mini|Andreas Glarner (2019)

Andreas Alfred Glarner (* 9. Oktober 1962 in Glarus; heimatberechtigt in Diesbach) ist ein Schweizer Unternehmer und Politiker (SVP), der am rechten Rand des politischen Spektrums der Schweiz politisiert und auch zum rechten Flügel seiner Partei gezählt wird.Urs Moser: Ganz links und ganz rechts: Feri und Glarner sind die extremsten Aargauer Politiker in Bern. In: Aargauer Zeitung. 11. Juli 2016.

Politik Laufbahn Glarner wurde 2001 in den Grossen Rat des Kantons Aargau gewählt, wo er von 2005 bis 2015 die SVP-Fraktion präsidierte.SVP-Fraktion neu konstituiert. In: Aargauer Zeitung. 22. April 2009.Gallati für Glarner: Aargauer SVP wählt neuen Fraktions-Präsidenten. In: Aargauer Zeitung. 27. Oktober 2015. Von 1998 bis zum 24. September 2017 gehörte er dem Gemeinderat (Exekutive) von Oberwil-Lieli an, ab 2006 als Gemeindeammann. Sein Nachfolger wurde der Parteilose Ilias Läber.Christian Breitschmid: Ilias Läber folgt auf Andreas Glarner – «Spinatgrüner» Roger Gündel ohne Chance. In: Aargauer Zeitung. 24. September 2017.

Bei den Wahlen 2015 wurde er als Vertreter der SVP in den Nationalrat gewähltNadine Jürgensen: SVP-Nationalrat Andreas Glarner. «Mich hasst oder liebt man». In: Neue Zürcher Zeitung. 9. November 2015.; 2019 und 2023 wurde er wiedergewählt. Er ist seit 2015 Mitglied der Staatspolitischen Kommission (2017–2019 Vizepräsident, 2019–2021 Präsident) und seit 2019 Mitglied der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit. Im Januar 2020 wurde er zum Präsidenten der SVP Aargau gewählt, er folgte auf Nationalrat Thomas Burgherr.Rolf Cavalli, Stefania Telesca: Andreas Glarner ist neuer Parteipräsident: «Die SVP Aargau ist ein Sanierungsfall, sie soll ein Leuchtturm werden». In: Aargauer Zeitung. 15. Januar 2020. Zuvor war er bis 2015 Präsident der SVP-Bezirkspartei Bremgarten,Wechsel im Präsidium der SVP Bezirkspartei. SVP-Ortspartei Dottikon. dann Präsident der SVP-Ortspartei Bremgarten.Dominic Kobelt: Andreas Glarner ist neues Oberhaupt der SVP Bremgarten. In: Aargauer Zeitung. 26. März 2015. Zurzeit (April 2022) ist er in beiden Parteien für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.Vorstand. SVP Bremgarten.Vorstand. SVP Bezirk Bremgarten. Im August 2026 gab er den Rücktritt von all seinen Ämtern auf Ende Jahr bekannt. Im Nationalrat werde Christoph Hagenbuch für ihn nachrücken.

Im Jahr 2020 kandidierte er für das Präsidium der SVP Schweiz, zog die Kandidatur aber zurück, nachdem die Partei auf Vorschlag der Findungskommission den Tessiner Ständerat Marco Chiesa als Präsidenten nominiert hatte. Chiesa wurde am 22. August 2020 als Nachfolger von Albert Rösti ohne Gegenkandidat gewählt.Michael Surber: Marco Chiesa ist neuer SVP-Präsident. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. August 2020.

Er war ausserdem Präsident der Zivilschutzorganisation (ZSO) Mutschellen.

Kontroversen Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine kontroverse Plakatkampagne Aarau oder Ankara und Baden oder Bagdad während der Nationalratswahlen 2007 bekannt. Die Kampagne veranlasste zwei Privatpersonen, Glarner wegen Rassendiskriminierung anzuklagen. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, weil kein Verstoss gegen das Gesetz vorliege. Das Obergericht wies die Beschwerde der beiden Kläger ab, worauf sie den Fall an das Bundesgericht weiterzogen.Streit um Aargauer SVP-Wahlplakat wird weitergezogen. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. Februar 2008. Dieses bestätigte die Einstellung als rechtmässig.. In: St. Galler Tagblatt. 30. Juli 2015. Im Wahlkampf 2015 provozierte Glarner mit den Plakaten Kopf hoch statt Kopf ab und Sie sind unter uns.

2013 machte die Geschichte eines jungen Mannes der Nachbargemeinde Berikon Schlagzeilen, der sich jahrelang geweigert hatte, eine Arbeit anzunehmen, und stattdessen Sozialhilfe bezog. Die Gemeinde verweigerte schliesslich die Weiterführung der Sozialhilfe, wurde aber vom Bundesgericht dazu gezwungen, sie mindestens teilweise nachzubezahlen. Darauf bot Glarner eine Prämie von 1000 CHF für die Nennung des Namens, der aufgrund des Datenschutzes nicht publiziert werden durfte. Der Name wurde ihm umgehend ohne Bezahlung der 1000 CHF genannt. Glarner bot dem jungen Mann darauf eine Stelle als Lagerist, Hauswart oder Kurierfahrer an und drohte, seinen Namen publik zu machen, falls er das Angebot ablehnen würde. Der Mann lehnte die Angebote ab, behauptete, eine Stelle als Webdesigner angetreten zu haben, und zeigte Glarner wegen Nötigung an. Dies wies die Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten mit der Begründung zurück, der Sozialhilfebezüger sei schon vor dem Aufruf von Glarner in den Medien präsent gewesen und habe sich sogar in Interviews zum Fall geäussert. Unter diesen Umständen sei der Tatbestand der Nötigung eindeutig nicht erfüllt.Aline Wüst: Sozialhilfebezüger blitzt mit Anzeige gegen SVP-Grossrat Andreas Glarner ab. In: Aargauer Zeitung. 11. August 2013. Schliesslich behauptete der Mann, eine weitere Stelle, als Telefonist, wegen des Medienrummels wieder verloren zu haben.Lorenz Hanselmann: Bekannter Sozial-Bezüger ist wieder arbeitslos. In: 20 Minuten. 13. Juni 2013.

Die reiche, 2200 Einwohner zählende Gemeinde Oberwil-Lieli müsste nach einem kantonalen Verteilschlüssel acht (seit 2016 zehn) Asylbewerber aufnehmen. Dagegen wehrte sie sich und akzeptierte jeweils eine sogenannte Ersatzzahlung von 3'650 CHF pro nicht aufgenommenem Asylbewerber. Nachdem der Kanton Aargau die Zahlung für 2016 auf 40'150 CHF angehoben hatte,Andrea Weibel: 126 Aargauer Gemeinden müssen 2016 mehr Asylsuchende aufnehmen. In: Aargauer Zeitung. 3. Dezember 2015. stimmte die Gemeindeversammlung vom 27. November 2015 auf Antrag einer 24-jährigen Studentin überraschend gegen die Budgetierung einer Ausgabe von 290'000 CHF für diesen Zweck. Dagegen erhob ein Stimmbürger Beschwerde, die vom Kanton abgewiesen wurde, worauf er sie an das Verwaltungsgericht weiterzog. Dieses entschied Anfang März 2016, dass der Antrag an der Gemeindeversammlung rechtens war. In der Zwischenzeit kam auch ein von einem Komitee unter Leitung des gleichen Stimmbürgers lanciertes Referendum gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung zustande. In der Referendumsabstimmung vom 1. Mai 2016 verwarfen die Stimmberechtigten das Gemeindebudget 2016 knapp. Der Gemeinderat musste damit der Gemeindeversammlung vom 10. Juni 2016 ein neues Budget 2016 vorlegen.Oberwil-Lieli will doch keine Asylbewerber. In: Neue Zürcher Zeitung. 1. Mai 2016. An dieser stimmten die Bürger der Ersatzabgabe von 290'000 CHF und damit der Möglichkeit, sich von der Aufnahme von Flüchtlingen freizukaufen, klar zu. Die Gemeindeversammlung beschloss aber auch, auf die nächste Gemeindeversammlung im November 2016 vom Gemeinderat Lösungsvorschläge zu verlangen, welche die Haltung der Einwohner berücksichtigen, die einer Aufnahme von Flüchtlingen positiv gegenüberstehen. Glarner schlug drei Ansätze vor: statt einer Ersatzabgabe an den Kanton einen tieferen Beitrag an eine Gemeinde zu zahlen, die mehr Flüchtlinge aufgenommen hat, als sie müsste, die finanzielle Unterstützung einer Hilfsorganisation vor Ort und die Aufnahme einer syrischen Familie.Vorläufiges Ende des Asylstreits: Oberwil-Lieli sagt Ja zum Freikauf. In: Aargauer Zeitung. 10. Juni 2016. Die Vorschläge wurden umgesetzt. Im August 2016 schloss sich die Gemeinde Oberwil-Lieli mit Rudolfstetten-Friedlisberg zu einem Asylverbund zusammen. Fünf der Oberwil-Lieli zugeteilten Flüchtlinge wohnen in Rudolfstetten-Friedlisberg, wobei Oberwil-Lieli die Kosten übernimmt.Jürg Krebs: Oberwil-Lieli schickt Flüchtlinge in die Nachbargemeinde und umgeht die Asyl-Strafe. In: Aargauer Zeitung. 25. August 2016. Die Einwohner der Gemeinde Oberwil-Lieli spendeten über 400'000 CHF an die Aktion Schwizerchrüz für direkte Hilfe für syrische Flüchtlinge vor Ort, in Griechenland und in der Türkei.Rolf Cavalli: In Glarners Gemeinde formiert sich Widerstand: Ein Verein will eine neue Dorfpolitik. In: Watson. 16. Februar 2017. Im Februar 2017 zog zudem eine vierköpfige syrische Familie in Oberwil-Lieli ein.Laly Zanchi: «Herr Glarner hiess uns herzlich willkommen». In: 20 Minuten. 22. Februar 2017.

Die Studentin hatte nach der Gemeindeversammlung vom November 2015 in der Aargauer Zeitung und im Tages-Anzeiger Vorwürfe erhoben, der Gemeindeammann «hätschele» die Besserverdienenden und nehme es bei deren Erfüllung der Vorschriften nicht immer so genauToni Widmer: Johanna Gündel – das ist die Studentin, die SVP-Glarner die Stirn bietet. In: Aargauer Zeitung. 29. November 2015. bzw. der Gemeinderat erfülle den Vermögenden bei Baubewilligungen alle Wünsche.Constantin Seibt: Das Herz von Oberwil-Lieli. In: Tages-Anzeiger. 30. November 2015. Der Gemeinderat forderte sie darauf auf, ihre Aussagen innert Wochenfrist anhand von mindestens drei konkreten Beispielen zu belegen oder sie unverzüglich öffentlich zu widerrufen. Andernfalls, so kündigte Glarner auf Rückfrage der Aargauer Zeitung an, müsse die Studentin mit einer Anzeige rechnen.Fabian Hägler: SVP-Glarner droht Studentin Gündel mit Anzeige – per Einschreiben. In: Aargauer Zeitung. 8. Dezember 2015. Der Anwalt der Studentin behauptete, entsprechende Beweise zu haben, worauf der Gemeinderat sie zu einer Aussprache einlud. Die Studentin hielt daran fest, die Beweise im Falle einer Anzeige dem Gericht vorzulegen, diese an dieser Stelle jedoch nicht offenzulegen.Erika Obrist: Weiterzug angekündigt. In: Bremgarter Bezirks-Anzeiger. 22. Januar 2016. Der Gemeinderat verzichtete daraufhin auf eine Anzeige und hielt in einer Pressemitteilung fest, er betrachte die Angelegenheit als erledigt.. Gemeinde Oberwil-Lieli, 22. Januar 2016, S. 3 (PDF; 20 kB).

Nach der Abstimmung in der Gemeindeversammlung vom November 2015 wurde bekannt, dass Glarner zusammen mit der lokalen SVP hinter einem Flugblatt mit dem Absender «Bürgerliche Kräfte Oberwil-Lieli» gestanden hatte, das am Tage der Abstimmung dem amtlichen Publikationsorgan der Gemeinde, Wochenfalter, beigelegt worden war – obwohl er zuvor gesagt hatte, dass er nicht in die Abstimmung über diesen Budgetposten eingreifen werde.Fabian Hägler: Asylstreit: Andreas Glarner liess anonymes Flugblatt drucken. In: Aargauer Zeitung. 11. Dezember 2015. Glarner räumte den Fehler ein und sagte, heute würde er die lokale SVP als Absender nennen. Es sei aber ein Entscheid der Partei gewesen, weil an der Sitzung, an der das Flugblatt beschlossen worden war, auch Nicht-SVP-Mitglieder teilgenommen hätten.Fabian Hägler: Andreas Glarner: «Heute würde ich SVP aufs Flugblatt schreiben». In: Aargauer Zeitung. 15. Dezember 2015.

Im September 2015 strahlten der Norddeutsche RundfunkDaniel Hechler: . In: Weltbilder, Auslandsmagazin des NDR. 15. September 2015 (Video; 5:26 min). sowie das ARD-Morgenmagazin und im Dezember 2015 nochmals das ARD-MorgenmagazinMatthias Ebert: . In: ARD-Morgenmagazin. 17. Dezember 2015 (Video nicht mehr verfügbar). einen Bericht über die Situation in Oberwil-Lieli aus. Gezeigt werden die Ereignisse in Oberwil-Lieli auch im Dokumentarfilm Willkommen in der Schweiz (2017) von Sabine Gisiger, in dem Glarner als Protagonist auftritt.Manuel Gamma: Oberwil-Lieli wird zum Kino-Stoff. In: SRF. 3. August 2017.

Im Jahr 2009 trat Glarner der rechtspopulistischen, islamfeindlichen Bürgerbewegung pro Köln bei, die vom Verfassungsschutz des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen verdächtigt wird, rechtsextremistisch zu sein.Urs Moser: Glarner sieht kein Extremisten-Problem. In: Aargauer Zeitung. 11. Dezember 2009; . Bürgerbewegung pro Deutschland. 19. Oktober 2015.