Winkel, früher auch Winkel bei Bülach, ist eine politische Gemeinde im Kanton Zürich. Sie gehört zum Bezirk Bülach im Zürcher Unterland.

Wappen Blasonierung: Gespalten von Rot und von Silber mit zwei schwarzen Sparren

Dorfwappen

Geographie Die Gemeinde Winkel liegt im Zürcher Unterland. Sie besteht aus den drei Dörfern Winkel, Rüti und Seeb. Geographisch ist sie am Westhang des Dättenbergs zwischen den Städten Kloten und Bülach gelegen. Die Einwohnerzahl beträgt heute (2022) gegen 5000 Einwohner, von denen etwas weniger als die Hälfte in Rüti leben. Das Siedlungsgebiet von Winkel und Seeb ist mittlerweile zusammengewachsen. Winkel und Rüti werden durch eine Geländekuppe am Dättenberg getrennt; Rüti selbst besteht wiederum aus den beiden heute ebenfalls zusammengewachsenen Ortsteilen Ober- und Niederrüti. Auf Winkler Gemeindegebiet liegt auch ein Teil einer Landebahn des Flughafens Zürich.

Bevölkerung Das Bevölkerungswachstum der Gemeinde ist eng mit der Geschichte der Entwicklung des Flughafens Zürich verbunden. So betrug die Einwohnerzahl von Winkel vor der Flughafeneröffnung 1948 lediglich einige hundert Seelen. Ende der 1990er Jahre erlebte die Gemeinde einen zusätzlichen Bevölkerungsschub, als innerhalb eines Jahres gegen 500 Wohnungen gebaut wurden, was auch nachhaltig das «Einfamilienhäuschenbild» der Gemeinde veränderte.

+ Bevölkerungs­entwicklungQuellen: 1634/1710: HLS, 1850–1960: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Winkel. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 1962–2022. Jahr 1634 1710 1850 1900 1950 2000 2005 2010 2015 20202024 Einwohner 231 517 751 621 520 3333 3688 3927 4237 46495058

Ende 2022 gehörten 35,7 % der Einwohner der evangelisch-reformierten Konfession an, 24,5 % der römisch-katholischen, und 35,8 % waren Mitglieder einer anderen Glaubensgemeinschaft oder konfessionslos.Gemeindeporträts. Winkel. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.

Politik Gemeindepräsident ist Marcel Nötzli (SVP, Stand 2023).Gemeinderat. Website der Gemeinde Winkel. Als Ortsparteien sind die SVP, die FDP und die EVP präsent. Als eine der wenigen Gemeinden des Kantons Zürich gibt es keine Vertreter der SP oder einer freien Liste im Gemeinderat.

Bei der Nationalratswahl 2019 erreichten die Parteien folgende Wähleranteile: SVP 38,94 %, FDP 21,57 %, glp 11,96 %, SP 8,19 %, Grüne 6,64 %, EVP 4,16 %, CVP 2,94 %, EDU 2,36 %, BDP 1,75 % und andere (8) 0,29 %.

Die Wähleranteile bei der Nationalratswahl 2023: SVP 41,11 % (+2,17 %), FDP 20,01 % (−1,55 %), glp 10,17 % (−1,79 %), SP 9,37 % (+1,18 %), Die Mitte 7,25 % (+2,56 %), EVP 3,76 % (−0,40 %), Grüne 3,25 % (−3,39 %), EDU 1,77 % (−0,59 %), Aufrecht Zürich 1,29 %, andere (11) 2,01 %.Nationalratswahl 2023. Kanton Zürich. 25. Oktober 2023.

Wirtschaft Auf Gemeindegebiet befindet sich ausser der Gemüsegärtnerei Eymann und einigen Kleingewerbebetrieben keine nennenswerte Industrie. Die Gemeinde weist einen der tiefsten Steuersätze des Kantons Zürich auf.

Geschichte 250px|mini|Winkel, im Hintergrund Seeb (1962), fotografiert von Werner Friedli 250px|mini|Villa Tusculum (1914) Das Dorf Winkel wurde zum ersten Mal im Jahre 1044 urkundlich erwähnt. In der Nähe von Seeb befand sich allerdings schon im 1. bis 4. Jahrhundert ein grosser römischer Gutshof, von dem heute umfassende konservierte Überreste zu besichtigen sind. Nebst dem römischen Gutshof findet man im Rütner (oder auch Rütemer) Wald alemannische Hügelgräber, von welchen einige vor mehreren Jahren freigelegt wurden.

Die Namen der Dörfer stammen aus dem Alemannischen. Sie bezeichnen im Falle von Winkel den Hügeleinschnitt, in dem der Zentralort der Gemeinde liegt, bei Rüti die Waldrodung (erstmals bezeugt 1417) und bei Seeb den mittlerweile verlandeten See, an dem dieses Dorf lag (erstmals bezeugt 1311).Die Siedlungsnamen des Kantons Zürich auf ortsnamen.ch – dem Portal der schweizerischen Ortsnamenforschung.

Wichtige Grundherren im Gebiet der heutigen Gemeinde waren im Hoch- und Spätmittelalter die Klöster St. Martin, St. Blasien, Engelberg und Einsiedeln sowie das Chorherrenstift in Zürich. In Winkel selbst lag ein Dinghof, dem die Gotteshausleute einer grösseren Region gerichtshörig waren. Die verschiedenen Herrschaftsrechte lagen bei den Habsburgern, Regensbergern, Kyburgern und ab 1424 bzw. 1452 bei der Stadt Zürich. Die heutige politische Gemeinde existiert seit 1811; daneben bildeten Winkel-Seeb, Rüti und Eschenmosen noch bis ins 20. Jahrhundert autonome lokale Zivilgemeinden. Kirchlich gehört Winkel zu Bülach.

1917 wurde das Dorf Eschenmosen, das bis dahin zur Gemeinde Winkel gehört hatte, an die Gemeinde Bülach abgetreten.

Das früher von den drei bäuerlichen Dorfkernen geprägte Dorfbild hat sich nicht zuletzt infolge der Eröffnung des Flughafens Zürich stark verändert. Heute sind grosse Teile des Gemeindegebiets mit Ein- und Mehrfamilienhäusern überbaut, und selbst in den alten Dorfkernen fanden massive bauliche Eingriffe statt. In Rüti liegt eine Terrassensiedlung, welche um 1970 von der Swissair für das in der Gegend Wohnraum suchende Personal gebaut wurde.

Schule und Kultur Die Gemeinde verfügt über zwei Primarschulhäuser (eines in Rüti, das andere in Winkel), drei Kindergärten sowie ein Gemeindezentrum.

Die «Kammerspiele Seeb», heute ein professionelles Kleintheater, wurden 1974 von vier Jugendlichen als «Hobby-Theater Seeb» in dem zu Winkel gehörenden Weiler Seeb gegründet. Seit 2006 ist das Theater allerdings im benachbarten Bachenbülach domiziliert.Geschichte. Kammerspiele Seeb, abgerufen am 11. Februar 2022.

Sehenswürdigkeiten

Persönlichkeiten Konrad Meyer (1824–1903), Gemeindepräsident von Bülach, Bezirksrichter sowie Mundartpoet mit Pseudonym Julius Freimund Johannes Meyer-Rusca (1851–1936), Seidenkaufmann, Zürcher Kantonsrat, Bankrat und Handelsrichter sowie Winkler Zivilgemeindepräsident, Schulvorsteher, Friedensrichter und Forstvorstand Walter Meyer (1882–1969), Sohn des Vorigen; Zivilingenieur und Förderer der chilenischen Region Los Lagos Emmi Creola-Maag (1912–2006), Werbetexterin und Erfinderin der fiktiven Schweizer Köchin Betty Bossi Reto Hug (* 1975), Triathlet, Ehemann von Nicola Spirig, wohnten in Winkel Benedikt Schmidt, Weltmeister im Rudern 1997, Zweier ohne LeichtgewichteMarkus Wyss: Dernière/Premiere fiel nicht ins Wasser. In: Zürcher Unterländer. 12. Dezember 2021. Nicola Spirig (* 1982), Olympiasiegerin im Triathlon 2012, Ehefrau von Reto Hug, wohnten in Winkel

Literatur Hermann Fietz: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen. Winkel (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 15). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1943, , S. 79 f. (Digitalisat).

Hans Peter Treichler: Winkel. Drei Dörfer – eine Geschichte. Hrsg. von der Gemeinde Winkel. bm Druck, Winkel 2013, ISBN 978-3-033-04298-8.

Aus der Geschichte von Winkel. Website der Gemeinde Winkel.

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Winkel Statistische Daten der Gemeinde Winkel

Einzelnachweise

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