mini|hochkant=1.2|Darstellung der Moschee und der Kaaba in Mekka aus dem 18. Jahrhundert

Die Geschichte Saudi-Arabiens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Königreiches Saudi-Arabien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Sie reicht bis ins Paläolithikum zurück.

Name Der Name Saudi-Arabien () ist von der herrschenden Dynastie der Saʿūd abgeleitet, die seit dem 18. Jahrhundert in Verbindung mit der islamischen Erneuerungsbewegung der Wahhabiten im Nadschd herrschte und in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts das heutige Königreich Saudi-Arabien errichtete, die dritte Staatsgründung der Dynastie in diesem Bereich.

Urgeschichte mini|Augenstele aus Tayma mit aramäischer Inschrift, Tayma Museum

Das Gebiet des heutigen Saudi-Arabien ist seit dem Paläolithikum besiedelt.Philipp Drechsler: Paläolithikum – Neolithikum: Natur- und Kulturraum. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 59–65. Es gibt Funde, die dem Homo erectus zugeschrieben und deren Alter auf mindestens 1,6 Millionen Jahre geschätzt werden. mini|Flusspferdknochen von der Fundstätte Khall Amayshan In der Nefud-Wüste fanden sich Artefakte, die auf etwa 400.000 Jahre datiert wurden. Etwa 100.000 Jahre alte Werkzeuge aus Khall Amayshan und 75.000 Jahre alte Werkzeuge aus der 150 km entfernten Oase Jubbah könnten dem anatomisch modernen Menschen zuzuordnen sein.

Im Spätpaläolithikum – das Klima war auf der Arabischen Halbinsel damals niederschlagsreicher als heute – war der Norden des heutigen Saudi-Arabien von Nomaden besiedelt.Ute Franke: Zwischen Euphrat und Indus: die Arabische Halbinsel von 3500–1700 v. Chr. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 78–88.

Das Neolithikum in diesem Gebiet wird durch die Entwicklung im Fruchtbaren Halbmond bestimmt; im Osten durch die Kulturen Mesopotamiens: Sumerer, Babylonier und Assyrer, im Westen durch Ägypten.Ute Franke: Zwischen Euphrat und Indus: die Arabische Halbinsel von 3500–1700 v. Chr. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 73–82.

Frühgeschichte Da das Gebiet des heutigen Saudi-Arabien einerseits durch die Schifffahrtswege im Westen durch das Rote Meer und im Osten durch den Persischen Golf erschlossen wurde, andererseits auch von Karawanenstraßen durchzogen wurde und zudem im Westen, Norden und Osten von Hochkulturen umgeben war, setzen schriftliche Zeugnisse zu diesem Gebiet früh ein.Daniel Thomas Potts: Das alte Arabien in historischen Quellen. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 87–101. Dazu zählt auch das in der Bibel genannte Königreich Midian. Kleinstaaten der Sabäer, NabatäerLaila Nehmé: Die Nabatäer im Nordwesten Arabiens. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 137–143., Ghassaniden, Lachmiden und Kinda und Stadtstaaten wie TaymaArnulf Hausleiter: Das antike Tayma’: eine Oase im Kontaktbereich der Kulturen. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 103–123. und DedanSaid al-Said: Dedan: Schätze einer glanzvollen Kultur. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 125–153. bilden sich heraus. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Inschriften in diesem Gebiet, in der Regel in Buchstabenschriften gehalten.Michael Marx: Schriften und Sprachen Arabiens – ein Rundgang. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 181–193. Moderne Wirtschaftsformen, etwa das Geldwesen, verbreiten sich und der Einfluss des Römischen Reichs erreicht die nördlichsten Teile des heutigen Saudi-Arabien.NN: Objekte Mada’in Salih. In: Roads of Arabia – Archäologische Schätze aus Saudi-Arabien. [Ausstellungskatalog]. Hrsg.: Museum für Islamische Kunst – Staatliche Museen zu Berlin. Berlin 2011, ISBN 978-3-88609-721-0, S. 148.

Islam Mit der Begründung des Islam durch den Propheten Mohammed gelang diesem zwischen 622 und 632 die Vereinigung der Stämme Arabiens. Nach seinem Tod setzten seine Nachfolger als Kalifen die Verbreitung des Islam und damit auch der arabischen Kultur weit über die arabische Halbinsel hinaus fort. Schon im 8. Jahrhundert reichte das Kalifat von Andalusien bis nach Indien und Mittelasien sowie vom Kaukasus bis weit in die Sahara hinein. Zugleich aber verlor Arabien seine politische Bedeutung, als Umayyaden und Abbasiden die Hauptstadt in wirtschaftlich wichtigere Regionen nach Damaskus und Bagdad verlegten. Dank der Heiligen Stätten Mekka und Medina aber behielt zumindest der Hedschas seine religiöse und kulturelle Bedeutung für die islamische Welt. Seit dem 10. Jahrhundert ist die Kontrolle der Haschimiten als Scherifen über Mekka bzw. Medina bezeugt. 1446 verlegte das damalige Oberhaupt der Familie Saʿūd, Manʾ al-Muraydī as-Saʿūd, den Schwerpunkt seiner Aktivitäten nach Zentralarabien. 1517 wurde nahezu die gesamte arabische Halbinsel von Sultan Selim I. unterworfen und dem Osmanischen Reich eingegliedert.

Mit der Entdeckung des Seewegs von Europa nach Indien durch Portugal verlor Arabien ab dem 15. Jahrhundert seine Funktion als Durchgangsland für den Handel zwischen Indien und dem Mittelmeerraum.

Der erste saudische Staat (1744–1818)

Geschichte mini|Flagge des ersten saudischen Staats Der erste saudische Staat, auch das „Emirat von Naǧd“ genannt, wurde unter Muḥammad Ibn Saʿūd (1726–1765) im Jahr 1744 ausgerufen und bestand 75 Jahre lang bis zur osmanischen Eroberung unter Ibrahim Pascha 1818. Hauptstadt des Sultanats wurde das heute im Nordosten von ar-Riyāḍ gelegene Dirʿiyya, eine Oasensiedlung, die 1446/47 von Vorfahren des Saʿūd Clans gegründet worden war.

mini|Ruinen von Dirʿiyya Nach internen Machtkämpfen mit dem zunächst in Dirʿiyya dominierenden al-Migin-Clan setzte sich Muḥammad Ibn Saʿūd als neuer Amīr durch. Als Amīr von Dirʿiyya begründete Muhammad Ibn Saʿūd seinen Status infolge seines politischen und militärischen Geschicks, die Siedlung vor anderen Amīras und tribalen Konföderationen zu verteidigen. Bis auf das Vorrecht Tribut von der Bevölkerung zu erhalten, war die Herrschaft und Autorität des Amīrs in den 1740er-Jahren jedoch lokal eingeschränkt. Ein Mangel an finanziellen Mitteln und die Konkurrenz zu den rivalisierenden Stämmen der Banū Ḫalid und al-Ḥasā sowie der benachbarten Siedlung ʿUyayna, verhinderten eine politische und wirtschaftliche Expansion über Dirʿiyya hinaus.Madawi al-Rasheed: A History of Saudi Arabia. Cambridge University Press, Cambridge 2002, S. 16. Dies änderte sich mit dem Übertritt zur wahhabitischen Bewegung.

mini|Moschee Muḥammad Ibn ʿAbd al-Wahhābs in Dirʿiyya 1744 verbündete sich Muḥammad Ibn Saʿūd mit Muḥammad Ibn ʿAbd al-Wahhāb, dem Sprössling einer einflussreichen, aber mittellosen Familie von ʿUlamā' und Angehöriger des im Naǧd ansässigen Stamm der Banū Tamīm. Besiegelt wurde der Pakt von Dirʿiyya zwischen den beiden Clans mit der Heirat von Muḥammad Ibn Saʿūd's Sohn ʿAbd al-Azīz und der Tochter des Imams. Im Gegenzug zur Förderung und Verbreitung seiner orthodoxen Form des Islams, wurde Muḥammad Ibn Saʿūd als politischer Führer der muslimischen Gemeinschaft legitimiert. Dadurch entstand eine quasi tribale Konföderation, die im Rahmen von Ǧihād und Daʿwa eine Expansion über die Grenzen von Dirʿiyya hinaus legitimierte.Madawi al-Rasheed: A History of Saudi Arabia. Cambridge University Press, Cambridge 2002, S. 18. Dirʿiyya entwickelte sich zur größten und einflussreichsten Stadt im Naǧd und wurde zum Zentrum in der Unterweisung der wahhabitischen Doktrin.

mini|Erster saudischer Staat Bis Mitte der 1780er-Jahre wurde der Naǧd vollständig von den Saʿūd und ihren Verbündeten unterworfen. Bis 1808 folgten die östlichen Gebiete von Kuwait bis zur Nordgrenze des Oman und das Hochland von ʿAsīr im Südwesten. Weitere Expansionsbestrebungen in Richtung Süden scheiterten am Widerstand jemenitischer Stämme und dem schwierigen Terrain. Ähnlich verhielt es sich im Norden. Zwar gelang im beginnenden 19. Jahrhundert eine Expansion in den Bereich des Fruchtbaren Halbmonds, wodurch vitale Teile des Osmanischen Reichs unmittelbar bedroht wurden. Bedingt durch die räumliche Distanz zur Hauptstadt, misslang jedoch die Errichtung einer dauerhaften Präsenz. Die Plünderungen schiitischer Siedlungen im heutigen Irak, hier insbesondere in der für die Schiiten heiligen Stadt Karbalāʾ im Jahr 1801 und damit verbundene Verwüstungen von Heiligengräbern und Denkmälern, führten zur Ermordung von ʿAbd al-Azīz Ibn Muḥammad Ibn Saʿūd in der Moschee von Dirʿiyya im Jahr 1803 durch einen Schiiten. Sein Sohn Saʿūd forcierte die Expansionsbestrebungen insbesondere im Westen.

Die andauernden Kampagnen der Saʿūd, wie auch die Besetzung der Heiligen Stätten in Mekka und Medina, ließen den osmanischen Sultan-Kalifen Selim III. und Mahmud II. die unmittelbare Gefahr bewusst werden, die durch die Eroberungen auf der arabischen Halbinsel der osmanischen Souveränität drohte. Geschwächt durch die Unruhen auf dem Balkan und den Krieg mit Russland, beauftragte Mahmud II. erst 1811 den Gouverneur von Ägypten, Muhammad Ali Pascha, damit einzuschreiten. Dieser schickte 1811 und 1813 Truppen über die Hafenstädte Yanbuʿ und Ğidda am Roten Meer auf die Arabische Halbinsel und begann zusammen mit seinen beiden Söhnen Tusun und Ibrahim sowie mit Unterstützung konkurrierender Stammesföderationen im osmanisch-saudischen Krieg (1811–1818) mit der Zerschlagung des ersten saudischen Staates. Im März 1818 erreichten die osmanischen Truppen unter der Führung von Muḥammad ʿAlīs Sohn Ibrahim Pascha die damalige saudische Hauptstadt Dirʿiyya und erzwangen nach sehr heftigen Kämpfen und sechs Monate dauernder Belagerung mit schwerer Artillerie am 15. September 1818 die Kapitulation.

Der letzte Imam des Staates, ʿAbd Allāh Ibn Saʿūd, geriet in ägyptische Gefangenschaft und wurde an die Osmanen ausgeliefert und von einem Gericht wegen „Korruption auf Erden“, „Spaltung von Muslimen“ und „Rebellion gegen den Kalifen“ zum Tode verurteilt. Am 17. Dezember 1818 wurde er in Istanbul mit dem Schwert hingerichtet. Ein Großteil seiner Familie wurde nach Kairo und Istanbul deportiert. Im folgenden Jahr wurde Dirʿiyya von der osmanischen Armee vollständig zerstört, die Ortsteile al-Turaif und Ġasiba sind bis heute als Ruinen erhalten.

Imame Muḥammad Ibn Saʿūd (1744–1765) ʿAbd al-Azīz Ibn Muḥammad Ibn Saʿūd (1765–1803) Saʿūd I. Ibn ʿAbd al-Azīz Ibn Muḥammad Ibn Saʿūd (1803–1814) ʿAbd Allāh I. Ibn Saʿūd (1814–1818)

Der zweite saudische Staat (1824–1891) mini|Flagge des zweiten saudischen Staats mini|Territoriale Ausdehnung des zweiten saudischen Staats

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