German Cycling – Bund Deutscher Radfahrer e. V. (BDR) ist der Verband für Radsportler im Deutschen Olympischen Sportbund. Er hat seinen Sitz in Frankfurt am Main und ist in 17 Landesverbände unterteilt. Die rund 2.300 angeschlossenen Vereine haben zusammen über 150.000 Mitglieder. Der BDR ist Mitglied des Weltradsportverbandes Union Cycliste Internationale (UCI) und des europäischen Verbandes Union Européenne de Cyclisme (UEC).

Aufgaben Der BDR regelt die Aktivitäten von organisierten Leistungs- und Breitensportlern. Dazu gehören die Veranstaltung von Trainingslagern, Wettkämpfen sowie die Ausbildung von Trainern und die Jugendarbeit. Für die Teilnahme an Renn- und Breitensportveranstaltungen vergibt der BDR über seine Landesverbände Startberechtigungen in Form von Lizenzen und Wertungskarten. Hierbei achtet der BDR sehr auf die Anerkennung als allein vertretender Fachverband aller Radfahrer. Deshalb gestaltet sich die Abstimmung und Kooperation im Sportbetrieb mit anderen Radfahrer-Verbänden nicht immer einfach, zum Beispiel im Bereich Kunstrad mit dem RKB Solidarität oder im Bereich Einrad mit dem Einradverband Deutschland und dem RKB Solidarität.

Im Rahmen der Lobbyarbeit des Verbandes setzt der BDR sich auch für die Belange von Radsportlern und Hobby-Radfahrern im Straßenverkehr ein, engagiert sich aber nicht in dem Maße im Straßenverkehr wie beispielsweise der ADFC. So hat der BDR zum Beispiel die Petition gegen die Radwegbenutzungspflicht nicht mitunterzeichnet und auch keine Stellungnahme dazu veröffentlicht.

Disziplinen Im Bereich Leistungssport / Wettkampf gibt es: Straßenradsport, Bahnradsport, Querfeldeinrennen, Kunstradfahren, Radball, Radpolo, BMX, Mountainbike, Fahrrad-Trial und Einrad.

Im Bereich des Breiten- und Freizeitsport: Radwanderungen, Radtourenfahren und Country-Tourenfahrten.

Internationale Veranstaltungen Bis 1999 veranstaltete der Bund Deutscher Radfahrer 38 UCI-Weltmeisterschaften in verschiedenen Radsportdisziplinen. 2003 organisierte der BDR Bahn-Weltmeisterschaften in Stuttgart und sprang damit kurzfristig für das chinesische Shenzhen ein. Die dort geplanten Weltmeisterschaften wurden wegen der SARS-Epidemie in Südostasien abgesagt.

Im Februar 2014 bewarb sich der BDR mit einem „Drei-Stufen-Plan“ um die UCI-Bahn-Weltmeisterschaften 2019 oder 2020. 2020 wurden die Weltmeisterschaften im Velodrom in Berlin ausgetragen. 2017 fanden in Berlin Bahn-Europameisterschaften und ein Lauf des Bahnrad-Weltcups 2018/19 statt. Für Februar 2027 ist eine weitere Austragung von Europameisterschaften im Berliner Velodrom geplant, die von German Cycling organisiert werden sollen.

Anti-Doping

Der BDR steht seit Jahrzehnten bedingt durch die Dopingvorfälle im Berufsradsport wie kein anderer Sportfachverband im Kampf gegen Doping unter spezieller Beobachtung in der Öffentlichkeit. Besonders die Präsidentin Sylvia Schenk und ihr Nachfolger Rudolf Scharping bemühten sich um mehr Glaubwürdigkeit im Anti-Dopingkampf. Die vom BDR einberufene unabhängige Antidopingkommission, der unter anderem auch der Schwimmolympiasieger Michael Groß angehörte, stellte am 10. September 2007 ihre Arbeit bereits nach wenigen Monaten wegen fehlender Konzepte wieder ein.

Geschichte Die Anfänge mini|Offizielle Postkarte des XIX. Bundestages des Deutschen Radfahrer-Bundes in Cassel, 18.–22. Juli 1902 mini|BDR-Präsident Heinrich Stevens, hier mit dem Radrennfahrer Peter Günther, holte 1927 die Weltmeisterschaften nach Deutschland

Im Jahr 1881 versammelten sich in Frankfurt am Main erstmals deutsche Radfahrer-Vereine mit dem Ziel, einen Verband zu gründen. Am 1. August desselben Jahres erschien die erste deutsche Radsportzeitschrift Das Velociped, die von dem Engländer T. H. S. Walker herausgegeben wurde. Nach der Gründung des Deutschen Radfahrer-Bundes (DRB) wurde die Zeitschrift unter dem Titel Der Radfahrer dessen offizielles Organ.Rüdiger Rabenstein: T. H. S. Walker – English cycling pioneer in Germany. In: Robert van der Plas (Hrsg.): Cycle History. Proceedings of the 5th International Cycle History Conference, Cambridge, England, September 2–4, 1994. Bicycle Books, San Francisco CA 1995, ISBN 0-933201-72-9, S. 155–160, hier S. 156. Der Verband wurde schließlich am 17. August 1884 in Leipzig als Vereinigung des Deutschen, des Deutsch-Österreichischen und des Norddeutschen Velocipedisten-Bundes gegründet, der zu diesem Zeitpunkt 2537 Mitglieder hatte.Schoppe/Ruttkus, Tritt um Tritt, S. 64.

Im Jahr darauf spalteten sich jedoch wieder einige Verbände aus Unzufriedenheit ab und schlossen sich zum Allgemeinen Deutschen Radfahrer-Verband (ADRV) zusammen mit dem Verbandsorgan Der deutsche Radfahrer. 1886 folgte die Gründung der Allgemeinen Radfahrer-Union (ARU), die vor allem das Radwandern pflegen wollte. Während in DRB und ADRV nur Vereine Mitglied waren, bestand die ARU nur aus persönlichen Mitgliedern. Ab 1888 gab der DRB eine eigene Zeitschrift, die Bundeszeitung heraus, die jedes Mitglied kostenlos erhielt. 1891 wurde zudem der Sächsische Radfahrer-Bund gegründet, der sich als Landesverband neben den drei großen Verbänden hielt, bis zur Gleichschaltung im Jahr 1933. Bis dahin organisierten sich außerdem ab 1924 weitere regionale Radfahrerbünde in der Vereinigung Deutscher Radsport-Verbände (VDRV).Schoppe/Ruttkus, Tritt um Tritt, S. 64–65.

Im Jahr 1894 hatte der DRB rund 22.000 Mitglieder und trat der International Cyclists Association bei, der Vorläuferin der Union Cycliste Internationale (UCI), die 1900 gegründet wurde. Der Verband vertrat nur Amateurfahrer und lehnte den Profisport ab. Zudem durften die Mitglieder des DRB nicht an Rennen teilnehmen, bei denen auch Profis fuhren. Es folgten jahrzehntelange Konflikte um Amateur- und Profistatus zwischen verschiedenen Verbänden, der mächtigste war schließlich der Verband Deutsche Radrennbahnen (VDR), dem sich der DRB 1908 anschloss. 1895 fanden in Deutschland erstmals Weltmeisterschaften statt.

1910 kam es wegen einer vermeintlichen Fehlentscheidung bei den Bahnweltmeisterschaften gegen den deutschen Fahrer Henry Mayer zu einem Zerwürfnis des VDR/DRB mit der UCI, so dass deutscher Fahrer zwei Jahre nicht an UCI-Weltmeisterschaften teilnahmen und die Deutsche eigene Weltmeisterschaften veranstalteten. 1913 kam es zu einer Einigung. 1911 wurde erstmals mit der Rundfahrt Quer durch Deutschland eine große Landesrundfahrt in Deutschland ausgetragen.Schoppe/Ruttkus, Tritt um Tritt, S. 66–67.

Bis 1933 1919 vereinigten sich DRB und ARU zum Bund Deutscher Radfahrer; im selben Jahr wurde die Deutsche Radfahrer-Union gegründet von Radfahrern, die mit der Politik des BDR nicht einverstanden waren. 1923 wurde der Verband, der rund 100.000 Mitglieder hatte, nach dem Ausschluss infolge des Ersten Weltkriegs wieder in die UCI aufgenommen. 1926 endeten jahrelange Streitigkeiten zwischen dem BDR, dem Verband der Berufsfahrer und dem VDR damit, dass die beiden Verbände dem BDR beitraten und dieser nun auch die Oberhoheit über den Berufsradsport erhielt.Schoppe/Ruttkus, Tritt um Tritt, S. 68–70. 1927 fanden in Deutschland die Straßenweltmeisterschaften auf dem Nürburgring und die Bahnweltmeisterschaften in Köln und Elberfeld statt, auf Betreiben des BDR-Präsidenten Heinrich Stevens aus Köln, der auch Vizepräsident der UCI war.

1923 wurde im Kurpark von Bad Schmiedeberg das Bundesradfahrerdenkmal enthüllt, eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

1933 bis 1945 mini|hochkant|Von 1938 bis 1945 leitete „Reichsradsportführer“ Viktor Brack den Verband. Er wurde 1948 als Kriegsverbrecher hingerichtet

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde der BDR am 13. April 1933 unter Führung von Ferry Ohrtmann gleichgeschaltet, noch bevor es die entsprechenden Verordnungen gab. Insgesamt 35 Verbände wurden aufgelöst. Seine Funktionen übernahm der neu gegründete Deutsche Radfahrer-Verband (DRV) und ab 1938 das Fachamt 15 des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. Weitere Radfahrerbünde wurden verboten und Führungspositionen gemäß Arierparagraph besetzt. Das bisherige Verbandsorgan Bundeszeitung wurde in Der Deutsche Radfahrer umbenannt. Der bisheriger Chefredakteur der Zeitschrift Illustrierter Radrenn-Sport, Organisator und Veranstalter Erich Kroner, der jüdischer Abkunft war, wurde im KZ Sachsenhausen inhaftiert, nach seiner Entlassung starb er. Sein Nachfolger wurde Fredy Budzinski, der aber wegen seiner jüdischen Ehefrau den Posten auch bald wieder räumen musste, nachdem der Illus mit dem Verbandsorgan Der Deutsche Radfahrer fusioniert worden war. Auf Fürsprache von Carl Diem konnte Budzinski von 1938 bis 1944 (Erscheinen eingestellt) wieder für die Verbandszeitung arbeiten, aber es durften keine Artikel unter seinem Namen erscheinen.Renate Franz: Fredy Budzinski. Sportverlag Strauß, Köln 2007. S. 65. ISBN 978-3-939390-43-5.

Am 1. Januar 1934 erließ der DRV neue Wettkampfrichtlinien für Sechstagerennen: Die Fahrergagen wurden vereinheitlicht, es durfte nicht mehr rund um die Uhr gefahren werden, und Trikotwerbung war untersagt. Auch durfte der „Sportpalastwalzer“ nicht mehr gespielt werden, da sein Komponist Siegfried Translateur Jude war. Der neue Modus traf weder bei Fahrern noch bei Zuschauern auf Zustimmung, so dass 1934 die letzten beiden Sechstagerennen vor dem Krieg in Deutschland ausgetragen wurden.Renate Franz: Das abrupte Ende der Sechstagerennen in Deutschland. In: Ruttkus, Schoppe: Rundenkreisel & Berliner Luft. Auf den Spuren des Berliner Sechstagerennens. S. 146 ff.

Vom 1. April 1938 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fungierte der SS-Oberführer Viktor Brack als Reichsfachamtsleiter und leitete nun den BDR.Bund Deutscher Radfahrer sowie Berno Bahro: „SS-Sport. Organisation, Funktion, Bedeutung“. Ferdinand Schöningh, Paderborn u. a. 2013, S. 151. In dieser Funktion ließ Brack falsche Meldungen über den Tod des Radrennfahrers Albert Richter verbreiten; ob er indes persönlich, wie vermutet, die Tötung Richters befohlen hat, kann nicht belegt werden.Renate Franz: Der vergessene Weltmeister, Köln 1998, S. 128 ff. Als einer der maßgeblichen Organisatoren der NS-Krankenmorde, der sogenannten „Aktion T4“, und von medizinischen Experimenten in Konzentrationslagern wurde er im Nürnberger Ärzteprozess 1947 zum Tode verurteilt und 1948 hingerichtet.Renate Franz: Fredy Budzinski. Sportverlag Strauß, Köln 2007. S. 67. ISBN 978-3-939390-43-5.

Nach dem Anschluss Österreichs wurde der Österreichische Radfahrer-Bund als Gau XVII Ostmark in den DRV eingegliedert. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden Straßenrennen stark reduziert und vorwiegend Kriterien und Bahnrennen ausgetragen. Internationale Profirennen fanden zuletzt 1942 statt.Schoppe/Ruttkus, Tritt um Tritt, S. 72.

1945 bis 1989 Mit Gesetz Nr. 5 der amerikanischen Militärregierung vom 31. Mai 1945 wurde die NSDAP mit allen ihren Einrichtungen und Organisationen aufgelöst, und damit auch der Deutsche Radfahrer-Verband. Am 21. November 1948 erfolgte die Wiederbegründung des BDR in Frankfurt am Main. Der BDR führte den Untertitel „Vereinigung der deutschen Radsportverbände und Organisationen“. Gleichzeitig beschlossen die Delegierten aus allen vier Besatzungszonen die Auflösung der bisherigen Interessengemeinschaft Radsport (IG Radsport). Der BDR vertrat ab 1969 nur Amateursportler, die Profis hatten wiederum einen eigenen Verband. Anfang März 1950 wurde der BDR nach einem Beschluss der UCI-Delegierten mit 49 Ja-Stimmen gegen 14 Nein-Stimmen wieder in die UCI aufgenommen.