr. 49, S. 123–138). Liber traditionum Sancti Petri Blandiniensis. Hrsg. v. A. Fayen. Gent 1906. (lateinischer Text der Urkunden) B. Krusch: Vita sancti amandi. In: Monumenta Germaniae Historica Scriptores (rerum merov.) Teil V, Hannover (lateinisch).

Sonstiges Dunstan, Erzbischof von Canterbury verbrachte sein Exil im Kloster St. Peter in Gent, bevor er 957 nach England zurückkehrte. Die Briefe des Wido Blandiniensis und eine Uita Dunstani Cantuarensis, von Adalardus Blandiniensis verfasst, sind erhalten.

Bilder

Literatur Otto Oppermann: Die älteren Urkunden des Klosters Blandinium und die Anfänge der Stadt Gent. 2 Bände. Utrecht 1928.

Weblinks

Kunsthal Sint-Pietersabdij Virtueller Rundgang im Innenhof der Abtei Panoramarundblick vom Innenhof Panoramarundblick über den Weinberg und Abteigarten auf dem Blandinberg Die Abtei und der Platz vor der Petersabtei

Einzelnachweise

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