mini|Ebertplatz Richtung Hansaring (2011)

mini|Ebertplatz von oben (2020)

Der Ebertplatz in der Kölner Neustadt-Nord verbindet als größter Platz der innerstädtischen Ringstraßen den Hansaring mit dem letzten der insgesamt zehn Ringabschnitte, dem Theodor-Heuss-Ring.

Geschichte Gründerzeit mini|Arnold Mercator – Kölner Stadtansicht von 1570: Östlicher Teil der Eigelsteintorburg in Höhe Kahlenhausen mini|Vorgelände der nördlichen Stadtbefestigung zum Ende des 18. Jahrhunderts (Tuschzeichnung von Joseph Michael Laporterie, 1795) Arnold Mercators Kölner Stadtansicht von 1570 zufolge war die gesamte Gegend um die Neusser Straße, auch ihr östlicher Teil, bis in Höhe des Kunibertsturms Acker- und Weidefläche. Das baulich noch unerschlossene Areal zwischen Ebertplatz und Rhein lag außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer und durfte lange Zeit nicht bebaut werden. Eine Tuschzeichnung von Joseph Michael Laporterie aus dem Jahre 1795 zeigt ebenfalls noch die landwirtschaftlich genutzte Gegend.

Bereits 1786 gab es Pläne zur Anlage eines Sicherheitshafens an der heutigen Stelle zwischen Ebertplatz und Bastei. Doch die Anlage wurde erst während der Franzosenzeit am 24. November 1810 für 750000 Francs beschlossen, am 2. April 1811 begann an dieser Stelle der Bau eines knapp 500 Meter langen und 50 Meter breiten Winter- und Sicherheitshafens („Napoleonhafen“ oder „Thürmchenshafen“) gegen Eisgang und Hochwasser,Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 117 für den am 10. November 1812 der erste Stein in der Rheinmündung gelegt wurde; im Winter 1813 öffnete er seine Tore. Das Hafenbecken war etwa 500 Meter lang und 50 Meter breit. Aufgrund verschiedener Fehlplanungen schloss Stadtbaumeister Johann Peter Weyer den Bau 1829 nur provisorisch ab.Mario Kramp: „Der ganze Bau stand von vornherein unter einem Unglücksstern.“ Der Sicherheitshafen: Köln und seine Großbaustelle 1788–1896. In: Geschichte in Köln, Nr. 64 (2017), S. 71–97. Nach 1840 versandete der Hafen zunehmend und verbleibt als ungenutzte Wasserfläche; noch 1888 ist er in einem Greven-Stadtplan als „Hafen“ eingezeichnet. Schließlich wurde er 1890 zugeschüttet.Walther Zimmermann: Die Kunstdenkmäler des Rheinlands. Band 23, 1978, S. 33

mini|Übersichtsplan zur Kölner Stadterweiterung von Stadtbaumeister Josef Stübben im Jahr 1883. (Ausschnitt Nordstadtbereich) Erst als am 5. Mai 1881 der Kaufvertrag zwischen der Stadt Köln und dem preußischen Kriegsministerium (Militärfiskus) durch Bestätigung des Reichskanzlers Otto von Bismarck rechtswirksam wurde, konnte die Stadt Köln das Areal um den – noch nicht vorhandenen – Ebertplatz für 11,74 Millionen Mark erwerben. Sie ließ diesen inneren Befestigungsring abreißen, so dass die 104 Hektar große Freifläche in Anlehnung an die Pariser Grands Boulevards und die Wiener Ringstraße als Prachtboulevard angelegt werden konnte.Hans-Joachim Völse: Köln, 2008, S. 18

Stadtbaumeister Josef Stübben plante auf der Freifläche der ehemaligen Stadtmaueranlage einen halbkreisförmigen Ringboulevard, der vom heutigen Ubierring im Süden bis zum Rhein im Norden führen sollte. Nur wenige der Torburgen blieben von der Niederlegung („Entfestigung“) verschont, so auch die Eigelsteintorburg. Von ihr führte nach Norden die Neusser Straße, die nach Stübbens Plänen die neue Ringstraße kreuzen sollte. Die am 23. Dezember 1886 nach Heinrich Sudermann, einem Syndikus der Kölner Hansezeit, benannte Sudermannstraße mündete ebenfalls hier; sie erfuhr 1906 eine Umbenennung in Sudermanstraße, um eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Dichter auszuschließen.

Die Stadtplaner sahen keine einfache Straßenkreuzung vor, da hier mehrere Straßen zusammenliefen, sondern einen geräumigen Platz. Der heutige Ebertplatz entstand als südlicher Teilbereich einer breit angelegten, mit Parkanlagen ausgestatteten Allee, die in der Stadtverordnetenversammlung im September 1885 mit dem Fluchtlinienplan 30 (städtische Plankammer, neue Nummer 183) festgesetzt worden war.

Dieser erhielt am 27. Januar 1887 den Namen Deutscher Platz als zentraler Ort des am selben Tag benannten Deutschen Rings. Die Ringstraße „beginne mit dem Ubierring und endige mit dem neu entstandenen deutschen Reiche.“ Stübben plante hier die Anlage eines Parks mit Springbrunnenbassin im westlichen Teil und Weiher. Adolf Kowallek schuf im Rahmen der Anlegung der Kölner Ringe ab 1888 eine großzügige Gartenanlage vom Rhein bis zum Deutschen Platz, der zwischen Neusser Straße und Riehler Straße um 1891 durch einen großen Teich mit drei Brunnen auf einer Fläche von 6,2 Hektar geziert wurde.

Die Stadtverordnetenversammlungen vom 20. März 1890, 9. Mai 1895 und 13. Februar 1896 legten sodann den Fluchtlinienplan vom Ebertplatz zum heutigen Konrad-Adenauer-Ufer fest. Fritz Encke ergänzte diese Anlage ab 1918. Dieser nördliche Abschnitt der Kölner Ringe wurde erst nach 1888 mit Wohn- und Geschäftshäusern bebaut, das letzte Haus an der heutigen Ecke Ebertplatz 1 / Sudermanstraße war erst im Jahr 1900 fertig. Viele der hier stehenden repräsentativen Jugendstilhäuser wiesen kuppelgekrönte Ecktürme auf. Am 1. Oktober 1903 fand die Enthüllung eines von Peter Breuer geschaffenen Denkmals für Kaiser Friedrich III. auf dem Deutschen Ring in Höhe Kaiser-Friedrich-Ufer (heute Konrad-Adenauer-Ufer) statt.Iris Brenner: Kölner Denkmäler 1871–1918. 2003, S. 312

Gelände, Planungen und Umsetzung Der Platz entstand am Ende des 19. Jahrhunderts nach den Entwürfen der Architekten und Stadtplaner Joseph Stübben und Karl Henrici, die aus dem von der Stadt Köln ausgeschriebenen Wettbewerb zur Stadterweiterung als Gewinner hervorgingen.

Nach langwierigen Verhandlungen, verbunden mit dem Ausräumen bürokratischer Hindernisse sowie der Aufstellung der Bebauungspläne, konnte mit den Arbeiten zur Entstehung der Neustadt begonnen werden. Hierbei war der geplante Neustadtgürtel, der alte Festungsrayon, in drei Abschnitte eingeteilt worden. Für den hier relevanten nördlichen Abschnitt, der zwischen Gereonstor und Rheinufer am Türmchen lag, wurde das Terrain im Juni 1885 freigegeben. Einsprüche aus der Direktion der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft, deren Trasse im Norden der Stadt das Gelände durchquerte, führten zu wiederholten Verzögerungen.Ab dem Güterbahnhof Gereon - dem heutigen Mediaparkgelände - verlief die Bahntrasse am äußeren Rand der neuen Umwallung nach Süden Die Arbeiten am projektierten Deutschen Ring erfuhren Einschränkungen wegen der noch nicht erteilten Baugenehmigung des neuen Rheinauhafens, so dass der sich parallel zum Türmchenswall erstreckende, 1824 endgültig fertiggestellte Sicherheitshafen, erst nach verbindlicher Beschlussfassung in dieser Sache zugeschüttet werden durfte.Hiltrud Kier: Die Kölner Neustadt: Planung, Entstehung, Nutzung. Schwann, Düsseldorf 1978, S. 32 f. und 88

Entstehen und Ausbau der Infrastruktur Verkehrswege, Benennung und Veränderungen Für den in den Deutschen Ring mündenden Hansaring war eine Breite von 40,50 Meter beschlossen worden. Er erhielt zur Entlastung des erwarteten starken Verkehrsaufkommens als Parallelstraße die Maybachstraße (festgestellt 1884 und benannt 1890, bebaut 1897/99) entlang des neuen Güterbahnhofes Gereon. Benannt wurde die Straße nach Albert von Maybach.Hiltrud Kier: Die Kölner Neustadt: Planung, Entstehung, Nutzung. Schwann, Düsseldorf 1978, Abschnitt: Die stadtplanerische Ausführung, S. 66 Für den Hansaring hatte Stübben drei Baumreihen vorgeschlagen, die als Reiter- und Fußgängerallee dienen sollten. Am Ende des Hansaringes mündete als erste der dann folgenden Straßen die Sudermanstraße auf dem Deutschen Ring. Sie wurde als Alleestraße im September 1885 festgesetzt. Im Zusammenhang mit der Hanse standen auch die Benennungen angrenzender Straßen, so die Lübecker und Bremer Straße, Hansaring und Hansaplatz.

Der heutige Ebertplatz – damals noch ohne eigenen Namen – bildete den Anfang des Deutschen Rings, des heutigen Theodor-Heuss-Rings. Die von ihm aus in die Vororte führenden Radialstraßen Neusser Straße und Riehler Straße waren in ihrer Richtung durch die Lage der Tore des vorgeschobenen Festungsgürtels, hier das Neusser Tor und Riehler Tor, festgelegt. Die Neusser Straße, als Fortführung der altstädtischen Straße Eigelstein lag im nun aufgegebenen „alten Rayon“ und musste erschlossen und bebaut werden. Die Alleestraße wurde im Mai 1883 benannt und letztmals im Juni 1888 festgestellt;Fluchtlinienplan 33a Nr. 183 die Bebauung begann zwischen 1890 und 1895. Die Riehler Straße (ehemals die Ausfallstraße Mülheimer Weg) wurde in der Stadtverordnetenversammlung vom 10. Mai 1883 umbenannt und war als zum 1860 gegründeten Kölner Zoo führende Verbindungsstraße, als prächtige, 30 Meter breite Avenue vorgesehen. Sie wurde an ihrem Anfang und nur vereinzelt in ihrem nördlichen Bereich zwischen 1890 und 1906 im Wesentlichen bebaut, wobei einzelne Bauwerke noch bis 1925 folgten.

Die Eigelsteintorburg wurde über die Verbindungsachse der altstadtwärts gelegenen Straße „Eigelstein“ in die Platzgestaltung einbezogen.Werner Jung: Das neuzeitliche Köln: 1794–1914; von der Franzosenzeit bis zum Ersten Weltkrieg. Bachem, Köln 2004, ISBN 3-7616-1590-6, S. 270 Die alte Straßenbezeichnung Eigelstein wurde stadteinwärts beibehalten. Dies beschloss die Stadtverordnetenversammlung vom September 1885 mit dem Fluchtlinienplan Nummer 30. Schon im Mai 1882 war beschlossen worden, weitergeführten Altstadtstraßen ihren alten Namen zu belassen. Der Neustadtteil wurde zu einer kurzen Alleestraße und ab 1890 bebaut.

Die Beibehaltung ihres Namens hätte demnach auch für die dann folgende, in den Deutschen Ring einmündende Theresienstraße gelten müssen. Sie wurde jedoch nach städtischer Beschlussfassung im März 1893 umbenannt, nachdem eine Verbindung mit der Domstraße hergestellt worden war. In deren Neustadtbereich fand die Bebauung um 1894/95 statt.Hiltrud Klier: Die Kölner Neustadt: Planung, Entstehung, Nutzung. Schwann, Düsseldorf 1978, Abschnitt: Alphabetisches Verzeichnis der Straßen, Plätze und Parkanlagen, S. 123 ff.

In der Folgezeit wechselte der Platz – je nach politischer Situation – mehrfach seinen Namen; ab 18. Juli 1922 hieß er Platz der Republik. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte dem Platz sofort nach der Machtübernahme der NSDAP die Umbenennung in Adolf Hitler-Platz. Dies war auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 30. März 1933 zurückzuführen, die unter Tagesordnungspunkt 3 insgesamt 7 Umbenennungen vornahm.Marion Werner: Vom Adolf-Hitler-Platz zum Ebertplatz. 2008, S. 17 Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er im April 1945 ebenso schnell in Deutscher Platz umbenannt. Im März 1950 erhielt der Platz seinen heutigen Namen Ebertplatz nach dem ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert.Hiltrud Kier: Die Kölner Neustadt: Planung, Entstehung, Nutzung. Schwann, Düsseldorf 1978, S. 134

Eisenbahnanschlüsse mini|Detail des Fluchtlinienplanes 33 von 1888. Er zeigt das Gelände des geplanten „Fächerbahnhofs“, oberhalb des Deutschen Ringes Mit dem Fortgang der Industrialisierung dienten entstehende Eisenbahnstrecken auch als eine neue Form von Handelswegen, die Personen und Güter schnell an ihr Ziel brachten. Den Absatzmarkt der bevölkerungsstarken Region und Stadt Köln verband schon 1853 eine solche Strecke mit der Stadt Krefeld, deren Gewerbebetriebe sich spezialisiert hatten und in der Herstellung feiner Textilien den Markt dominierten. Die vorerst zwischen diesen Städten verkehrende Linie der Cöln-Crefelder Eisenbahn-Gesellschaft hatte ihre Endstation im Norden der Stadt, am dortigen Rheinufer kurz vor dem späteren Deutschen Ring und wurde zunächst Am Thürmchen genannt. Nach der Übernahme des Unternehmens durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft im Jahr 1860 erhielt der neue, wenige Meter entfernt gelegene Bahnhof, den Namen Rheinstation.