Die Internationale Geographische Union (; ), kurz IGU, ist eine internationale wissenschaftliche Organisation zur Förderung geographischer Forschung und der weltweite Dachverband für die beteiligten nationalen geographischen Gesellschaften. Sie ist Mitglied des Internationalen Wissenschaftsrats (ICSU) sowie des Internationalen Rats für Sozialwissenschaften (ISSC).

Geschichte Internationale geographische Kongresse wurden bereits seit 1871 regelmäßig abgehalten, die IGU selbst wurde 1922 in Brüssel gegründet und im folgenden Jahr Mitglied der Vorgängerorganisation des internationalen Wissenschaftsrates. Die erste Regionalkonferenz der IGU fand 1955 statt.George Kish, 1992, S. 225–226. Ab 1964 erfolgte eine enge Zusammenarbeit mit der Internationalen Kartographischen Vereinigung. Deren Bekanntmachungen erschienen im Publikationsorgan der IGU, dem IGU Bulletin, zudem wurden die wissenschaftlichen Kongresse beider Vereinigungen am gleichen Ort abgehalten.Walter Manshard, 1983, S. 247–249 Anfang der 1980er-Jahre wurde die Zusammenarbeit in diesen Aspekten wieder gelöst. Das Archiv der Organisation befand sich zunächst in London, ab 2002 in der Villa Celimontana in Rom.Newsletter vom Februar 2002, abgerufen am 3. Dezember 2011 Inzwischen ist es im Leibniz-Institut für Länderkunde in Leipzig zu finden.

Internationale geographische Kongresse 1871: Antwerpen 1875: Paris 1881: Venedig 1889: Paris 1891: Bern 1895: London 1899: Berlin 1904: Vereinigte StaatenDer Kongress tagte nacheinander in Washington, D.C., Philadelphia, New York City, Chicago und St. Louis. 1908: Genf 1913: Rom 1925: Kairo 1928: Cambridge 1931: Paris 1934: Warschau 1938: Amsterdam 1949: Lissabon 1952: Washington, D.C. 1956: Rio de Janeiro 1960: Stockholm 1964: London 1968: Neu-Delhi 1972: Montréal 1976: Moskau 1980: Tokio 1984: Paris 1988: Sydney 1992: Washington, D.C. 1996: Den Haag 2000: Seoul 2004: Glasgow 2008: Tunis 2012: Köln 2016: PekingInternational Geographical Union im Yearbook of International Organisations online, abgerufen am 3. Dezember 2011 2021: Istanbulvon 2020 verschoben aufgrund der COVID-19-Pandemie 2022: Parisanlässlich des 100. Gründungsjahrs 2024: Dublin 2028: Melbourne

Aufgabenbereiche Die selbsterklärten Zielsetzungen der IGU sind: die Untersuchung geographischer Probleme zu fördern; geographische Forschung, die internationale Kooperation erfordert, zu initiieren und koordinieren, sowie die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit derselben und ihre Veröffentlichung zu fördern; die Teilnahme von Geographen an der Arbeit wichtiger internationaler Organisationen zu gewährleisten; die Sammlung und Verbreitung geographischer Daten sowie Unterlagen innerhalb der Mitgliedsländer und zwischen ihnen zu erleichtern; internationale Geographenkongresse sowie Regionalkonferenzen und Fachsymposien, die in Verbindung mit den Zielsetzungen der IGU stehen, zu fördern; sich an jeder anderen geeigneten Form internationaler Kooperation zu beteiligen, die zur Zielsetzung hat, Erforschung und Anwendung der Geographie voranzutreiben; die internationale Vereinheitlichung oder Vereinbarkeit von Methoden, Bezeichnungen und Symbolen zu fördern, die in der Geographie verwendet werden.

Struktur Das zentrale Gremium der IGU ist die Hauptversammlung, bestehend aus den Delegierten der Mitgliederländer, die alle vier Jahre anlässlich der internationalen geographischen Kongresse zusammentrifft. Diejenigen der etwa 100 Mitgliedsländer, deren Komitees durch wissenschaftliche Gesellschaften gebildet werden, sind Vollmitglieder und haben Wahlrecht für die Ämter der IGU. Länder, in denen keine geeignete wissenschaftliche Gesellschaft besteht, können als assoziierte Mitglieder an den Hauptversammlungen teilnehmen, haben allerdings kein Stimmrecht bei administrativen Angelegenheiten.

Das Exekutivkomitee besteht aus dem Präsidenten, dem Generalsekretär und Schatzmeister, sowie neun Vizepräsidenten (acht als solche gewählte, unter ihnen der direkte Stellvertreter des Präsidenten, sowie der Präsident der vorangegangenen Legislaturperiode). Sie werden jeweils für vier Jahre gewählt, wobei der Präsident nicht wiedergewählt werden kann, der Generalsekretär sowie die Vizepräsidenten je einmal.

Einzelne Themenfelder werden in kleineren Arbeitsgruppen erarbeitet, vor allem in den Kommissionen, die jeweils konkrete Fachgebiete abdecken. Für die Koordination spezieller internationaler Projekte wie die Internationale Geographie-Olympiade gibt es zudem seit 1998 das Instrument der Task-Force.Adalberto Vallega, 2004, S. 61.

Liste der Präsidenten 1922–1924: Prinz Roland Bonaparte 1924–1928: General Nicola Vacchelli 1928–1931: General Robert Bourgeois 1931–1934: Isaiah Bowman 1934–1938: Sir Charles Close 1938–1949: Emmanuel de Martonne 1949–1952: George Cressey 1952–1956: Laurence Dudley Stamp 1956–1960: Hans Wilhelmsson Ahlmann 1960–1964: Carl Troll 1964–1968: Shiba Chatterjee 1968–1972: Stanisław Leszczycki 1972–1976: Jean Dresch 1976–1980: Michael J. Wise 1980–1984: Akin Mabogunje 1984–1988: Peter Scott 1988–1992: Roland J. Fuchs 1992–1996: Herman Verstappen 1996–2000: Bruno Messerli 2000–2004: Anne Buttimer 2004–2006: Adalberto Vallega 2006–2008: José Palacio-Prieto (kommissarisch) 2008–2012: Ron Abler 2012–2016: Wladimir Kolossow 2016–2020: Yukio Himiyama 2020–2024: Michael Meadows 2024–: Nathalie Lemarchand

Liste der Generalsekretäre 1922–1928: Sir Charles Close 1928–1931: Filippo de Filippi 1931–1938: Emmanuel de Martonne 1938–1949: Paul Michotte und Marguerite-Alice Lefèvre 1949–1956: George H. T. Kimble 1956–1968: Hans Boesch 1968–1976: Chauncy Harris 1976–1984: Walther Manshard 1984–1992: Leszek Kosiński 1992–2000: Eckart Ehlers 2000–2008: Ron Abler 2008–2010: Yu Woo-ik 2010–2018: Michael Meadows 2018–2021: Ram Babu Singh 2021–: Barbaros Gönençgil (kommissarisch)

Lauréat d'Honneur Mit einem Ehrenpreis () zeichnet die IGU Personen aus, die entweder eine Ausnahmestellung in der Fachwelt erlangt oder besondere Leistungen für die IGU oder die internationale geographische Forschung erbracht haben.

Preisträger: 1976: Chauncy Harris, Innokenti P. Gerassimow 1980: Jean Dresch, Shinzō Kiuchi 1984: Torsten Hägerstrand, Michael J. Wise 1988: Jacqueline Beaujeu-Garnier, Stanisław Leszczycki, Oskar Spate, Gilbert F. White 1992: Peter Haggett, Andrzej Samuel Kostrowicki, Akin Mabogunje, Walther Manshard 1996: Harold Brookfield, Huang Bin-Wie, Yola Verhasselt 2000: Leslie Curry, Yi-Fu Tuan, Masatoshi Yoshino 2004: Paul Claval, María Teresa Gutiérrez de MacGregor, Robert W. Kates, Mohammad Shafi, H. Jesse Walker, Alan G. Wilson 2008: Mohammad Abul-Ezz, György Enyedi, Hartwig Haubrich, Leszek Kosiński, Wladimir Kotljakow, Herman Verstappen 2012: Larry S. Bourne, Mohammad S. I. Makki, Janice J. Monk, Hiroshi Tanabe 2013: Ton Dietz 2016: Ian Burton, María Dolors García Ramón, Benno Werlen 2018: Ron Abler, Richard Le Heron, Robyn Longhurst, Atsuyuki Okabe 2020: Joos Droogleever-Fortuijn, Yoshitaka Ishikawa 2021: Eckart Ehlers, Helen Kerfoot 2022: Kathryn Berg, Alan A. Lew, Yūji Murayama, Qin Dahe 2024: Shigeko Haruyama, Iain Hay, Aharon Kellerman 2026: Richard D. Knowles, Mei-Po Kwan, Jun Matsumoto

Einzelnachweise

Anmerkungen

Literatur

Weblinks Offizielle Website (englisch, französisch) Webseite des 32. Internationalen Geographenkongresses 2012 in Köln (deutsch, englisch, französisch) Home of Geography – Villa Celimontana (englisch, französisch) IGU Nationalkomitee Deutschland auf der Webseite des Verbands der Geographen an Deutschen Hochschulen Webseite des Schweizerischen Landeskomitees der IGU (deutsch, englisch, französisch)

Kategorie:Wissenschaftliche Organisation (Geographie) Kategorie:Dachverband Kategorie:Verbandsgründung 1922 Kategorie:Internationale Organisation (Brüssel)