Die Volkshochschule Essen ist eine kommunale Bildungseinrichtung der Stadt Essen. Sie befindet sich in einem 2004 errichteten Neubau im Stadtkern am Burgplatz.

Geschichte Gründung Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, am 28. Mai 1919, gründete der von der Essener Stadtverordnetenversammlung gebildete Ausschuss für Volksbildung, zu dem unter anderem Artur Jacobs gehörte, die Volkshochschule. Am darauf folgenden 1. September wurde die Satzung der Volkshochschule der Stadt Essen verabschiedet. Sie beginnt mit (Zitat):

Der damalige Essener Oberbürgermeister und spätere Reichskanzler Hans Luther trieb die Gründung im Wesentlichen voran. Im Oktober 1919 übernahm der zweite Stadtbibliothekar Heinrich Dicke nebenamtlich die Leitung der neuen Volkshochschule. Die erste VHS-Kanzlei befand sich in einem Haus an der Burgstraße 14 (heute Kettwiger Straße, südlich des Baedekerhauses).

Erste Kurse wurden im 1912 erbauten Keramikhaus am Flachsmarkt 2 angeboten. Zunächst gab es einen politisch gespaltenen Lehrkörper, der die tief gespaltene Gesellschaft nach dem Krieg widerspiegelte. Die einen bedauerten das zerfallene Kaiserreich, die anderen wollten eine linksgerichtete Revolution, was deutliche Unruhen im Ruhrgebiet auslöste. So hatte sich ein katholischer und ein sozialistischer Bildungsausschuss herausgebildet, die auf ihre Selbständigkeit beharrten. Jedoch waren beide auf die Unterstützung der Stadt Essen angewiesen. Zudem machte der damalige Oberbürgermeister Hans Luther deutlich, dass die Stadt nur eine allgemeine Volkshochschule fördert. Der hieraus erfolgte Kompromiss ging als Essener Modell in die Geschichte der Volkshochschulbewegung ein. So gab es in der Satzung der städtischen Volkshochschule den §15, der erlaubte, dass „Lehrer und Schüler der Hochschule […] unter sich Gruppen bilden“ durften. Es kristallisierte sich eine sozialistische, eine katholische, eine evangelische und eine freie Gruppe heraus, welche unter dem Dach der Stadt die angebotenen Kurse auswählten und die Lehrkräfte bestimmten. Im ersten Semester wurde mit 75 Kursen begonnen, die stetig mehr wurden. 1930 wurden 4477 Kursteilnehmer gezählt.100 Jahre VHS: Historiker erklärt, warum 1919 die VHS Essen gegründet wurde; In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 1. April 2019

Von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus Das Programm der Volkshochschule war in der Zeit der Weimarer Republik von einem weitgehend demokratischen Gremium ausgegangen, das sich aus dem Oberbürgermeister, Vertretern der Stadt, des Lehrkörpers und der Schülerschaft zusammensetzte. – Einer der Mitbegründer der Essener Volkshochschule, der Pädagoge und Politiker Artur Jacobs, warnte schon 1919 in seiner programmatischen Schrift „Ueber Wesen und Ziele einer Volkshochschule“Artur Jacobs, Ueber Wesen und Ziele einer Volkshochschule. Ein Entwurf zu einer neuen Volkserziehung (1919) sowie ders., Völkische Hochschule oder Volkshochschule. Grundsätzliches zum Problem einer deutschen Erziehung (1920) vor sich abzeichnenden völkisch-rassistischen Tendenzen in dieser neuen Einrichtung der Erwachsenenbildung in öffentlicher Trägerschaft. Mit Teilnehmenden eines Volkshochschulkreises gründete Artur Jacobs 1923 den Bund, eine Gemeinschaft, die sich einer „neuen Einstellung von Mensch zu Mensch“ verpflichtet sah und angesichts des auftrumpfenden Nationalsozialismus gegen Ende der zwanziger Jahre die politische Verantwortung immer mehr in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellte;Gerd Hergen Lübben, AUF SCHMALEM GRAT • FÜR EIN LERNEN UND WACHSEN AUS DEM GEIST DER WAHRHEIT, DER KUNST UND DER MENSCHLICHKEIT. ANNÄHERUNGEN AN DEN PÄDAGOGEN ARTUR JACOBS – AUCH MIT BLICK AUF DEN PHILOSOPHEN ERNST MARCUS UND DIE BEWEGUNGSBILDNERIN DORE JACOBS, GEBORENE MARCUS. In: DIE BRÜCKE – Forum für antirassistische Politik und Kultur. Heft 147–149, Saarbrücken 2008, , ISBN 3-925134-11-5. Jacobs und sein Kreis halfen dann unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft Verfolgten; eine Reihe von Bund-Mitgliedern wurde 2005 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern ausgezeichnet.Mark Roseman: In einem unbewachten Augenblick – Eine Frau überlebt im Untergrund. Berlin 2002 und Daniel Fraenkel, Jakob Borut (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern: Deutsche und Österreicher. Göttingen 2005, ISBN 3-89244-900-7, S. 248 f.

Nach der Machtergreifung 1933 bestand das von den Nationalsozialisten beeinflusste Sommersemester 1933 aus lediglich 35 Kursen, zu denen nur noch deutschblütige und unbescholtene Staatsbürger zugelassen waren. Es war die niedrigste Anzahl an Kursen seit Gründung. Die weltanschauliche Vielfalt der sozialistischen, katholischen, evangelischen und freien Gruppe wurde unterdrückt. Ein weiteres Semester hat es dann nicht mehr gegeben. Die Volkshochschule wurde unbegründet für die Zeit des Nationalsozialismus geschlossen und blieb es auch im Zweiten Weltkrieg.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Am 16. Oktober 1946 erhielt die Volkshochschule die Erlaubnis der britischen Militärregierung zur Wiedereröffnung. Ohne die vor dem Nationalsozialismus existierenden vier eigenständigen weltanschaulichen Gruppen lehnte man sich an die Arbeit der 1920er Jahre an. Das inhaltliche Kursangebot wurde unter anderem auf die Vermittlung von Fremdsprachenkenntnissen erweitert.

Schulleiter Der Museumskurator Friedrich Meisenburg († 1967) wurde nach dem Krieg kommissarischer Schulleiter. Der erste hauptamtliche Leiter wurde 1964 der spätere Kulturdezernent Essens, Wilhelm Godde (1926–2016)Rheinische Post (24. Mai 2016), Traueranzeige Dr. Wilhelm Godde; * 4. August 1926; † 17. Mai 2016.; abgerufen am 27. Mai 2016.; zu dessen Nachfolger als Direktor der Volkshochschule wählte der Rat der Stadt Essen im Jahr 1977 den Kulturamts- und Volkshochschulleiter der Stadt Unna, Gerd Hergen Lübben.Volkshochschule – Rat wählt heute Mann aus Unna. In: NRZ. 15. Dezember 1977Gerd Hergen Lübben – Neuer VHS-Chef. In: WAZ. 15. Dezember 1977Lübben hinterläßt in Unna ‚geordneten Schreibtisch‘ In: Ruhr Nachrichten / Hellweger Anzeiger 16. Dezember 1977.Wolfgang Althaus, Das kulturelle Leben in Unna maßgeblich geprägt. / szene-Nr. 189; In: Hellweger Anzeiger / KULTUR-MAGAZIN, 24. Dezember 1977. Nach dem Abschied von Gerd Hergen Lübben Anfang 1996 und bis zur Wahl von Friederike Brunnbauer als seine Amtsnachfolgerin, leitete die langjährige Stellvertretende VHS-Direktorin Rosemarie Seelig kommissarisch die Essener Volkshochschule. Nach Eintritt der Direktorin der Volkshochschule Essen Friederike Brunnbauer in den Ruhestand im Januar 2014 übernahm ihre Stellvertreterin Elke Timm die kommissarische Leitung, bis der Rat der Stadt im Januar 2015 Michael Imberg, der in den Jahren von 1993 bis 2000 Dezernatsbeauftragter für das damalige Dezernat für Kultur, Freizeit, Bildung und Wirtschaft, von 2000 bis 2007 Leiter der Verwaltung der Städtischen Museen Essen und von 2007 bis 2015 Referent für Kultur und Sonderprojekte im Büro des Oberbürgermeisters war, zum neuen Leiter der Volkshochschule bestellte.Presse- und Kommunikationsamt der Stadt Essen (Meldung am 29. Januar 2015): Rat bestellt Michael Imberg zum Leiter der Volkshochschule Essen. Er wurde am 5. März 2024 durch Oberbürgermeister Thomas Kufen in den Ruhestand verabschiedet, in den Imberg offiziell am 28. März 2024 eintrat.Oberbürgermeister verabschiedet Michael Imberg, Direktor der VHS Essen, in den Ruhestand; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 7. März 2024 Sein Nachfolger wurde zum 1. April 2024 Stephan Rinke, der bis dahin stellvertretender Fachbereichsleiter der VHS Essen war. Das wurde im Rat der Stadt Essen in der Sitzung vom 13. März 2024 beschlossen.Stephan Rinke wird neuer Leiter der Volkshochschule Essen; In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 13. März 2024

Gebäude an der Hollestraße mini|Ehemaliges Volkshochschulgebäude an der Hollestraße, Eingangsbereich Im April 1971 nahm ein eigens für die Volkshochschule errichtetes Schulgebäude an der Hollestraße im Essener Ostviertel den Betrieb auf. Es befand sich auf dem Grund der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dort ansässigen Puddlingwerke Schulz-Knaudt. Die Grundsteinlegung des Gebäudes mit Waschbeton-Fassade fand im März 1969 statt. Vorn wurde das Gebäude auf einem Grundstück von rund 7000 Quadratmetern von Betonsäulen getragen. Nach hinten waren die Etagen stufenartig angeordnet. Das vom Team um den Bochumer Architekten Wilhelm Seidensticker entworfene frühere „Haus der Erwachsenenbildung (Volkshochschule)“ an der Hollestraße in Essen galt als historisch beispielhafter Baustein für ein modernes Ruhrgebiet.Rosemarie Seelig: Das VHS-Gebäude der Stadt Essen. In: Volkshochschule im Westen. Zeitschrift des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Heft 6/1980, S. 312 f.TU Dortmund – Geschichte / Archiv für Architektur und Ingenieursbaukunst NRW (Nachlass Wilhelm Seidensticker), Symposium: Architektur Kultur Ruhr 1945-75 : Bausteine für ein modernes Ruhrgebiet / Interinstitutionelles Symposium des Arbeitskreises Architektur 45+Ruhr, Tagung 25.–27. Februar 2010, Veranstaltung der TU Dortmund (Architektur und Bauingenieurwesen / Geschichte und Theorie der Architektur), Fachhochschule Dortmund (Fachgebiet Baugeschichte und Denkmalpflege), Ruhr-Universität Bochum (Kunsthistorisches Institut) im Rudolf-Chaudoire-Pavillon der TU Dortmund; dazu der Flyer (am 25. Sept. 2013 03:33:46 GMT gesichtet; PDF; 1,7 MB) mit Beispiel-Abbildung Haus der Erwachsenenbildung (Volkshochschule), Essen 1971, Arbeitsgemeinschaft W. Seidensticker, W. Spantzel, H. Budde, W. Gutsmann, H. Jung; Fotos: Hans Grempel, Manfred Hanisch (A:AI Archiv für Architektur und Ingenieurbaukunst NRW)zudem „REVIERORTE“: (= Hollestraße 75 | 45127 Essen): „Musterbeispiel moderner und funktionsgerechter Architektur“; die Website ist reich bebildert (gesichtet 19. Oktober 2013).