mini|hochkant=1.3|Amerikanisch Opossum, Besatzfelle mini|Strickjacke mit Besatz aus Amerikanisch Opossum (Stuttgart, 2012)
Das Amerikanische Opossumfell war in Zeiten der Langhaarpelzmode das für Pelzzwecke meistgenutzte Beuteltier und ein Hauptartikel der Pelzbranche, es ist in großer Anzahl vorhanden und lässt sich gut in Nachahmungen wertvollerer Fellarten veredeln.
In der Rauchwaren- beziehungsweise Pelzbranche werden weitere Fellarten aus der Familie der Beuteltiere als Opossum gehandelt: das Fell des australischen Fuchskusus beziehungsweise Possums, je nach Herkunft und Farbe als Australisches, Tasmanisches und Neuseeländisches Opossum (Possum). Umgekehrt wird im allgemeinen Sprachgebrauch in seiner Heimat das Amerikanische Opossum auch als Possum bezeichnet.
Vom Amerikanischen Opossum kommen zwei Arten für die Pelzverarbeitung infrage: das nordamerikanische Opossum (USA, vom Süden Kanadas bis zu den Staaten des Ostens und der Mitte; Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesetzt in Kalifornien, Oregon und Washington; dann verbreitet bis zur Pazifikküste Kaliforniens bis zum Gebirgsrand und der kanadischen Grenze im Norden. Außerdem bewohnt es Mittelamerika bis Costa Rica). das südamerikanische Opossum (von Mexiko bis zum Rio Negro in Argentinien).
Weitere Namen des Fells des Nordopossums waren „Virginisches Opossum“ und „Russian Marten“, des Fells des Südopossums „Paraguayisches Opossum“ und „Casaca“.
Geschichte In einer Übersetzung aus dem Jahr 1581 wird die Fellnutzung des Opossums durch die amerikanischen Ureinwohner erwähnt: „in den Neuwen-Landen ... und dieweil dass dort nit sehr warm ist, so bekleiten sie sich mit Beltzwerk von einem Thier, welches sie Su nennen. So es von den Jegern gejagt, nimpt es seine jungen auff seinen rucken, deckt sie mit einem langen schwantz, fleucht also davon.“Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelzen und Pelztieren. S. 46–47. Primärquelle ein von Forer 1581 verdeutschter Text.
Der englische Forscher und Siedler Captain John Smith (* 1580; † 1631) soll der erste gewesen sein, der Felle nach England schickte. Auf ihn soll auch die Schreibweise Opossum zurückgehen, nach dem indianischen Namen „apasum“.Max Bachrach: Selling Furs Successfully. Prentice Hall, New York 1938; S. 64 (engl.). In den internationalen Pelzhandel hat das Fell trotzdem relativ spät wesentlichen Einzug gehalten, beispielsweise wird es in den Einfuhrlisten der Hudson’s Bay Company vor 1848 nicht erwähnt. Dann setzte es sich jedoch schnell durch, vor dem Ersten Weltkrieg betrug der jährliche Anfall für die Pelzwirtschaft rund eine Million Felle.
In den 1920er und 1930er Jahren trugen amerikanische Collegestudenten Kurzmäntel aus Waschbär (raccoon-coat-collegiate fashion) und aus Amerikanisch Opossum als Statussymbol.Anna Municchi: Ladies in Furs 1900-1940. Zanfi Editori, Modena 1992, S. 53–57 (engl.) ISBN 88-85168-86-8 Als Automobilistenmantel und als Gehpelzbesatz machte Opossum in der Herrenkleidung schon zuvor dem Waschbären Konkurrenz. In dieser Zeit war Opossum als Besatz auf Textilbekleidung stark in Mode, oft gefärbt. Ursprünglich nur naturfarben, braun oder schwarz gefärbt erwies es sich in der Strichbleichtechnik als ideale Grundlage für Imitationen von Steinmarder, Baummarder, Zobel und Rotfuchs. Durch entsprechende Vorbehandlung, Abdeckung der Haarspitzen mit einer Wachs-Paraffin-Kombination, und Grotzierung (Verstärkung der Farbe der Fellmitte) wurden sie dem Silberfuchsfell täuschend ähnlich. In Europa waren besonders Imitationen des Skunksfells gefragt. Die nur gebleichten, gelbrötlich schimmernden Felle nannte man Sonnenbrandopossum, eine Mode, die allerdings „kaum über eine Saison“ anhielt.Anton Ginzel: Amerikanisch Opossum – ein Blick in die Vergangenheit. In: Pelz-International, Heft 9, Rhenania-Fachverlag, Koblenz September 1986, S. 16Alexander Tuma jun: Die Praxis des Kürschners. Verlag von Julius Springer, Wien 1928, S. 171. Geschoren dienten die Felle auch einmal als Biberimitation, sie waren, wie auch die braun gefärbten, geschorenen Kaninfelle, unter dem Namen „Biberette“ im Handel.Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900-1940, Versuch einer Geschichte. Berlin 1941 Band 4. Durchschrift des Originalmanuskripts, S. 398–399 (→ Inhaltsverzeichnis). Als „Marder-Opossum“ wurden Felle mit überwiegend kurzen, weichen und schwarzen Grannen bezeichnet (nicht zu verwechseln mit „marderfarbig gefärbten Opossum“).Friedrich Lorenz: Rauchwarenkunde, 4. Auflage. Verlag Volk und Wissen, Berlin 1958, S. 31.
Die Zucht von Opossums wird gelegentlich erwähnt, speziell auch als Versuchstier, scheint aber für Pelzzwecke keine wesentliche Rolle gespielt zu haben. Der hohen Vermehrungsrate bei einem entsprechend hohen Fellpreis stehen jedoch höhere Ernährungskosten der Allesfresser entgegen im Vergleich beispielsweise zum Hauskaninchen.
Merkmale Nordopossum Südopossum Gemeinsamkeiten Beide Arten sind gelblich-weiß in heller bis dunkler Schattierung gefärbt, gelegentlich marderfarbig mit weißem Grund (südamerikanische Arten sind teils dunkler bis fast schwarz). Der Scheitel ist dunkel, die Fellseiten sind gelbbraun bis gelblichweiß, die Kehle gelblichweiß. Die Füße sind schwarz; der Schwanz ist nur an der Wurzel etwas behaart. Unterschiede Kopf fast einfarbig hell, weißlich bis gelblich gefärbt. Das helle, weiß bis gelbe Schwanzende umfasst immer mehr als die Hälfte der gesamten Schwanzlänge. Schwärzlicher bis bräunlicher Streifen von der Nase bis über das Auge bis zum Ohr; Stirn und Scheitel zwischen den Ohren sind dunkel. Das weiße Schwanzende umfasst weniger als die Hälfte der gesamten Schwanzlänge. Größen Körper ca. 25 Zentimeter, Schwanz ca. 33 Zentimeter. Körper ca. 40 Zentimeter, Schwanz ca. 30 Zentimeter.
Das sehr lange Haar ist seidig bis fein, grob bis hart. Im Gegensatz zu dem dichten, weichen und wolligen Haar des australischen Possums ist es wenig dicht (schütter); die Unterwolle schimmert oft weißlich vor. Das Oberhaar ist 4 bis 5 Zentimeter lang, die Unterwolle 2 bis 3 Zentimeter. Die meisten Haare sind im untersten Bereich weiß und im Spitzenbereich schwarz, die Leithaare, insbesondere bei Fellen älterer Tiere, durchgehend weiß.Paul Schöps. u. a.: Das Opossum. In: Das Pelzgewerbe Nr. 5, 1966, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 207–214. Das Oberhaar weist eine Besonderheit auf. Bereits beim lebenden Tier neigen die Haarspitzen der Grannen dazu, sich in einer Länge von etwa 2 bis 5 Millimeter gabelartig zu spalten.Max Bachrach: Fur. A Practical Treatise. Verlag Prentice-Hall, Inc., New York 1949 (6. Auflage). S. 429 (englisch).
Die deutsche Pelzfachliteratur ist sich mit der Aussage des wichtigsten Rauchwarenfachbuchs recht einig, „das Fell ist nicht sehr dauerhaft, die Haare brechen leicht“. Der Haltbarkeitskoeffizient für Amerikanisches Opossumfell wird mit 30 bis 40 Prozent angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch Pelzzurichtung und Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden. Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps; H. Brauckhoff, Stuttgart; K. Häse, Leipzig, Richard König, Frankfurt/Main; W. Straube-Daiber, Stuttgart: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle. In: Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58. Ein amerikanisches Fachbuch, immerhin aus der Heimat des Opossums, kommt jedoch zu einer wesentlich anderen Einschätzung. Es nennt mit 70 bis 80 Prozent, verglichen mit der haltbarsten Fellart, eine bessere, ja gute Strapazierfähigkeit.David G. Kaplan: World of Furs. Fairchield Publications. Inc., New York 1974, S. 184–185 (englisch). Bei einer Einteilung der Pelzarten in die Haar-Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Haar des Amerikanischen Opossums als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40 (Anmerkung: fein (teils seidig); mittelfein (teils fein); gröber (mittelfein bis grob)).
Handel Herkommen 1. Nordamerika Größenvergleich bei Amerikanischen Opossumfellen Sektion Größen (in amerikanischen Inch) Beschaffenheit XL L M S Northern 42 35 29 26 vollhaarig Central 38 32 26 23 wollig Western 36 32 26 23 spärlich behaart Southwestern 36 32 26 23 kraus („hairy“) Southern 35 30 26 23 kraus („hairy“) Das Fell ist erst im Spätwinter voll entwickelt und ist deshalb im Dezember noch sehr dünn. Die beste Qualität hat es Mitte Januar, wohingegen Anfang Februar bereits die Übergangszeit einsetzt. Diese Felle gelten dann schon als „Nachfall“ oder „Springs“. Der Haarwechsel verläuft beim Nordopossum allmählich, er beginnt am Kopf und führt kaum zu sichtbaren Veränderungen; beim Südopossum ist es vermutlich ähnlich. Da das Haar sehr wellig ist, verfilzt es am Haargrund und bildet so eine dichte und wasserundurchlässige Schicht. Sowohl die Wollhaare als auch der untere und mittlere Teil der Grannen sind stark wellig. Die Felle nördlicher Gegenden sind besonders seidig und fein, südliche sind gröber (drahtig).
mini|Opossum-Herrenmantel (1977)
Northern (North-Missouri, Ohio, Illinois, Indiana) Sehr groß, seidig; silbrig und hell, Unterwolle weiß. Centrals (Missouri, Arkansas) Groß; seidig, etwas wolliger und dichteres Haar bei geringerer Grannendichte als Northern, aber ähnlicher Gesamteindruck; mittelfarbig, Unterwolle weiß. Die Arkansas sind als leichte Centrals im Handel. Western (Kansas, Nebraska, Kalifornien) Groß, gröber; gelbliche Grannen, häufig korkenzieherartig gewellt, nach dem Färben weniger glänzend als andere. Flacheres Haar und dünnere Unterwolle. Größerer Anfall von Marder-Opossums. Eastern (Pennsylvania, New York State) Groß, besonders seidig; silbrig und hell, Unterwolle weiß; beste Ware. Southern (Texas, Louisiana) Klein, grob; Unterwolle licht; dunkelfarbig. Southwestern (Arkansas, Oklahoma) Groß, grob und „hohl“ (lichte Unterwolle); mittel- bis dunkelfarbig; kurzes, weiches Haar.
Rohsortiment Extra large, large, medium, small - Die Originalpartien enthalten im Allgemeinen 40 Prozent medium, small. I, II, III, IV - Die Sorten III und IV werden meist schon auf dem Rohfellmarkt in St. Louis aussortiert und als irreguläre Sorten behandelt. Die Originalpartien enthalten im Allgemeinen 60 Prozent extra large, large. St. Louis, im Zentrum des Hauptanfalls, war der wesentliche Sammelplatz der Felle, als Referenz erhielten die Sortimente häufig Herkunftsbezeichnungen wie St. Louis Northern usw. Die Rohfellanlieferung erfolgt meist in Beutelform (rund abgezogen, am Kopf offen), mit dem Haar nach innen.
2. Mittelamerika Verkümmerter Haarwuchs; für Pelzzwecke weniger geeignet. mini|hochkant|Trappermütze aus Opossumfell mit Waschbärschweif (2006)
3. Südamerika Die meisten kommen aus Südbrasilien, Uruguay, dem nördlichen und mittleren Argentinien. In den Originalpartien sind meist 3 bis 4 Prozent marderfarbige Felle. Auf den Londoner Auktionen wurden sie häufig in besonderen Losen gehandelt. Das Haar ist weicher, überhaupt anders als bei den sonstigen Sorten. Den Rohfellen haftet oft eine so starke Fettschicht an, dass sich die Felle bei zu dichter Lagerung erhitzen. Die für den längeren Überseetransport bestimmten Felle werden deshalb vorher abgeschabt. Sie werden dann als rabatzt (scraped) gehandelt, im Gegensatz zu unrabatzt (unscraped).