Als Back Bay Fens, von den Einheimischen zumeist einfach The Fens genannt, wird eine Parklandschaft und Urbane Wildnis in Boston im Bundesstaat Massachusetts in den Vereinigten Staaten bezeichnet. Das Gelände wurde von Frederick Law Olmsted als Bestandteil des Emerald Necklace entworfen. Nach den Fens sind der Stadtteil Fenway–Kenmore und der Fenway Park benannt, in dem die Boston Red Sox zu Hause sind.

mini|Die Agassiz Road Bridge über den Muddy River mini|Sonnenuntergang in den Fens, betrachtet durch Phragmites australis, eine eingeführte Schilfrohrsorte. Diese invasive Unterart wird im Zuge eines größeren Flussrestaurierungsprojekts 2011 entfernt.

Geschichte mini|Der Plan von Olmsted für die Back Bay Fens (1887)

Die Back Bay Fens bilden heute als Teil des Emerald Necklace eine pittoreske Parklandschaft. Im Grunde besteht das Gelände aus einem historischen Flecken Salzwiese, das von trockenem Land umgeben war und keine Verbindung zu den Gezeiten des Atlantischen Ozeans hatte. Daraus wurde ein durch entsprechenden Garten- und Landschaftsbau ein Park mit Süßwasser, der heute auch als The Fens oder Fenway bekannt ist. Letzterer Begriff kann dabei auch den umgebenden Stadtteil bezeichnen.

Als Boston im frühen 17. Jahrhundert besiedelt wurde, wurde die Shawmut-Halbinsel, auf der die Stadt errichtet wurde, durch einen dünnen, sandigen Landstrich namens Boston Neck mit Roxbury verbunden. Das im Westen angrenzende Sumpfgebiet war dabei ein Wattgebiet des Charles River. Die Gegend begann mit der Zeit zunehmend überaus übel zu riechen, da die Abwässer der wachsenden Siedlung dort hineingeleitet wurden.

Um den doppelten Zweck der Eliminierung von Gesundheits- und Ästhetikproblemen durch das verseuchte Wasser sowie der Gewinnung von neuem und wertvollem Land für Bostoner Grundstücke zu erfüllen, wurde 1820 eine Serie von Landgewinnungsprojekten ins Leben gerufen und für den Rest des Jahrhunderts fortgeführt. Das Auffüllen der heutigen Back Bay wurde 1882 beendet, der Kenmore Square wurde 1890 erreicht und die Fens konnten 1900 abgeschlossen werden. Diese Projekte haben den Umfang der Halbinsel mehr als verdoppelt.

Für Olmsted war es eine große Herausforderung, das Sumpfgebiet so zu restaurieren, dass aus ihm ein ökologisch gesunder Ort entstehen und der zusätzlich als Erholungsgebiet genutzt werden konnte. Dazu kombinierte Olmsted seine Talente als Landschaftsarchitekt mit der Sanitärtechnik auf dem damaligen Stand der Technik und machte aus einem faulig stinkenden Gezeitenbach und Sumpf eine

Olmsted entwarf die Fens so, dass diese durch die Gezeiten zweimal pro Tag geflutet wurden. Auf diese Weise fand ein regelmäßiger Wasseraustausch statt, was eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu vorher darstellte. Allerdings wurde 1910 ein Staudamm bei Craigie’s Bridge errichtet, der die Trichtermündung des Charles River von den Gezeiten des Atlantik abschnitt und das Süßwasser isolierte. Auf diese Weise wurden die Fens zu einer Süßwasser-Lagune, die regelmäßig durch Ablaufwasser aus dem Charles River Basin aufgefrischt wird.

Kurze Zeit später fügte der Landschaftsarchitekt Arthur Asahel Shurcliff, ein Protegé von Olmsted, neue Merkmale wie den Kelleher Rose Garden hinzu und formte den eher formalen Landschaftsstil, der in den 1920er und 1930er Jahren sehr populär war. Im gleichen Zuge wurde der Anlage ein Sportplatz hinzugefügt.

Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg im Jahr 1941 pflanzten die Einwohner einen Victory Garden in die Fens. Dieser wird als letzter bestehender Garten dieser Art noch heute betrieben und ist ein hochgeschätzter Gemeinschaftsgarten mit Blumen und diversen Gemüsesorten.

1961 kam eine Gruppe von Freunden und Nachbarn in East Fenway zusammen, um aktuelle Angelegenheiten in ihrer Nachbarschaft zu diskutieren, und gründeten die Nachbarschaftsvereinigung Fenway Civic Association (FCA). Freiwillige führten Projekte zur Reinigung der Straßen, zur Stadtverschönerung und zum Schutz der Anwohner vor Kriminalität durch. Bald darauf begann die FCA damit, für eine verbesserte Instandhaltung von Parkanlagen und anderen Elementen einzutreten, um eine sichere und angenehme Nachbarschaft zu garantieren.

Bau- und Kunstwerke im Park

Die Fenway/Richard D. Parker Victory Gardens Die Victory Gardens sind heute nach Richard D. Parker benannt, der die Gärten 1941 mit organisierte und dort bis zu seinem Tod im Jahr 1975 als Gärtner arbeitete. Seinen Anstrengungen ist es zu verdanken, dass die Victory Gardens im Fenway heute eine von lediglich zwei noch bestehenden Gartenanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten sind. Während des Kriegs wurden ein Großteil der dort angebauten Nahrungsmittel zu den Streitkräften geschickt und die verbleibenden Mengen streng rationiert. Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt setzte fest, dass die Bürger der Vereinigten Staaten ihr eigenes Gemüse anbauen sollten. Die Stadt Boston wies daraufhin 49 Flächen zur Anlage von Gärten aus, darunter Grundstücke im Boston Common und im Boston Public Garden. Die Fenway Victory Gardens wurden 1941 angelegt und sind bis heute ein zentraler Bestandteil der Gemeinschaft in Fenway sowie bei Gärtnern in den gesamten USA sehr bekannt. Heute sind die Gärten privater Grund und stehen den Einwohnern in der Umgebung von Boston analog zum deutschen Konzept der Kleingartenanlagen zur Verfügung, um eigenes Gemüse oder Blumen anzubauen.

Das Agassiz Road Duck House mini|Das Agassiz Road Duck House

Das Agassiz Road Duck House wurde vom Architekten Alexander Longfellow entworfen und 1897 gebaut. Es wurde ausschließlich als Öffentliche Toilette genutzt, musste aber nach einem Feuer 1986 für den Wiederaufbau geschlossen werden. Das Duck House befindet sich in einem prominenten Teil der Back Bay Fens direkt neben der Agassiz Road Bridge und ist entlang dieser Straße das einzige Gebäude. Die Agassiz Road ist eine bedeutende Fußgänger-Verbindung zwischen den Stadtteilen East- und West Fenway, obwohl sie für Pkw lediglich als Einbahnstraße ausgelegt ist. Ein Großteil des heutigen Gebäudes ist im Original erhalten, wenngleich das Design des Daches im Zuge der Neukonstruktion nach dem Brand 1986 vereinfacht wurde. Das Häuschen selbst ist keine Sehenswürdigkeit in Boston, jedoch machen sein rustikaler Stil und die Verbindung zum Park das Duck House zu einem wichtigen Bestandteil der Back Bay Fens. Kürzlich gab es Überlegungen der Stadt Boston, das Duck House zum Beispiel durch die Errichtung eines Fahrradverleihs oder eines Cafés in der Nähe wieder zu beleben.

Die Feueralarm-Zentrale Seit ihrer Errichtung am 27. Dezember 1925 befindet sich die Feueralarm-Zentrale an der Adresse 59 The Fenway in der Nähe der Kreuzung von Westland Avenue und Hemenway Street. Es ist ein neoklassisches Gebäude aus Kalkstein in Gestalt einer Villa mit großen, kunstvoll verzierten Bronzetüren an einer Seite.

An der vorderen Fassade des Gebäudes findet sich die folgende Inschrift:

Alle Leitungen für Feueralarme sowie Funk- und Telefonkommunikation der Bostoner Feuerwehr werden von hier aus kontrolliert. Das Gebäude verfügt über einen unabhängigen Generator für den Fall eines Stromausfalls.

Das Westland Gate mini|Ein Löwenkopf am Westland Gate

Im Jahr 1905 wurde der Haupteingang zu den Fens an das Ende der Westland Avenue verlegt, wo heute das Westland Gate als prachtvoller Eingang in den Park dient.

Die Gedenkstätte für Katharine Lee Bates Das Katharine-Lee-Bates-Monument besteht aus einer frei stehenden Granittafel, in die eine Bronzeplakette eingelassen ist. Es befindet sich an der Agassiz Road über dem Muddy River und dem Stony Brook Gatehouse. Die Plakette informiert den Betrachter über das Leben von Bates und enthält auch Teile aus America the Beautiful, das sie Ende des 20. Jahrhunderts geschrieben hat.

Das John Boyle O’Reilly-Denkmal In der Nähe des Westland Gate befindet sich das John Boyle O’Reilly-Memorial. Mit diesem Denkmal, das 1894 von Daniel Chester French geschaffen wurde, wird an den irischen Poeten und Redakteur der katholischen Tageszeitung The Pilot erinnert. An der Vorderseite befindet sich eine Büste von O’Reilly, an der Rückseite eine Erin-Statue, die einen Kranz aus Lorbeer- und Eichenblättern für ihre Söhne Dichtkunst und Patriotismus webt. Im Hintergrund befinden sich keltische Kalligrafien.

Das John Endecott-Monument Das Denkmal befindet sich gegenüber dem Forsyth Dental Institute und dem Museum of Fine Arts am Forsyth Way und war ursprünglich der Eingangsbereich an der Huntington Avenue in die Back Bay Fens. Der aus rotem Granit bestehende Sockel trägt die Statue von John Endecott aus weißem Granit. Die Statue selbst zeigt ihn als Standporträt und gekleidet in frühe Kolonialtracht, bestehend aus einem Mantel mit einem breiten, quadratischen Kragen, einer Kniebundhose, Schnallenschuhen und einem langen Umhang. Seinen Hut hält er an seiner Seite in der rechten Hand. Die Skulptur steht auf einem quadratischen Sockel, der wiederum aus einer großen Granitmauer herausragt. Diese trägt die Inschrift: . Eine niedrige Sitzbank aus Granit verläuft rund um die Mauer.

Den Inschriften auf einer Seite des Monuments zufolge wurde es vom Architekten Ralph Weld Gray entworfen und 1936 von Carl Paul Jennewein erschaffen. Auf der Rückseite befindet sich eine lange Inschrift mit dem Titel , dtsch. . Die Hauptinschrift beinhaltet das Siegel des Commonwealth of Massachusetts und das Zitat: .

Sportgelände Als Teil der von Arthur Shurcliff durchgeführten Veränderungen an den Back Bay Fens wurde 1923 ein Sportgelände gebaut. Zwei massive steinerne Tribünen wurden 1926 hinzugefügt und 1928 durch eine von William D. Austin entworfene Turnhalle ergänzt. Diese wurde in den 1980er Jahren aufgrund von Baufälligkeit abgerissen und durch ein einfaches Lagerhaus im gotischen Stil ersetzt. Das Sportgelände wurde später in Joseph Lee Playground umbenannt.

Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurden zwei Baseballfelder hinzugefügt. Eines davon ist dem Baseballspieler und Philanthropen Roberto Clemente gewidmet, das andere wurde 1984 den aus der Nachbarschaft stammenden Anwohnern Brian und David Cobe gewidmet, indem eine Bronzeplakette in einen Gesteinsbrocken aus Roxbury-Konglomerat eingelassen und direkt neben das Feld platziert wurde.

In den 1970er Jahren wurden zusätzlich zwei Basketballfelder errichtet und Jim Bradley gewidmet. 2010 wurde das gesamte Sportgelände als Teil des Public Private Partnership zwischen der Stadt Boston und dem Emanuel College umfassend renoviert und auf die neuesten Standards ausgerichtet, was unter anderem den Abriss einer der Steintribünen erforderte.

Das Roberto Clemente-Denkmal Dieses Monument wurde 1973 dem Baseballspieler und Philanthropen Roberto Clemente gewidmet. Es besteht aus einem hohen Steinblock, in den ein großes, aus Bronze bestehendes Relief eingelassen ist, das eine Abbildung von Clemente zeigt und eine kurze Inschrift in Spanisch und Englisch enthält: , dtsch. Das benachbarte Baseballfeld ist ebenfalls ihm gewidmet.

Japanische Tempelglocke Die aus Bronze bestehende Glocke wurde 1675 durch Tanaka Gonzaemon unter der Aufsicht von Suzuki Magoemon gegossen und Bishamon geweiht, einer buddhistischen Gottheit der Kinder und des Glücks. Die Glocke wurde 1940 den japanischen Kriegsanstrengungen zur Verfügung gestellt, endete jedoch auf einem Müllhaufen in Yokosuku. Seeleute der Boston bargen die Glocke nach Ende des Zweiten Weltkriegs und boten sie der Stadt Boston 1945 an. 1953 übergaben Japanische Regierungsvertreter die Glocke offiziell an Boston als Symbol des Weltfriedens.

Der Kelleher Rose Garden mini|Kelleher Rose Garden (September 2009)