Ohne Zwischenstationen und ohne Anschlussbahnen.Hellrot: Strecke Neuenburg–Le Locle, die 1886 an JN übergeben wurde sowieLe Creux–Convers (Betriebseinstellung 1888)Punktiert: Mitbenutzte Strecken im Eigentum der SCB |- |colspan="2"|

|colspan="2" style="text-align:center"|rahmenlos|zentriert|450px|Bahnhof Giswil um 1890Bahnhof Giswil um 1890. In Giswil beginnt der Zahnstangenabschnitt der Brünigbahn. |} Die Chemins de fer du Jura bernois (JB), deutschsprachiger Name: Bernische Jurabahnen, kurz Jura bernois, waren eine Bahngesellschaft in der Schweiz. Seit dem 1. Juli 1884 nannte sich das Unternehmen Jura–Bern–Luzern (JBL). Am 1. Januar 1890 fusionierte die Jura–Bern–Luzern mit den Suisse-Occidentale–Simplon (SOS) zur Jura-Simplon-Bahn (JS).

Geschichte Vorgeschichte links|mini|Convers 1874, die Strecke der Jura bernois ist im Bau. links|mini|Zeitungsanzeige zur Eröffnung des Teilstückes Pruntrut–Glovelier am 30. März 1877. Den Namen Jura–Bern–Luzern nahm die Bahn erst 1884 offiziell an. Das Eisenbahnnetz des Kanton Berns entwickelte sich zunächst nach den Interessen der Schweizerischen Centralbahn (SCB). 1852 beschloss der bernische Grosse Rat, mit der SCB einen Vertrag abzuschliessen. Die Bahnunternehmung verpflichtete sich, innert vier Jahren die Strecken Murgenthal–Bern und Herzogenbuchsee–Solothurn zu bauen und erhielt im Gegenzug Steuerfreiheit und das Privileg, bei zukünftigen Konzessionserteilungen bevorzugt behandelt zu werden. Der Bahnbau konzentrierte sich in der Folge vorerst auf die stärker bevölkerten Gegenden im Mittelland. Der stark zerklüftete und wirtschaftlich wenig entwickelte Jura wurde von Bahnstrecken nur gestreift. Die Centralbahn hatte kein Interesse, ihre bestehende Hauensteinlinie zu konkurrenzieren.

Unter dem Vorsitz von Xavier Stockmar plante ein «Zentralkomitee für die jurassische Eisenbahn» eine Bahnlinie von Biel nach Basel mit einer Verzweigung von Delsberg nach Pruntrut. Obwohl die Konzessionen erteilt wurden, kam es mangels Geld nicht zum Bau. Um den Berner Jura an den alten Kantonsteil anzuschliessen, stellte 1867 der Grosse Rat Subventionen von 6'950’000 Franken an die geschätzten Baukosten von 40 Millionen Franken zur Verfügung. Am 23. September 1872 wurde die mit französischem Kapital gebaute Strecke Porrentruy–Delle dem Betrieb übergeben.

Kapitalbeschaffung, Bau und Streckenübernahmen links|mini|Strecke durch die Taubenloch­schlucht zwischen Biel und Reuchenette-Péry mini|Güterzug-Lokomotive Nr. 110 «Doubs» im Bahnhof Moutier Eine neue Lage entstand, als 1871 nach dem Deutsch-Französischen Krieg Elsass-Lothringen zu Deutschland gekommen war. Eine Strecke über französisches Territorium und durch den Berner Jura konnte die Linie Paris–Belfort direkt mit dem Schweizer Mittelland verbinden. An der 1874 als Aktiengesellschaft gegründeten Jura bernois beteiligten sich die französischen Chemins de fer de l’Est mit 4½ Millionen und der Kanton Basel-Stadt mit einer halben Million Franken. Die Einwohner- und Burgergemeinden des Juras zeichneten insgesamt für über 7 Millionen Franken Aktien und beuteten zur Beschaffung dieser Summen zum Teil ihre Wälder übermässig aus.

Die Jura bernois begannen mit dem Bau und eröffneten zwischen 1872 und dem 30. März 1877 die einzelnen Abschnitte ihres Netzes zwischen Biel, Convers bei La Chaux-de-Fonds, Delle und Basel. Durch Übernahmen konnten sie ihr Netz ergänzen. Am 1. Mai 1875 kauften die JB die konkursite Jura industriel (JI) für 3,6 Millionen und am 16. August 1876 die Chemin de fer Porrentruy–Delle (PD) für 1,99 Millionen Franken. 1877 übernahmen sie die Bernische Staatsbahn (BSB) mit der Linie Zollikofen–Biel –Neuenstadt, wofür der Kanton Bern JB-Aktien im Wert von 11,56 Millionen Franken erhielt.

Der Aufbau der JB fiel in die Zeit des Eisenbahnbaubooms nach 1872, der Zinsen und Baupreise stark ansteigen liess. Die Rezession 1876 und die nachfolgende «Eisenbahnkrise» brachten selbst die finanziell solide Nordostbahn (NOB) beinahe zum Konkurs. Vor diesem Hintergrund waren die stets positiven Betriebsergebnisse der JB nicht selbstverständlich. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr waren ab 1878 jeweils höher als diejenigen aus dem Personentransport.

Jura–Bern–Luzern links|mini|Die positiven Betriebsergebnisse erlaubten es der Jura–Bern–Luzern, alljährlich eine Dividende auszurichten.

mini|Zug der Brünigbahn mit Lokomotive für gemischten Adhäsions- und Zahnradbetrieb mini|Bahnhof Brienz um 1888. Für die Weiterreise nach Interlaken hatten die Fahrgäste auf das Schiff umzusteigen.

Zur Betriebsaufnahme der Bern-Luzern-Bahn (BLB) 1875 bildeten die BLB zusammen mit der Jura bernois eine Betriebsgemeinschaft mit dem Namen Jura–Bern–Luzern. Diese Betriebsgruppe blieb auch nach dem Konkurs der BLB bestehen, indem die JB ab dem 1. Juli 1882 die nun dem Kanton Bern gehörende Linie von Bern nach Luzern pachtete. Damit gelangte die Jura bernois in den Besitz der durchgehenden Transitlinie Delle–Bern–Luzern mit Anschluss an die Gotthardstrecke. Diese Verbindung stand in Konkurrenz zur Centralbahn, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg den direkten Schienenzugang von Basel nach Frankreich verloren hatte. Das erweiterte Streckennetz veranlasste die Bahn, am 1. Juli 1884 ihren Namen in Jura–Bern–Luzern (JBL) zu ändern.Laut bahndaten.ch entstand die JBL durch Umbenennung der Jura bernois. Die Strecke Bern–Luzern wurde von der JBL nicht übernommen, sondern weiterhin vom Kanton Bern gepachtet.

Nach zehn Jahren machte der Kanton Neuenburg von seinem Rückkaufsrecht Gebrauch und erwarb am 1. Januar 1886 die Strecke Neuenburg–La Chaux-de-Fonds–Le Locle für rund 5 Millionen FrankenPlacid Weissenbach beziffert den Kaufpreis auf 5’141’079 Franken, in bahndaten.ch wird ein Betrag von 5.25 Millionen Franken genannt., um sie der neu gegründeten Jura neuchâtelois (JN) zu verpachten. Die JN vermochte jedoch den Pachtzins nicht zu erwirtschaften, was die Unterstützung der öffentlichen Hand nötig machte.

Seit dem 25. August 1886 baute die Jura–Bern–Luzern an der Brünigbahn. Mit der Eröffnung des ersten, über 44 km langen Abschnitts von Alpnachstad über den Brünigpass nach Brienz am 14. Juni 1888 erfuhr das Netz der JBL einen wesentlichen Zuwachs. Am 1. Juni 1889 erfolgte die Verlängerung von Alpnachstad nach Luzern. Die Meterspurbahn mit Zahnradstrecken verbindet die beiden Tourismusregionen Zentralschweiz und Berner Oberland. Zudem wurde ihr eine grosse militärische Bedeutung beigemessen.

Die Jura–Bern–Luzern besorgte zudem den Betrieb der 1872 eröffneten Bödelibahn (BB) Därligen–Interlaken–Bönigen.

Fusion zur Jura-Simplon-Bahn Auf den 1. Januar 1890 verschmolz die Jura–Bern–Luzern einschliesslich der dem Kanton Bern gehörenden Linie Gümligen–Luzern mit den Suisse-Occidentale–Simplon (SOS) zur Chemins de fer du Jura-Simplon oder Jura-Simplon-Bahn (JS). Sie war ab diesem Zeitpunkt die grösste Schweizer Bahngesellschaft, an der sich durch freihändigen Aktienkauf auch die Eidgenossenschaft beteiligte. Am 1. Januar 1891 übernahm die JS die von den SOS betriebene Pont-Vallorbe-Bahn. Erst die JS brachte das nötige Gewicht auf, um den seit Jahrzehnten geplanten Bau des Simplontunnels voranzubringen.

Kurz nach der Fusion brach die von Gustave Eiffel im Auftrag der Jura bernois erbaute Birs­brücke zusammen. Der Eisenbahnunfall von Münchenstein am 14. Juni 1891 war die bis heute grösste Eisenbahnkatastrophe der Schweiz.

Grafische Zusammenfassung Übersicht über die Geschichte der Jura bernois bzw. der Jura–Bern–Luzern (E: Eröffnung;   Ü: Übernahme):

Streckennetz Nr. Bahnstrecke Streckenabschnitt Eröffnung Bemerkung Längebestimmt anhand der Streckenkilometrierung 1. Bern–Biel –Sonceboz –Moutier –Delsberg–Basel Bern–Bern Wylerfeld (15. November 1858) Mitbenutzung des Streckenabschnitts der Linie Bern–Olten der SCB (7,46 km) Bern Wylerfeld–Zollikofen (16. Juni 1857) Zollikofen–Lyss–Biel (1. Juni 1864) Am 24. Mai 1875 von der BSB übernommenLyss–Busswil seit 1877 doppelspurig 115,54 km Biel–Sonceboz–Tavannes 30. April 1874 Tavannes–Court 16. Dezember 1876 Court–Moutier 24. Mai 1877 Moutier–Delsberg 16. Dezember 1876 Spitzkehre im Bahnhof Delsberg Delsberg–Basel Centralbahnhof 25. September 1875 2. Sonceboz–La Chaux-de-Fonds Sonceboz–Le Creux–ConversSpitzkehre im Bahnhof Convers 30. April 1874 Anschluss an Linie Neuenburg–La Chaux-de-FondsAm 17. Dezember 1888 Betrieb Le Creux–Convers eingestellt, am 1. Juli 1895 abgebrochen 29,55 km Le Creux–La Chaux-de-Fonds 17. Dezember 1888 Eigene Zufahrt nach La Chaux-de-Fonds nach Ver­selb­ständigung der JN am 1. Januar 1886 3. Delsberg–Delle Delsberg–Glovelier 15. Oktober 1876 39,84 km Glovelier–Pruntrut 30. März 1877 Pruntrut–Landesgrenze (–Delle) (23. September 1872) Am 16. August 1876 von der PD übernommen 4. Bern–Luzern Bern Wylerfeld–Gümligen (1. Juli 1859) Mitbenutzung des Streckenabschnitts der Linie Bern–Thun der SCB (5,38 km) Gümligen–Langnau (1. Juni 1864) Ursprünglich BLB, am 15. Januar 1877 vom Kanton Bern ersteigert und Betriebsführung durch die JBSeit dem 1. Juli 1882 vom Kanton Bern gepachtet 3,27 km Langnau–Fluhmühleheute Gütsch (11. August 1875) Fluhmühle–Luzern (1. Juni 1859) Mitbenutzung des Streckenabschnitts der Linie Olten–Luzern der SCB (3,27 km) 5. Biel–Neuenstadt (Kantonsgrenze BE-NE) (3. Dezember 1860) Anschluss an Linie nach Lausanne der OSAm 24. Mai 1875 von der BSB übernommen 14,45 km 6. Neuenburg–La Chaux-de-Fonds–Le Locle–Col des Roches Neuenburg–Neuchâtel-Vauseyon (7. November 1859) Mitbenutzung des Streckenabschnitts der Linie Neuenburg–Lausanne der FS (1,37 km) Neuchâtel-Vauseyon–Les Hauts-GeneveysSpitzkehre im Bahnhof Chambrelien (1. Dezember 1859) Am 1. Mai 1875 von der JI übernommenAm 1. Januar 1886 an die JN ausgelagert (38,21 km) Les Hauts-Geneveys–Convers (15. Juli 1860) Convers–La Chaux-de-Fonds (27. November 1859) La Chaux-de-Fonds–Le Locle (2. Juli 1857) Le Locle–Col des Roches–Landesgrenze (–Besançon) 4. August 1884 7. Brünigbahn Luzern–Alpnachstad 1. Juni 1889 Meterspur, teilweise ZahnradSpitzkehre im Bahnhof Meiringen 57,64 km Alpnachstad–Brienz 14. Juni 1888 8. Lyss–Fräschels (Kantonsgrenze BE-FR) 12. Juni 1876 Anschluss an Linie nach Murten der SO 12,97 km Total 269,49 kmEigentumslänge gemäss offizieller Eisenbahnstastik in bahndaten.ch

Rollmaterial Am 1. Januar 1882 war die JBL im Besitz von 67 Lokomotiven, 188 Personenwagen und 682 Güterwagen.

Lokomotiven Die Lokomotiven wurden von Anfang mit Serie A für Schnellzug-Tenderlokomotiven, B für Personenzug­lokomotiven «Bourbonnais» (für Bergstrecken und für Güterzüge auf Talstrecken), C für Güterzuglokomotiven, E für Vorspann-Tenderlokomotiven und E für Rangierlokomotiven belegt. Ab 1887 wurden die Lokomotiven nach dem schweizweit einheitlichen System bezeichnet.

Der Jura–Bern–Luzern standen die folgenden Lokomotiven zur Verfügung. In Klammern ist die ab 1902 gültige Serienbezeichnung aufgeführt.