mini|Eintagsküken Eintagsküken sind Küken in der Geflügelzucht oder -produktion, die nicht älter als einen Tag sind.

Aufgrund des nahrhaften Dottersackes können Küken nach dem Schlüpfen etwa 72 Stunden ohne Nahrungssuche überleben. Darum werden sie in der Geflügelproduktion in dieser Zeit gehandelt, transportiert, separiert, untersucht und geimpft.

Männliche Eintagsküken von auf Legeleistung gezüchteten Tieren werden sehr oft aufgrund mangelnder Rentabilität der Mast separiert und getötet. Das Töten von Eintagsküken ist nur in wenigen Ländern verboten; es gibt aber Überlegungen und Pläne mehrerer Staaten, die Praxis einzuschränken oder ebenfalls zu verbieten. In: ZDF WISO, 9. April 2018, abgerufen am 9. April 2018.

Geschlechtsbestimmung und Versorgung

mini|Weibliches Eintagsküken In der Regel wird die Geschlechtsbestimmung von Küken, das Sexen, bereits am ersten Lebenstag durchgeführt. Dies ist möglich durch die Inspektion der Genitalien, jedoch bei kommerziellen Zuchtlinien einfacher durch bewusst gezüchtete phänotypische Geschlechtsunterschiede (zum Beispiel unterschiedliche Federlänge an den Flügeln). Die männlichen Küken werden als Bruderhähne oder Bruderküken bezeichnet.

Auf natürliche Weise ausgebrütete Küken werden sofort von der Glucke betreut, müssen jedoch selber Futter finden. Bei Kunstbrut wird die sofortige Verfügbarkeit von Wasser und Nahrung ab Schlupf empfohlen. Da Küken aufgrund von Körperreserven etwa 72 Stunden ohne Nahrung überleben können, wird in der kommerziellen Aufzucht Nahrung und Wasser häufig erst zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung gestellt.

Die Schutzimpfung gegen die Marek-Krankheit wird im Idealfall am ersten Lebenstag durchgeführt. Außerhalb Europas bekommen die weiblichen Küken für die Mast oftmals eine Injektion mit Wachstumshormonen, damit die Tiere innerhalb von 40 Tagen ihr Schlachtgewicht erreichen. In der Europäischen Union ist der Einsatz von Hormonen als wachstumsfördernde Substanzen jedoch verboten.

Tötung männlicher Eintagsküken

Gründe In der Geflügelproduktion werden die männlichen Küken von Lege-Hybridhühnern aus ökonomischen Gründen aussortiert.Agrarmarkt Austria: Woher kommen unsere Legehennen? Die weiblichen Küken dieser Zuchtlinien für hohe Legeleistung werden als Legehennen aufgezogen, die männlichen Küken dieser Zuchtlinien setzen weniger Brustfleisch an als Hühnerrassen, die für die Broilermast optimiert sind. Ihre Aufzucht als Masthähnchen ist daher weniger rentabel. Seit dem 1. Januar 2022 ist es in Deutschland praktisch verboten, Küken von Haushühnern der Art Gallus gallus (das heißt alle Haushühner) zu töten (Gesetz zur Änderung des Tierschutzgesetzes – Verbot des Kükentötens vom 18. Juni 2021). (PDF; 27 kB). Abgerufen am 2. Januar 2022.

Umfang In Deutschland wurden jährlich 45 Millionen Eintagsküken geschreddert oder vergast; das waren über 126.000 Tiere täglich.Gegen Kükenschreddern. „Kein Mensch will Tiere am ersten Tag töten“. Tagesspiegel, 31. März 2015. In der Schweiz wurden jedes Jahr rund 3 Millionen männliche Küken getötet, fast ein Viertel davon Bioküken. In der Europäischen Union waren es 2014 330 Millionen getötete Eintagsküken.Jörg Göbel, Christian Rohde (PDF). ZDF, 22. April 2014. Weltweit sind es jährlich etwa 2,5 Milliarden Küken. Wissenschafts- und Informationszentrum Nachhaltige Geflügelwirtschaft (WING), Universität Vechta. Das sind fast 7 Millionen Eintagsküken täglich.

Tötungsverfahren mini|Eintagsküken, geschreddert Das Töten der männlichen Eintagsküken (Androzid) erfolgt üblicherweise durch Ersticken oder durch Zerschreddern. Beim Ersticken wird CO2 in Behälter mit einigen hundert Küken eingeleitet. Innerhalb von Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein und der Tod erfolgt innerhalb von wenigen Minuten durch Sauerstoffarmut im Blut. Medizinisch ist dieser Vorgang durch den Bohr- bzw. den Haldane-Effekt charakterisiert.

In der Europäischen Union dürfen die Tiere nur nach Betäubung getötet werden, wobei die Zerkleinerung durch unmittelbare, sofort tötende Zerstückelung des gesamten Körpers als statthaftes und dann gefordertes Betäubungsverfahren bei bis zu 72 Stunden alten (Dreitages-)Küken gilt. Der Apparat ist mit schnell rotierenden, mechanisch angetriebenen Messern oder Polystyrennoppen auszustatten und muss die Kapazität haben, eine große Zahl „unverzüglich“ zu töten.Artikel 4 Verordnung (EU) Nr. 1099/2009 des Rates vom 24. September 2009 über den Schutz der Tiere zum Zeitpunkt der Tötung, mit Anhang I Kapitel I Tabelle 1 Ziff.4 und Kapitel II Nr. 2 Bei Betäubung mit Kohlendioxid muss die Konzentration mindestens 40 % CO2 betragen.

In der Schweiz ist das Töten, bei dem Küken lebendig übereinander gestapelt werden, untersagt, was einem praktischen Verbot der CO2-Erstickung gleichkommt. (mit Kommentar) der Stiftung für das Tier im Recht Jedoch werden nach wie vor die meisten Küken vergast. Im März 2019 hat der Nationalrat für ein Verbot des Zerschredderns von lebendigen Küken gestimmt. Der Ständerat stimmte im September 2019 für das Verbot. Mit dem Verbot wurde ein Anliegen aus einer Petition der Veganen Gesellschaft Schweiz aufgenommen.

In der Massenproduktion in den Vereinigten Staaten erfolgt nach einem Video der Tierschutzorganisation Animal Equality die Tötung unter anderem auch durch das Abschneiden des Kopfes.

Möglichkeiten der Vermeidung Zweinutzungsrassen Tierschützer fordern eine Rückkehr zum Zweinutzungshuhn, bei dem weibliche Tiere als Legehennen aufgezogen und männliche Küken für eine spätere Fleischnutzung gemästet werden können. Legeleistung und Fleischansatz korrelieren jedoch negativ miteinander, weshalb solche Rassen uneffektiver wären. In der Schweiz dürfen die Eierproduzenten von Bio Suisse ab dem 1. Januar 2026 keine männlichen Eintagsküken mehr töten, sie wollen neben der Bruderhahnaufzucht auf Zweinutzungsrassen setzen.

Geschlechtsbestimmung im Ei Vermeiden lässt sich die Tötung, indem die Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei erfolgt und männliche Küken nicht ausgebrütet werden (Ovo-Geschlechtsbestimmung). Ein praxistaugliches Verfahren hat die Firma Seleggt entwickelt. Allerdings kann die Geschlechterbestimmung erst am achten Tag, an dem die Entwicklung des Embryos schon relativ weit ist, mit einer hohen Trefferquote erfolgen. Die Eier wurden 2019 von rund 380 Rewe- und Penny-Filialen vertrieben.

Untersuchte Methoden, bei denen das angebrütete Ei geöffnet werden muss, sind eine Streulichtmethode zur Untersuchung der Blutgefäße des Embryos und eine Hormonmethode, die entnommenen Urin untersucht. Eine Methode, die das Ei unversehrt lässt, beruht auf der Bildauswertung einer Magnetresonanztomografie (MRT) des bereits angebrüteten Eies. Dabei gilt eine Sortierungsmethode bis zum siebten Entwicklungstag des Embryos als erstrebenswert, wobei noch nicht endgültig geklärt ist, ab wann der Embryo Schmerzempfinden hat. Mit Hilfe der Lichtscheibenmikroskopie konnte die Nervenbahn eines siebentägigen Hühnerembryos graphisch dargestellt werden. Die Bio-Anbauverbände Bioland und Demeter lehnen die Geschlechtsbestimmung im Ei mit einer anschließenden Embryonentötung ab. Auch Biokreis und Naturland lehnen eine In-Ovo-Selektion ab.

In Deutschland ist es seit dem 1. Januar 2024 ab dem 13. Bebrütungstag verboten, bei oder nach der Anwendung eines Verfahrens zur Geschlechtsbestimmung im Hühnerei durch Eingriff an einem Hühnerei oder Abbruch des Brutvorgangs den Tod des Hühnerembryos herbeizuführen (§ 4c Absatz 3 Tierschutzgesetz); 2021 war beschlossen worden, dass das Verbot schon ab dem 7. Bebrütungstag gelten sollte, die Regelung wurde jedoch schon vor ihrem Inkrafttreten geändert (siehe oben). In der Schweiz wollen die konventionellen Eierproduzenten ab dem 1. Januar 2026 keine männlichen Eintagsküken mehr töten und auf die Geschlechtsbestimmung im Ei setzen, was rund 12 Tage nach dem Legen mittels MRT geschehen soll.

Mit der CRISPR/Cas-Methode wurden Hühner so verändert, dass männliche Embryos automatisch absterben.

Bruderhahnaufzucht Deutschland Die »Brudertier Initiative Deutschland e. V.« erhebt einen Aufpreis von vier Cent pro Ei, um die im Vergleich zu Masthähnchen längere Mastdauer der Bruderhähne von mindestens 14 Wochen zu finanzieren.Tötung von Küken. Brüder, zur Sonne, zum Kochtopf. taz vom 20. November 2013.

Unter der Marke Alnatura und in den Märkten der Basic-AG werden nur noch Eier aus der Bruderküken-Initiative angeboten.

Neben verschiedenen anderen Bio-Initiativen mit eigenem Label bieten als Erste im konventionellen Bereich seit Februar 2017 Rewe und dessen Discounter Penny Eier des Hybridhuhns „Lohmann Sandy“ an, wobei auch die Hähne bis zur Schlachtreife aufgezogen und gemästet werden.

Auch Aldi, Edeka und Real bieten Eier an, bei denen die Bruderhähne aufgezogen werden.

Österreich Die Bio-Branche in Österreich hat 2016 beschlossen, keine männlichen Küken mehr zu töten. Um die unrentable Mast der Hähne zu unterstützen, zahlen die Konsumenten für Bio-Eier ein paar Cent mehr.

Schweiz Seit dem 1. Januar 2016 werden für die Anzahl Bio-Suisse-Eier, welche unter dem Label „henne & hahn“ produziert werden, die entsprechenden männlichen Küken nach dem Schlupf nicht getötet. Seit Februar 2018 sind die Eier auch bei Aldi Suisse und seit Ende Mai 2021 bei Lidl Schweiz erhältlich.Pasquale Ferrara: Aussortiert und weggeworfen - Nur einige Nischenanbieter beenden das Kükentöten In: srf.ch, 29. März 2018, abgerufen am 11. Februar 2023.«henne & hahn»: Bruderküken-Programm für mehr Tierwohl ab sofort bei ALDI SUISSE In: aldi-suisse.ch, 31. Januar 2018, abgerufen am 29. März 2018.Jil Schuller: Aldi: Henne-&-Hahn-Eier ohne Kükentöten verkaufen sich gut In: bauernzeitung.ch, 14. Januar 2021, abgerufen am 11. Februar 2023. 2022 hat Aldi Suisse die Eigenmarke «retour aux sources» lanciert, wo die Bruderhähne ebenso aufgezogen werden. Da die Eierproduzenten von Bio Suisse ab dem 1. Januar 2026 keine männlichen Eintagsküken mehr töten dürfen, wollen sie neben der Bruderhahnaufzucht auch auf Zweinutzungsrassen setzen.

Demeter Schweiz hat im Juli 2017 entschieden, ab 2019 nur noch Eier aus dem Projekt «Hahn im Glück» zu vermarkten.Bei Demeter Schweiz gibt es ab 2019 nur noch „Hähne im Glück“ In: demeter.ch, 4. Juli 2017, abgerufen am 29. März 2018. Bei Migros und Coop sind die Demeter-Eier seit 2021 schweizweit erhältlich.Migros verkauft neu Eier ohne Küken-Tötung In: swissinfo.ch, 18. November 2020, abgerufen am 11. Februar 2023.Die Migros geht gegen das Kükentöten vor In: migros.ch, 18. November 2020, abgerufen am 18. November 2020.Ab 2021 sind Demeter-Eier schweizweit in der Migros erhältlich In: demeter.ch, abgerufen am 11. Februar 2023.Coop engagiert sich für die Aufzucht männlicher Küken In: coop.ch, 14. Juni 2021, abgerufen am 18. November 2020.Coop engagiert sich für die Aufzucht männlicher Küken In: demeter.ch, abgerufen am 11. Februar 2023.

Verwertung und Entsorgung