Gerolama Orsini (* um 1503; † 1570 in Viterbo), manchmal auch Girolama Orsini genannt, stammte aus dem Haus der römischen Magnatenfamilie der Orsini und zwar aus der Linie der Grafen von Pitigliano. Als Gemahlin des Pier Luigi II. Farnese, Herzog von Parma und Piacenza (1545–1547) wurde sie zur Schwiegertochter von Papst Paul III. und zugleich zur näheren Stammmutter der Linie der Farnese, die die Herzogtümer Parma und Piacenza bis 1731 regierte. Durch ihre Söhne kam sie in Schwägerschaft mit Kaiser Karl V. und mit König Heinrich II. von Frankreich. Gerolamas Nachkommin Elisabetta Farnese (* 1692; † 1766), die Erbin der Herzogtümer, wurde durch ihre Ehe mit König Philipp V. von Spanien (1700–1746), aus dem Haus Bourbon zur Königin von Spanien und zur Stammmutter des bis heute dort regierenden Königshauses. mini|hochkant=0.7|Wappen der Familie Orsini

Herkunft Girolama entstammte der römischen Magnatenfamilie der Orsini, die sich von der römischen Familie der Bobonen ableitet, aus der bereits 928 Romano Bobone zum Kardinal ernannt wurde.Siehe Artikel „Bobone“ der Wikipedia in Italienisch

Der Stifter der Linie der Orsini, der Gerolama entstammt, der Herren – seit dem 14. Jahrhundert Grafen – von Pitigliano (in der Provinz Grosseto), war Gentile Orsini († 15. November, vor 1246), Herr von Pitigliano, Mugnano, Penna und Nettuno. Dieser war ein jüngerer Bruder von Giovanni Gaetano Orsini (* 1210/20; † 22. August 1280), der von 1241 bis 1243 Senator von Rom, 1244 Kardinaldiakon von San Nicola in Carcere Tulliano, und schließlich als Papst Nikolaus III. von 1275 bis 1280 regierte.

Gerolamas Vater war Ludovico Orsini (* ca. 1470; † 27. Januar 1534 in Pitigliano), 7. Conte (Graf) di Pitigliano, Herr von Fiano Romano, Filacciano (Provinz Rom), Manciano in der toskanischen Maremma in (Provinz Grosseto), Montemerano (Ortschaft in der Gemeinde Manciano), Saturnia (heute Thermalort in der Gemeinde Manciano) und Soriano nel Cimino (nordwestlich von Rom in der Provinz Viterbo). Er war 1511 einer der Konservatoren der Stadt Orvieto und ein bekannter Feldherr seiner Zeit, der 1491 als Condottiere im Dienst der Kirche, ab 1496 in dem der Republik Siena, von 1505 bis 1515 im Dienst der Republik von Florenz und schließlich 1522 im Dienst des Königs Franz I. von Frankreich (1515–1547) war. mini|hochkant=1.5|Blick auf Pitigliano

Die Mutter Gerolamas stammte aus dem bedeutenden römischen Adelsgeschlecht der Conti, aus der so bedeutende Päpste wie Innozenz III. (1198–1216), Gregor IX. (1227–1241) und Alexander IV. (1254–1261) hervorgegangen waren. Ihr Vater war Jacopo Conti aus dem Haus der Grafen von Segni.

Leben Jugend Gerolama wurde als drittes Kind ihrer Eltern in den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts geboren und wuchs im Schloss ihres Vaters in Pitigliano mit ihren Geschwistern auf, die ihr sehr nahe standen. Es waren dies: Giovanni Francesco Orsini (* vor 1503; † 8. Mai 1567), der 1534 auf ihren Vater als 8. Graf von Pitigliano folgte und durch seine Ehe mit Ersilia Caetani, Tochter des Guglielmo Caetani 3. Duca (Herzog) von Sermoneta aus der gleichnamigen römischen Magnatenfamilie, die von Langobarden aus der Stadt Gaeta abstammt, zum näheren Stammvater der Linie der Grafen von Pitigliano wurde. Diese Grafschaft wurde jedoch von Giannantonio Orsini († 1613) 1604 an Großherzog Ferdinando I. de’ Medici (1587–1609) verkauft, der ihn dafür zum Marchese (Markgraf) di Monte San Savino erhob. Gerolamas jüngere Schwester Marzia Orsini (* 1515; † 1547) war in erster Ehe mit Livio Attilio d’Alviano Signore di Pordenone, Patrizier von Venedig und in zweiter Ehe c. 1545 mit Gian Giacomo Medici, genannt „il Medeghino“ (* 25. Januar 1498; † 8. November 13.08.1548 in Frascarolo) verheiratet, der seit 1528 erster Marchese di Marignano, ein berühmter kaiserlicher General (Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547), auch conte (Graf) von Lecco und Marchese di Musso und Senator von Mailand war.Siehe Artikel „Gian Giacomo Medici“ der Wikipedia in Italienisch. Marzia wurde dadurch zur Schwägerin des Giovanni Angelo Medici, der von 1559 bis 1565 als Papst Pius IV. die Katholische Kirche regierte und zur Tante des Heiligen Karl Borromäus.https://genealogy.euweb.cz/italy/medici4.html Gerolamas jüngste Schwester Ersilia Orsini heiratete Virginio Orsini, den ersten Herzog von San Gemini.http://www.sardimpex.com /Orsini/orsiniantichi.htm mini|hochkant|Pier Luigi Farnese Porträt von Tizian

Objekt der Familienpolitik Das Leben im Kreis ihrer Familie währte nicht allzu lange. Bereits 1513, mit zehn Jahren, wurde sie mit Pier Luigi II. Farnese (* 19. November 1503 in Rom; † 10. September 1547 in Piacenza) verlobt, der ein unehelicher, 1505 von Papst Julius II. (1503–1513) legitimierter Sohn des Kardinals Alessandro Farnese, dem späteren Papst Paul III. war. Mit sechzehn Jahren erfolgte 1519 die Hochzeit, die mit großem Aufwand in Valentano in der Burg der Farnese gefeiert wurde. Diese Ehe wurde vom Erzieher Pier Luigis, dem berühmten Humanisten Baldassare Molossi aus Casalmaggiore, genannt Tranquillius, in lateinischen Versen gefeiert.vergleiche Artikel „Pier Luigi Farnese“ in Wikipedia in Italienisch.

Die Ehe Gerolamas war naturgemäß keine Liebesheirat, sondern Teil der Familienpolitik ihres Schwiegervaters, Papst Paul III., der seinen Sohn als erbliche Fürsten in Italien etablieren wollte, ihn daher mit einer Tochter aus dem mächtigen Haus der Orsini verheiraten wollte, die an der Spitze der papstfreundlichen Partei der „Guelfen“ stand. Die Strategie von Papst Paul III. erwies sich als durchaus erfolgreich: Die Ehe seines einzigen Sohnes mit Gerolama war fruchtbar, seine Nachkommen regierten fast 200 Jahre lang als Herzöge von Parma und Piacenza, verschwägerten sich mit den ersten Häusern Europas.

links|mini|Die Burg der Farnese in Valentano

Gerolama lebte die ersten Jahre ihrer Ehe in der Burg Valentano in der Provinz Viterbo, die sich seit der Zeit von Kardinal Gil Álvarez Carillo de Albornoz – der von 1353 bis 1367 päpstlicher Legat in Italien war – im Besitz der Farnese befand. Diese zum Schloss ausgebaute Festung hatte auch ihrem Schwiegervater und dessen Schwester Giulia Farnese (* 1474; † 1524), der Geliebten des Papstes Alexander VI. (1492–1503) als Residenz gedient. Nach Fertigstellung der vorgesehenen Residenz, des Palazzo Farnese in Gradoli (in der Provinz Viterbo, nahe Valentano) durch Antonio da Sangallo dem Jüngeren (* 1483; † 1546) lebte Gerolama mit ihrer Familie auch dort.

Die Ruhe und die ländliche Atmosphäre mögen zwar Gerolama und ihren Kindern gefallen haben, störten jedoch bald ihren Ehemann Pier Luigi, der darauf drängte, sich als Feldherr zu bewähren. Dabei erwies er sich nicht als gewöhnlicher Condottiere, sondern wurde zum Stereotyp eines tapferen, verwegenen zugleich aber auch wilden und amoralischen Kriegsherren, der selbst die eigenen Verwandten enteignete und die traditionell papstfreundliche „guelfische“ Haltung seiner Familie fallen ließ, um in kaiserliche Kriegsdienste einzutreten.

So nahm er 1527 am „Sacco di Roma“, d. h., an der berüchtigten Plünderung der Stadt Rom durch deutsche Landsknechte und spanische Söldner des Kaisers Karl V. teil, die sich dadurch für die fehlenden Soldzahlungen entschädigten. Er war 1528 in Manfredonia und dann in der Toskana unter Ferrante I. Gonzaga erfolgreich.

Gerolama war dadurch oft sich selbst und der Erziehung der fünf Kinder überlassen. Sie wird von den zeitgenössischen Quellen als tugendhaft und besonders fromm, nicht aber als herausragende politische oder kulturelle Persönlichkeit, beschrieben. Der Umstand, dass sie mit „außergewöhnlicher Noblesse“ mit ihrem genialen aber lasterhaften Mann lebte, lässt darauf schließen, dass sie erheblich unter der eher gewalttätigen Natur ihres Ehemannes litt. Diese Charaktereigenschaft zeigte sich u. a. darin, dass Pier Luigi vom Papst wegen exzessiver Gewaltakte exkommuniziert und gebannt wurde.

Schwiegertochter des Papstes mini|Papst Paul III., Gemälde von Tizian Eine entscheidende Wende im Leben Gerolamas ergab sich im Oktober 1534, nachdem ihr Schwiegervater, der Kardinal Alessandro Farnese, zum Papst Paul III. gewählt wurde. Es war dies nicht nur ein Anlass, diese hohe Berufung innerhalb der Familie zu feiern, sondern hatte rasch auch direkte Vorteile zur Folge. So wurde ihr Sohn Alessandro Farnese bereits am 18. Dezember 1534 mit 14 Jahren von seinem Großvater zum Kardinal ernannt. Kaiser Karl V., der sich das Wohlwollen des neuen Papstes im Ringen gegen Frankreich sichern wollte, verlieh ihrem Ehemann Pier Luigi die Markgrafschaft Novara, während ihn sein Vater Paul III. zum Gonfaloniere (Oberkommandierenden der Streitkräfte) der Kirche ernannte.

Nach dem Regierungsantritt seines Vaters unternahm Pier Luigi als Gonfaloniere der Kirche die Aufgabe, von Lokalherrschern kontrollierte Territorien wieder der direkten Kontrolle der Kirche zu unterstellen. Dies führte 1540/41 zu Militäraktionen u. a. gegen die rebellierenden Baglioni, die Herren von Perugia, und zur Zerschlagung des „Staates“ des Hauses Colonna, der den Süden der Stadt Rom kontrollierte. Die Rolle, die Pier Luigi für seinen Vater Papst Paul III. spielte, kann daher mit der Rolle verglichen werden, die Cesare Borgia ein halbes Jahrhundert zuvor für dessen Vater Alexander VI. gespielt hatte.

Im Jahre 1537 setzte er sich vorübergehend in den Besitz der Grafschaft Pitigliano, die seinem Schwager, Giovan Francesco Orsini, entzogen worden war, da er in den Dienst des Königs von Frankreich eingetreten war.

Der berühmte Historiker und Genealoge Pompeo Litta Biumi (* 24. September 1781; † 17. August 1852) beschrieb ihn als „Cattivo come uomo, pessimo come principe“ (Bösartig als Mensch und schlimmster der Fürsten),Emilio Nasalli Rocca: „I Farnese.“ Dall’Oglio, Mailand 1969, S. 62. was vielleicht etwas zu negativ erscheint. Gewiss ist jedoch, dass Gerolamas Ehe – trotz der 5 Kinder – keine glückliche war.

Herzogin von Castro Auf Gerolama – nunmehr Markgräfin von Novara – wartete bald darauf eine weitere Rangerhöhung: Im Jahr 1537 errichtete Papst Paul III. aus Familienbesitzungen und Neuerwerbungen das Herzogtum Castro im Kirchenstaat, das vom Bolsenasee bis zum Tyrrhenischen Meer reichte. Dieses übertrug er seinem Sohn Pier Luigi, wodurch Gerolama zur Herzogin von Castro wurde.

Pierluigi wollte sein neues Herzogtum mit einer passenden Hauptstadt versehen, ließ daher von Antonio da Sangallo dem Jüngeren die Kleinstadt Castro – wohl nicht ohne Zutun Gerolamas – zu einer herzöglichen Residenz ausbauen. Daher ließ er dort nicht nur einen angemessenen Palazzo Ducale errichten, sondern zugleich auch ein fürstliches Gästehaus (l’Hostaria) und eine Münzstädte zur Prägung eigener Münzen. Auch die Stadtmauern wurden erhöht und erneuert und die Struktur der Stadt im Sinne der Renaissance grundlegend modernisiert. Davon ist heute nichts mehr zu sehen, da die Stadt Castro 1649 auf Betreiben von Feinden der Farnese von päpstlichen Truppen weitestgehend zerstört wurde.

Verschwägerung mit Kaiser Karl V. mini|Ausschnitt aus einem Porträt Margarethe von Parmas von Antonio Moro Im Jahr darauf kam Gerolama sogar in Schwägerschaft mit Kaiser Karl V., da ihr jüngerer Sohn, der vierzehnjährige Ottavio Farnese (* 1524; † 1586), am 4. November 1538 in der Sixtinischen Kapelle in Rom Margarethe von Österreich (* 1522; † 1586) heiratete. Sie war eine außereheliche Tochter des Kaisers und Witwe des Alessandro de’ Medici (* 22. Juli 1510; † 6. Januar 1537), genannt il Moro („der Maure“). Dieser war Duca della città di Penna, Stadtherr von Florenz von 1530 bis 1537 und ab 1532 Herzog in Florenzci, Zugleich war er auch ein Halbbruder der Caterina de’ Medici, der Gemahlin des Heinrich von Valois, der als Heinrich II. von 1547 bis 1559 König von Frankreich war.

Fortsetzung der Familienpolitik