mini|hochkant|Wappen des Kardinalkämmerers während der Sedisvakanz mini|hochkant|Papst Benedikt XV. † mini|hochkant|Papst Pius XI. Das Konklave 1922 fand zwischen dem 2. und 6. Februar 1922 nach dem Tod von Papst Benedikt XV. statt. Es endete mit der Wahl des Erzbischofs von Mailand, Achille Ratti, zu Papst Pius XI.
Verlauf Das Konklave dauerte fünf Tage und nahm 14 Wahlgänge in Anspruch. Als papabile galten der Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri, der vom gemäßigten Flügel des Kardinalskollegiums unterstützt wurde, sowie der später von den konservativen zelanti um Rafael Merry del Val unterstützte Patriarch von Venedig, Pietro La Fontaine., madisoncatholicherald.org, 21. April 2005.
Im ersten Wahlgang lag Merry del Val mit zwölf Stimmen in Führung. Das mag auch daran gelegen haben, dass der niederländische Kardinal von Rossum ihn unterstützte, der meinte, dass die Zeit reif sei für einen Papst, der kein Italiener war.John-Peter Pham: Heirs of the Fisherman. Oxford 2004, S. 107 f. Ihm folgten der als Modernisierer geltende Kardinal Pietro MaffiJohn-Peter Pham: Heirs of the Fisherman. Oxford 2004, S. 108. mit 10 Stimmen, Gasparri mit 8 sowie LaFontaine und von Rossum mit je 4 Stimmen. Bereits in diesem ersten Wahlgang entfielen jedoch fünf Stimmen auf den später gewählten Kardinal Achille Ratti. Der vierte Wahlgang erbrachte dann 14 Stimmen für Merry del Val, 11 für Gasparri, 10 für Maffi und 5 für Ratti, was zeigte, dass das konservative Lager sich um Merry del Val scharte, während die Progressiven allmählich auf Gasparri übergingen.John-Peter Pham: Heirs of the Fisherman. Oxford 2004, S. 108 f. In den vier Wahlgängen am 3. Februar verschob sich das Bild grundlegend. Die Stimmen des konservativen Lagers wechselten von Merry del Val zu Pietro La Fontaine, der am Ende des Tages 22 Stimmen erzielen konnte. Umgekehrt gingen im progressiven Lager die Stimmen Maffis auf andere Kandidaten über. Am Morgen des 4. Februar schien es, als würden die beiden Protagonisten, La Fontaine und Gasparri sich wechselseitig blockieren.John-Peter Pham: Heirs of the Fisherman. Oxford 2004, S. 109. Im Anschluss war zu beobachten, dass es offenbar zu einer Verständigung zwischen Gasparri und Achille Ratti als Kompromisskandidaten gekommen war. Im elften Wahlgang erzielte Ratti 24 Stimmen, La Fontaine 23, während sich sechs Stimmen auf zwei weitere Kardinäle verteilten. Als das Lager um Merry de Val realisierte, dass sich La Fontaine gegen Ratti nicht würde durchsetzen können, kam es zu einem Angebot an Ratti, diesen zu unterstützen, wenn er zusicherte, Gasparri nicht im Amt des Staatssekretärs zu belassen. Unterbreitet wurde Ratti dieses Angebot durch Kardinal Gaetano De Lai. Ratti wies das Angebot zurück: Er hoffe, dass der Heilige Geist einen würdigeren Papst als ihn erwählen werde, wenn er aber gewählt werden würde, werde es Gasparri sein, den er zum Staatssekretär berufen werde. Die Kandidatur Rattis war aber nicht mehr aufzuhalten. Im vierzehnten und letzten Wahlgang erzielte er 42 Stimmen, La Fontaine 9, Laurenti 2 und De Lai 1. Der Primas von Ungarn, Kardinal Csernoch soll die vierzehn Wahlgänge und ihr Ergebnis mit den Worten kommentiert haben: „Nun haben wir Kardinal Ratti durch die 14 Kreuzwegstationen geführt und lassen ihn jetzt auf dem Kalvarienberg einsam zurück.“Carlo Confalonieri: Pius XI. aus der Nähe gesehen, Aschaffenburg 1958, S. 22; John-Peter Pham: Heirs of the Fisherman, Oxford 2004, S. 110.
Auf die Frage, ob er die Wahl annehme, antwortete Ratti auf Lateinisch sinngemäß:
Die weitere Frage, welchen Namen er tragen wolle, beantwortete er, ebenfalls sinngemäß wiedergegeben:
Teilnehmende Kardinäle Am Tag, als Papst Benedikt XV. starb, gab es 60 Kardinäle. Enrique Almaraz y Santos, Erzbischof von Toledo in Spanien, war am selben Tag gestorben wie der Papst. Von den 60 wahlberechtigten Kardinälen erreichten drei Kardinäle den Vatikan erst nach dem Beginn des Konklaves und wurden nicht mehr eingelassen. Wohl auch im Hinblick hierauf verlängerte der schließlich gewählte Pius XI. die Wartefrist für den Beginn des Konklaves von zehn auf fünfzehn Tage. Vier weitere Purpurträger hatten wegen Krankheit oder Alter, aber auch wegen der Entfernung zu Rom ihre Nichtteilnahme angekündigt. An der Wahl beteiligt waren somit 53 Kardinäle. Unter ihnen waren auch drei Deutsche und zwei Österreicher.
Während der Sedisvakanz wurden diese Ämter von folgenden Personen ausgeübt: Camerlengo: Pietro Kardinal Gasparri Kardinaldekan: Vincenzo Kardinal Vannutelli Kardinalvikar: Basilio Kardinal Pompili Kämmerer des Heiligen Kardinalskollegiums: Rafael Kardinal Merry del Val
Anwesende Kardinäle : Pierre-Paulin Andrieu : Alessio Ascalesi : Bartolomeo Bacilieri : Francisco de Asís Vidal y Barraquer : António Mendes Bello : Gennaro Granito Pignatelli di Belmonte : Adolf Bertram : Vittorio Amedeo Ranuzzi de’ Bianchi : Louis Billot : Gaetano Bisleti : Tommaso Pio Boggiani : Giuseppe Francica-Nava de Bontifè : Teodoro Valfrè di Bonzo : Francis Alphonsus Bourne : Ottavio Cagiano de Azevedo : Giovanni Cagliero : Ján Černoch : Edmund Dalbor : Gaetano De Lai : Louis-Ernest Dubois : Michael von Faulhaber : Andreas Franz Frühwirth : Pietro Gasparri : Francis Aidan Gasquet : Oreste Giorgi : Aleksander Kakowski : Pietro La Fontaine : Camillo Laurenti : Michele Lega : Michael Logue : Alessandro Lualdi : Louis Luçon : Nicolò Marini : Pietro Maffi : Louis-Joseph Maurin : Désiré-Joseph Mercier : Alfonso Mistrangelo : Friedrich Gustav Piffl : Basilio Pompili : Giovanni Tacci Porcelli : Francesco Ragonesi : Achille Ratti (zu Papst Pius XI. gewählt) : Agostino Richelmy : Raffaele Scapinelli di Leguigno : Juan Soldevila y Romero : Wilhelmus Marinus van Rossum : Donato Raffaele Sbarretti Tazza : Karl Joseph Schulte : Augusto Silj : Rafael Merry del Val : Vincenzo Vannutelli : Antonio Vico : Juan Benlloch y Vivó
Abwesende Kardinäle : Joaquim Arcoverde de Albuquerque Cavalcanti, sagte auf Grund der weiten Anreise von Brasilien nach Rom sein Kommen ab : Louis-Nazaire Bégin, erschien verspätet : José María Martín de Herrera y de la Iglesia, sagte auf Grund seines hohen Alters sein Kommen ab : Denis Joseph Dougherty, erschien verspätet : Leo Skrbenský von Hříště, konnte auf Grund einer Krankheit nicht kommen : William Henry O’Connell, erschien verspätet : Giuseppe Antonio Ermenegildo Prisco, konnte auf Grund einer Krankheit nicht kommen
Weblinks Liste der teilnehmenden Kardinäle auf apostolische-nachfolge.de
Einzelnachweise
#1922 Kategorie:Pius XI. Vatikan Kategorie:Religion 1922