mini|Lenbachhaus, 2023 mini|Neubautrakt, 2023 mini|Nordflügel Die Städtische Galerie im Lenbachhaus (eigene Schreibweise: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München) ist ein Kunstmuseum der bayerischen Landeshauptstadt München. Es ist in der denkmalgeschützten Villa des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach in der Luisenstraße 33 im Kunstareal München (Maxvorstadt) untergebracht. Die Villa wurde zwischen 1887 und 1891 nach Plänen von Gabriel von Seidl erbaut und 1927 bis 1929 durch Hans Grässel sowie 1969 bis 1972 durch Heinrich Volbehr und Rudolf Thönessen erweitert.

Die Eröffnung erfolgte 1929. Von 2009 bis zur Wiedereröffnung am 8. Mai 2013 wurde das Lenbachhaus generalsaniert und um einen Erweiterungsbau des Architekturbüros Foster + Partners ergänzt.Generalsanierung und Neubau durch Foster + Partners, Lenbachhaus.de, abgerufen am 20. März 2019. Einige Räume des repräsentativen Wohnbereichs Lenbachs wurden im Originalzustand erhalten und können im Rahmen eines Ausstellungsbesuchs besichtigt werden.

Seit 1994 gehört zum Museum der Kunstbau, ein unterirdischer Ausstellungsraum oberhalb des U-Bahnhofs Königsplatz, in dem wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden.

Direktor des Museums ist Matthias Mühling. Er übernahm das Amt zum Jahreswechsel 2013/14. Zuvor wurde das Museum u. a. von Hans Konrad Röthel (1956–1971), Erika Hanfstaengl (1971/72 kommissarisch), Michael Petzet (1972–1974), Armin Zweite (1974–1990) und Helmut Friedel (1990–2013) geleitet.

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus ist Teil des Kunstareals München in der Maxvorstadt. Hier können 18 Museen und Ausstellungshäuser sowie ungefähr 40 Galerien und sechs Hochschulen fußläufig erreicht werden.

Das Museum gehört der MuSeenLandschaft Expressionismus an, zusammen mit dem Museum der Phantasie („Buchheim-Museum“) in Bernried am Starnberger See, dem Franz Marc Museum in Kochel am See, dem Museum Penzberg sowie dem Schloßmuseum Murnau.

Sammlung Ständige Sammlung/Ausstellung Das Museum begann mit der städtischen Sammlung von in München arbeitenden Malern, insbesondere des 18. und 19. Jahrhunderts. Dabei sammelte der Rat der Stadt eher nicht oder noch nicht akademische Künstler, während die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen für die Alte und die Neue Pinakothek Arbeiten der Maler der Bayerischen Akademie der Schönen Künste erwarben. So besitzt das Lenbachhaus unter anderem Werke von Jan Polack, Christoph Schwartz, George Desmarées (Gräfin Holstein 1754), Wilhelm von Kobell, Johann Georg von Dillis, Carl Rottmann, Carl Spitzweg, Eduard Schleich, Carl Theodor von Piloty, Franz von Stuck, Franz von Lenbach, Friedrich August von Kaulbach, Wilhelm Leibl, Wilhelm Trübner und Hans Thoma. Die Malerei des 19. Jahrhunderts aus dem Kreis der so genannten Münchner Schule ist im Nordflügel zu sehen. Auch Mitglieder der 1892 gegründeten Münchner Secession, wie Lovis Corinth, Christian Landenberger, Max Slevogt, Fritz von Uhde und Emilie von Hallavanya sind ausgestellt.

2012 vereinbarten die Münchener Christoph Heilmann Stiftung und die Städtische Galerie im Lenbachhaus eine enge Zusammenarbeit; dabei wurden dem Lenbachhaus rund hundert Werke der Stiftung überlassen. Neben der Münchner Schule werden neu auch die Dresdner Romantik und die Berliner und Düsseldorfer Schule in charakteristischen Einzelbeispielen gezeigt. Besonders wichtig ist der erstmals darstellbare Zusammenhang mit den Malern von Barbizon in Frankreich. So besitzt das Lenbachhaus nun ein Hauptwerk von Gustave Courbet, der 1851 erstmals in München ausstellte.

Seinen Weltruhm verdankt das Lenbachhaus der einmaligen Sammlung von Werken der Gruppe Der Blaue Reiter mit zahlreichen Bildern von Alexej Jawlensky, Wassily Kandinsky, Gabriele Münter, Franz Marc, August Macke, Marianne von Werefkin und Paul Klee. 1957 übertrug Gabriele Münter ihre Sammlung dem Lenbachhaus.

Daneben sind Werke der Neuen Sachlichkeit mit Werken von Christian Schad, Rudolf Schlichter und weiteren zu sehen.

Seit 1979 kauft das Lenbachhaus auch zeitgenössische Kunst an, die nur indirekt mit München verbunden ist. Zentrale Stücke sind das Environment zeige deine Wunde von Joseph Beuys, das zum Zentrum einer Beuys-Sammlung aus der Sammlung Lothar Schirmer wurde. Bestandteil dieser Sammlung ist auch Joseph Beuys’ Badewanne.Lenbachhaus: Joseph Beuys, 2013. 1996 wurde der Atlas, die autobiographische Skizzen- und Material-Sammlung von Gerhard Richter, erworben.Lenbachhaus: , 2013. 2015 kam Der Laden von Hans-Peter Feldmann hinzu, um den herum die Gegenwartskunst unter dem Motto So ein Ding muss ich auch haben neu geordnet wurde.Lenbachhaus: So ein Ding muss ich auch haben, 2015, abgerufen am 20. März 2019.

Das Lenbachhaus besitzt 28 000 Kunstwerke (Stand: 2016).Zahlen nach Angaben des Münchner Kulturreferats; Heiner Effern: Münchner Gunstgeschichte. Die städtischen Museen kaufen vorwiegend Werke von männlichen Künstlern, doch das will ein CSU-Stadtrat nun ändern. In: Süddeutsche Zeitung, Nr. 62, 15. März 2016, S. R1. Von den Arbeiten, die bis 1900 entstanden, stammt lediglich ein Prozent von Frauen. Berücksichtigt man alle Werke bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, kommt man auf einen Anteil von sechs Prozent, von 1946 bis 2015 erhöhte sich der Bestand etwas auf elf Prozent.

Restitution von NS-Raubkunst hochkant|mini|Paul Klee: Sumpflegende (1919) 1950 war die Galerie im Lenbachhaus die erste deutsche Institution, die Kunstwerke restituierte. Die Erben des jüdischen Kunstsammlers Michael Berolzheimer forderten Zeichnungen von Bonaventura Genelli sowie Blätter anderer Künstler zurück und erhielten sie.Ira Mazzoni: Vertrieben. Stück für Stück wird die Sammlung des jüdischen Mäzens Michael Berolsheimer wieder rekonstruiert. In: Süddeutsche Zeitung vom 14. Februar 2015, S. 23 Richtig in Gang kam die Restitution von Kunstwerken an deren rechtmäßige Besitzer bzw. ihre Erben jedoch erst Ende des letzten Jahrhunderts mit der Washingtoner Erklärung, die die Restitution von NS-Raubkunst fordert. Im Anschluss daran beschloss der Kulturausschuss der Stadt München 1999, die Recherche nach jüdischem Kunstbesitz in den städtischen Museen zu unterstützen. So betreibt auch das Lenbachhaus Provenienzforschung zu Werken, die vor 1945 entstanden sind und nach 1933 in die Sammlung gelangten. Von 1933 bis 1945 erwarben die Städtische Galerie und die Lenbachgalerie insgesamt 6603 Kunstwerke. Ein Bestand, der jetzt systematisch überprüft wird.

Erste Recherchen zur Raubkunst wurden im Lenbachhaus 2004 in der Ausstellung Restitutionspolitik / Politics of Restitution gezeigt. Es handelte sich um 16 Kunstwerke, die nach dem Krieg im Munich Central Collecting Point eingeliefert worden waren, unter ihnen Max Slevogt Trabrennen in Ruhleben und Alexander Kanoldt Kreuzjoch. Beide Kunstwerke konnten zurückgegeben werden. 2012 wurden drei Papierarbeiten, 2016 ein Konvolut mit acht Papierarbeiten des 19. Jahrhunderts aus dem Besitze des Kunsthändlers Siegfried Lämmle sowie 2019 ein Konvolut mit 16 Zeichnungen von Alfred Kubin aus dem Besitz der Wiener Kunstsammler Maximilian und Hertha Morgenstern an die Erben rückerstattet. Die Gemälde von Slevogt und Kanoldt sowie das Lämmle-Konvolut kaufte das Lenbachhaus anschließend von den Erben zurück. Die im Haus proaktiv betriebene Provenienzforschung klärte auch die Herkunft zweier Zeichnungen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Besitz Marianne Schmidls. 2019 wurden die Bilder An der Isar von Friedrich Olivier sowie Landschaftskomposition von Ferdinand Olivier an die Nachkommen zurückgegeben.

Um die Herausgabe des Bildes Sumpflegende von Paul Klee führten die Erben seit 1992 einen Rechtsstreit mit der Stadt München. 2013 ging man zu Verhandlungen über, die 2017 zu einer Einigung führten, wonach das Bild nach einer Geldzahlung im Besitze des Lenbachhauses blieb. Der Streit um das Bild Das bunte Leben, das als eines der Hauptwerke Wassily Kandinskys gilt, fand überregionale Beachtung. Es wurde 2023 restituiert.

Am 20. Juni 2024 hat das Münchner Kulturreferat zusammen mit der Galerie im Lenbachhaus ein Gemälde von „Hans Schöpfer dem Älteren“ aus der ehemaligen Sammlung von Jacques Goudstikker restituiert. Der niederländischen Kunsthändler Goudstikker (1897–1940) war vor dem Zweiten Weltkrieg einer der bedeutendsten Akteure am europäischen Kunstmarkt. Im Mai 1940 floh er mit seiner Familie aus Amsterdam in Richtung England. Er hinterließ 1200 Kunstobjekte, die er in einem „Black Notebook“ auflistete. Das kleine in Leder gebundene Buch dient seither als wichtigste Quelle bei der Restitution der Werke an Goudstikkers Erben. Das 2024 an die Erbin Marei von Saher zurück gegebene Gemälde von Hans Schöpfer war in Goudstikkers Buch unter der Nummer 1228 als „Mansportret“ verzeichnet, als Porträt des Freisinger Hofmeisters Achaz Busch aus dem Jahr 1532. Ursprünglich war das Bild im Besitz der „Münchner herzoglichen Kunstkammer“. Anfang der 1920er-Jahre erwarb Goudstikker es auf dem Berliner Kunstmarkt. Nach der Flucht Goudstikkers beschlagnahmte Göring das Gemälde unter Mithilfe des Bankiers und Kunsthändlers Alois Miedl, der es an einen Zwischenhändler namens Wilhelm Henrich verkaufte. 1941 gelangte das Gemälde über ein Auktionshaus in Frankfurt am Main auf Initiative von Konrad Schießl, dem damaligen Leiter der Städtischen Museen Münchens ins Lenbachhaus in München. Goudstikkers Erbin Marei von Saher würdigte die Rückgabe des Gemäldes an die Nachkommen mit den Worten: „Es ist ermutigend zu sehen, dass das Lenbachhaus das Richtige gegenüber den Opfern der Nazis und ihren Familien tut“.

Wechselausstellungen mini|Eingangshalle der Lenbach-Villa (2007) In einem Teil der Räume finden wechselnde Ausstellungen statt. Seit den 1970er Jahren begann das Museum, in seinen Ausstellungen wesentliche Tendenzen und Künstler des internationalen zeitgenössischen Kunstgeschehens vorzustellen und aktuelle Kunst zu sammeln. Das Museum konzentriert sich bei seinen Neuerwerbungen auf Arbeiten einzelner Künstler, um diese mit Werkgruppen vorzustellen. Eine wichtige Erwerbung war 1980 die Installation zeige deine Wunde von Joseph Beuys.

Es folgten installierte Räume und Werkgruppen von u. a. Franz Ackermann, Dennis Adams, Christian Boltanski, James Coleman, Lovis Corinth, Thomas Demand, Ólafur Elíasson, Cerith Wyn Evans, Valie Export, Dan Flavin, Günther Förg, Günther Fruhtrunk, Rupprecht Geiger, Isa Genzken, Liam Gillick, Katharina Grosse, Michael Heizer, Andy Hope 1930 (Andreas Hofer), Jenny Holzer, Stephan Huber, Leiko Ikemura, Asger Jorn, Ellsworth Kelly, Anselm Kiefer, Alfred Kohler, Michaela Melian, Gerhard Merz, Maurizio Nannucci, Roman Opalka, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Gerhard Richter, Michael Sailstorfer, Richard Serra, Katharina Sieverding, Andy Warhol, Lawrence Weiner, Wiener Aktionisten und Martin Wöhrl.

Die Ausstellung Sheela Gowda. It .. Matters wurde wegen der COVID-19-Pandemie erstmals ausschließlich online eröffnet und kann bis zur Wiedereröffnung des Museums lediglich im Internet besichtigt werden.

Digitale Sammlung – Public Domain Mehr als 10.000 Kunst- und Kulturobjekte der Städtischen Galerie im Lenbachhaus sind im Bavarikon abrufbar. Dies ist das Internetportal des Freistaats Bayern zur Präsentation von Kunst-, Kultur- und Wissensschätzen aus Einrichtungen in Bayern. Die dort gezeigten Digitalisate der Sammlung sind Public Domain, d. h. sie unterliegen nicht dem Urheberrechtsschutz und können frei verwendet werden.

Geschichte des Hauses Villa von Franz von Lenbach mini|hochkant|Lenbachvilla mit Brunnen (2023)