mini|Sitz des Verbandes im Bonner Haus der Kultur (2012) Der Deutsche Verband für Kunstgeschichte e. V. mit Sitz in Bonn ist ein Berufs- und Fachverband für Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, die in Deutschland oder in deutschen Institutionen im Ausland arbeiten. Der Verband organisiert unter anderem im Zweijahresrhythmus den Deutschen Kongress für Kunstgeschichte (bis 2022: Deutscher Kunsthistorikertag). Mit rund 5800 Mitgliedern (Stand: Dezember 2025) gehört er zu den größten Verbänden der deutschen Geisteswissenschaften.
Geschichte Der Verband wurde 1948 im Rahmen des ersten Deutschen Kunsthistorikertages in Brühl unter dem Namen Verband Deutscher Kunsthistoriker e. V. als Berufsverband neu gegründet und trat damit an die Seite des der Forschungsförderung verpflichteten Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft e. V. Ziel war es außerdem, zu den emigrierten Fachkolleginnen und -kollegen während der Zeit des Nationalsozialismus Kontakt aufzunehmen. Die Initiative der Gründung des Verbandes ging auf den ersten Vorsitzenden Hans Jantzen und seine Nachfolger Hans Kauffmann, Herbert von Einem und Heinrich Lützeler zurück.
Bei dem Kunsthistorikertag 1968 in Ulm kam es zu einem offenen Konflikt, der dazu führte, dass sich der Ulmer Verein abspaltete.
Seit 2005 unterhält der Verband eine Geschäftsstelle in Bonn. Auf dem Kunsthistorikertag in Stuttgart beschloss die Mitgliederversammlung am 25. März 2022 eine Änderung des Vereinsnamens und des Kongressnamens. Der Verband wurde von „Verband Deutscher Kunsthistoriker“ in „Deutscher Verband für Kunstgeschichte e. V.“ umbenannt. Zugleich entschied sich die Mitgliederversammlung für die Umbenennung des „Deutschen Kunsthistorikertages“ in „Deutscher Kongress für Kunstgeschichte“.Verband Deutscher Kunsthistoriker, Wir sind der Deutsche Verband für Kunstgeschichte!, auf: kunstgeschichte.org, 26. März 2022, abgerufen am 22. November 2022. Die Umbenennung erhielt mit der Eintragung in das Vereinsregister Bonn am 29. August 2022 juristische Gültigkeit.
Ziele und Aufgaben Der Verband versteht sich als Fachgesellschaft mit dem Ziel, die Interessen der Wissenschaft der Kunstgeschichte zu fördern. Als Berufsverband hat er auch die Aufgabe der berufsständischen Interessenvertretung. Er vertritt dabei die klassischen Berufsfelder Museum, Denkmalpflege, Lehre sowie die weiteren, besonders die freiberuflichen kunsthistorischen Arbeitsfelder. In zahlreichen Gremien vertritt der Verband die Interessen seiner Mitglieder und des Faches. Er ist unter anderem Mitglied im Deutschen Kunstrat, im Wissenschaftlichen Beirat des Zentralinstituts für Kunstgeschichte, im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz und im Comité International d’Histoire de l’Art (CIHA).
Der Verband nimmt außerdem öffentlich Stellung zu aktuellen Fragen der Denkmalpflege, der Museumspolitik und der kunsthistorischen Ausbildung sowie zu aktuellen gesetzlichen und rechtlichen Bestimmungen und kulturpolitischen Entwicklungen, die kunsthistorische Tätigkeitsfelder betreffen.
Seit 2011 vergibt der Verband den Deubner-Preis des Deutschen Verbandes für Kunstgeschichte der Dr. Peter Deubner-Stiftung, der alle zwei Jahre im Rahmen des Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte verliehen wird. Seit 2016 werden zusätzlich zum Dissertationspreis zwei Projektpreise ausgelobt.
Im Dezember 2019 rief der Verband die Rote Liste – ein Denkmalgewissen für Deutschland ins Leben. Durch die Aufnahme eines Gebäudes in die Rote Liste macht der Verband auf Gefährdungen für Denkmäler aufmerksam, darunter 2020 die Städtischen Bühnen Frankfurt oder 2023 das Generalshotel in Schönefeld. Die Rote Liste wurde 2021 vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz in der Kategorie Medienpreis ausgezeichnet.
Als Träger des Deutschen Kongresses für Kunstgeschichte (bis 2022: Deutscher Kunsthistorikertag) konzipiert und organisiert der Verband alle zwei Jahre den größten kunsthistorischen Fachkongress in Deutschland.
Die kunstwissenschaftliche Fachzeitschrift Kunstchronik galt bis 2022 als Mitteilungsblatt des Verbandes.
Organisation Die Organe des Verbandes sind die Mitgliederversammlung und der Vorstand.
Der Vorstand besteht aus erstem und zweitem Vorsitzenden sowie vier weiteren Mitgliedern, die jeweils eine der Berufsgruppen Hochschulen und Forschungsinstitute, Museen, Denkmalpflege sowie Freie Berufe repräsentieren.
Der Verband ist als berufsständische Interessengemeinschaft nicht gemeinnützig und erhält keinerlei öffentliche oder private Zuwendungen. Er finanziert sich ausschließlich über die Beiträge persönlicher Mitgliedschaften. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich.
Kongresse und Vorsitzende +Liste alle Kongresse und Wahljahre der VorsitzendenNameJahrAustragungsortMottoneu-gewählter VorsitzI. Deutscher Kunsthistorikertag1948Brühl, Schloss AugustusburgHans JantzenII. Deutscher Kunsthistorikertag1949München, Schloss NymphenburgIII. Deutscher Kunsthistorikertag1951Berlin-CharlottenburgIV. Deutscher Kunsthistorikertag1952NürnbergHans KauffmannV. Deutscher Kunsthistorikertag1954HannoverVI. Deutscher Kunsthistorikertag1956EssenHans KauffmannVII. Deutscher Kunsthistorikertag1958TrierVIII. Deutscher Kunsthistorikertag1960BaselHerbert von EinemIX. Deutscher Kunsthistorikertag1962Regensburg(Mitgliederversammlung)1964BonnHerbert von EinemX. Deutscher Kunsthistorikertag1965Münster(Mitgliederversammlung)1966MünsterXI. Deutscher Kunsthistorikertag1968UlmTilmann BuddensiegXII. Deutscher Kunsthistorikertag1970KölnXIII. Deutscher Kunsthistorikertag1972KonstanzWillibald Sauerländer(Außerordentliche Mitgliederversammlung)1972NürnbergXIV. Deutscher Kunsthistorikertag1974HamburgXV. Deutscher Kunsthistorikertag1976MünchenDietrich EllgerXVI. Deutscher Kunsthistorikertag1978DüsseldorfKunst – Wissenschaft – ÖffentlichkeitXVII. Deutscher Kunsthistorikertag1980MainzFragen heutiger KunstgeschichteGeorg Friedrich KochXVIII. Deutscher Kunsthistorikertag1982KasselXIX. Deutscher Kunsthistorikertag1984StuttgartHerwarth RöttgenXX. Deutscher Kunsthistorikertag1986BerlinBewahren – Erklären – Gebrauchen. Die Kunstwissenschaft und das künstlerische ErbeXXI. Deutscher Kunsthistorikertag1988FrankfurtKunst – Geschichte – Moderne – PostmoderneDethard von Winterfeld(Wissenschaftliches Symposion)1989DarmstadtKultfigur und MythenbildungXXII. Deutscher Kunsthistorikertag1990AachenEuropäische Kunst – Kunst der Nationen(Mitgliederversammlung und Forum)1992BerlinDie Kunstgeschichte über ihre BerufsfelderReinhold BaumstarkXXIII. Deutscher Kunsthistorikertag1994DresdenDeutschland und seine östlichen NachbarnXXIV. Deutscher Kunsthistorikertag1997MünchenDie Inszenierung des KunstwerksSybille Ebert-SchiffererXXV. Deutscher Kunsthistorikertag1999JenaNeuzeitenXXVI. Deutscher Kunsthistorikertag2001HamburgWas war Kunstgeschichte im 20. Jh.?Gabi Dolff-BonekämperXXVII. Deutscher Kunsthistorikertag2003LeipzigKunst unter KünstenXXVIII. Deutscher Kunsthistorikertag2005BonnZeitgenossenschaft als HerausforderungGeorg SatzingerXXIX. Deutscher Kunsthistorikertag2007RegensburgXXX. Deutscher Kunsthistorikertag2009MarburgKanonGeorg SatzingerXXXI. Deutscher Kunsthistorikertag2011WürzburgGenius lociXXXII. Deutscher Kunsthistorikertag2013GreifswaldOhne GrenzenKilian HeckXXXIII. Deutscher Kunsthistorikertag2015MainzDer Wert der KunstXXXIV. Deutscher Kunsthistorikertag2017DresdenKunst lokal – Kunst globalKilian HeckXXXV. Deutscher Kunsthistorikertag2019GöttingenZu den Dingen!XXXVI. Deutscher Kunsthistorikertag2022StuttgartForm FragenKerstin Thomas37. Deutscher Kongress für Kunstgeschichte2024Erlangen/NürnbergBild und Raum38. Deutscher Kongress für Kunstgeschichte2026MünchenwissenKerstin Thomas39. Deutscher Kongress für Kunstgeschichte2028Karlsruhe
Literatur Nikola Doll: Der erste deutsche Kunsthistorikertag 1948. In: Nikola Doll u. a. (Hrsg.): Kunstgeschichte im Nationalsozialismus. Beiträge zur Geschichte einer Wissenschaft zwischen 1930 und 1950. Weimar 2005, S. 325–337. H. Hammer-Schenk, D. Waskönig, G. Weiss (Hrsg.): Kunstgeschichte gegen den Strich gebürstet? 10 Jahre Ulmer Verein. 1968–1978. Geschichte in Dokumenten. Ulmer Verein, Marburg 1997, . (Neuaufl. der Ausg. Hannover 1979) Annette Dorgerloh (Red.): 30 Jahre Ulmer Verein. Strategien des Überdauerns I. Jonas, Marburg 1999 (= Themenband der kritischen berichte. 27, 2, 1999).
Weblinks Website des Verbandes Plattform für Kuratoren und Kunstvermittlung
Einzelnachweise
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