Dobbin ist ein Ortsteil der Gemeinde Dobbertin im Amt Goldberg-Mildenitz im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern am westlichen Rande des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide.
miniatur|Klädener See, Dobbiner See und Dobbin auf der Wiebekingschen Karte von 1786. Die Wasserflächen wurden seit Ende des 18. Jahrhunderts trockengelegt. Geographie Das Dorf Dobbin liegt vier Kilometer westlich vom Klosterdorf Dobbertin. Nordöstlich des Ortes befindet sich die Dobbiner Plage, der bis ins 19. Jahrhundert trockengelegte Dobbiner See im Landschaftsschutzgebiet Mittleres Mildenitztal. Inmitten der Dobbiner Plage liegt das Flächennaturdenkmal Teilfläche Paradieskoppel Dobbertin mit ihren Wacholdersträuchern. Das einstige Kirchenland mit dem alten Flurnamen Paradieskoppel ist über die Anhöhe Brink und den dorfnahen Kalverbarg, an dem Kälber aufgezogen wurden, erreichbar. Südlich der Paradieskoppel grenzt bis an die Mildenitz die Ochsenkoppel, auch Swinägel genannt. Sie wurde erst als Schweineweide, danach als Ochsenkoppel genutzt. Nordwestlich des Ortes liegt der Dobbiner Forst, die Dobbiner Tannen.
Westlich von Dobbin verlief als wichtiger Verbindungsweg zwischen Parchim und Güstrow die Alte Güstrower Landstraße. Heute endet in Dobbin nur eine Straßenanbindung von der parallel zum Dobbertiner See verlaufenden Kreisstraße 24 von Below nach Dobbertin.
Die Ortsbebauung liegt auf einer Geländehöhe von etwa 44 bis 48 m. ü. NHN.
Geschichte Dobbin war in der Vorgeschichte durch den leichten Boden und die Nähe zu fischreichen Gewässern ein bevorzugtes Siedlungsgebiet. Ein Beweis für die Besiedlung der Dobbiner Feldmark sind die reichhaltigen Fundstellen, aus der Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit und Slawenzeit. Zu nennen sind z. B. eine unterirdische Steinkammer, ein Hügelgrab mit diversen Beigaben und ein Urnenfeld am Ufer des Dobbertiner Sees.Bodendenkmalpflege in Mecklenburg. 1901, 1955, 1957, 1965, 1968, 1973–1982.
Das erste von den Slawen angelegte Dorf befand sich mit einem Burgwall am Dobbiner See an der Stelle des heutigen Dobbins. Am Nordufer des Sees lag im Mildenitzbogen eine slawische Siedlung up de Dörpstädt (auf der Dorfstätte), die heute noch Dorfstätte heißt. Slawische Scherben, Kohlereste und Lehmstücke fand man auch an der Nordwestspitze des Dobbertiner Sees, nahe der Jagerwisch, einer versumpften Wiese.Franz Engel: Deutsche und slawische Einflüsse in der Dobbertiner Kulturlandschaft. 1934. S. 21–34.MUB II. (1864) Nr. 1368. In der ältesten, nicht mehr im Original erhalten gebliebenen Klosterurkunde von 1227 wurde Dobbin erstmals mit 40 Hufen erwähnt.MUB I. (1863) Nr. 343. Johann und Nicolaus als Fürsten zu Mecklenburg bestätigten diesen Güterbesitz des Benediktinerklosters Dobbertin.
1275 verkaufte Nicolaus von Werle dem Propst Volrad und dem Kloster Dobbertin für 650 und zehn Mark das Dorf Dobbin mit seinem Land, dem Wald, den Gewässern, Wiesen und Weiden und dem angrenzenden später wüst gewordenen Ort Devstorp.MUB II. (1864) Nr. 1368. Dies dürfte die erste urkundliche Erwähnung des Ortes sein. Die Grenzen der Feldmarken von Dobbin und Devstorf verliefen im Osten mit dem See Wostrowitz (Südbecken des damaligen Dobbiner Sees) und der Mildenitz bis dicht vor Dobbertin. Im Norden war es die Mildenitz beim alten Dorf Kläden.
Der Ortsname Dobbin ist slawischen Ursprungs. Er leitet sich vom Wort dober (gut) ab und wird als Ort des Guten gedeutet. Die Herkunft des Namens Devstorf ist fraglich. In einer Urkunde von 1275 ist erwähnt: „villam Deuestorpe, adia centem conterminis ville Dobin“ (...des Dorfes Devestorp, das an die Feldmark des Dorfes Dobbin anstößt...).MUB II. (1864) Nr. 1368.
Schon im 14. Jahrhundert sind weite Flächen des kümmerlichen Sandbodens der Dobbiner Flur ungenutzt und wüst gewesen. Sie waren von Heide und Kierfernwald bedeckt. Man bezeichnete die Dobbiner Hufen geringschätzig als Sandhufen und die Bauern brauchten damals nur die halbe Steuer zahlen. Doch schon bald hatte man große abgetrennte Flächen im Osten der Mühle von Dobbertin und im Norden dem Klädener Müller zur Nutzung übergeben. Ende des 13. Jahrhunderts war auch Devstorf von seinen Bewohnern verlassen.
Dobbin wurde 1428 urkundlich durch den Dobbertiner Propst Nicolaus Behringer erwähnt. In der Klosterurkunde von 1448 hatte der Propst Nicolaus Beringer mit den Priorinnen Anna Wamekow und Ghese Dessyn vom Konvent der Anna Pulen 10 Lübische Mark quittiert, für die sie eine Mark Rente aus dem Dorf Dobbin erhielten. Das an der Urkunde beschädigte an roten Seidenfäden hängende Büffelkopfsiegel des Fürsten Johann von Werle stammte aber schon von einer Urkunde aus dem Jahr 1227 und stellte sich somit als eine kuriose Urkundenfälschung des Mittelalters heraus.LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin. Regesten Nr. 140. Aus der Pacht von Dobbin erhielt 1449 der Propst Beringer 20 Lübische Mark.
Nach Angaben des Kaiserbederegisters von 1469 hatte Dobbin 49 Einwohner. Im Steuerregister von 1540 waren elf Sandhufen und sieben Katen angegeben, von denen damals fünf Gehöfte und ein Katen niederbrannten. Die Hufen gehörten den Bauern Hans Berndes, Hinrik Westfal, Clawes Waltze, Hinrik Dobbertin, Achim Roggentin und Hans Mowe. Abgebrannt waren die Hufen von Magnus Ribelmann, Hinrich Badegow, Dinnes Vernike, Hinrik Hovemann und Hans Wenike. Im Katen wohnten Michael Hacke, Hinrick Vicke, Bertel Hermanns, Wile Willmers und Titke Schreder. Achim Eyckelbergs Katen war ebenfalls abgebrannt und der von Achim Koneke stark verwüstet. 1508 wurde der Dobbiner Reymer Passow durch das Klosteramtsgericht als Zeuge eines Verkaufs genannt.
1588 wurde der junge Tias Ecklenbargk zum Dorfschulzen (Bürgermeister) bestimmt und durfte erst nach Zustimmung des Dobbertiner Klosterhauptmanns Joachim von Bassewitz die Tochter von Schulze heiraten. Bei der Heirat erhielt er als Altenteil schon lebenslanges Wohnrecht mit ausreichender Versorgung, dazu ein Pferd, eine Kuh, sechs Schafe und Inventar. Der Schmied Heinrich Holste heiratete Langes Tochter Sanne und übernahm auch dessen Schmiede. Im Amtsprotokollbuch des Klosters von 1591 ist u. a. vermerkt: ein Holzdiebstahl durch Chim Schröder aus dem Paradiese, Körperverletzung bei einer Schlägerei zwischen dem Hirten Benedix aus Zidderich, dem Bauern Jacob Voege zu Below und dem Schulzen Mattias Ecklenbargk zu Dobbin.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 275.
1592 erhielten die Dobbiner Bauern die Fischereiberechtigung für den Dobbiner und Klädener See. Im Klagebuch des Klosteramtsgericht ist 1596 zu lesen, dass es zwischen zehn Dobbiner Bauern Streit um mehr Land gab. „Damit der Acker auf's Neue nicht voneinander möge gemessen werde“, sollte man sich vergleichen und nur der Schulze durfte den Dorfbullen halten.LHAS 10.63-1 Verein für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Nr. 275.
Vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges (1618–1848) wohnten 18 Bauern in Dobbin. Das Dorf war 1618 nicht so abgelegen wie heute, denn es lag an der wichtigen Alten Güstrower Landstraße zwischen Parchim und Güstrow. Auch manche Flurnamen, wie de Bullenwisch als Weide der Dorfbullen oder de Schultenbarg, ein Ackerstück das der Dorfschulze als Vergütung für die Verwaltungsarbeit in Nutzung hatte, erinnern an das einst große Bauerndorf. 1627 erhielt Thies Dobbertin vom Klosterhauptmann Georg von Linstow das Einverständnis zur Heirat seiner Tochter mit dem Techentiner Hagen Bürtigk und der Dorfschulze eine Genehmigung zum Anbau eines Wagenschauers.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurden 1637 auch in Dobbin fast sämtliche alten Familien von ihren Höfen vertrieben. Nach einem Vermerk im Rechnungsbuch des Klosteramtes hatte man keine Steuerzahlung mehr „aus diesem Dorfe zu empfangen, weil es der schwedische Oberst Hunich mit seinen Soldaten ausgezehret“. 1648, nach Kriegsende, waren nur noch fünf Bauernstellen besetzt. Mit Ende des Schwedisch-Polnischen Krieges war Dobbin vom Dezember 1659 bis zum September 1660 wieder von Einquartierungen, diesmal von kaiserlicher Truppen betroffen.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 659.
Mit dem Dorfschulzen Joachim Eickelberg wohnten 1661 noch die Bauern Hinrich Jahrlingk, Tewes, Michel und Thieß Poßel, Johan Eichelbergk und Hanß Lemke in Dobbin. Die Stellen von Chim Poßel, Hanß Badegow, Chim Dolge, Peter Havemann, Franß Bluder, Hanß Könecke waren wüst.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster Dobertin. Nr. 1103. Es soll aber noch sechs Hauswirte und eine Schmiede gegeben haben. Bei der Lieferung von Rekruten an die preußische Armee aus den Klosterdörfern wurde am 10. Februar 1761 der Haußmann Köpcken nach Tessin geführt.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 690 Lieferung von Rekruten an die preußische Armee 1761.
Dobbiner Plage
Als Dobbiner Plage wird die bis ins 19. Jahrhundert trockengelegte Fläche des einstigen Dobbiner Sees, der slawisch Wostrowitz genannt wurde, bezeichnet. Die durch die Melioration gewonnenen Wiesenflächen hatte man der Dobbiner Feldmark zugeordnet und das Grünlandgebiet wurde danach als Mähwiese und Viehweide genutzt.Simone Herbst: Wacholder - Paradies zurückerobert. SVZ Zeitung für Goldberg - Lübz - Plau, 18. Januar 2018. Zur ständigen Entwässerung der Plage wurde Anfang 1934 mit dem weiteren Mildenitzausbau in Verantwortung des Dobbertiner Forstmeisters Karl Beese mit der Staatlichen Gutsverwaltung begonnen. Nach dem Protokoll vom 15. Juli 1935 wurden die Wiesenflächen der Plage auf die Dauer von zehn Jahren an die Dobbiner Hahn, Klevenow, Dipl. Landwirt Dr. Hans Möller, Heinrich Manck, Nehls, Ortmann, Soldwedel und Auer verpachtet.LHAS 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Nr. 8643. Während der Kriegsjahre forderte am 3. November 1941 der Parchimer Landrat Friedrich Roschlaub eine Erhöhung der Dämme, da die Plage teilweise unter Wasser stand. Die Ausbesserung der Abfuhrwege sollte der Pächter Wilhelm Leplow aus Spendin mit Kriegsgefangenen machen, die Kipploren kamen aus der Lewitz. Doch am 27. August 1943 beschwerte sich der Kreisbauernführer über die langsame und schlechte Entwässerung der Dobbiner Plage.LHAS 5.12-4/2 Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Nr. 8643. Heute wird die Dobbiner Plage landwirtschaftlich als Dauergrünland durch die Dobbertiner Agrargenossenschaft e. G. genutzt.
miniatur|ohne|hochkant=3|Dobbiner Plage (2009)
Dorf Der Dobbertiner Pastor Casper Wilhelm Heerder hatte im Beichtkinderverzeichnis von 1704 für das zu seinem Kirchspiel gehörende Dobbin 32 erwachsene Leute aufgeführt. Der 1708 begonnene Prozess gegen Gustav Kötelmann wegen Unzucht und Schwängerung der Schulzentochter Catharina Elisabeth Eickelberg dauerte vor dem Klosteramtsgericht in Dobbertin fast fünf Jahre.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 3443.
Bei den Durchmärschen dänischer, schwedischer, russischer und sächsischer Truppen während der Nordischen Kriege (1700–1721) durch das Klosteramtsgebiet kam es 1713 auch in Dobbin zu Plünderungen. Besonders betroffen waren der Dorfschulze Joachim Eickelbargk, Simon Poßel, Joachim Garling und Joachim Sternberg. Neben Fleisch und Schmalz wurden besonders gestohlene Hühner und Schweine durch den Küchenmeister Johann Joachim Friese im Amtsprotokoll des Klosters Dobbertin registriert.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. Nr. 661.
1721 gab es in Dobbin sieben Sandhufen und einen Katen und damit acht besetzte Stellen im Dorf. 1728 wurden als Hauswirte Eickelberg, Sternberg, Wendt, Poßehl und Garling genannt. Einlieger waren Ehme, Poßehl, Krüger Balzin und Eickelberg. Nach 1784 klagte die Hauswirtswitwe Lena Wendt, geb. Jung gegen das Klosteramt wegen Beibehaltung ihres Bauerngehöftes.LHAS 3.2-3/1 Landeskloster/Klosteramt Dobbertin. 3242/5o0.