miniatur|hochkant|Westansicht miniatur|hochkant|Nordansicht miniatur|hochkant|Westportal mit Leonhardikette miniatur|hochkant|Südportal miniatur|hochkant|Buntglasfenster aus der Kirche, heute in der Zweigstelle des Metropolitan Museum of Art The Cloisters in New York

Die römisch-katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche von Bad St. Leonhard im Lavanttal besitzt einen für Kärnten einzigartigen Bestand an gotischen Glasgemälden. Die Kirche ist die älteste Kettenkirche und liegt östlich über der Stadt an einem Hang gelegen. Dass sich die Kirche außerhalb der Stadt befindet, hat möglicherweise mit der Pflege einer alten Kultstätte zu tun, die später eine christliche Bedeutung erlangte.

Geschichte Die Kirche hat ihren Ursprung in einer Leonhardskapelle, der „capella sancti Leonardi in Gaminare“ die vom Bamberger Bischof Otto I. zwischen 1106 und 1139 gegründet wurde. Von der 1278 erstmals erwähnten Pfarrkirche sind nur mehr Spuren vorhanden. Der Bau der heute vorhandenen Kirche wurde im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts begonnen und war um 1340 zum größten Teil abgeschlossen. Noch vor dem Einfall der Ungarn 1485 wurde die Kirche mit einer mächtigen Wehrmauer umgeben, von der nur mehr Reste in der Friedhofsmauer erhalten sind. Aus dieser Zeit stammt der massive Westturm, der 1591 nach einem Brand erneuert wurde. Im 17. Jahrhundert erhielt der Turm der Kirche einen Zwiebelhelm, ein neues Portal in der Wehrmauer, eine Freitreppe am Westportal und die Kirche neue Altäre. Sankt Leonhard wurde bis 1675 vom Bistum Bamberg verwaltet und war bis 1759 in dessen Besitz. Im 18. Jahrhundert wurden der Kirchenausstattung die Kanzel sowie Statuen und Ölbilder hinzugefügt. 1826 wurde die Leonhardikirche zur selbstständigen Dekanats-Pfarrkirche erhoben. 1885 beschädigte ein Brand den Turm und das Kirchendach. Danach erfolgte eine umfassende Restaurierung, welche die Wiedererrichtung der Dächer, die Instandsetzung und Ergänzung der Bauskulptur, die Ausmalung des Innenraumes, die Restaurierung der Altäre, die Ergänzung der Glasmalereien und die Neuanschaffung von Orgel und Glocken umfasste. Nachdem 1917 der 1885 wiedererrichtete Helm des Turmes abermals ein Raub der Flammen wurde, entschloss man sich, den barocken Zwiebelhelm durch eine Kopie des auf einem Votivbild dokumentierten, ursprünglichen Turmabschlusses mit Wehrerkern zu ersetzen. Da es in der Zeit der Weltwirtschaftskrise an Geld fehlte, wurden für den Turmbau zwölf der gotischen Glasgemälde nach Amerika verkauft. Diese befinden sich heute in The Cloisters des Metropolitan Museums in New York. Die verbliebenen Glasmalereien wurden während des Zweiten Weltkrieges ausgebaut und sicher verwahrt. Von den 1950er bis in die späten 1970er Jahre wurden die Fenster restauriert und wieder eingebaut. 1986 wurden bei einem Einbruch zahlreiche Kunstgegenstände gestohlen, darunter die vier gotischen Altarflügel des Annenaltars, von denen zwei wiedergefunden und 1993 an die Kirche zurückgegeben worden sind. Bei einem weiteren Einbruch 1987 wurde eine Glasmalerei, die Dornenkrönung, zerstört.

Bauwerk Außen In den Kirchhof führt ein 1645 von Hans Schmitzberger errichtetes spätmanieristisches Friedhofsportal. Es ist um ein rundbogiges Quaderportal mit Volutenschlussstein, gesprengtem Giebel und drei Obelisken.

Die Kirche, eine dreischiffige spätgotische Kirche mit langgestrecktem Chor, ist auf der talseitigen Südseite eine Basilika, auf der Nordseite eine Pseudobasilika. Die talseitige Südfassade ist aufwändiger gestaltet als die Nordfassade. Die niedrigeren Seitenschiffe werden von Strebepfeilern gestützt. An der Südseite befinden sich im Bereich der Obergaden des Mittelschiffes drei kleinere und an der Chorwand über der Sakristei zwei größere Rosettenfenster. Der Chor besitzt zweistufige Strebepfeiler mit Fialenabschluss und Blendfenster mit Spitzgiebeln über der unteren Abdachung. Im südlichen Chorwinkel ist eine niedrige Sakristei angebaut. Über die Sakristei geht ein Strebebogen, der durch eine Mauer und einen Strebepfeiler mit Fialenbekrönung abgefangen wird. An der Südseite dieses Strebepfeilers sind zwei von gotischen Baldachinen bekrönten Konsolen mit den Statuen der heiligen Leonhard und Laurentius aus dem 14. Jahrhundert.

Das Südportal mit einer Freitreppe hat ein mehrfach profiliertes Spitzbogengewände, das von zwei hoch aufragenden Fialtürmchen mit Krabben und Kreuzblume umrahmt und von einem mit zentraler Fensterrose und weiterem Maßwerk ausgestatteten Wimperg bekrönt wird. Die Darstellung des Heiligen Hauptes Jesu in der Rosette stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Der mächtige Kirchturm in der Westfassade wurde um 1485 erbaut, der Turmabschluss 1930, geplant von Karl Holey, nach alten Ansichten rekonstruiert. Das Glockengeschoß besitzt je zwei Schallöffnungen mit Segmentbögen und um das Pyramidenspitzdach vier vorkragende Eckerker mit Kegeldächern. Über dem Westportal des Turmes ist ein großes Spitzbogenfenster mit reichem Maßwerk erhalten. An der Südwand sind die Spolien eines Vorgängerbaues: Konsolskulpturen einer nymphenartigen Gestalt und die Evangelistensymbole Stier und Löwe eingemauert. Das spitzbogige, gotische Westportal mit einer im 17. Jahrhundert errichteten Freitreppe besitzt eine eisenbeschlagene Tür mit Schießlöchern. Im südlichen Bereich der westlichen Wand des Kirchenschiffs wurde eine Wandmalerei mit Christus in der Mandorla und Engeln teilweise freigelegt.

Die Kirche ist als Kettenkirche von einer Leonhardskette umgeben, die 1910–1912 geschmiedet wurde. Die ursprüngliche Kette wurde ca. 1480 von einem in türkische Gefangenschaft geratenen und wieder freigelassenen Bauern gestiftet. Diese Kette umschlang die Kirche zweimal und wurde in der Zeit Josefs II. entfernt.

An der Südseite der Kirche sind ein Grabstein mit Reliefkreuz, der Stiftergrabstein des Konrad Popp mit einem Relief der siebenköpfigen Familie unter dem Kruzifix von 1593, das von Hans Denk 1593 geschaffene Epitaph der Catharina Popp, ein Wappengrabstein mit Bildnisrelief von Wolfgang Aschinger und Frau Maria Zellerin von 1547 eingemauert. In der Friedhofsmauer ist der Grabstein des Georg Sigismund Lechner mit einem Kinderrelief von 1583 zu finden.

Innen mini|Innenansicht, Mittelschiff Im Inneren stellt sich die Kirche als dreischiffige Basilika bzw. Pseudobasilika (s. o.) mit gestaffelten Chören dar. Das Mittelschiff mit drei querrechteckigen Jochen ist kreuzrippengewölbt. Die über Spitzbögen aufsteigende Hochschiffswand des Mittelschiffes ruht abwechselnd auf Pfeilern und Säulen ohne Kapitelle. Das Turmjoch über der Westempore hat an den vier Seiten breite Spitzbögen. Die Empore wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in das Mittelschiff und das nördliche Seitenschiff eingebaut. Sie ist mit Tonnen mit Stichkappen unterwölbt. Der Emporenbrüstung ist eine pilasterartige Balustrade vorgeblendet. Darüber sind teilweise die gotischen spitzbogigen Scheidbögen sichtbar. Ein hoher profilierter Triumphbogen verbindet das Langhaus mit dem Chor. Der dreijochige Chor mit Fünfachtelschluss ist kreuzrippengewölbt, wobei das westliche, quadratische Joch von den anderen durch ein Gurtband getrennt wird. Das Chorgewölbe ruht auf Konsolen mit Weinlaubrelief und Absenkern„Eine Wandvorlage, die auf einem Kragstein oder einer Konsole ruht und zum Gewölbe aufsteigt. Zu unterscheiden vom Abhängling.“, zitiert nach Bamberger Vokabular für historische Architektur, auf denen die vier Evangelistensymbole dargestellt sind. In der südlichen Chorwand ist eine Sitznische für zwei Zelebranten eingelassen, die von zwei Wimpergen mit Dreipassabschluss bekrönt wird. Daneben führt ein Portal mit eisenbeschlagener Tür in die einjochige Sakristei mit Fünfachtelschluss und einem Rosettenschlussstein im Kreuzrippengewölbe. Das Fresko mit dem Erzengel Michael als Seelenwäger an der Chornordwand wurde im frühen 15. Jahrhundert gemalt.

Das vierjochige nördliche Seitenschiff hat ein Kreuzrippengewölbe zum Teil über gebündelten Rundstäben. Ein abgefaster Triumphbogen verbindet das Seitenschiff mit dem nördlichen Seitenchor. Der zweijochige Seitenchor mit Fünfachtelschluss besitzt ein Kreuzrippengewölbe, das auf kleinen figürlichen Konsolen ruht. Diese stellen einen Schmerzensmann mit Leidenwerkzeugen, einen knienden Stifter und einen bärtigen Mann mit Kopfbedeckung, wahrscheinlich ein Selbstporträt des Bildhauers, dar. Vom Chor aus führt eine steinerne Wendeltreppe zu den Dachböden der Seitenschiffe und des Mittelschiffes.

Das vierjochige südliche Seitenschiff mit geradem Schluss ist kreuzrippengewölbt mit zwei vegetabilen Konsolen. Die Wandmalereireste aus dem 15. Jahrhundert im westlichen Joch stellen die Deesis und die Ölbergszene dar.

Der einjochige Altarraum im südlichen Seitenschiff besitzt ein Kreuzrippengewölbe über Absenkern mit figürlichen Konsolen. In der Mauer ist eine Sakramentsnische mit Blendmaßwerk eingelassen.

Glasmalereien mini|hochkant|Madonna mit Jesuskind, Glasmalerei, Fenster im Südschiff, Teilansicht mini|hochkant|Südliches Fenster im Chor Die acht Maßwerkfenster in den Chören und im Langhaus sind mit rund 140 Glasgemälden ausgestattet, die um 1340 von der ersten, bzw. um 1400 von der zweiten Judenburger Werkstatt angefertigt wurden. Die ursprüngliche Anordnung der Scheiben wurde beim Wiedereinsetzen nach dem Zweiten Weltkrieg geändert. So waren viele Szenen aus dem Leben Christi, die sich heute im nördlichen Seitenschiff befinden, ursprünglich in den hohen, lanzettartigen Chorfenstern hinter dem Hochaltar eingebaut.

Im ersten Fenster von Westen ausgehend im nördlichen Seitenschiff ist unten das Stifterpaar Heinrich und Kunigunde Croph kniend vor der stehenden heiligen Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria dargestellt, darüber die Verkündigungsmadonna flankiert vom heiligen Königspaar Heinrich und Kunigunde. Im oberen Teil des Fensters sind Szenen aus der Leonhardslegende und der heilige Martin abgebildet.

Im zweiten Fenster sind von links unten beginnend dargestellt: die Verkündigung an Maria, Mariä Heimsuchung, die Geburt Christi, die Darbringung im Tempel, die Anbetung der Könige, Jesus unter den Schriftgelehrten, die Taufe Jesu, das Brot- und Fischwunder, das letzte Abendmahl, Christus am Ölberg, der Judaskuss und die Gefangennahme Jesus.

Das dritte Fenster zeigt Christus vor Pilatus, die Geißelung Christi, die Dornenkrönung, die Kreuztragung, die Kreuzigung, die Höllenfahrt Christi, die Auferstehung, die Himmelfahrt und „Noli me tangere“

Die ersten drei Fenster sind um 1340 entstanden, das vierte um 1360. Im vierten Fenster sind die Heiligen Augustinus, Nikolaus, Erasmus, Martin sowie Ursula und Kunigunde dargestellt.

Im südlichen Chorschlussfenster sind die Heiligen Barbara, Ursula, Stephanus und Ulrich zu sehen. Die ersten vier Glasmalereien des Fensters entstanden um 1360, die folgenden um 1340. Darüber sind die Apostel Andreas, Phillipus, Petrus und Paulus sowie Maria und Christus, darüber die Apostel Bartholomäus und Andreas wiedergegeben.

Im ersten Fenster von Osten ausgehend im südlichen Seitenschiff sind Szenen aus dem Leben Mariä und Christi dargestellt: die Heimsuchung, die Geburt Christi mit einer liegenden Madonna, die Flucht nach Ägypten, die Ölbergszene, der Judaskuss und die Auferstehung. Die Glasmalereien dieses Fensters entstanden um 1340.

Die Glasmalereien am zweiten Fenster entstanden um 1380. Sie zeigen einen Schmerzensmann mit Kreuz und Dornenkrone am Querbalken sowie Speer und Kreuz, die von einer Engelsgestalt dargereicht werden. Weiters sind Petrus und Paulus zu sehen.

Das dritte Glasfenster wurde um 1410 gemalt. Darauf sind zu sehen: die Apostel Judas Thaddäus, und Bartholomäus, die heiligen Laurentius und Leonhard, zwei Aposteldarstellungen aus neuerer Zeit, die Heiligen Agnes und Margareta, eine Madonna mit Kind in kunstvoller Thronarchitektur, die heiligen Dorothea und Katharina, darüber die Abbildung des Gnadenstuhls und als Abschluss das Schweißtuch der Veronika.