Das Kaliwerk Adler war ein Bergwerk auf Kalisalze mit angeschlossener Düngemittelfabrik der ehemaligen Adler-Kaliwerke AG bei Röblingen im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt. Das Grubenfeld unterbaut keine Ortslage. Die wenigen in der Nähe des Schachtes stehenden Wohngebäude liegen größtenteils im Bereich des Schachtsicherheitspfeilers.

Geologische und hydrogeologische Lagerstättenverhältnisse Geologische und lagerstättenkundliche Einschätzung

+ Schichtenverzeichnis Schacht Adler Teufe(m) Gestein 0,0 Erdoberfläche 0,3 Mutterboden 24,5 grauer und weißer Sand 27,0 Schwimmsand mit Braunkohleeinlagerungen 30,0 toniger Sand 37,5 graue Letten 39,5 Braunkohlenquarzit 49,0 weißer Sand 67,5 roter und weißer Buntsandstein im Wechsel mit Letten 96,0 rote und blaue Letten mit Sandsteineinlagerungen 100,5 fester grauer Sandstein 204,0 rote und blaue Letten 284,0 rote sandige Letten 401,0 rote und blaue Letten im Wechsel mit Sandstein und Gips 423,5 überwiegend rote Letten 440,0 Jüngeres weißes Steinsalz 452,0 roter Salzton 511,0 Jüngeres rotes Steinsalz 567,0 Hauptanhydrit 577,0 grauer Salzton 582,0 roter und grauweißer Carnallit 596,0 Älteres weißes Steinsalz (=Endteufe) Der Schacht und die Grubenbaue liegen an der Südflanke des Teutschenthaler Sattels bzw. am Nordrand der Querfurter Mulde. Die abgebauten Lagerstättenteile bestanden aus Hartsalz und überwiegend Carnallitit. Das Einfallen des Lagers ist unterschiedlich und liegt etwa zwischen 20 und 25°. Nördlich des Schachtes ist das Salinar am Teutschenthaler Sattel infolge der Heraushebung der Sattelachse in Richtung Nordwesten weitgehend ausgelaugt worden.

Zur großräumigen Erkundung des Kaliflözes „Staßfurt“ wurden in der Umgebung des Schachtes Adler eine Anzahl von OT-Bohrungen gestoßen. Die in rund 1,7 km vom Schacht stehende OT-Bohrung Unterröblingen weist neben Auslaugungsrückständen des Zechsteins 4 und 3 erst das Staßfurt-Steinsalz als intakten Horizont aus. In der weiter westlich gelegenen OT-Bohrung Oberröblingen ist der Zechstein 4 ebenfalls noch angegriffen worden, während in der südlich liegenden OT-Bohrung Oberröblingen aber auch in den OT-Bohrungen Oberröblingen II, III und IV sowie im Schacht Oberröblingen der Zechstein noch vollständig vorhanden ist. Nach dem Muldentiefsten hin (Bohrungen Stedten 1 und 2, Schrapplau 1, 3, 4, 5) nimmt die Mächtigkeit des Deckgebirges kontinuierlich zu (Vorhandensein von Muschelkalk und zunehmende Mächtigkeit des Buntsandsteins).

Die Bohrungen Erdeborn I und Erdeborn III trafen unter Gipsrückständen des Zechstein 4 und 3 erst den Hauptanhydrit unzersetzt an; sie wurden bis ins Staßfurt-Steinsalz niedergebracht. In den Bohrungen Erdeborn I und II liegt der Gips unmittelbar über dem Staßfurt-Steinsalz, die hangenden Zechsteinschichten fehlen. Der über dem Staßfurt-Steinsalz auftretende Gips wird dals fazielle Vertretung des Kalilagers (Sangerhäuser Anhydrit) – also nicht als eine durch Auslaugung entstandene Rückstandsbildung – angesehen. In der ersten „Einschätzung des Werkes“ von 1911 wurde die Lagerstätte als „flachfallend“ charakterisiert und die Mächtigkeit mit 6–7 m angegeben. Weiterhin wurde eine angetroffene lokale Hartsalzlinie von geringem Ausmaß erwähnt. Für die berechneten Carnallitit-Vorräte wurde ein Wert von 9,8 % K2O, für das Hartsalz ein solcher von 17,5 % genannt. In einem späteren „Nachtrag auf Neueinschätzung“ wurde festgestellt, dass der K2O-Gehalt der Vorräte auf 10,7 % (Durchschnitt von 6 Proben, Toleranzen zwischen 8,4 und 11,0 %) angestiegen war. Die durchschnittliche Lagerstättenmächtigkeit lag bei 13,9 m. Im Ergebnis einer Befahrung der Kaliprüfungsstelle wurde der K2O-Gehalt laut Fördernachweisen mit 9,5 %, laut Fabrikbüchern mit 8,0 % beziffert. Die Mächtigkeit des Flözes lag zwischen 5 m und 20 m. Erwähnt wird fernerhin der unvermittelte Übergang vom Staßfurt-Steinsalz – unter Wegfall der Übergangsschichten – zum Kalilager, wobei letzteres in diesen Fällen als kieseritischer Trümmercarnallit vorliegt.

Während im Westfeld überwiegend rotgefärbter Carnallitit angetroffen wurde, war der Carnallitit des Ostfeldes von grauer Farbe. Auch Tachyhydrit ist nachgewiesen worden. Das erwähnte Hartsalzvorkommen wurde 65 m vom Schacht in der westlichen Hauptförderstrecke mit einem Meter Mächtigkeit angetroffen und in einer streichenden Länge von 105 m verfolgt. Das Hartsalz war kieseritarm, geschichtet und von dunkelgrauer bis rötlicher Farbe; der K2O-Gehalt lag zwischen 28,4 und 34,6 %. Eine stärkere tektonische Beeinflussung (Einfallen 20–30° nach Süden und teilweise Überkippung des Kaliflözes) wurde besonders für das Westfeld erwähnt, in dem auch diskordante Auflagerungen von Leine-Steinsalz beobachtet wurden. Im Bereich des Grubenfeldes betrieb die Grube Wilhelmine oberflächennahen Braunkohletiefbau.

Hydrogeologische Angaben Die ursprünglichen hydrogeologischen Verhältnisse im Bereich des Baufeldes Adler wurden durch die in der Umgebung in der Eislebener Niederung umgehende Auslaugung des Zechsteins wesentlich gestört. Das nördlich des Baufeldes gelegene Salzspiegelgebiet selbst ist durch eine rege Auslaugungstätigkeit und die damit verbundenen Deformationen der Erdoberfläche (Bildung von Senkungsmulden, Auftreten intensiver ungleichmäßiger Senkungen, Vorkommen häufiger Erdfälle) gekennzeichnet. Alle diese Erscheinungen wirken sich im Grubenfeld Adler wegen der unmittelbaren Nachbarschaft der Hornburger Tiefenstörung und des Salzspiegelgebietes besonders negativ aus. Im Bereich der Auslaugungssenken – in der unmittelbaren Umgebung des Abbaufeldes liegen die Auslaugungssenken von Erdeborn und Röblingen – ist eine oberflächennahe Wasserführung vorhanden. Die Wässer sind meist stark versalzen, der Grundwasserspiegel zeigt einen laufenden Anstieg. Der eigentliche Hauptwasserleiter im Bereich der Mansfelder Mulde, der mittlere Buntsandstein, kommt in der Umgebung des Abbaufeldes nicht vor. Der anstehende untere Buntsandstein ist überwiegend wasserundurchlässig. Eine Wasserführung tritt in diesem Horizont nur im Bereich der Rogensteinbänke, begünstigt durch deren Klüftigkeit, auf. Infolge der benachbarten Auslaugungsprozesse sind diese Wässer meist versalzen und weisen hohe Härtegrade auf.

Eine Abgrenzung dieser durch Auslaugung des Zechsteins bedingten Senkungen von solchen, die durch Abbaueinwirkung und späteres Ersaufen des Baufeldes Adler entstanden sind, dürfte wegen der möglichen Überlagerung der Erscheinungen sehr kompliziert sein. Über Wasser- und Salzlösungszuflüsse während der Betriebsperiode der Schachtanlage Adler liegen nur spärliche Unterlagen vor. Zum Schachtabteufen wird lediglich erwähnt, dass bei Teufen unterhalb von 39 m Wasserschwierigkeiten und Schwimmsanddurchbrüche auftraten. Ob der Schacht bei der Stilllegung im Jahre 1927 noch vollständig trocken war und in welchem Zeitraum der Anstieg der Wasser bzw. Salzlösungen erfolgte, ist nicht bekannt.

Der Schachtbau Der Schacht Adler liegt etwa 1,2 km südöstlich der Ortslage Erdeborn, etwa 1,2 km westlich des Ortsteils Oberröblingen (Röblingen am See) und etwa 100 m südlich der Bahnlinie Halle-Eisleben. Er steht an der Südflanke des Teutschenthaler Sattels, bzw. am Nordrand der Querfurter Mulde. Zwischen den eingangs genannten Ortschaften verläuft die herzyn streichende Hornburger Tiefenstörung, an der der subsalinare Untergrund im SO-Teil (Bereich Röblingen) um mindestens 400 m abgesunken ist. Die Hornburger Tiefen-Störung schneidet den Hornburger Sattel, der sich in rund 3 km Entfernung westlich vom Schacht befindet; sie wird als Hauptzuflussstelle zum Salzspiegel im Gebiet des ehemaligen Salzigen Sees angesehen.

Mit dem Teufen des Schachtes Adler wurde am 11. Juni 1906 begonnen. Ende Januar 1907 wurden Wasserschwierigkeiten und Schwimmsanddurchbrüche durch Betonierung beseitigt. Anfang August 1907 wurde bei 50,5 m der Buntsandstein, am 14. August 1908 bei 424 m das Steinsalz und am 1. Februar 1908 bei 577 m das Kalilager angefahren. Das Schachtabteufen erfolgte nach dem Senkschachtverfahren. Die Gesamtteufe des Schachtes beträgt 596,0 m. Die Ackersohle liegt bei . Der Schachtmantel wurde in den oberen 214 m mit Tübbingringen ausgebaut, der Rest steht in Mauerung. Der Schacht war mit zwei Fördereinrichtungen versehen und hat einen Durchmesser von 4,5–5,0 m. Ein Teufbericht liegt nicht vor. Die lichte Weite des Schachtes ist nur annäherungsweise bekannt – sie konnte infolge des massiven Betondeckels nicht nachgeprüft werden.

Aus- und Vorrichtung, Abbau- und Versatzverfahren 800px|zentriert|Gruben-Grundriß der Kali-Schachtanlage „Adler“, Maßstab 1:5000

Das Kalilager Flöz „Staßfurt“ wurde bei 577 m Teufe angetroffen und in diesem Niveau (580-m-Sohle) durch streichende Strecken erkundet. In Richtung Osten wurde der Vortrieb nach rund 450 Metern eingestellt, da hier das Lager auskeilt. In westlicher Richtung erreichte das Abbaufeld eine Erstreckung von rund 1,9 km, wobei bereits nach rund 800 m anhand der oftmaligen Richtungsänderung der streichenden Strecken auf größere Veränderungen der Streichrichtung (vermutlich bedingt durch tektonische Einflüsse im Gefolge der Hornburger Tiefenstörung) geschlossen werden kann. Das Abbaufeld des Schachtes „Adler“ kann in 5 Baugruppen unterteilt werden (vergleiche Abbildung oben):

1. Die Baugruppe östlich des Schachtes: Die Auffahrungen bzw. der Abbau stammen aus den Jahren 1909–1913. Aufgefahren wurden 4 Sohlen bzw. Teilsohlen in West-Ost-Richtung. Drei Abbaue liegen zwischen der 520-m- und 569-m-Sohle mit einem durchschnittlichen Einfallen von 20°, einer Abbaubreite von 12–22 m und einer vermutlichen Bauhöhe von 6–7 m. Die Zwischenpfeiler haben eine Stärke von 8 m. Zwischen der 569-m-Sohle und 551-m-Sohle wurden 9 Abbaue mit einer Breite von 11–15 m und einer Bauhöhe von 6–10 m abgebaut. Hier betrug die Pfeilerstärke 7–10 Meter. Diese Baugruppe lässt auf eine sporadische Abbauführung schließen (Auskeilen der Lagerstätte). Von der 580-m-Sohle wurden zwei Flachen, davon eines als Doppelstrecke mit einer Länge von etwa 350 bzw. 70 m aufgefahren. Zur Förderung der Salze wurden mehrere Haspelberge zwischen den Teilsohlen angelegt. Unmittelbar am Ostrand des Schachtsicherheitspfeilers wurde das Sprengmittellager aufgefahren.

2. Die Baugruppe zwischen Schachtsicherheitspfeiler, Bohrloch Oberröblingen und Markscheide: In diesem Baufeld wurden 11 Abbaue mit sehr unterschiedlicher Dimensionierung, mit einer vermutlichen Bauhöhe von 6–7 m und einem durchschnittlichen Einfallen von etwa 20° in den Jahren 1909–1913 abgebaut. Der Schachtsicherheitspfeiler wird von 3 Sohlen, 2 Verbindungsstrecken und einem Haspelberg, der Bohrlochsicherheitspfeiler von 2 Sohlen durchörtert.

3. Die Baugruppe westlich des Bohrlochsicherheitspfeilers: Diese Baugruppe zeigt auf einer streichenden Länge von 500 m eine ausgeglichene Bauweise mit Abbauen von etwa 17 m Breite, einer vermutlichen Bauhöhe von 6–7 m, einer Pfeilerstärke von etwa 8 m und einem Einfallen von etwa 20–25°. Die Abbaue liegen zwischen der 606-m-Sohle und der Wetterstrecke oberhalb der 551-m-Sohle. Im Baufeld wurden 9 Sohlen bzw. Teilsohlen aufgefahren. Diese Auffahrungen bzw. der Abbau wurden in den Jahren 1918–1920 durchgeführt.

4. Die Baugruppe im Anschluss an die 3. Baugruppe bis zum Querschlag 10: Auch diese Baugruppe hat eine streichende Länge von etwa 500 m. Die Streichrichtung wechselt aber sehr nach Südwest. Die Abbaue liegen zwischen der 606-m-Sohle und der 586 m- bzw. 593-m-Sohle. Sie haben eine Breite von 20 m, eine vermutliche Bauhöhe von 6–7 m und ein Einfallen von etwa 20–25°. Die Pfeilerstärke beträgt 10 m. In dieser Baugruppe wurde ein Teilabschnitt der 628-m-Sohle als Vorrichtung aufgefahren. Der Abbau ging in den Jahren 1920–1925 um.

5. Die Baugruppe im Anschluss an die 4. Baugruppe: miniatur|Lage des Schachtes Adler und die Berechtsame der ehemaligen „Adler Kali-Werke A.G.“