mini|Hôtel Byron um 1900 als Detailausschnitt eines Gemäldes von Hubert Sattler Das Hôtel Byron war 1841 das erste Hotel in Villeneuve im Schweizer Kanton Waadt und später renommierter Kurort. Bis 1929 wurde das Hotel aufgelöst, das Gebäude wurde vom Chillon-College genutzt und 1933 durch einen Brand zerstört. Ein bestehendes Nebengebäude dient heute als Seniorenresidenz.

Lage mini|Links Hôtel Byron, im Vordergrund Schloss Chillon, rechts Villeneuve und die Simplonlinie, vor 1900. mini|Gemälde vom Genfersee mit Schloss Chillon, links im Hintergrund das Hôtel Byron Das Gebäude befand sich gegenüber dem Schloss Chillon nördlich des heutigen Stadtzentrums von Villeneuve am Ufer des Genfersees.Hôtel Byron auf der Siegfriedkarte. In: map.geo.admin.ch. Abgerufen am 14. Dezember 2011 An dieser Stelle hatte Aimon, Sohn von Thomas I. von Savoyen, im 13. Jahrhundert ein herzogliches Haus errichtet. Westlich des Hotels unmittelbar am See verläuft die Bahntrasse der Simplonlinie sowie die Avenue du Chillon, dort befindet sich die seit 1958 von der Trolleybuslinie Vevey–Montreux–Chillon–Villeneuve bediente ehemalige Tramhaltestelle Clos du Moulin.Siehe Stadtplan bei . Ehemaliger Name Byron. In südlicher Richtung erreicht man über die leicht abfallende Avenue de ByronSiehe Stadtplan bei . die etwa 400 Meter entfernte Ortsmitte von Villeneuve sowie Bahnhof und Schiffsanleger.

Geschichte

Bau 1837 bestätigte Vincent Masson-Vallon, ein Händler aus Vevey und Bürger von Veytaux, in einem Brief an den ausführenden Architekten Jean Marc Louis Junod den Bau des Hotels.. In: htr hotel revue. Am 14. Februar 1840 wurde das Hotel in der Gazette de Lausanne zur Vermietung ausgeschrieben, um im Juni des Folgejahres eröffnet zu werden. In: Gazette de Lausanne. 14. Februar 1840, S. 4. Mit seiner Einweihung am 27. Mai 1841 In: Gazette de Lausanne. 28. Mai 1841, S. 4 begründete es als erstes Hotel den Tourismus im Ort. Das Hotel trug ab 1839 den Namen von George Gordon Byron, genannt Lord Byron, der 1824 verstorben war, jedoch mehrfach in der Region residiert hatte.Lord Byron. auf montreux-vevey.com. Abgerufen am 14. Dezember 2011. Es handelte sich um die erste in völliger Abgeschiedenheit erbaute Hotelanlage der Schweiz. auf historischehotels.ch Das in klassischer Architektur gehaltene Gebäude verfügte über eine prächtige Halle, grossräumige Salons und reich ausgestattete Appartements und war damals das grösste Hotel an der Waadtländer Riviera. Die 15 Fensterachsen verteilten sich auf beidseits einen dreiachsigen Seitenrisalit und in der Mitte einen ebenfalls dreiachsigen Mittelrisalit mit vorgebauter Loggia, dazwischen dreiachsige Zwischentrakte. Die Küche befand sich im Untergeschoss.

Nutzung als Hotel Im Verlauf des Jahres 1841 logierten 547 Familien im Byron.Beilage zur Allgemeinen Zeitung München, 3. Februar 1843. In: Allgemeine Zeitung 1843, S. 271. Auf books.google.de. Der erste Besitzer hatte Hoffnungen auf die Nutzung einer Schwefelquelle gesetzt, musste jedoch ruiniert aufgeben. Johann Jacob Weber schrieb 1854 darüber, dass „der Erbauer bei seinem Unternehmen zu Grunde ging.“ Ende Januar 1843 versuchte der Eigentümer, Hotel und zugehörige Gebäude zu versteigern. In den Kantonen Waadt und Genf waren Versteigerungen untersagt, weshalb diese von der Gemeinde Menzingen im Kanton Zug ausgeschrieben und verbürgt wurde. Dem Verkäufer wurde vorgeworfen, bei der Preisschätzung von 1.200.000 Franken übertrieben zu haben.Beilage zur Allgemeinen Zeitung München, 6. März 1843. In: Allgemeine Zeitung. 1843, S. 484. Auf books.google.de. In: Gazette de Lausanne. 24. Januar 1843, S. 4. Die Regierung des Kantons Waadt schätzte den Wert des Hotels auf 120.000 Schweizer Franken, Nebengebäude und Lehnshäuser auf weitere 27.000 Franken und das dazugehörige Landgut mit Rebland und Baumgärten auf 100.000 Franken. Dem Mobiliar wurde ein Wert von 56.000 Franken zugewiesen. Am 3. Februar 1843 berichtete die Allgemeine Zeitung München, dass Liebhaber des Hotels Aktien angenommen und den Wechsel der Hauptdirektion bezahlt hätten. Am 14. In: Gazette de Lausanne. 10. Mai 1844, S. 4. und 20. In: Gazette de Lausanne. 19. Mai 1844, S. 5. Mai 1844 wurde das Mobiliar des Hotels zur Versteigerung angeboten, 1845 wurde das Gebäude erneut zum Verkauf angeboten. 1846 lehnte die Gemeinde Villeneuve den Antrag ab, im Hotel ein Spielcasino einzurichten.

Für den 1. Juli 1849 wurde die Neueröffnung des Hotels durch die Witwe Monney angekündigt, die auch mit der Schwefelquelle warb, In: Journal de Genève. 22. Juni 1849, S. 4. Reiseführer stuften das Hotel jedoch als veraltet ein. 1850 wurde durch Charles Boet die Renovierung des Hauses angekündigt, In: Journal de Genève. 26. Juni 1850, S. 4. 1853 revidierten die Reiseführer nach dem Bau eines Bades ihre Meinung. 1857 erhielt Villeneuve mit der Eröffnung der Bahnverbindung nach Bex durch die Compagnie de l’Ouest Suisse einen Eisenbahnanschluss, 1861 wurde die Verbindung nach Lausanne als Teil der Simplonlinie fertiggestellt.Bahnstrecke Brig-Lausanne auf schienenverkehr-schweiz.ch. Abgerufen am 15. Dezember 2011. Im März 1861 wurde bekanntgegeben, M. Wolff habe das Hotel von Curtin de la Rottaz übernommen. In: Journal de Genève. 1. März 1861, S. 4. Wolff führte die Geschäfte mit seinem Bruder Gustave, einem Norddeutschen, der auch das Hôtel de l'Écu in Genf betrieb.Werbung in: Damals wurde es mit Parks und Gärten, einem Lesesaal und Billard beworben.Werbung in Die beiden Wolffs als auch ihr Nachfolger scheiterten, so dass es zwischenzeitlich geschlossen blieb.Nineteenth Century Hotels In Switzerland, 1927. Abgerufen am 15. Dezember 2011 1868 schreibt George Bradshaw jedoch von einer hohen Reputation, von wöchentlichen Gottesdiensten in englischer Sprache im Wechsel mit dem Hôtel des Alpes und von Omnibus-Verbindungen vom Hotel zu allen am Bahnhof Villeneuve verkehrenden Personenzügen, zudem wurde die Genehmigung zur Einrichtung eines Telegraphenbüros erteilt. In: Gazette de Lausanne. 7. Mai 1868, S. 3. Der Transport mit eigenen Omnibussen wurde auch zum Anleger der Personenschifffahrt auf dem Genfersee und zu nahen Ausflugszielen angeboten.. Abgerufen am 15. Dezember 2011 1870 wurde es als Kurhotel empfohlen, obwohl die Schwefelquelle in Villeneuve nicht genutzt wurde. Ab 1872 wird in regelmässigen Werbeanzeigen in Gazette de Lausanne In: Gazette de Lausanne. 23. März 1875, S. 4. und Journal de Genève In: Journal de Genève. 9. März 1872, S. 5. wiederum G. Wolff als Besitzer genannt, der im April 1876 die Übertragung des Hotels an M. Emmerling ankündigte, in der Gazette de Lausanne, 10. April 1876, S. 4. der es ab Mai gemeinsam mit Rusterholz weiterführte. im Journal de Genève, 3. Mai 1876, S. 4.

mini|Panoramablick auf den Bauplatz des Hotels mit bestehender Seniorenresidenz und den Genfersee Bereits vor dem Anschluss an die lokale Gasversorgung 1876 verfügte das Hôtel Byron über eine Gasanlage. 1880 wird ein wöchentliches Taubenschiessen beworben, In: Gazette de Lausanne. 1. Juni 1880, S. 4. ein Jahr später kündigte der damalige Eigentümer Jean-Jacques de la Rottaz die Übertragung der Geschäftsleitung an Armleder Cadet an. in der Gazette de Lausanne, 15. März 1881, S. 4. 1882 erwogen einige ausländische und lokale Mediziner, das Hotel zu kaufen und in ein Sanatorium umzuwandeln. In: Gazette de Lausanne. 20. Januar 1882, S. 3. Nachdem im Sommer 1883 das Telefonnetz in Montreux in Betrieb genommen war, war auch ein Anschluss des Hotels vorgesehen. In: Gazette de Lausanne. 5. September 1883, S. 3. 1885 wurde der Verkauf des Hotels zur Liquidation einer Erbschaft angekündigt, In: Gazette de Lausanne. 4. Juli 1885, S. 2. aber nicht vollzogen. In: Gazette de Lausanne. 17. August 1885, S. 2. Im Juli 1889 folgte der Anschluss an die Elektrizitätsversorgung in Montreux mit einer damals sehr beachteten Freileitung. Ab 1896 wurde über den Neubau der Strasse zwischen Villeneuve und Chillon nachgedacht, um die Verlängerung der Strassenbahn zu ermöglichen und auf den unfallträchtigen Bahnübergang vor dem Hotel verzichten zu können. In: Gazette de Lausanne. 10. November 1896, S. 2. In: Gazette de Lausanne. 21. November 1896, S. 2. Zum 1. April 1897 wurde das Hotel für 375.000 Franken an den damaligen Direktor Hermann Gehrig verkauft, In: Journal de Genève. 22. Januar 1897, S. 1. In: Gazette de Lausanne. 22. Januar 1897, S. 2. der es seit dem 1. November 1885 neben dem Grand-Hôtel des Rochers de Naye führte. In: Gazette de Lausanne. 6. November 1895, S. 2. Im selben Jahr wurde es für 400.000 Franken an eine Aktiengesellschaft weiterveräussert. In: Gazette de Lausanne. 22. Januar 1898, S. 2.

Von 1896 bis 1899 wurde eine umfangreiche Modernisierung durchgeführt, die den Kern des Gebäudes intakt liess, aber ihm den Charakter eines neuen Gebäudes gab: An der Seeseite wurde auf der gesamten Gebäudelänge eine verglaste Galerie angebaut, die bisherige Säulenvorhalle wurde an der Nordseite wieder aufgebaut. Hinzu kamen technische Verbesserungen, In: Gazette de Lausanne. 19. Juli 1899, S. 4. beworben wurde die 1898 ergänzten Zentralheizung und Aufzug. in der Gazette de Lausanne, 1. September 1899, S. 4. Bereits im Februar 1899 war das Mobiliar zum Verkauf angeboten worden In: Gazette de Lausanne. 19. Januar 1899, S. 4. und das Hotel nach der Renovierung neu eingerichtet. Im Frühling 1900 erwarb das Hotel ein Automobil des Typs Panhard mit zehn Plätzen für den Betrieb auf der Hauptstrasse 9 von Villeneuve nach Veytaux und zum Schloss Chillon, bei der Fête des Narcisses wurde ein 20-Minuten-Takt angeboten, In: Gazette de Lausanne. 8. März 1900, S. 2. anschliessend wurden die regelmässigen Fahrten fortgesetzt. In: Gazette de Lausanne. 16. März 1900, S. 2. In Chillon bestand Anschluss an die damalige Strassenbahn Vevey–Montreux–Chillon (VMC) zu den touristischen Zentren in Montreux und Vevey. Am 14. Dezember 1903 wurde diese über die Haltestelle Byron. In: Eingestellte Bahnen in der Schweiz. Abgerufen am 14. Dezember 2011 am Hotel bis Villeneuve mit der damaligen eigenständigen Strassenbahn Chillon–Byron–Villeneuve (CBV) verlängert. Gehrig, der weiterhin Direktor des Hotels geblieben war, verliess es zum 1. Juli 1906. , Gazette de Lausanne, 19. Juni 1906, S. 2. 1912 wurde ein mit Baderäumen erbaut, das als einziges Bauwerk heute noch erhalten ist. 1923 verspricht eine Werbung des Hotels warmes Wasser in allen Zimmern, Tennis, Croquet und Golf sowie einen achteinhalb Hektar grossen Park, im Journal de Genève, 29. März 2013, S. 8. später wird es als Grand Hotel bezeichnet. im Journal de Genève, 25. September 1926, S. 3. 1926 wurde in Erwägung gezogen, einen Strand unterhalb des Hotels anzulegen, In: Gazette de Lausanne. 25. September 1926, S. 4. der am 26. Juni 1927 eingeweiht wurde. In: Journal de Genève. 27. Juni 1927, S. 8.

Im Mai 1929 wurde der Verkauf des Hotels und des Mobiliars angekündigt, In: Gazette de Lausanne. 17. Mai 1929, S. 3. der am 23. Juni von der Aktionärsversammlung beschlossen wurde. Käufer für 800.000 Franken war das Chillon-College aus dem nahen Grandchamp, die Übergabe wurde auf den 1. Oktober festgesetzt. In: Gazette de Lausanne. 23. Juni 1929, S. 2. Bis Juli warb das Hotel noch für seine Dienste, im Journal de Genève, 4. Juli 1929, S. 3. im Dezember wurde die Liquidation der Kapitalgesellschaft bekanntgegeben. In: Gazette de Lausanne. 5. Dezember 1929, S. 4.

Chillon-College

In Folge diente das Gebäude dem Institut de jeunes gens de Chillon-College, In: Gazette de Lausanne. 26. Januar 1933, S. 2. in dem einige hundert Schüler, vorwiegend aus dem englischen Kolonialgebiet, unterrichtet wurden.Schweizerisches: Waadt: Brand (PDF; 418 kB). In: Liechtensteiner Nachrichten, 28. Januar 1933, S. 3. Die singapurische Zeitung The Straits Times bezeichnete es als „Eton der Schweiz“.. In: The Straits Times, 17. Februar 1933, S. 8.