Der Anschlag, englischer Originaltitel 11/22/63, ist ein 2011 erschienener Roman des amerikanischen Schriftstellers Stephen King. Darin schildert ein Zeitreisender in der Ich-Form, wie er versucht, innerhalb eines fünfjährigen Vergangenheitsaufenthaltes nebst anderen Unglücken vor allem das Attentat auf John F. Kennedy am 22. November 1963 zu verhindern.

Das Buch ist der 51. Roman Kings und der 40., den er unter seinem eigenen Namen veröffentlichte. Die Kritiken in den amerikanischen und deutschen Leitmedien fielen überwiegend positiv aus.

Inhalt Protagonist und zugleich Erzähler der Handlung ist Jacob „Jake“ Epping, ein junger, kürzlich geschiedener High-School-Englischlehrer in Lisbon Falls. Eines Abends fesselt ihn ein Aufsatz eines seiner GED-Schüler mit der Aufgabe „Der Tag, der mein Leben veränderte“. Harry Dunning, der gehbehinderte Hausmeister der Schule, der nun seinen Schulabschluss nachholt, schreibt darin seine Erinnerung an den Halloween-Abend 1958 in seiner Heimatstadt Derry nieder, in der sein betrunkener Vater seine von ihm getrennt lebende Mutter und Geschwister mit einem Hammer erschlug und ihn selbst zum Krüppel machte.

Teil 1: Ein entscheidender Augenblick Zwei Jahre nach diesem Aufsatz, im Jahr 2011, erhält Jake zu seiner Verwunderung eine private Einladung von Al Templeton, dem Inhaber seines Stammlokals, eines örtlichen Diners. Als er eintrifft, stellt er schockiert fest, dass Al unerklärlicherweise über Nacht bedeutend gealtert und vor allem todkrank geworden ist. Al eröffnet ihm, dass sich in der Vorratskammer seines Diners ein „Zeitportal“ befindet, das zum 9. September 1958 um 11:58:00 Uhr führt. Am „Ausgang“ des Zeitportals scheint nur ein ständig betrunkener, heruntergekommener Mann mit einer auffälligen gelben Karte im Hutband zu ahnen, dass der eingetroffene Zeitreisende ein Geheimnis birgt, ansonsten wird man dort als normaler Zeitgenosse betrachtet. Jake, neugierig geworden, geht durch das Portal, verbringt etwa eine Stunde im Jahr 1958 und kehrt wieder in die Gegenwart zurück, wo währenddessen immer exakt zwei Minuten vergehen, unabhängig von der Länge des Aufenthalts in der Vergangenheit.

Hauptsächlich hat Al, weil das Portal das Mitbringen von Gegenständen erlaubt, die Vergangenheit zum günstigen Einkauf von Rindfleisch für sein Lokal genutzt. Doch hat er sich auch durch einige Experimente darüber vergewissert, dass der Geschichtslauf dauerhaft verändert werden kann und man nach Rückkehr in die Gegenwart noch die Spuren davon vorfindet. So hatte er auf der letzten Reise einen Jagdunfall eines jungen Mädchens verhindert, von dem sich anschließend in Zeitungsarchiven nichts mehr finden ließ. Doch jede erneute Reise in die Vergangenheit macht sämtliche beim letzten Mal vorgenommenen Veränderungen wieder rückgängig, führt also zu einem vollständigen „Neustart“ der Realität ab dem 9. September 1958. Das bedeutet zunächst, dass sich dort niemand an die zurückliegenden Reisen erinnert („Jedes Mal ist das erste Mal“), aber durch Jakes kurzen Ausflug hat beispielsweise der von Al zuvor verhinderte Jagdunfall wiederum stattgefunden, wie sie gemeinsam feststellen.

Überzeugt davon, dass ohne das Attentat auf John F. Kennedy im November 1963 die Weltgeschichte viel besser verlaufen und möglicherweise der Vietnamkrieg nicht eskaliert wäre, hat Al schließlich einen Plan geschmiedet, das Attentat nachträglich zu vereiteln. Diesen Plan hat er in der vergangenen Nacht auszuführen versucht und ab 1958 einige Jahre in der Vergangenheit zugebracht. Er hat Informationen über Lee Harvey Oswald gesammelt, ihn auch persönlich beobachtet und sich so gut es geht vergewissert, dass dieser tatsächlich Kennedys Mörder ist. Doch 1962 stellte sich heraus, dass Al wegen seiner fortschreitenden Lungenkrebs-Erkrankung den Plan selbst nicht mehr durchführen konnte, und er musste ein Jahr vor dem Attentat in die Gegenwart zurückkehren, um vor seinem bevorstehenden Tod jemanden ins Vertrauen zu ziehen und ihm das Vorhaben ans Herz zu legen.

Auf seinen Reisen hatte Al immer wieder gemerkt, dass die Vergangenheit sich auf rätselhafte Weise gegen Änderungen zu wehren scheint – direkt vor der Ausübung einer geschichtsverändernden Maßnahme kommt es zu unerklärlichen Zwischenfällen, etwa Autopannen oder plötzlichen Erkrankungen, die die Manipulation des Geschehens zu verhindern suchen, wobei – dies ist Jakes Folgerung – der Widerstand proportional mit den Auswirkungen der Änderung steigt. Das Vorhaben, Kennedy weiterleben zu lassen, lässt demnach erhebliche „Widerstände“ der Geschichte erwarten, die die Mission stark erschweren würden.

Teil 2: Der Vater des Hausmeisters Jake möchte zunächst einmal in einem kleineren Rahmen testen, ob Morde verhindert werden können. Er beschließt, die Familie Harry Dunnings vor der im Aufsatz geschilderten Bluttat zu bewahren. Mit falschen Papieren auf den Namen George Amberson, die ihm Al bereits besorgt hat, und einer erheblichen Menge zeitgemäßen Bargelds steigt er wieder in das Jahr 1958. Dort ist alles wie zuvor, allerdings ist die Karte des „Gelbe-Karte-Manns“ nun orange.

Jake kauft sich einen Gebrauchtwagen, reist damit nach Derry, mietet dort eine Wohnung, wobei er sich als Immobilienmakler ausgibt, und beschattet Harrys Vater, der, wie er erst herausfinden muss, Frank heißt. Von misstrauischen Einwohnern seinerseits beschattet und drangsaliert, lauert er in der entscheidenden Nacht Frank auf und greift in das laufende Geschehen ein, nachdem Harrys älterer Bruder Tugga bereits getötet und die Mutter verletzt worden ist. Durch sein Eingreifen wird die übrige Familie gerettet, Jake selbst bekommt allerdings eine heftige Kopfverletzung. Er verschwindet vom Tatort und gelangt trotz seiner Verwundung in die Gegenwart zurück.

Teil 3: Leben in der Vergangenheit Zurück im Jahr 2011 testet Jake, ob sein Eingriff in die Geschichte erfolgreich war, während Al seine Kopfverletzung versorgt. Einen behinderten Hausmeister Harry Dunning gibt es nun tatsächlich nicht. Jake findet die Telefonnummer von Harrys Schwester heraus und erfährt von ihr, dass Harry während der Tet-Offensive im Vietnamkrieg getötet wurde. Sie erkennt in ihm den geheimnisvollen „Schutzengel“ des Halloween-Abends und macht ihm wegen Vietnam schwere Vorwürfe, die Jake erstmals daran zweifeln lassen, ob es wirklich gut ist, die Vergangenheit zu ändern.

Als er Al am nächsten Morgen besuchen will, hat dieser sich das Leben genommen und nur einen Brief hinterlassen. Da Als Pachtvertrag für das Restaurant abläuft und damit das Zeitportal in wenigen Wochen zu verschwinden droht, nimmt Jake sich der geplanten Mission an. Mit Als Aufzeichnungen über Oswald sowie Listen von Sportergebnissen aus den Jahren 1958 bis 1963 (um durch Wetten seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können) reist er wieder ins Jahr 1958, löst also wieder einen Neustart der Geschichte aus. Dort entdeckt er zunächst, dass der „Mann mit der gelben Karte“ sich selbst getötet hat und nun eine schwarze Karte in der Hand hält.

Zunächst verhindert er erneut den Mord an Harry Dunnings Familie, wozu er einfach Frank Dunning bei einer günstigen Gelegenheit schon einige Zeit vor der Bluttat erschießt. Den Jagdunfall des Mädchens verhindert er ebenfalls erneut, indem er den betreffenden Jäger von der Teilnahme an der Jagd abhält. Dann zieht er nach Florida, erwirbt von einer Titelmühle ein Diplom in Englisch und verbringt den Rest des Jahres 1958 als Aushilfslehrer an einer Schule. Sein gemietetes Häuschen wird als Racheaktion eines Buchmachers, bei dem Jake eine hohe Wette gewonnen hat, niedergebrannt, während er nicht zu Hause ist.

Teil 4: Sadie und der General Aus Als Notizen weiß Jake, dass Oswald erst in einem Jahr aus der Sowjetunion in die USA zurückkehren und sich in Texas niederlassen wird. Die Wartezeit verbringt er in der texanischen Kleinstadt Jodie mit einer einjährigen befristeten Anstellung als Lehrer an einer Highschool. Sein hohes persönliches Engagement macht ihn bei Schülern und Kollegen bald sehr beliebt, er wird für das folgende Schuljahr unter Vertrag genommen.

Eine leidenschaftliche Beziehung mit der neu eingestellten Schulbibliothekarin Sadie Dunhill bahnt sich an, die vor ihrem psychotischen Ehemann nach Texas geflohen ist. Nach einiger Zeit zerbricht die Romanze allerdings daran, dass Sadie zahlreiche kleine Anachronismen in Jakes Verhalten auffallen, Jake ihren Fragen jedoch nur ausweicht. Sie verlieren sich eine Zeitlang aus den Augen. Sadie reist nach Nevada, um ihre toxische Ehe aufzulösen, was wegen des dort liberaleren Scheidungsrechts möglich ist.

Jake verlässt Jodie, um Oswald zu überwachen, der inzwischen eine heruntergekommene Wohnung in Fort Worth gemietet hat. So kann er nicht nur Oswalds Kontakte mit George de Mohrenschildt verfolgen, sondern später auch verifizieren, dass Oswald (wie bis heute vermutet, aber nicht endgültig bewiesen) der Schütze beim Attentat auf General Edwin Walker im April 1963 war.

Vorsichtig nimmt Jake wieder Kontakt zu Sadie auf, ihre Liebe zueinander flammt wieder auf. Schon bald brauchen sie einander, nachdem Sadie von ihrem eifersüchtigen Ex-Mann überfallen und im Gesicht grausam entstellt wurde. Jake pflegt sie aufopfernd. Als sie ihren Schock überwunden hat, weiht er sie nach und nach in seine Zeitreise ein, verrät ihr jedoch keine Einzelheiten seines Vorhabens, um sie nicht in die gefährliche Sache hineinzuziehen.

Teil 5: 22. November 1963 Um Sadies aufwendige Gesichtsoperationen zu finanzieren sowie ihr zu beweisen, dass er den Lauf der Geschichte schon kennt, schließt Jake erneut eine diesmal sehr gewagte Sportwette ab. Die Buchmacher sind alarmiert von seinen Wettgewinnen, die aus ihrer Sicht auf Insider-Informationen beruhen, und lassen ihn brutal zusammenschlagen. Jake muss elf Wochen im Krankenhaus verbringen und erleidet eine Amnesie. Er kann sich nur gelegentlich an die Namen nahestehender Personen einschließlich Sadie erinnern. Sein Vorhaben hat er vollständig vergessen, obwohl Sadie ihn anhand ihres Teilwissens dazu drängt, sich zu erinnern. Die Brocken, die ihm nach und nach wieder einfallen, hält er vor ihr geheim, um sie zu schützen.

Wenige Stunden vor dem Attentat erinnert er sich an Als Notizbücher, die er in einem Bankschließfach verwahrt hatte, ist wieder im Bilde und macht sich auf den Weg nach Dallas. Obwohl er Sadie heraushalten wollte, wird er von ihr unterwegs eingeholt und benötigt ihren Beistand auch tatsächlich. Gemeinsam bewältigen sie mehrere Verkehrsunfälle, Raubüberfälle und andere Hindernisse und erreichen kurz vor 12:30 Uhr in letzter Minute das fünfte Stockwerk des Texas School Book Depository, wo Oswald bereits sein Gewehr auf Kennedy angelegt hat. Jakes Schuss trifft Oswald zwar nicht, erschreckt ihn aber so, dass sein Schuss Kennedy verfehlt. Oswald schießt zurück auf Jake, der in dem Moment stolpert, so dass die hinter ihm hereinkommende Sadie tödlich getroffen wird. Dann wird Oswald von den durchs Fenster hereinprasselnden Schüssen des Secret Service getötet.

Teil 6: Der Mann mit der grünen Karte