L. C. SillaLaut Titelblatt des Original-Librettos von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. xviii und S. 209.Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 81–86 (Überschrift) und S. 83.Auch Hicks, der sogar meint: „Die Form Lucio Cornelio Silla, die in neuerer Literatur übernommen wurde, ist nicht berechtigt“. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 29 (auch: SillaWinton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 260–272.Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 415Anthony Hicks: Silla. In: The New Grove Dictionary of Opera. Stanley Sadie (Hrsg.), London 1992, ISBN 0-333-73432-7, S. 377.Stollberg verwendet zwar als Überschrift L. C. Silla…, aber im laufenden Text normalerweise die Kurzform „Silla“. Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 81–86 (Überschrift) und S. 83.Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. viii-xiv.Albert Scheibler: Silla, in: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 599–612Hogwood erwähnt die Oper nur einmal kurz. Christopher Hogwood: Georg Friedrich Händel. Eine Biographie. Aus dem Englischen von Bettina Obrecht. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar, 1992, S. 356. oder Lucio Cornelio SillaBaselt verwendet den vollständigen Namen als Überschrift, aber sonst gewöhnlich die Kurzform „Silla“. Bernd Baselt: Thematisch-systematisches Verzeichnis. Bühnenwerke. In: Walter Eisen (Hrsg.): Händel-Handbuch: Band 1. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1978, ISBN 3-7618-0610-8 (unveränderter Nachdruck, Kassel 2008, ISBN 978-3-7618-0610-4), S. 140–146.Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 164 und 254. (HWV 10) ist eine Oper (Dramma per musica) in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Sie ist mit zwei Stunden Spieldauer seine kürzeste Oper.

Entstehung Die Umstände der Entstehung von Händels Silla sind bis heute (Stand 2026) nicht völlig geklärt – es ist nicht einmal nachgewiesen, ob die Oper überhaupt jemals aufgeführt wurde.Dazu besonders ausführlich: Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 30 Ein Exemplar des Original-Librettos wurde Ende der 1960er Jahre von John Merrill Knapp in der Huntington Library in Kalifornien gefunden.Laut einem 1969 veröffentlichten Artikel Knapps. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 269 (Fußnote 8).Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83 Dieses Textbuch ist einzigartig, da es weder eine englische Übersetzung des italienischen Textes noch eine Besetzungsliste enthält; auch ist das Format größer als andere Londoner Libretti.Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 269. Darüber hinaus wird das Textbuch eingeleitet durch eine ungewöhnlich lange Widmung des Librettisten Giacomo Rossi an den außerordentlichen französischen Botschafter Louis-Marie, Duc D’Aumont de Rochebaron (1667–1723), der nach England gekommen war, um die diplomatischen Beziehungen zwischen England und Frankreich nach dem Spanischen Erbfolgekrieg wieder aufzunehmen; dies führte im Frühjahr 1713 zum Frieden von Utrecht.Arne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83–84 Die Widmung an Rochebaron ist auf den 2. Juni 1713 datiert,Siehe Original-Libretto von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. 217. was nach den Gepflogenheiten der Zeit auch das Datum der Aufführung sein könnte. Der Aufführungsort wird jedoch nicht genannt. Friedrich Chrysander hatte im 19. Jahrhundert die Vermutung geäußert, dass Silla im Burlington House in Piccadilly, der Residenz von Händels Gönner, aufgeführt worden sein könnte und „nicht von großen geschulten Sängern, sondern von den Damen und Herren der Hauses und der Bekanntschaft“.Friedrich Chrysander: G. F. Händel. Erster Band. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1860, S. 415 Doch mittlerweile wurde darauf hingewiesen, dass einerseits die anspruchsvollen Gesangspartien italienisch geschulte Sänger verlangen,Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 270. und andererseits die erforderlichen Bühneneffekte außerhalb eines großen Theaters nicht hätten umgesetzt werden können. Daher vermuten einige Autoren, dass die Oper im Queen’s Theatre, eventuell als einmalige „Privatvorstellung“, aufgeführt wurde; dabei hätten auch bereits vorhandene Bühnenbilder und Maschinerie benutzt worden sein können. Hicks wies allerdings darauf hin, dass „die Idee einer privaten Opernaufführung in London jedoch ... andererseits unbekannt“ sei, und „es ist schwierig zu verstehen, warum die Aufführung einer neuen Oper vor dem französischen Botschafter nicht als ein bedeutendes öffentliches Ereignis betrachtet“ worden sei.Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 30 Scheibler vermutete (in der Nachfolge von Chrysander) eine „halbszenische Darstellung“ in Burlington House.Albert Scheibler: Sämtliche 53 Bühnenwerke des Georg Friedrich Händel. Opern-Führer. Edition Köln, Lohmar/Rheinland 1995, ISBN 3-928010-05-0, S. 599.

Auch über die beteiligten Interpreten kann nur spekuliert werden. Wenn man davon ausgeht, dass es sich um die Sänger des Queen’s Theatre handelte, könnten diese hypothetisch folgendermaßen auf die Rollen aufgeteilt gewesen sein (laut ChisholmArne Stollberg: L. C. Silla (HWV 10), in: Arnold Jacobshagen, Panja Mücke (Hrsg.): Händels Opern – Das Handbuch. Teilband II. Laaber, (o. O.) 2009, ISBN 3-89007-686-6, S. 83 und 85 (Fußnote 5) und Dean und Knapp): Lucio Cornelio Silla – Valentino Urbani, genannt „Valentini“ ? (Alt-Kastrat) Metella – Elisabetta Pilotti-Schiavonetti ? (Sopran) Lepido – Valeriano Pellegrini, genannt „Valeriano“ ? (Sopran-Kastrat) Flavia – Margherita de l’Épine, genannt „La Margherita“ ? (Sopran) Claudio – Jane Barbier ? (Alt) Celia – ? (Sopran)Für die Rolle der Celia gibt es drei oder vier potentielle Sängerinnen, die von Dean/Knapp erwähnt werden. Winton Dean, John Merrill Knapp: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, S. 270. Mars – Richard Leveridge ? (Bass)

Dabei gibt es aber durchaus Fragezeichen, z. B. bei der Aufteilung der beiden Altpartien Silla und Claudio auf den Kastraten Valentino Urbani und die englische Altistin Jane Barbier, die auch umgekehrt gewesen sein könnte. Denn die Titelrolle in einer Barockoper wurde nicht automatisch vom primo uomo gesungen, wie z. B. in Händels Tamerlano (1725), wo die (ebenfalls unsympathische) Titelrolle von dem secondo uomo Andrea Pacini, und Andronico von dem primo uomo Senesino übernommen wurde.

Aufführungsgeschichte Eine Wiederbelebung der Oper ließ lange auf sich warten und fand erst am 12. Oktober 1990 (277 Jahre nach ihrer Uraufführung) in der Salle Dupré des Hôtel des Monnaies in Paris unter Leitung von Gabrielle Marcq statt. Die erste Aufführung des Stückes in historischer Aufführungspraxis sah man in Händels Geburtsstadt Halle anlässlich seines 308. Geburtstages am 23. Februar 1993 mit dem Kölner Ensemble La Stravaganza unter der Leitung von Dieter Gutknecht.

Libretto Giacomo Rossi, der zuvor mit Händel schon an Rinaldo und Il Pastor fido zusammengearbeitet hatte, schrieb das Libretto. Eine Vorlage konnte bisher nicht identifiziert werden, obwohl der römische Diktator Silla (Lucius Cornelius Sulla Felix, 138 v. Chr.–78 v. Chr.) seit dem späten 17. Jahrhundert als Inspiration für mehrere Opern diente.Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 262.Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 254. Die spezielle Mischung der Handlung, mit einer Betonung von „Sex and Crime“, die oft am Rande der Komik schwebt,„...die gelegentlich lächerliche Handlung des Librettos...“. Anthony Hicks (deutsche Übersetzung: Ilse Herlihy): Booklettext zur CD-Einspielung Handel – Silla, SOMM Recordings 227-8 (2000), S. 32 scheint auf ein eher altmodisches Vorgänger-Libretto aus der venezianischen Tradition hinzudeuten.Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 263. Auf ein Vorgängerlibretto könnten auch einige von Händel nie vertonte Szenen hinweisen, unter anderem eine Szene im Amphitheater am Ende des ersten Aktes.Winton Dean, John Merrill Knapp: Chapter 14 – Silla, in: Handel’s Operas 1704–1726. The Boydell Press, Woodbridge 2009, ISBN 978-1-84383-525-7, S. 271. Dean und Knapp fällten ein hartes Urteil:

Handlung Historisch-literarischer Hintergrund mini|Porträt Sullas auf einem Denar des Quintus Pompeius Rufus, 55 v. Chr. Der historische Hintergrund für die ziemlich reißerische und absurde Handlung – mit einer Betonung von Sillas lasziven Gelüsten und von ihm verhängten Todesstrafen – basiert auf Plutarch (Bíoi parálleloi), wie der Librettist Giacomo Rossi im „Argomento“ („Vorbemerkung“) zum gedruckten Textbuch angibt. Der historischen Überlieferung entspricht die zu Beginn der Oper angedeutete Machtergreifung des Lucius Cornelius Sulla Felix (138 v. Chr.–78 v. Chr.) im Jahre 82 v. Chr., nachdem er den Konsul Gaius Marius besiegt hatte. Sulla errichtete in den drei folgenden Jahren eine Diktatur, in der er seine Feinde – angeblich auf göttlichen Befehl – gnadenlos umbringen ließ. Rossi erwähnt des Weiteren, dass Sulla das Leben eines Wüstlings geführt, mehrere seiner Ehefrauen verstoßen habe und schließlich im Jahre 79 v. Chr., völlig überraschend und ohne Gründe zu nennen, abdankte und sich ins Privatleben zurückzog.Siehe Original-Libretto von 1713, in: Ellen T. Harris u. a.: The librettos of Handel’s operas : a collection of seventy-one librettos documenting Handel's operatic career, volume ii, Garland, New York 1989, S. 219.Silke Leopold: Händel. Die Opern. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2009, ISBN 978-3-7618-1991-3, S. 254.