Das Italienische Historische Kriegsmuseum ( – MITAG) liegt in der norditalienischen Stadt Rovereto in der Provinz Trient und wurde 1921 in der Burg von Rovereto offiziell eröffnet. Es ist eines der bedeutendsten Kriegsmuseen in Italien, welches sich insbesondere mit dem Ersten Weltkrieg an der italienischen Front beschäftigt. Man geht aber auch auf andere Epochen und kriegerische Ereignisse ein.
Museumsgeschichte Gründungsphase Bereits 1906 gab es erste Anregungen aus italienfreundlichen Kreisen in der Bevölkerung Roveretos, in der venezianischen Burg der Stadt, damals noch Teil Österreich-Ungarns, ein patriotisches Museum einzurichten. Diese Idee wurde nach Ende des Ersten Weltkrieges mit dem Anschluss an das Königreich Italien wieder aufgegriffen, und 1920 bildeten einige Bürger der Stadt ein Komitee mit dem Ziel, ein Kriegsmuseum in der Burg zu eröffnen.Un decennio di vita del Museo della guerra di Rovereto (1921–1931). Mercurio, Rovereto 1932, S. 5 ff. mini|Der Sitz des Museums, die Burg von Rovereto Beim Aufbau der Sammlungen griff man auch auf das zahlreiche Kriegsmaterial zurück, das unmittelbar nach Ende des Krieges auf den ehemaligen Schlachtfeldern im Umland aufzufinden war. Ein erster Ausstellungssaal wurde 1920 noch außerhalb der im Krieg ziemlich in Mitleidenschaft gezogenen Burg eröffnet. Im Frühjahr 1921 konnten dann die ersten vier restaurierten Säle in der Burg bezogen werden.Das Museum konnte bei seiner Gründung und auch in der Folgezeit auf keine nennenswerten staatlichen Hilfen zurückgreifen, lediglich die Gemeinde Rovereto half immer wieder finanziell aus, insbesondere bei der Restaurierung der Burg, die im Besitz der Gemeinde verblieb. Siehe Fabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto in: Memoria e ricerca. Rivista di storia contemporanea Nr. 7/Gennaio-Giugno 2001, Carocci, Roma 2001, S. 19
Die feierliche Eröffnung fand schließlich unter Anwesenheit des italienischen Königs Viktor Emanuel III. am 12. Oktober 1921. Bei der Einweihung standen bereits zwölf Ausstellungssäle zur Verfügung.Manuel Gober: Museo Storico Italiano della Guerra. Club 41 Rovereto, Rovereto 2008, S. 45 f
Im Mittelpunkt der musealen Aufgaben standen zur Gründungszeit die Erinnerung an den gerade beendeten Krieg und der Anschluss des Trentino an das "Vaterland Italien". Diese lokale irredentistische Auslegung erwies sich aber bald in mehrfacher Weise als Hindernis.
Die Zwischenkriegszeit Um der Einrichtung einen internationalen Hauch zu verleihen, wurden nach 1921 mehrere Säle eröffnet, die einzelnen Kriegsnationen, wie der Tschechoslowakei, Frankreich, Belgien, Großbritannien und Rumänien gewidmet waren.Hier war zum Teil noch ein Bezug zur ursprünglichen Idee gegeben, da tschechoslowakische Legionäre als Freiwillige in der italienischen Armee dienten und um die Unabhängigkeit von Österreich-Ungarn kämpften.Giovanni Fioroni: Cinquanta anni di vita. Il Museo Storico Italiano della Guerra di Rovereto 1921-1971, in: La Valle di Ledro nella Prima Guerra Mondiale 1915-1918. Temi, Trento 1971, S. IX. Das Museum vergrößerte sich in den 1920er Jahren rasant. 1923 gab es bereits 23 Säle, die auf 30 am Ende der 1920er Jahre angewachsen waren, die sich auf drei Ausstellungsbereiche konzentrierten: die Kriegsnationen, die einzelnen Waffengattungen und die aus dem Trentino stammenden Irredentisten, die als Kriegsfreiwillige der italienischen Armee gegen Österreich-Ungarn kämpften.Fabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto, S. 24
Zum Anziehungsmagneten wurde die 1925 auf dem Burgturm Malipiero aufgestellte Gefallenenglocke, die zu einem merklichen Anstieg in den Besucherzahlen führte. Die vom Mitbegründer des Museums Don Antonio Rossaro initiierte Glocke, mit der man an die Gefallenen aller Nationen gedachte, stand bald im Kontrast mit den im Museum ausgestellten Exponaten, die die Verlierer- und Siegerrolle der ehemaligen Kriegsparteien unterstrichen, was insbesondere von ausländischen Besuchern und Institutionen kritisiert wurde. Auch die politische Annäherung des faschistischen Italiens erst an das austro-faschistische Österreich und dann an das nationalsozialistische Deutschland übten ihren Einfluss aus. So forderte das italienische Kriegsministerium die Museumsleitung mehrmals auf, antiösterreichisches und antideutsches Material zu entfernen, da diese Exponate sich negativ auf das Empfinden von Besuchern aus diesen Ländern auswirken würde.Fabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto, S. 27 ff.
Im besonderen Augenmerk der Kritiker lagen zwei aus Südtirol als Kriegsbeute im Museum eingelagerte Werke, der Eisenmann aus Bruneck und die Statue der Tiroler Freiheitskämpferin Katharina Lanz. Die Museumsleitung machte sich dabei, vielleicht ohne sich dessen bewusst zu sein, zum Werkzeug der in Südtirol unter der Führung von Ettore Tolomei betriebenen nationalistischen Politik, als es diese Stücke ohne zu zögern aufnahm. Der Streit mit den Tirolern Nachbarn weitete sich 1936 noch aus, als auch der Laurin-Brunnen auf Betreiben Tolomeis in der Burg untergebracht wurde.Der Brunnen galt in den Augen Tolomeis als Symbol der deutschen Unterdrückung der latinischen Völker. Der irredentistische Gründungsgedanke wurde aber auch durch die Museumsleitung selbst mehr und mehr in Frage gestellt. Dazu trugen insbesondere neue Ausstellungsäle bei, die sich mit den italienischen Kolonialkriegen befassten, ganz im Sinne des von der Regierung angestrebten faschistischen Imperiums.Fabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto, S. 31 ff.
Mit dem italienischen Kriegseintritt im Juni 1940 kamen die Museumsaktivitäten zum Großteil zum Erliegen. 1941 mussten schließlich die als antideutsch eingestuften Exponate auf Betreiben des Kriegsministeriums entfernt werden. Auch der tschechoslowakische Saal fiel der geänderten geopolitischen Lage zum Opfer und wurde geschlossen.Daneben musste auch der als antideutsch eingestufte österreichische Saal geschlossen werden siehe Manuel Gober: Museo Storico Italiano della Guerra, S. 97. Damit ging auch der irredentistische Gründungsgedanke endgültig verloren.Fabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto, S. 35 f.
Die Nachkriegszeit Das Museum und die Burg überstanden den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet und 1946 konnte das Museum wieder seine Pforten für die Besucher öffnen. Mit der Neueröffnung fand auch eine Neuausrichtung statt. War bereits kurz vor dem Krieg halbherzig versucht worden, mehr die technischen und waffentechnischen Aspekte in den Vordergrund zu rücken und sich in ein Militärmuseum zu verwandelnFabrizio Rasera, Camillo Zadra: Memorie in conflitto. La Grande Guerra nelle esposizioni del Museo della Guerra di Rovereto, S. 36, wurde dies in der Nachkriegszeit zum angestrebten musealen Ziel.Unterstützt wurde dies auch durch eine Schenkung des Verteidigungsministeriums, das dem Museum 28 Geschütze zur Verfügung stellte, womit der Artilleriepark des Museums zum größten seiner Art in Italien wurde. Giovanni Fioroni: Cinquanta anni di vita. Il Museo Storico Italiano della Guerra di Rovereto 1921–1971, S. XVI
Eine Zäsur in der Museumsgeschichte stellte das Jahr 1961 dar, denn in diesem Jahr trennten sich die Wege des Kriegsmuseums von denen der Gefallenenglocke Maria Dolens, die sich als Anziehungspunkt positiv auf die Besucherzahlen des Museum ausgewirkt hatte. Die Glocke unterstand immer einer eigenen vom Museum unabhängigen Leitung, auch wen deren Leiter Don Antonio Rossaro ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern des Kriegsmuseums zählte. Mit dem Tod Don Rossaros 1952 wurden von der neuen Leitung Pläne ausgearbeitet, die Glocke an einem neuen monumentalen Standort aufzustellen,Renato Trinco, Maurizio Scudiero: La Campana dei Caduti: Maria Dolens. Cento rintocchi per la pace, La Grafica, Mori 2000, S. 108 f. auf die man 1960 zurückgriff, als die Glocke nach einem wiederholten Riss eingeschmolzen werden musste. Im Mai 1961 wurde die Glocke abmontiert und in die Gießerei transportiert. Sie sollte nicht mehr an ihren bisherigen Standort zurückkehren, auch wenn die Diskussion um einen neuen Standort lange Zeit andauerte und in einem Rechtsstreit endete der durch alle Instanzen ging und erste Jahrzehnte danach beendet war.Mauro Lando (Hrsg.): La campana della discordia, in: Letture Trentine e Altoatesine Nr. 31/32, Juni 1983: Rovereto, l'altra città. Panorama, Trento 1983, S. 236 ff.
Für das Museum war der „Verlust“ der Glocke mit einem deutlichen Besucherschwund verbunden. Dies unterstrich die Wichtigkeit, den bereits eingeschlagenen Weg einer Neuausrichtung des Museums zu einem Geschichts- und Technikmuseum zu beschleunigen.
Das Museum heute Im Jahre 2001 begann eine umfangreiche, in mehreren Abschnitten durchgeführte Restaurierung der Burg und eine damit verbundene Renovierung des Museums. Dabei wurden nicht nur die Ausstellungsflächen modernisiert und nach neuen musealen Kriterien umgestaltet, sondern auch die Burg selbst umfangreich saniert. Komplett neu gestaltet wurde auch der Verwaltungs- und Eingangsbereich des Museums, der aus der Burg ausgelagert und in einem angrenzenden Gebäude untergebracht wurde. Neu hinzu kam im Jahr 2002 die Artilleriesektion, die in einem im Zweiten Weltkrieg unter der Burg in den Burgberg getriebenen Luftschutzstollen eingerichtet wurde. Im dritten 2014 abgeschlossenen Renovierungsabschnitt wurden die beiden Wehrtürme Marino und Malipiero restauriert und dort neue Ausstellungsflächen untergebracht. Die vierte, 2014 begonnene Phase, betraf den südlichen Flügel der Burg und wurde im Herbst 2017 abgeschlossen. Die dabei 13 renovierten Ausstellungssäle konnten im März 2018 dem Museum für die Ausgestaltung übergeben werden.Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Annali N. 24 2016, Osiride Edizioni, Rovereto, 2017 S. 357 f Dem vierten Baulos folgte ein fünfter und letzter Bauabschnitt, der das dritte Stockwerk betraf. 2020 konnten die ersten beiden Säle des fünften Bauabschnitt eröffnet werden.Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Report 2020. Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto 2021, o. S. Zum hundertsten Gründungsjubiläum im Oktober 2021 konnten zwei weitere Säle für die Besucher freigegeben werden.Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Report 2021. Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto 2022, o. S. 2023 war der Themenbereich Erster Weltkrieg mit der Eröffnung der letzten zwei Säle abgeschlossen.Museo Storico Italiano della Guerra (Hrsg.): Report 2023. Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto 2024, S. 10. Das Museum blieb während der verschiedenen Restaurierungsabschnitte stets geöffnet.
Seit 2009 steht das Italienische Historische Kriegsmuseum dem Projekt Rete Trentino Grande Guerra vor. Letzteres ist ein Zusammenschluss von etwa 20 musealen Einrichtungen, Institutionen und Vereinen in der Provinz Trient, die sich mit dem Ersten Weltkrieg im Trentino befassen. Hauptaufgabe dieses Netzwerkes ist es, Synergien zu nutzen und gemeinsam die verschiedenen in der ganzen Provinz verstreuten Einrichtungen der Öffentlichkeit gegenüber vorzustellen. Dem Kriegsmuseum in Rovereto kommt dabei die Koordination des Projektes zu.Rete Trentino Grande Guerra (italienisch) abgerufen am 26. Juni 2018
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