mini|Hanna Poddig (2.v.l.), 2013

Hanna Poddig (* 11. November 1985Hanna Poddig bei Rotbuch in Hamburg) ist eine deutsche Klimaschutzaktivistin und Autorin. Sie selbst bezeichnete sich 2009 als „Vollzeitaktivistin“. Seit rund zwei Jahrzehnten ist sie hauptberuflich aktivistisch tätig.

Leben Poddig wuchs zunächst in Osterladekop (Jork), später in Werneck bei Schweinfurt auf., Elbe Wochenblatt vom 31. Oktober 2014, abgerufen am 30. Januar 2016Die Widerstands-Nomadin, die tageszeitung vom 27. Dezember 2009, abgerufen am 18. März 2012Es ist möglich, komplett vom Containern zu leben.. kinofenster.de vom 18. August 2011, abgerufen am 18. März 2012 Früh politisiert, engagierte sie sich bereits als Jugendliche in der BUNDjugend und machte nach eigener Aussage mit 12 oder 13 Jahren Wahlkampf für die Grünen.

Nach ihrem Abitur war sie zwischen 2002 und 2007 im Umweltschutzverein Robin Wood engagiert, davon ein Jahr im Vorstand. Als Kletteraktivistin für Robin Wood war sie an zahlreichen Aktionen beteiligt, darunter an Castor-Blockaden im Wendland oder bei den Protesten gegen das G8-Treffen in Heiligendamm. Im Februar 2008 kettete sie sich bei der Blockade eines Bundeswehr-Bahntransports in Nordfriesland an die Bahngleise,Aktivisten stoppen Militärtransport. Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag vom 10. Februar 2008; abgerufen am 13. Dezember 2011 wofür sie zu 90 Tagessätzen verurteilt wurde. Statt die Geldstrafe zu zahlen, entschied sie sich, eine Haftstrafe abzusitzen, die sie am 15. März 2012 in der JVA Frankfurt-Preungesheim antrat.Freiwillig in den Knast, taz.de, abgerufen am 16. März 2012https://krieg.nirgendwo.info/ Eine Verfassungsbeschwerde wegen der Verletzung ihres Grundrechts auf Versammlungsfreiheit wurde vom Verfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen. auf www.frieden-mitmachen.de

mini|hochkant|Hanna Poddig (mittig auf dem Boden sitzend) bei einer Sitzblockade vor der Brennelementefabrik von Areva in Lingen 2013

Im Jahr 2012 nahm sie mit einer Ankettaktion an der Blockade eines Urantransports aus der Urananreicherungsanlage Gronau teil.Bericht zur Ankettaktion 2012 de.indymedia.org vom 30. Juli 2012, abgerufen am 30. Januar 2016 anti atom aktuell vom 2. August 2012, abgerufen am 30. Januar 2016 2015 wurde sie wegen der Aktion zu 110 Tagessätzen Geldstrafe (der höchsten in Deutschland je wegen einer Ankettaktion an Gleisen verhängten Strafe) durch das Landgericht Münster verurteilt.Bericht zur Verurteilung 2015, abgerufen am 30. Januar 2016 Poddigs Revision verwarf das OLG Hamm. Statt aber die Geldstrafe von 1.650 Euro zu bezahlen, entschied sich die Aktivistin, die Ersatzfreiheitsstrafe anzutreten und so auf die „Absurdität des Systems“ aufmerksam zu machen.

Seit 2014 engagiert sie sich in der Kampagne Atomtransporte Hamburg stoppenhttps://atomtransporte-hamburg-stoppen.de/, abgerufen am 30. Januar 2016, unter anderem zu sehen in der ZDF-Dokumentation Deutschlands heimliche Atomtransporte.Björn Platz: ZDF-Dokumentation, Erstausstrahlung am 29. Juni 2014, abgerufen am 30. Januar 2016

Seit dem 1. Oktober 2020 besetzen Klimaaktivisten, darunter zeitweise auch Hanna Poddig, Bäume im Flensburger Bahnhofswald, um dessen Rodung zu verhindern. Der kleine Stadtwald soll einem Hotel- und Parkhausneubau in Nachbarschaft zum Bahnhofsgebäude weichen. Die Aktivisten setzen sich für eine Verkehrswende ein und machen auf den massiven Einfluss von Rodungen auf das Klima aufmerksam. Am 22. Februar 2021 wurde den Besetzern der sofortige Vollzug der Räumung eröffnet. Einige der Besetzer zogen daraufhin friedlich ab. Nach längerer Diskussion mit den Einsatzkräften verließen ebenfalls aus freien Stücken die noch Verbliebenen das Gelände.

Poddig berichtete mehrfach von kurzen Haftaufenthalten in verschiedenen Justizvollzugsanstalten, zuletzt in Bielefeld; sie kritisierte dabei Haftbedingungen und „absurde“ Regelwerke (u. a. in Hildesheim und Vechta). Seit 2025 engagiert sie sich in Münster in einer Initiative zum Schutz des Zimmermannschen Wäldchens, das für einen Supermarktneubau gerodet werden soll.

Seit 2011 ist Hanna Poddig in diversen Straf- und Ordnungswidrigkeitsverfahren für andere Aktivisten aktiv. Dabei benutzt sie die Möglichkeit einer Zulassung nach Vor Gericht: Freispruch für Laien-Verteidiger Abendzeitung vom 23. März 2015, abgerufen am 30. Januar 2016http://laienverteidigung.tk/, Webseite zur „Laienverteidigung“, abgerufen am 11. Dezember 2016 – zuletzt nach eigener Aussage häufiger als Unterstützerin vor Gericht als in eigenen Aktionen.

Positionen Poddig versteht sich als Anarchistin und lehnt staatliche Herrschaft grundsätzlich ab; „in diesem Sinn“ bezeichnete sie sich selbst als „Staatsfeindin“. Ihre Aktionsform beschreibt sie als „Guerillataktik“, die Autorität in Frage stellt und Routinen durchbricht. Sie betont die Bedeutung von Langfristigkeit und Phasen der Bewegung („Hochs“ und „Flauten“) sowie die Fokussierung auf konkrete lokale Ökologie – vom einzelnen Baum bis zu innerstädtischem Grün. Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Medien lehnt sie weitgehend ab.

Medienauftritte und -berichte Mit Berichten über ihre Aktionen, als Verfechterin des Containerns und mit polarisierendenBernd Gäbler: Pilawa und Lanz – Erfolg der Biedermänner. Zeit online vom 25. Oktober 2010; abgerufen am 13. Dezember 2011. Zitat: „letztlich besetzen Henryk M. Broder, Roger Willemsen, Matthias Matussek, Roger Köppel oder die Stets-irgendwas-Aktivistin Hannah Poddig doch nur den Talkshow-Polarisierer-Stammplatz. So wird der kluge Außenseiter ins Clownskostüm gesteckt.“ kapitalismuskritischen Positionen war Hanna Poddig wiederholt in Talkshows deutscher Fernsehanstalten eingeladen. So trat sie 2009 bei 3 nach 9 und Menschen bei MaischbergerThilo Maluch: Die Freakshow der Gier bei Sandra Maischberger. Welt online vom 16. Dezember 2009; abgerufen am 13. Dezember 2011 auf, 2010 bei NachtcaféVerdirbt Geld den Charakter? SWR.de zur Nachtcafé-Sendung vom 7. Mai 2010 und Maybrit IllnerStefan Kuzmany: Wenn Logik keine Rolle spielt. Spiegel online vom 23. Juli 2010; abgerufen am 13. Dezember 2011, 2011 bei Günther JauchRalf Dargent: Aigner und die Frau, die vor dem Essen containert. Welt online vom 10. Oktober 2011; abgerufen am 13. Dezember 2011 und in den Jahren 2011 und 2012 bei Markus Lanz, wo sie unter anderem mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen diskutierte.Rückblick: Markus Lanz vom 30. November 2011 auf markuslanz.zdf.de; abgerufen am 13. Dezember 2011Rückblick: Markus Lanz vom 15. März 2012 auf markuslanz.zdf.de; abgerufen am 18. März 2012

In der WDR-Fernsehdokumentation Gefundenes Fressen – Leben vom Abfall von Britta Dombrowe und Valentin Thurn aus dem Jahr 2008 war sie als „Container-Hanna“ zu sehen.. WDR-Erstausstrahlung am 18. Mai 2008, abgerufen am 18. März 2012.

Der ARD-Fernsehsender EinsPlus porträtierte Hanna Poddig 2013 in der Sendung Leben.Die Vollzeitaktivistin Reportage von EinsPlus auf YouTube, abgerufen am 30. Januar 2016 Im Jahr 2016 ist sie im Kinofilm Projekt A – Eine Reise zu anarchistischen Projekten in EuropaHomepage des Films Projekt A, abgerufen am 30. Januar 2016 zu sehen bei einer Ankettaktion eines Urantransports 2012 in Gronau, bei einer Lesung in der besetzten Stillen Straße 10 in Berlin, abgerufen am 30. Januar 2016 sowie bei ihrer Haftentlassung aus der JVA Preungesheim in Frankfurt am Main.Bericht nach Haftentlassung, abgerufen am 30. Januar 2016

Journalistische Tätigkeit Hanna Poddig ist seit 2007 Autorin der Zeitschrift Graswurzelrevolution und Teil der Redaktion des Grünen Blattes. 2009 erschien ihr Buch Radikal mutig im Rotbuch Verlag. Sie veröffentlicht außerdem im Unrast Verlag – zuletzt zur Anastasia-Bewegung. Als Mitarbeiterin im Übersetzungskollektiv rund um den anarchistischen Mailorder black mosquito Webseite des Übersetzungskollektivs mit den Übersetzungen der crimethInc-Texte, abgerufen am 30. Januar 2016 war sie an der Übersetzungsarbeit beteiligt (neben kürzeren Texten erschienen die Bücher Message in a Bottle auf der Webseite des Unrast-Verlags, abgerufen am 30. Januar 2016 und Work auf der Webseite des Unrast-Verlags, abgerufen am 30. Januar 2016 mit Übersetzungen von Texten des crimethInc-Kollektivs im Unrast-Verlag) und führt sie seit 2014 regelmäßig auch LesungenMitschnitt einer Lesung auf YouTube, abgerufen am 30. Januar 2016 dazu durch sowie weitere Veranstaltungen im Rahmen der internationalen Kampagne Alles verändern.Alles verändern-Webseite bei crimethInc, abgerufen am 30. Januar 2016 Hanna Poddig gestaltet zudem Fratzig vorgelesen, eine wöchentliche Sendung mit politischen Texten und Hörbüchern im Flensburger Freien Radio Fratz.Fratzig vorgelesen bei freie-radios.net

Veröffentlichungen Radikal mutig. Meine Anleitung zum Anderssein. Rotbuch Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86789-085-4 Im Namen des Flummiballs. Skurrile, ätzende, widerliche, menschenverachtende – kurz: ganz normale Geschichten aus dem Gerichtsalltag. SeitenHieb Verlag, Reiskirchen 2011, ISBN 978-3-86747-050-6 Ausstieg? Von wegen!, in: Tresantis (Hg.): Die Anti-Atom-Bewegung Geschichte und Perspektiven, Assoziation A, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86241-446-8 Repression – oft subtil und kein Stück harmlos, in: Tresantis (Hg.): Die Anti-Atom-Bewegung Geschichte und Perspektiven, Assoziation A, Hamburg 2015, ISBN 978-3-86241-446-8 Klimakämpfe. »Wir sind die fucking Zukunft!«. Unrast Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-89771-148-8 Reflexionen meines Kaffeekonsums – oder: Für ein ganz anderes Ganzes, in: Lesen ohne Atomstrom (Hg.): Act now! Reflexionen in existenziellen Zeiten, Assoziation A, Hamburg 2020, ISBN 978-3-86241-478-9. Kleine Geschichte der Umweltbewegungen. Von Radieschen und Revolutionen. Unrast Verlag, Münster 2020, ISBN 978-3-89771-285-0 Die Anastasia-Bewegung. Völkisch, esoterisch, antisemitisch. Unrast Verlag, Münster 2025, ISBN 978-3-89771-155-6

Auszeichnung 2017 erhielt Poddig den Internationalen Blue Planet Award der Stiftung ethecon (Ethik & Ökonomie).Begründung von ethecon Stiftung Ethik & Ökonomie für die Ehrung der Umwelt- und Friedensaktivistin Hanna Poddig (Deutschland) mit dem Internationalen ethecon Blue Planet Award 2017

Weblinks

„Manchmal braucht es Kompromisslosigkeit“ – Interview mit Hanna Poddig über Aktivismus und Herrschaftskritik von Tobias Sennhauser von 2013

Einzelnachweise

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