Die Zyklonsaison im Südwestindik 2011–2012 begann offiziell am 15. November 2011 und endet am 30. April 2012, mit Ausnahme von Mauritius und den Seychellen, wo sie erst am 15. Mai 2012 endet. Diese Daten begrenzen konventionell die Zeit des meteorologischen Jahres der Südhalbkugel, in denen sich im südwestlichen Indik die meisten tropischen Wirbelstürme bilden. Das erste tropische System bildete sich am 5. Dezember 2011.

Die tropischen Wirbelstürme in diesem Becken werden durch das Regional Specialized Meteorological Centre (RSMC) in La Réunion, Frankreich überwacht. Das Verantwortungsgebiet von Météo-France umfasst den Indischen Ozean südlich des Äquators und westlich von 90° östlicher Länge. Tropische Wirbelstürme in diesem Bereich werden Zyklone genannt. Das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) in Honolulu beobachtet ebenfalls das Wettergeschehen in diesem Seegebiet; es gibt Sturmwarnungen aus, die sich primär an Einrichtungen der Streitkräfte der Vereinigten Staaten im Indischen Ozean richten.

Stürme Schwerer Tropischer Sturm Alenga

Am 5. Dezember überquerte ein sich rasch entwickelndes Tiefdruckgebiet 90° östlicher Länge und gelangte so in den Verantwortungsbereich von Météo-France in La Réunion. Nur einige Stunden später klassifizierte das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) das System als tropischen Sturm und vergab die Bezeichnung 01S. Zu diesem Zeitpunkt waren auf den Satellitenbildern Bandstrukturen erkennbar. Günstige atmosphärische Bedingungen erlaubten einen Anstieg der Konvektion im Bereich des Zentrums sowie eine gute Ausströmung. Einige Stunden später stellte das RSMC in La Réunion fest, dass sich das System in einen mäßigen tropischen Sturm intensiviert hatte und durch den Mauritius Meteorological Service erhielt das System den Namen Alenga. Alenge intensivierte sich rapide weiter und erreichte im Tagesverlauf die Stärke eines schweren tropischen Sturmes. Obwohl die Prognosen von einer Intensivierung in einen tropischen Zyklon ausgingen, schwächte sich Alenga gegen Mittag des 6. Dezember ab und wurde zu einem mäßigen tropischen Sturm zurückgestuft. Im Verlaufe des 6. Dezembers hat Alenga außerdem eine scharfe Linkskurve eingeschlagen und begann früh am 7. Dezember, etwa 550 Seemeilen westlich der Kokosinseln nach Südosten zu ziehen. Er erreichte am 7. Dezember gegen 7:00 Uhr UTC den 90. östlichen Längengrad und verließ somit das Becken.

Tropische Depression 02

Am 6. Dezember 2011 klassifizierte Météo-France eine tropische Störung zwischen La Réunion und Diego Garcia als tropische Depression. Am nächsten Tag gelangte das System in ein Gebiet mit starker vertikaler Windscherung, wodurch das Oberflächenzirkulationszentrum freigestellt wurde und schon bald in ein Resttief zerfiel, doch früh am 8. Dezember regenerierte sich das System in eine schwache tropische Depression. Im Tagesverlauf entwickelte sich erneut Konvektion um das Zirkulationszentrum, selbst als das nach Westen ziehende System langsam an Intensität einbüßte. Météo-France gab am 9. Dezember die letzten Warnungen zu dem System aus, weil es zu schwach war, um als tropische Depression eingestuft zu bleiben. Das Resttief zog noch bis zu seiner völligen Auflösung am 16. Dezember über den südwestlichen Indischen Ozean.

Subtropische Depression 03

Ein Tiefdruckgebiet an der südöstlichen Küste von Madagaskar wurde am 19. Dezember von Météo-France als subtropische Depression klassifiziert. Das System bewegte sich bis zum 20. Dezember kaum. Am 21. Dezember zog es sehr langsam südwärts und begann sich abzuschwächen. Das RSMC gab am 23. Dezember seine letzte Warnung zu dem sich auflösenden System aus.

Tropischer Zyklon Benilde

Am 28. Dezember meldete das RSMC La Réunion, dass die vierte tropische Störung der Saison aus der australischen Region herübergezogen sei; diese war dort etwa eine Woche lang zunächst in südlicher und dann in westlicher Richtung durch den südöstlichen Indik gezogen. Im Tagesverlauf entwickelte die Störung sich stetig, sodass das JTWC die Ausgabe von Warnungen zu 02S aufnahm. Météo-France stufte das System am 29. Dezember als mäßigen tropischen Sturm ein und durch die Wetterbehörde von Mauritius erhielt der Sturm den Namen Benilde, der von Mosambik vorgeschlagen worden war.

Benilde zog weiterhin in etwa westlicher Richtung und intensivierte sich rasch, bis sie am 31. Dezember als tropischer Zyklon eingestuft wurde. Dann schwenkte der Sturm nach Südwesten, und die Intensivierung setzte sich fort, bis am 1. Januar in die südlichen Bereiche des Sturmes trockenere Luft gelangte. Die Konvektion verstärkte sich noch für eine kurze Zeit, doch stellte das RSMC nach dem Erreichen des Höhepunktes mit andauernden Windgeschwindigkeiten von 150 km/h später am gleichen Tag fest, dass die Eyewall auf der Nordseite des Auges kollabierte. Am 3. Januar schwächte sich Benilde in einen schweren tropischen Sturm ab. Starke Windscherung trug zur weiteren Abschwächung des Systems bei, das am 4. Januar nur noch eine tropische Depression war. Diese absorbierte noch spät an diesem Tag eine schwache Störung nördlich des Systems, doch schwächte sich Benilde früh am 5. Januar noch weiter ab. Die nördlichen Bereiche des Systems zerfielen vollständig, und die Konvektion verlagerte sich südlich des Sturmzentrums, während das System seine tropischen Eigenschaften verlor.

Mäßiger Tropischer Sturm Chanda

Am 4. Januar stellte Météo-France fest, dass eingebettet in die Innertropische Konvergenzzone im Bereich der Straße von Mosambik sich starke konvektive Aktivität entwickelte und sich nahe der Küste zu Mosambik eine bodennahe Zirkulation bildete. Diese Zone gestörten Wetters blieb während der nächsten Tage bestehen, und am Morgen des 8. Januar gab Météo-France bekannt, dass sich eine tropische Störung gebildet habe. Sechs Stunden später wurde das System in eine tropische Depression hochgestuft. Diese zog südostwärts auf Morondava an der Westküste Madagaskars zu. Weitere sechs Stunden später wurde das System als mäßiger tropischer Sturm eingestuft und erhielt den von Mauritius vorgeschlagenen Namen Chanda. Nach dem Landfall spät am 8. Januar begann Chanda sich abzuschwächen. Über Land zog der Sturm dann in den Süden der Insel und erreichte schließlich am 10. Januar im Südosten Madagaskars über den Indischen Ozean. Über Wasser intensivierte sich Chanda leicht, doch Windscherung führte dann zu einer Abschwächung. Die Struktur des Sturms im nördlichen Halbkreis kollabierte früh am 11. Januar und das System wurde zu einem außertropischen System.

Über Madagaskar erzeugte Chanda heftige Regenfälle, sodass innerhalb von 48 Stunden rund 280 mm Niederschlag verzeichnet wurden. Hochwasser und Überschwemmungen schnitten mehrere Ortschaften von der Außenwelt ab, und zahlreiche Häuser wurden überflutet. In Miandrivazo ertrank mindestens eine Person in den Fluten.

Subtropische Depression Dando

Östlich von Madagaskar bildete sich am 11. Januar eine nichttropische Störung, die unter Einfluss des zerfallenden Sturms Chanda am darauffolgenden Tag in eine subtropische Depression überging. Das System behielt zwar die subtropischen Merkmale bei, als es in Richtung afrikanisches Festland wanderte, entwickelte jedoch am 15. Januar ausreichende Windgeschwindigkeiten, sodass die Meteorologen in Madagaskar den Namen Dando zuwiesen, der von Tansania vorgeschlagen worden war. Am 16. Januar gab das RSMC die letzte Warnung für das inzwischen zum Resttief abgeschwächte System aus. Dieses Resttief zog am 17. Januar über das Festland, wo sich Dando am 18. Januar vollständig auflöste.

Dando war der erste tropische oder subtropische Sturm seit dem Tropischen Sturm Domoina 1984, der den Süden von Mosambik traf. Schwere Regenfälle über dem Süden des Landes löste erhebliche Überschwemmungen aus, sodass die Behörden Bewohner hochwassergefährdeter Gebiete zur Evakuierung aufforderten. An der Küste wurden bis zu sechs Meter hohe Wellen beobachtet, wodurch die Fischer am Ausfahren gehindert wurden. Vom Sturm verursachte Regenfälle wirkten sich auch auf Teile von Simbabwe und Swasiland aus.http://www.times.co.sz/News/36747.html Hunderte von Touristen im Kruger-Nationalpark in Südafrika waren teilweise abgeschnitten und mindestens 30 Personen mussten ausgeflogen werden, weil Sturzfluten Brücken weggespült und zahlreiche Gebäude und Straßen beschädigt hatten.http://www.globalpost.com/dispatch/news/regions/africa/120119/mozambique-tropical-storm-dando-floods-maputo Mindestens zehn Tote verursachten die Auswirkungen Dandos, davon sechs Personen, die in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga ertranken, nachdem der Olifants River über die Ufer getreten war.http://www.timeslive.co.za/local/2012/01/23/six-killed-in-mpumalanga-floods

Schwerer Tropischer Sturm Ethel

Am 18. Januar begann das RSMC La Réunion mit der Beobachtung einer tropischen Störung, die sich nordöstlich von Rodrigues entwickelt hatte. An dem Tag entwickelte sich das System stetig besser und erhielt nach dem Erreichen des Status eines tropischen Sturmes vom Mauritius Meteorological Service den Namen Ethel. Ethel intensivierte sich spät am 19. Januar in einen schweren tropischen Sturm. Am nächsten Tag erreichte Ethel eine Stärke äquivalent zur Kategorie 1 der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala, doch kühles Wasser und die für eine weitere Entwicklung ungünstige Windscherung verhinderten die Intensivierung Ethels. Am 22. Januar wurde Ethel zum mäßigen tropischen Sturm zurückgestuft. Die Konvektion verlagerte sich auf die Südseite des Zentrums, das am 23. Januar seine tropischen Eigenschaften verlor.

Als Ethel an Rodrigues vorüberzog, wurden auf der Insel starke Winde und Starkregen mit einer Niederschlagsmenge von 174 mm innerhalb von 24 Stunden aufgezeichnet. Auf der Insel kam es zu signifikanten Sachschäden und Störungen im Kommunikationswesen.http://actualite.lachainemeteo.com/actualite-meteo/2012-01-22-00h33/le-mozambique-frappe-par-le-cyclone-funso-15319.php Eine Person starb in einem von dem Sturm verursachten Zwischenfall an einem Stromschlag.

Intensiver Tropischer Zyklon Funso

Am 17. Januar begannen das RSMC und das JTWC mit der Beobachtung eines Tiefdruckgebietes, das sich etwa 620 km nordwestlich von Antananarivo, Madagaskar in der Straße von Mosambik gebildet hatte. Im Laufe der beiden folgenden Tage intensivierte sich das System aufgrund günstiger Bedingungen rasch. Früh am 19. Januar erklärte das RSMC das System zur tropischen Depression 08 und kurz darauf stellte das JTWC fest, dass das System einminütige Windgeschwindigkeiten eines tropischen Sturmes entwickelte und das System als tropischen Zyklon 08S klassifizierte. Das System wurde schließlich auch vom RSMC zu einem tropischen Sturm hochgestuft und erhielt den Namen Funso. Am 20. Januar stufte Météo-France Funso zum tropischen Zyklon auf. Der Zyklon zog auf die Küste von Mosambik zu, blieb jedoch über Wasser und wandte sich nach einer Schleife im Uhrzeigersinn südwärts. Die Nähe zum Festland, wo rund drei Millionen Menschen Winden in der Stärke eines tropischen Sturmes ausgesetzt waren, sorgte am 22. und 23. Januar für eine leichte Abschwächung, doch als sich Funso vom Festland entfernte, gewann der Zyklon erneut an Kraft. Am 24. Januar intensivierte sich Funso noch ein wenig mehr und setzte seine südsüdöstlich gerichte Wanderung fort. Eine Eyewall-Neubildung führte am 25. Januar zu einer vorübergehenden Abschwächung des Zyklons, doch einige Stunden später stufte Météo-France Funso am Mittag des Tages erneut als intensiven tropischen Zyklon ein. Dieser Intensivierung folgte im Tagesverlauf eine weitere Eyewall-Neubildung, die in der Bildung eines noch größeren Auges mit einem Durchmesser von 55 km resultierte.