miniatur|hochkant=1.66|Die Onondaga innerhalb der fünf Nationen der Irokesen, Stammesgebiet um 1650 Die Onondaga oder Onoñda’gega’ bzw. Onöñda’gaga’ („Volk vom Ort auf den Hügeln, d. h. von Onondaga“) sind der zentrale bzw. mittlere Stamm der Haudenosaunee („Leute des Langhauses“), besser bekannt als Irokesenliga oder -Konföderation, ein Bündnis aus ursprünglich fünf (später sechs) Stämmen oder Nationen der Irokesischen Sprachfamilie. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese Stämme als Irokesen bezeichnet. Sie sind eine der indigenen Gruppen der Indianer Nordamerikas.

Heute leben Angehörige der Onondaga Nation im Onondaga-Reservat in Nedrow bei Syracuse in den Vereinigten Staaten, sowie im Six-Nations-of-the-Grand-River-Reservat in Ontario, Kanada.

Territorium Im siebzehnten Jahrhundert lagen die Dörfer der Onondaga zwischen dem Cazenovia Lake und dem Onondaga Lake, in einem Gebiet, das sie schon in den beiden Jahrhunderten zuvor bewohnt hatten. Ihr bevorzugtes Jagdgebiet erstreckte sich vom Lake Ontario im Norden bis zu den Quellflüssen des Chenango Rivers im Süden und umfasste das gesamte heutige Onondaga County. Hier befanden sich die Sommerlager der Onondaga, während sie im späten Herbst mit ihrer Jagdbeute in ihre festen Dörfer zurückkehrten. In der Zeit vor dem Kontakt mit Europäern spielten die bekannten Salt Springs (Salzsümpfe) bei Syracuse offenbar keine Rolle. Nach Ankunft der Weißen änderte sich die Situation und der wirtschaftliche Nutzen des Salzes wurde zunehmend für die Weißen, aber auch für die Onondaga von Bedeutung.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978, S. 491–492.

Kultur und Lebensweise miniatur|Französischer Angriff auf ein befestigtes Dorf der Onondaga, 1615 Die Irokesenliga wurden vom Großen Rat geführt, der immer in Onondaga tagte. Jeder der beteiligten Stämme konnte eine bestimmte Anzahl an Sachems in den Rat schicken, der aus insgesamt fünfzig Personen bestand. Die Onondaga wurden von zwölf Sachems vertreten. Die Sitzordnung war genau festgelegt. Auf der einen Seite des Ratsfeuers saßen die Mohawk und Seneca, ihnen gegenüber befanden sich die Oneida und Cayuga. Zwischen beiden Blöcken saßen die Onondaga als Schiedsrichter und Bewahrer des Feuers. Bei Meinungsverschiedenheiten mussten die Onondaga vermitteln, Kompromisse vorschlagen und schließlich eine Entscheidung treffen, die zumeist akzeptiert wurde. Die später aufgenommenen Tuscarora besaßen keine Stimme im Rat.Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas. Gondrom Verlag, 1993, S. 116–117.

Die Irokesen nutzten Wampumschnüre als Dokumentation ihrer Verträge. Wampum waren Meermuschelschalen, die zu röhrenförmigen Zylindern geschliffen und in bestimmter Anordnung auf Schnüre aufgezogen wurden. Als Gründungsurkunde des Irokesenbundes existierten fünfzig Wampums, die als Erinnerungshilfe dienten und in einem besonderen Langhaus von den Onondaga aufbewahrt wurden. Wampumschnüre spielten zudem eine Rolle im Kult der Onondaga und aller Irokesen. Im 17. Jahrhundert erschien einem Onondaga angeblich der Schöpfer Tharonhiawagon in Gestalt eines Zwerges und forderte die Opferung von Wampums (stellvertretend für Wertschätzung und Aufrichtigkeit), Sonnenblumenkernen (für Pflanzennahrung) und weißen Hunden (für Fleischnahrung) beim Traumdeutungsfest im Rahmen der Mittwinterzeremonie. Früher wurden dabei bis zu zehn Hunde getötet und verbrannt. Heute treten bunte Bänder an die Stelle der Hunde und Wampums.Christian F. Feest: Beseelte Welten – Die Religionen der Indianer Nordamerikas. In: Kleine Bibliothek der Religionen, Bd. 9, Herder, Freiburg / Basel / Wien 1998, ISBN 3-451-23849-7. S. 148.

Wenn der Boden ausgelaugt war und das Feuerholz in der Nähe knapp wurde, veränderten die Onondaga alle zehn bis zwanzig Jahre die Ortslage ihres Dorfes (siehe auch: Wanderfeldbau). Dennoch bewohnten sie niemals mehr als zwei Dörfer. Das größere Dorf, Onondaga, galt als Hauptort der gesamten Irokesenliga und hier wurden die Ratsversammlungen abgehalten. Das zweite Dorf war wesentlich kleiner. Ein Bericht der französischen Jesuiten um 1677 sagt aus, dass sich in Onondaga über 140 Langhäuser befanden, während das kleinere, rund vier Kilometer entfernte Dorf aus nur 24 Häuser bestand. 1681 besuchte Pater Jean de Lamberville die Onondaga. Diese verlegten gerade ihren Hauptort um zehn Kilometer, in dem sie neunzehn Jahre lang gelebt hatten. Sie schafften ihre Nahrungsvorräte und sonstige Habe an den neuen Wohnort auf der Ostseite des Butternut Creeks beim heutigen Ort Jamesville.

Im Verlauf der Kriege gegen die Franzosen zogen die Onondaga zunächst in die Berge am Butternut Creek und um 1720 nach Westen an den Onondaga Creek. Im achtzehnten Jahrhundert wurden die Onondagadörfer kaum angegriffen und benötigten deshalb keinen Schutz durch Palisaden. Die Dörfer waren nicht mehr konzentriert angelegt, sondern die Ein- und Zwei-Familienhäuser zogen sich über eine längere Strecke am Fluss entlang. 1743 besuchte John Bartram den Hauptort der Onondaga und berichtete von etwa vierzig Häusern, die größtenteils von zwei Familien bewohnt waren und sich über drei bis fünf Kilometer auf beiden Seiten des Flusses ausdehnten. Nur das Rathaus war in der Art eines traditionellen Langhauses konstruiert. Es war mit Baumrinde bedeckt, rund 24 Meter lang, fünf Meter breit und hatte einen 1,8 Meter breiten Mittelgang. In etwa 1,50 Metern Höhe waren Regale an beiden Längsseiten befestigt, darunter befanden sich 30 Zentimeter hohe Bänke zum Sitzen oder Liegen. Außerdem gab es im Langhaus rund drei Meter breite Familienabteile, die sich über beide Seiten des Mittelgangs erstreckten.

In den folgenden Jahren zogen sämtliche Onondaga-Familien auf die Westseite des Flusses. 1750 berichteten die zu den Mährischen Brüdern gehörenden Frederick Cammerhoff und David Zeisberger von fünf kleinen Dörfern und einer Anzahl alleinstehender Häuser der Onondaga.

Geschichte Biberkriege miniatur|Karte von Neufrankreich um 1750. miniatur|Frontenac empfängt 1690 eine englische Delegation, die die Kapitulation Quebecs fordert. Die Politik der Irokesenliga im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert war von Intrigen bestimmt, die das Verhältnis zwischen Holländern, Engländern, sowie Franzosen und ihren indianischen Verbündeten im Westen und Norden belasten sollten. Dabei spielten die Onondaga im Verlauf der sogenannten Biberkriege eine führende Rolle. Diese Politik intensivierte sich, nachdem die Huronen 1649 vernichtend geschlagen worden waren, die bis dahin den indianischen Handel mit den Franzosen beherrscht hatten. Weitere Vernichtungsfeldzüge wurden gegen die mit den Huronen alliierten Petun und Tionontati, sowie später gegen Erie und Susquehannock geführt. Um ihre Verluste an Menschen durch Kriege und eingeschleppte europäische Krankheiten auszugleichen, wurden Mitglieder der unterlegenen Stämme adoptiert.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Band 15: Northeast. S. 492–494.

Nach dem erfolgreichen Krieg gegen die Erie waren die westlichen Irokesenstämme (Seneca, Cayuga und Onondaga) bestrebt, mit den Franzosen Frieden zu schließen. Außerdem hofften sie, die von den Mohawk ausgehandelten Bedingungen mit Fort Orange zu umgehen. Die Mohawk galten als Mittler zwischen den holländischen Händlern und den übrigen Irokesenstämmen im Westen, die eine Art Zoll entrichten mussten. 1653 reiste eine Onondaga-Delegation zu Friedensverhandlungen nach Montreal. Im darauffolgenden Jahr besuchte der Jesuiten-Pater Simon Le Moyne die Onondaga. Auf seinem Rückweg nach Montreal wurde er von den Mohawk gefangen genommen. Sie ließen ihn erst dann frei, nachdem die begleitenden Onondaga sie dazu überredet hatten. 1656 errichteten die Jesuiten am Lake Onondaga die permanente Mission Sainte Marie de Gannentaha (Lake Onondaga). Die Aversionen gegen die Franzosen nahmen zu und schon 1658 mussten die vorher gewarnten Missionare die Mission verlassen, die kurz darauf zerstört wurde.

Dennoch gab es eine pro-französische Fraktion bei den Onondaga und 1661 bekamen die Jesuiten eine Einladung, zum Onondaga Lake zurückzukehren. Infolgedessen verbrachte Pater Le Moyne den nächsten Winter bei den Onondaga. Im folgenden Jahr führten die westlichen Irokesen Krieg gegen die Susquehannock. Zudem wurden ihre Dörfer von einer Pockenepidemie heimgesucht, so dass sie die Franzosen um Hilfe bitten wollten. Doch ein irreführendes Gerücht über die Ankunft einer Armee französischer Soldaten, um die Irokesen zu vernichten, vereitelte die Kontaktaufnahme. Im Frühling 1664 waren die Onondaga noch immer in eine pro- und antifranzösische Fraktion unterteilt, schickten jedoch eine Delegation zu Friedensverhandlungen nach Montreal. Die Mission scheiterte, weil die Abgesandten unterwegs von Algonkin überfallen und getötet wurden oder in Gefangenschaft gerieten. Die Mohawk waren gegen eine Allianz mit den Franzosen und versuchten, diese zu verhindern. Nachdem Der Gouverneur von Neufrankreich, Alexandre de Prouville de Tracy, 1666 zahlreiche Mohawk-Dörfer niedergebrannt hatte, waren auch die Mohawk zum Frieden bereit. Zur gleichen Zeit errichteten die Jesuiten die neue Mission Saint Jean Baptiste bei den Onondaga. Der Friedensvertrag mit den Franzosen bedeutete jedoch nicht, dass der irokesische Handel mit den Holländern in Albany eingestellt wurde. 1669 waren die Onondaga erneut in einen verlustreichen Krieg mit den Susquehannock verwickelt. Die Jesuiten berichteten, dass nahezu sämtliche Krieger der Onondaga in diesem Krieg getötet wurden. Der Krieg gegen die Susquehannock endete 1675 und es kam bald darauf wieder zu Spannungen mit den Franzosen. Die Mohawk wollten einen größeren Konflikt vermeiden, da ein Teil ihrer Stammesangehörigen inzwischen nach Norden als Verbündete der Franzosen an den Sankt-Lorenz-Strom gezogen war. Die im Mohawk Valley gebliebenen Mohawk wollten in einem Krieg keinesfalls gegen ihre eigenen Verwandten kämpfen. Die wachsenden Spannungen, besonders zwischen den Seneca und den Franzosen, nahmen zu und die Jesuiten sahen sich veranlasst, in den frühen 1680er Jahren die meisten ihrer Missionen zu schließen. 1687 führte Jacques-René de Brisay eine französische Expedition gegen die Seneca, um deren Dörfer zu zerstören.

Der Krieg zwischen Frankreich und den Irokesen dauerte bis 1696, teilweise gleichzeitig mit dem King William’s War (1689–1697). Louis de Buade de Frontenac führte 1696 einen Feldzug gegen die Onondaga und Oneida. Als die Onondaga die Übermacht der aus Franzosen und Indianern bestehenden Armee erkannten, brannten sie ihr durch Palisaden geschütztes Hauptdorf selbst nieder und ergriffen die Flucht. Die Franzosen vervollständigten die Zerstörung, indem sie die Maisfelder außerhalb des Dorfes vernichteten. 1701 schlossen die Irokesen sowohl mit den Franzosen (Großer Friede von Montreal) als auch mit den Engländern einen Friedensvertrag, dennoch gab es bei den Onondaga nach wie vor eine etwa gleich große pro-englische und eine pro-französische Fraktion.

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