mini|Mahnmal an der Gedenkstätte „Bunker Valentin“Der Text auf dem Mahnmal am U-Boot-Bunker Valentin lautet: Die Freie Hansestadt Bremen erinnert mit diesem Mahnmal an die Unmenschlichkeit der deutschen Faschisten. Das Millionenheer der KZ-Häftlinge mußte für die deutsche Kriegsmaschinerie schuften und sterben. Im KZ-Außenlager Farge, das zum KZ Neuengamme gehörte, und in anderen Lagern hielten die deutschen Faschisten zwischen 1943 und 1945 mehr als 10.000 Arbeitssklaven zum Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“. die meisten von ihnen kamen aus der Sowjetunion, aus Polen und Frankreich. Auch deutsche Widerstandskämpfer gehörten dazu. Beim Bau des U-Boot-Bunkers fanden Tausende von ihnen den Tod. Mißhandlungen, Unterernährung, Krankheit und unmenschliche Arbeitsbedingungen füllten die Massengräber von Farge. Nach dem Ende des Faschismus fanden diese Toten auf dem Osterholzer Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Ehemalige Häftlinge, Angehörige der Toten von Farge, die Vertreter der „Amicale Internationale de Neuengamme“ und Bremer Bürger haben sich 40 Jahre nach Beginn des Bunkerbaus am 17. September 1983 hier versammelt, um vor dem Mahnmal, das der Bremer Künstler Friedrich Stein geschaffen hat, zu geloben: Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg – jede Anstrengung für den Frieden in der Welt. mini|Mahnmal vor dem U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge Der Gedenkmarsch vom U-Boot-Bunker Valentin zum Lager Sandbostel wurde vom 10. bis 13. Juli 1985 durchgeführt. 40 Jahre vorher waren bei der Evakuierung des Außenlagers Farge Gefangene im Wesentlichen diesen Weg gegangen. Dieser Todesmarsch begann am 9. April 1945 in Blumenthal.Diese Karte des Todesmarsches wurde von belgischen Häftlingen gezeichnet, die ihn mitgemacht haben.
Auflösung der Bremer Lager mini|Verlauf des Todesmarsches im April 1945 vom Bunker Valentin zum Stalag X B (Sandbostel) In Blumenthal gab es seit September 1944 das KZ Bahrsplate als Außenlager des KZ Neuengamme, das in einer Fabrik Teile für U-Boote und Ölturbinen produzierte.
Kein Gefangener sollte lebend in die Hände der Alliierten fallen, deshalb wurden sie vor den herannahenden Truppen der Alliierten auf Todesmärsche geschickt.Borgsen/Volland, siehe Literatur, S. 173, hier auch weitere Belegstellen zum Himmler-Befehl
Gedenkmarsch Farge-Sandbostel Entstehungsgeschichte Der Antifaschistische Arbeitskreis des Gustav-Heinemann-BürgerhausesInternetrepräsentation des Gustav-Heinemann-Bürgerhauses in Bremen-VegesackInternetrepräsentation der „Internationalen Friedensschule in Bremen“ im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Bremen-Vegesack hatte sich seit 1980 mit dem Thema beschäftigt und überlegte, wie er die Informationen, die er durch Zeitzeugen-Befragung und Quellenstudium gewonnen hatte, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. Die Idee, den Todesmarsch der Häftlinge vom Bunker Valentin nach Sandbostel nachzugehen, kam den Mitgliedern des Arbeitskreises in den Sinn, als sie von ähnlichen Projekten erfuhren. Vom Bildungs- und Freizeitzentrum in Hannover-Mühlenberg wurde jährlich ein Gedenkmarsch über Isernhagen, Burgwedel, Fuhrberg, Wietze und Winsen/A. zur katholischen Sühnekirche vom Kostbaren Blute in Bergen durchgeführt.Konzentrationslager in der Region HannoverDer Gedenkmarsch von Hannover nach Bergen-Belsen fand erstmals vom 12.–14. April 1985 statt und endete mit einer Gedenkfeier auf dem Gelände des ehemaligen KZs, siehe Frankfurter Rundschau vom 15. April 1985 und Antifaschistische Rundschau vom März 1985.Eine weitere Anregung kam von Gedenkstättenpädagogen, die entlang der Strecke des Todesmarsches der Häftlinge des KZs Sachsenhausen Informationen installiert hatten. Nach einer Tagung im Dokumentenhaus der KZ-Gedenkstätte Neuengamme am 19. Januar 1984 wurde die Idee konkret, den Gedenkmarsch Farge–Sandbostel durchzuführen. Als Zeitraum wurde der 10. – 13. Juli 1985 beschlossen. Das war die Woche vor Beginn der Sommerferien. Die Bremer Behörden für Bildung und Jugend unterstützten das Vorhaben, Bürgermeister Henning Scherf übernahm die Schirmherrschaft.Antifaschistischer Arbeitskreis …, siehe Literatur, S. 3 Weitere Unterstützung kam von der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN)Die VVN Bremen unterstützte nach Aussagen von Gerd Meyer (dem Leiter des Gustav Heinemann-Bürgerhauses Bremen Vegesack (1979–2005) und der Friedensschule Bremen) ebenfalls den Gedenkmarsch. Siehe VVN Bremen und Internationale Friedensschule Bremen.
Stationen des Gedenkmarsches 63 Menschen vom zwölfjährigen Schüler bis zum Rentner nahmen tageweise oder ständig am Marsch teil. Zum Start am 10. Juli um 9 Uhr waren auch Presse und Fernsehen gekommen. Der Vegesacker Ortsamtsleiter Behrens verabschiedete die Teilnehmer am Mahnmal U-Boot-Bunker.Der hier beschriebene Verlauf des Marsches von Farge nach Sandbostel war nicht der einzige, ein anderer verlief durch Hambergen. Eine Zeitzeugin berichtet in dem Buch von Barbara Hillman, Volrad Kluge, Erdwig Kramer: Lw. 2/XI – Muna Lübberstedt – Zwangsarbeit für den Krieg. Unter Mitarbeit von Thorsten Gajewi und Rüdiger Kahrs. Edition Temmen, Bremen 1995, S. 89: Es war Ende April. Ein Evakuierungszug von Gefangenen aus Bremen Farge kam auf dem Weg zum Lager in Sandbostel durch Hambergen. Der Zug wurde von Wachsoldaten begleitet. Sie machten Quartier auf einem Gehöft in Hambergen-Bullwinkel. Die Gefangenen waren so ausgehungert, daß sie über Steckrüben und Getreidesäcke herfielen. Drei Gefangene versteckten sich auf dem Heuboden. Am Morgen versuchte einer der Gefangenen – ein polnischer Friseur – aus einem Fenster zu entkommen. Doch ein Soldat sprang hinterher und erschoß ihn mit der Pistole. An Ort und Stelle wurde der Tote begraben. Am Vormittag setzte dann der Evakuierungszug seinen traurigen Marsch fort. Die beiden übriggebliebenen Gefangenen verließen danach das Grundstück und flüchteten in die Hamberger Feldmark. Dort warteten sie versteckt in einer Rübenmiete das Kriegsende ab. In Lübberstedt rannten Häftlinge aus dem Elendszug in ein Haus an der Straße und stahlen eine Schüssel mit Kartoffeln vom Tisch. Schon in Schwanewede bot sich ein Zeitzeuge an, davon zu berichten, dass er als 8-Jähriger erlebt hatte, wie eine Häftlingsgruppe in einer Scheune in Oerel einquartiert wurde. In Uthlede gab es Essen vom ASB. Danach ging es weiter zur Ziegelei kurz vor dem Ort Hagen, wo die erste Übernachtung stattfand. Der Betriebsleiter berichtete, dass er als 14-Jähriger Zeuge eines Häftlingsmarsches geworden sei.
mini|hochkant|Gedenkstein für die Hagener Synagoge neben der Martin-Luther-Kirche
Hagen In Hagen hielten die Teilnehmer des Marsches eine Mahnwache vor dem Gedenkstein für die Synagoge ab. Die Abendveranstaltung fand im Rathaussaal statt. Nach vorheriger Hilfsbereitschaft der Herren Heß und Christiansen von der Kommune kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung – vor allem über die historische Bewertung eines Findlings im Loher Wald, auf dem ein Hakenkreuz eingemeißelt war. Am nächsten Morgen kam noch eine Grundschulklasse und ein Reporter von Radio Bremen, der über den Marsch berichtete.
Stubben Nach dem Passieren von Bramstedt und Bokel, wo Mittagspause gemacht wurde, kam der Marsch in Stubben an. Dort wurde – wie in vielen Orten an der Strecke – der Friedhof besucht, auf dem ein „unbekannter Toter“ vielleicht ein Opfer des Marsches vierzig Jahre früher sein konnte.
An der Hauptstraße (Bahnhofstraße 60) erlebten viele den bewegendsten Augenblick des Marsches. Die Besitzerin eines Wollgeschäftes hatte vor ihrem Haus einen Eimer mit Wasser und Schöpfkelle aufgestellt.
25 Jahre später berichtete dieselbe Zeitzeugin Schülern in Bremerhaven von ihren schrecklichen Erinnerungen und nannte dabei auch ihren vollen Namen.
Noch ein weiteres Erlebnis erzählte dieselbe Frau aus ihrem Leben – als sie und ihre Freundin, acht und neun Jahre alt, merkten, dass in einem Eisenbahnwaggon im Bahnhof Stubben Menschen waren.
Diese Äußerung gab dem Buch über den Gedenkmarsch den Titel.
Das Wasser, dass sie damals den Vorbeimarschierenden nicht geben durfte, gab sie jetzt den Teilnehmern des Gedenkmarsches.
mini|hochkant|Stele auf dem jüdischen Friedhof in Beverstedt
Beverstedt In Beverstedt kam es zur Begegnung mit Pastor Uwe Colmsee und mit Julius BrumsackNach dem Tode Julius Brumsacks (* 19. Januar 1915; † 22. Oktober 2011) veröffentlichte die Gemeinde Beverstedt am 26. November 2011 in der Nordsee-Zeitung einen Nachruf: Der Verstorbene gehörte zu den beiden alteingesessenen, in Beverstedt hoch angesehenen jüdischen Brumsack-Familien, deren 6 Mitglieder am 17. November 1941 aus unserer Gemeinschaft ausgestoßen, nach Osteuropa verschleppt und dort von Faschisten ermordet wurden. Julius Brumsack … kehrte nach dem Krieg … zurück. „Ich hatte Heimweh nach Beverstedt“, bekannte er. … In Beverstedt gründete er seine Familie, betrieb jahrzehntelang erfolgreich ein Textilgeschäft und blieb bis ins hohe Alter, …, in Beverstedt. Seine Hand zur Versöhnung hat uns Julius Brumsack durch seine Rückkehr nach Deutschland ausgestreckt, jetzt nehmen wir in tief empfundener Trauer, Dankbarkeit und Respekt Abschied von einem alten Beverstedter. Martin Bensen, Bürgermeister im Flecken Beverstedt; Ulf Voigts, Gemeindedirektor. (Beerdigt wurde Julius Brumsack auf dem jüdischen Friedhof in Beverstedt – lt. Bericht vom 4. November 2011 in der Nordsee-Zeitung.). Brumsack war ein Jude, von dem viele sagten, dass er aufgrund seiner grausamen Erfahrung lieber allein bleiben wollte. Er gelte als kontaktscheu, nachdem er als einziger seiner Familie – in England – überlebt hatte. Seine Angehörigen wurden am 17. November 1941 abgeholt. Ihre Spur fand man später in Minsk wieder. Auf dem Beverstedter Judenfriedhof am Stein der ermordeten Familie Brumsack sprachen die Gedenkmarschteilnehmer mit Brumsack. „Uns erwartete ein kontaktbereiter Herr Brumsack. … Es verschaffte einen überwältigenden Eindruck, was er aus seinem Leben berichtete und auch wie er es berichtete, nämlich weder vor Trauer gelähmt, noch auf Rache sinnend.“Antifaschistischer Arbeitskreis …, siehe Literatur, S. 24. Die örtliche Friedensinitiative gestaltete den Abend im Gemeindehaus der Beverstedter Kirche mit. In der Diskussion ging es um die „richtigen“ Denkmäler, z. B. Hakenkreuze auf Grabsteinen, aber auch der Gedenkstein mit der Inschrift „Versailles 28.6.1919“ in der Beverstedter Poststraße wurde thematisiert.
Oerel Auf dem weiteren Weg wurde die Gruppe von ziviler Polizei beobachtet. Als sie einen Tag später erfuhr, dass diese Aktion von den Amerikanern angefordert worden war, war sie entsetzt. Die US-Soldaten, die damals kurz vor Basdahl eine Radarstation betriebenRadarstellungen gehörten zur Luftraumüberwachung der NATO, hatten „als professionelle Krieger friedliche Demonstranten, unter ihnen Kinder als Bedrohung empfunden, obwohl sie vermutlich nicht einmal wußten, was unser Begehren war“.Antifaschistischer Arbeitskreis …, siehe Literatur, S. 25 Dass zu der abendlichen Diskussion in Oerel wenige Leute kamen, führte man auf den „dörflichen Charakter“ des Ortes zurück.
Sandbostel Von Bremervörde bis Sandbostel begleitete der Bremer Sozialsenator den Marsch. Es wurden am Rande des Weges Feldblumen und Steine gesammelt. Mit ihnen wollte man am Ziel in Sandbostel ein „provisorisches Mahnmal“ errichten. Da zwischen dem ehemaligen Lager und dem Friedhof zwei Kilometer lagen, wollte man auf dem ehemaligen Lagergelände ein Denkmal errichten. Dafür wurden Steine zu einer Umrandung aufgestellt und die Mitte mit den gesammelten Blumen geschmückt. Ein mitgebrachtes Holzkreuz mit der Aufschrift „Den Opfern aus den KZ“ vervollständigte das Denkmal.