mini|hochkant|Selbstbildnis, Öl (1932)

Walter Prinzl (* 29. September 1891 in Wien; † 12. Dezember 1937 ebenda) war ein österreichischer Künstler. Er lebte und wirkte in Melk an der Donau und schuf vor allem Radierungen, aber auch Ölbilder und Freskomalerei.

Leben Kindheit und Jugend Walter Prinzl entstammte einer Melker Patrizierfamilie. Väterlicherseits reichen die Wurzeln nach Kaaden in Nordböhmen, mütterlicherseits nach Südtirol. Walter Prinzls Eltern, Anton Prinzl (d. J.) und Maria, geb. Werner, waren fest mit dem gesellschaftlichen Leben Melks verbunden. Neben dem erstgeborenen Walter hatte das Ehepaar noch die Töchter Maria („Mitzi“) und Hildegunde („Hilde“).

Die Atmosphäre im Hause Prinzl war künstlerisch orientiert und prägte damit Walter Prinzls Lebenseinstellung nachhaltig. In der Donaustadt Krems besuchte Prinzl die Realschule. Der niederösterreichische Maler Ernst Stöhr war gern gesehener Gast der Familie Prinzl. Er war nicht nur Mitglied im Hagenbund, sondern auch Mitbegründer der Wiener Secession. Wichtige Wegweisungen verdankte Walter Prinzl außerdem Richard C. Kromar von Hohenwolf; er war ab 1910 als Zeichenprofessor am Melker Stiftsgymnasium tätig.[Mitteilungen ehemaliger Melker Studenten], Erinnerungsblätter 1910–1932 (1. Teil), S. 3. Beide Künstler bewirkten, dass Walter Prinzl sich der Graphik widmete.

Architekturstudium Dem Anraten seines Vaters folgend immatrikulierte Walter Prinzl auf der Technischen Hochschule in Wien und studierte hier sechs Semester Architektur. Während seines Studiums wurde er 1911 Mitglied der Wiener akademischen Burschenschaft Teutonia.Ernst Elsheimer (Hrsg.): Verzeichnis der Alten Burschenschafter nach dem Stande vom Wintersemester 1927/28. Frankfurt am Main 1928, S. 396; Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band II: Künstler. Winter, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8253-6813-5, S. 550–551.Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 381. Neben dem Schulbesuch und der Universität jedoch, in den Jahren 1908 bis 1912, erweiterte und vertiefte er seine Kenntnisse in der Handhabung des Stiches und der Ätznadel durch eine Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien.Oskar Oberwalder: Der Maler-Radierer Walter Prinzl. S. 15. Früchte dieser Ausbildung waren Prinzls ersten Radierungen; neben manchen Holzschnitten.

Erster Weltkrieg Der Erste Weltkrieg, den Prinzl größtenteils als Maschinengewehroffizier an der Front erlebte, unterband seine künstlerische Tätigkeit.Oskar Oberwalder: Der Maler-Radierer Walter Prinzl. S. 16. Er rückte als Offiziersanwärter ein und wurde nach kurzer Ausbildungszeit im Rahmen des 24. Landwehrinfanterieregiments Wien an der Balkanfront eingesetzt, später an der Front in Kärnten. Nach dem Krieg waren viele seiner Ideale angesichts des Kriegsausgangs zerbrochen. Sowohl das Herkunftsland väterlicherseits, Böhmen, wie auch das mütterlicherseits, Südtirol, waren nun politisches Ausland. Das Kriegsende erreichte Walter Prinzl in Südtirol. Hier war auch er mancher Unbill seiner Offizierscharge wegen ausgesetzt, weshalb er Zuflucht bei seinen südtirolerischen Verwandten suchte, wo er neue Kräfte nach dem Krieg sammeln konnte und die ihn mit Zivilkleidern versorgten, sodass er schließlich nach Melk zurückkehren konnte.

Kunststudium Die materielle Lage bedingte einen baldigen Berufseinstieg. Walter Prinzl entschied sich deshalb gegen die Fortsetzung seines Architekturstudiums und für eine künstlerische Laufbahn. Die Ausbildung dazu hatte er bereits an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien absolviert; sie besaß zwar keinen Hochschulrang wie die Akademie der bildenden Künste, bildete jedoch ebenso vollwertig ihre Künstler aus. In jenen Jahren besuchten später bekannte Künstlerpersönlichkeiten die Anstalt. Zu ihnen zählen Arnold Clementschitsch, Carry Hauser oder Ivo Saliger. Er besuchte ab dem Wintersemester 1921 bis zum Sommersemester 1923 die Allgemeine Malerschule unter dem Klassenleiter Hans Tichy.Vgl. Walter Prinzl – Studienakt; in: Akademie der bildenden Künste: Universitätsarchiv, Studienakt Nr. 394 – Walter Prinzl.

Künstler in Melk mini|Prinzls Atelier, das Haus auf dem Stein Nach Abschluss seiner Ausbildung ließ Walter Prinzl sich endgültig in Melk nieder, wo er bereits als Künstler seit einigen Jahren tätig war. Das hing wohl nicht nur mit materiellen Notwendigkeiten, sondern auch mit der geplanten Hochzeit zusammen. Denn bald nach seiner endgültigen Rückkehr nach Melk heiratete er 1922 Nina Guzmann.

In Melk erwarb er im Zuge seiner Rückkehr nach dem Weltkrieg, Studium und Heirat einen alten, verfallenen Stadtturm – das Haus auf dem Stein – am Felsensteig Nr. 4, das damals von der Melker Bevölkerung auch als Schusterburg bezeichnet wurde."Heute trägt das Haus auf dem Stein manchmal auch den Namen Prinzlturm; vgl. Melk in alten Ansichten, o. S. Früher hatte man unter Prinzlturm den Brauhausturm, d. h. den alten Stadtturm gegenüber dem Brauhaus in der Prinzlstraße, verstanden." An den umfangreichen baulichen Adaptierungsmaßnahmen zwischen 1923 und 1929 beteiligte er sich intensiv; das Interesse an Architektur war ihm geblieben. Besonderen Wert legte er dabei auf die Gestaltung seines Ateliers, das durch ein großes Fenster einen Blick auf die Südseite des gegenüberliegenden Stifts gestattet.Vgl. u. a. Stadtbuch Melk, Bd. I, S. 454. Hier stand auch seine eigene Presse, denn ähnlich wie Luigi Kasimir war er zur Überzeugung gekommen, „daß der Radierer die Abzüge von seinen Platten selbst herstellen müsse.“Luigi Kasimir; in: Schüttler, S. 27.

Walter Prinzl erwarb sich als Kunstschaffender bald einen guten Ruf, der sich für ihn mit einer gewissen materiellen Sicherstellung verband und ihm ein entsprechendes Leben ermöglichte. In den späten 1920er und endgültig in den 1930er Jahren zählte Walter Prinzl zu den erfolgreichen österreichischen Künstlern. mini|Das Grabmal Walter Prinzls auf dem Friedhof in Melk, das von ihm für seine Schwester gestaltet wurde Von Beginn an verband Walter Prinzl seine künstlerische Tätigkeit mit ausgedehnten Reisen – ein Biograph seiner Zeit nennt es gar „Reisewut“.

Tod Während eines Kurzaufenthalts in Wien im Herbst 1937 musste Prinzl ins Spital aufgenommen werden, wo ein Magendurchbruch festgestellt wurde; möglicherweise eine Nachwirkung gesundheitlicher Probleme während des Weltkriegs. Trotz sofortiger Operation und zweier Nachoperationen war eine Rettung nicht mehr möglich. Am 12. Dezember 1937 starb er in Wien in seinem 47. Lebensjahr an „durchgebrochenen Magengeschwüren“.So der entspr. Eintrag in der Sterbematrike der röm.-kath. Pfarre Melk.

Der Leichnam Walter Prinzls wurde nach Melk überführt, wo er im Atelier im Haus auf dem Stein „inmitten ungezählter Kranzspenden und umgeben von den herrlichen Gemälden des Künstlers“ aufgebahrt wurde; Das Kreuz auf seinem Grab stammt vom Künstler selbst und wurde von ihm nur wenige Monate zuvor aus Anlass des Todes seiner Schwester Mitzi selbst entworfen. Prinzls Tod wurde überregional wahrgenommen. In einem kurzen Nachruf in der Neuen Freien Presse, der sich sogar im Archiv der Akademie der bildenden Künste findetVgl. Akademie der bildenden Künste: Universitätsarchiv, Verwaltungsakt [VA] Zl. 1467–1937., wird resümiert: Walter Prinzls mini|Der „Alte Brotladen“ am Melker Rathausplatz, der 1929 nach Plänen Walter Prinzls wieder mit Ecktürmchen versehen wurde

Werk Allgemeines Am bekanntesten sind Walter Prinzls Wachau-Blätter, zumeist als farbige Radierungen ausgeführt. Eine Übersicht über seine Werke zeigt aber rasch, dass das nur eine Facette seines Wirkens war. Er begann als Graphiker, wandte sich dann im Besonderen der Radierung zu, befasste sich aber auch mit Ölmalerei – hier besonders mit Porträts –, arbeitete an Holzschnitten sowie an Fresken.

Vergleicht man seine Werke mit der zeitgenössischen österreichischen Kunstszene, so fällt auf, dass Walter Prinzl nie Sozialkritisches geschaffen hat, sondern zeitlebens der romantisierend-idealisierenden Darstellung verpflichtet war; er Es kann in der Neoromantik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Reaktion auf die als in vielen Bereichen – man denke nur an die Politik – gar nicht positiv erlebte Realität gesehen werden. Das Gefühl rückte in den Mittelpunkt, die Sehnsucht nach einer besseren, idealen Zeit.

Walter Prinzl hielt zwar romantische Blicke aus vergangenen Epochen fest, diese waren aber nicht rückwärtsgewandt, sondern dienten der Bereicherung der Gegenwart. Die geträumte Welt ist Reichtum des gewissermaßen Vorweggenommenen, des Voraus. Die Kunst wurde zum Ausdruck der sich in ihr ein Stück weit erfüllenden Hoffnung.

Die Hoffnung auf die positive Kraft der eigenen Kultur und des eigenen Volkes gehört sehr oft zu solchen hoffenden Gedankengebäuden. Aus dem ergibt sich aber auch die mangelnde Immunstärke gegenüber dem Nationalsozialismus, der als politische Realisierungsmöglichkeit dieser Vorstellungen verkannt wurde.

Dieses veränderte Verständnis der Romantik drückt sich u. a. darin aus, dass die Bilder Walter Prinzls helle, frohe Farben verwenden und gewissermaßen den Betrachter anleuchten, während die Romantik des beginnenden 19. Jahrhunderts dunkle, verdeckte Farben bevorzugte, überhaupt ein mystisches Moment oft einbrachte, das bei Walter Prinzl vollkommen fehlt; selbst in jenen Darstellungen, die mystische Motive zum Thema haben.

Walter Prinzl hatte weniger Interesse an der Natur selbst, aber sehr wohl großes Interesse am Gebauten, am Technischen, am Artifiziellen hatte. Walter Prinzl war deshalb neben seiner künstlerischen Tätigkeit außerdem beratend im Bereich des Denkmalschutzes – man sprach damals von HeimatschutzVgl. Stadtbuch Melk, Bd. I, S. 454. – mit Rat und Tat an der Erhaltung stilgerechter Orts- und Landschaftsbilder in der Wachau tätig; er war – wie dies ein zeitgenössischer Beitrag ausdrückte –

Ein Beispiel seines Wirkens im Rahmen der Ortsbildpflege ist die Umgestaltung der Ecktürmchen des sog. Alten Brotladens an der Westseite des Melker Rathausplatzes. Es geht auf Walter Prinzls Initiative zurück, dass die nur mehr im unteren Teil erhaltenen runden Ecktürmchen 1929 wieder erhöht und mit einem spitzen Dach versehen wurden, womit dem Gebäude ein romantisches Aussehen verliehen wurde.

mini|Melk im Schnee (Radierung)

Ein anderes Projekt, für das Prinzl gemeinsam mit Leopold Blauensteiner in dessen Funktion als Konservator des Denkmalamtes (Zentralstelle für Denkmalschutz) für den Bezirk Melk im Bereich profaner Kunstdenkmäler verantwortlich zeichnete, war die Wiederherstellung des Kolomanibrunnens am Rathausplatz, eines der wichtigsten Denkmäler Melks. Nachdem in den 1920er Jahren die barocke Originalstatue durch einen Sturm vom Sockel gestürzt und dabei beschädigt worden war, woraufhin man die Figur der Landesregierung für ein Donaumuseum überlassen hatte, wurde diese durch eine originalgetreue Kopie ersetzt.Vgl. Stadtbuch Melk, Bd. I, S. 797 f. Ein zeitgenössischer Beitrag spricht angesichts der großen Bandbreite des Schaffens und des integrativen künstlerischen Ansatzes Walter Prinzls von einer

Radierungen Auf den Scheinen des Melker Gemeindenotgeldes, das die Stadt Melk unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg ausgeben musste und damit Walter Prinzl beauftragte, bezeichnete sich dieser bereits als „Radierer“. Diese Bezeichnung charakterisiert ohne Zweifel nicht nur seine Ausbildung, sondern auch sein Selbstverständnis vor allem bis zum Ende der 1920er Jahre; möglicherweise lag die Radierkunst mit ihren vielfältigen technischen Möglichkeiten und Finessen dem technisch geprägten Walter Prinzl besonders nahe. Überblickt man sein gesamtes Lebenswerk – das allerdings durch den frühen Tod jäh endete –, so kann man feststellen, dass Walter Prinzls künstlerisches Schwergewicht bei der Radierkunst lag; hier konnte er sein Œuvre entfalten.