Werner Hahlweg (* 29. April 1912 in Berlin; † 7. Mai 1989 in Baden-Baden) war ein deutscher Militärhistoriker und Militärwissenschaftler sowie Mitglied des NSDStB, der SS und der NSDAP.
Hahlweg legte programmatische Aufsätze zur konzeptionellen Erneuerung der Militärmuseen vor und wirkte maßgeblich an der Neugestaltung der Weltkriegsabteilung des Berliner Zeughauses mit. Von 1969 bis 1978 lehrte er als Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.
Er gilt als „Nestor der Clausewitz-Forschung“ in Deutschland.
Leben Herkunft und Schulbesuch in Danzig Werner Hahlweg wurde als Sohn von Charlotte Hahlweg, geborene Nahgel, und des Arztes Ernst Hahlweg geboren. Seine Vorfahren stammten aus den Niederlanden und wurden in der Provinz Westpreußen ansässig.Dermot Bradley: Professor Dr. Werner Hahlweg. Eine Würdigung zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977. In: Dermot Bradley, Ulrich Marwedel (Hrsg.): Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Prof. für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Band 15). Biblio-Verlag, Osnabrück 1977, ISBN 3-7648-1094-7, S. 1. Väterlicherseits war er Spross einer Soldatenfamilie; der Vater diente zunächst als Militärarzt bei der Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika und war dann bei der Landwehr in Berlin tätig, wo Werner Hahlweg 1912 geboren wurde. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde sein Vater mit der Familie ins Garnisonslazarett auf die preußische Festung Graudenz südlich von Danzig versetzt. Dort wuchs Werner Hahlweg auf und verfolgte die militärische Laufbahn des Vaters, der zum Kriegsende zum Stabsarzt der Landwehr im Generalkommando des XVII. Armee-Korps in Danzig befördert wurde.
Nach 1918 ließ der Vater sich in Danzig-Langfuhr als praktischer Arzt nieder. Im Jahr 1931 absolvierte Hahlweg sein Abitur am Kronprinz-Wilhelm-Reform-Realgymnasium im Vorort Wrzeszcz von Danzig. Sein späteres Wirken wurde wesentlich durch die Geschichte der Freien Stadt Danzig und den Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn geprägt.
Studium in Tübingen und Wien 1931 begann er sein Studium der Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen, wo er u. a. Vorlesungen bei Johannes Haller besuchte. Im folgenden Jahr wechselte er an die Universität Wien.Dermot Bradley: Professor Dr. Werner Hahlweg. Eine Würdigung zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977. In: Dermot Bradley, Ulrich Marwedel (Hrsg.): Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Prof. für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Band 15). Biblio-Verlag, Osnabrück 1977, ISBN 3-7648-1094-7, S. 2. Hier gehörten zu seinen akademischen Lehrern Karl Bühler, Alfons Dopsch, Hans Hirsch, Carl Patsch, Julius von Schlosser und Heinrich von Srbik. Zugleich arbeitete er als außerordentliches Mitglied für das Institut für Österreichische Geschichtsforschung zu den Historischen Hilfswissenschaften. Neben seinem Studium war er darüber hinaus von 1932 bis 1934 als Volontär am Österreichischen Heeresmuseum, wo er unter Wilhelm John arbeitete. Zu seinem Bekanntenkreis gehörte auch der Historiker Alfred Mell, ab 1934 Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums.
Mitarbeiter am Berliner Zeughaus Hahlweg hat 1934 seine Doktorarbeit am Lehrstuhl für Kriegsgeschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin begonnen. 1936 wurde er bei Walter Elze, einem Schüler von Hans Delbrück, mit der Dissertation Das Kriegswesen der Stadt Danzig zum Dr. phil. promoviert. Er war Mitglied des NSDStB und trat zum 1. Juni 1933 in die SS (SS-Nummer 205.412) sowie zum 1. Dezember 1936 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 3.768.134).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/13080292.René Betker: Werner Hahlweg (1912–1989). Auszug aus der Magisterarbeit „Das Historische Seminar der Berliner Universität im ‚Dritten Reich‘, unter besonderer Berücksichtigung der ordentlichen Professoren.“ Online.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war Hahlweg von 1936 bis 1939 im Museumsdienst tätig. Ab Juli 1936 arbeitete Hahlweg am unter der Leitung von Konteradmiral a. D. Hermann Lorey stehenden Zeughaus Berlin, wo er zuletzt Referent für Infanteriewaffen und für Artillerie war. Dabei legte er programmatische Aufsätze zur konzeptionellen Erneuerung der Militärmuseen im Nationalsozialismus vor.Christine Beil: Der ausgestellte Krieg. Präsentationen des Ersten Weltkriegs 1914-1939. Tübinger Vereinigung für Volkskunde, Tübingen 2004, S. 310. Als Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Zeughauses schlug er 1935 vor, anstelle einer systematischen Darstellung waffengeschichtlicher Entwicklungen den Soldaten in den Mittelpunkt der Ausstellungen zu stellen, um deutsche Tugenden und Charakterstärken zu verkörpern. Dadurch könnten die Heeresmuseen ihre „durch den wiedererwachten Wehrwillen“ bestimmten Aufgaben erfüllen, „einmal Stätten der wehrgeistigen Erziehung des Volkes, Hüter und Pfleger der kriegerischen Überlieferung und des soldatischen Geistes zu sein, zum anderen, sich als Forschungs-, Bildungs- und Lehranstalten aktiv in den Dienst des allgemeinen Aufbaues zu stellen“.Zit. nach Thomas Weißbrich: Die Weltkriege im Museum. Das Berliner Zeughaus 1934–1945. In: Tanja Baensch, Kristina Kratz-Kessemeier, Dorothee Wimmer (Hrsg.): Museen im Nationalsozialismus: Akteure – Orte – Politik. Böhlau, Köln 2016, S. 279. Eva Zwach: Deutsche und englische Militärmuseen im 20. Jahrhundert: Eine kulturgeschichtliche Analyse des gesellschaftlichen Umgangs mit Krieg. Lit, Münster 1999, S. 121. Die neue, 1936 eröffnete Weltkriegsabteilung des Zeughauses, an deren Aufbau und Einrichtung Hahlweg maßgeblich beteiligt war, war nach neuen Gesichtspunkten gestaltet.Heinrich Müller: Das Berliner Zeughaus. Vom Arsenal zum Museum. Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1994, S. 219. Raumtexte und Objektkommentare gaben die ideologisch geformte Interpretation der Exponate vor und vermittelten zentrale Botschaften und Aspekte der NS-Ideologie, während auf die früher üblichen Schaueffekte wie Objektinszenierungen und nachgestellte Szenen verzichtet wurde.Thomas Weißbrich: Die Weltkriege im Museum. Das Berliner Zeughaus 1934–1945. In: Tanja Baensch, Kristina Kratz-Kessemeier, Dorothee Wimmer (Hrsg.): Museen im Nationalsozialismus: Akteure – Orte – Politik. Böhlau, Köln 2016, S. 281.
Auch arbeitete Hahlweg im Mai 1937 im Auftrag der Danziger Gaupropagandaleitung der NSDAP an der Ausstellung Das politische Danzig. 1937 begann er auf Anregung eines väterlichen Freundes mit seiner Habilitationsschrift Die Heeresreform der Oranier und die Antike, die ein „grundlegendes Werk“ zum Thema wurde. Im Frühjahr 1940 reichte er seine Arbeit bei Walter Elze und Arnold Oskar Meyer ein.
Kriegsdienst bei der Wehrmacht Von 1939 bis 1945 nahm er als Angehöriger des Heeres am Zweiten Weltkrieg teil. Bei Kriegsausbruch im September 1939, noch vor der Vollendung seiner Habilitationsschrift in Berlin, war er zur Wehrmacht einberufen worden.Dermot Bradley: Professor Dr. Werner Hahlweg. Eine Würdigung zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977. In: Dermot Bradley, Ulrich Marwedel (Hrsg.): Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Prof. für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Band 15). Biblio-Verlag, Osnabrück 1977, ISBN 3-7648-1094-7, S. 4. Er diente bei der Artillerietruppe in Berlin-Spandau. Bereits zuvor leistete er aufgrund des Praxisbezugs Wehrübungen ab. Im Mai und Juni 1940 nahm er als Soldat am Westfeldzug teil. Nach einem Berlinaufenthalt war er 1941/42 als Angehöriger eines Artillerieregiments am Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion und Deutsch-Sowjetischen Krieg beteiligt. Am 15. Februar 1942 wurde er zum Leutnant befördert. Im Jahr 1943 versetzte man ihn ins Heereswaffenamt (HWA) nach Berlin, wo er als Technischer Versuchsgruppenleiter die technische Amtsgruppe für Entwicklung und Prüfung (WA Prüf 2) leitete. Er wirkte u. a. an der Entwicklung des Sturmgewehrs 44 mit, das 1943 bei der Wehrmacht eingeführt wurde.Arnold Wirtgen, Joachim Niemeyer: Nachruf auf Professor Dr. phil. Werner Hahlweg. In: Zeitschrift für Heereskunde 53 (1989), S. 133–134. Im August 1944 befand er sich in dieser Funktion kurzzeitig „auf einem Kommando in den besetzten Gebieten“.
Als Wehrmachtsangehöriger war Hahlweg auch als „Beutegut“- bzw. „Sammeloffizier“ tätig, um in den Kriegsgebieten passende Exponate für Sonderausstellungen des Zeughauses zu finden, in denen während des Krieges Trophäen, gegnerische Uniformen und Waffen ausgestellt wurden.Thomas Weißbrich: Die Weltkriege im Museum. Das Berliner Zeughaus 1934–1945. In: Tanja Baensch, Kristina Kratz-Kessemeier, Dorothee Wimmer (Hrsg.): Museen im Nationalsozialismus: Akteure – Orte – Politik. Böhlau, Köln 2016, S. 285.
Hochschullehrer in Berlin und Münster Im Juni 1942 erhielt er an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin die Venia Legendi für Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Kriegsgeschichte, der Heeres- und Waffenkunde und hielt eine Antrittsvorlesung.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war Hahlweg als Privatgelehrter tätig. Seine Habilitation war unstrittig, da aber Militärgeschichte als Lehrfach verboten war, musste er, um als Hilfsassistent tätig werden zu können, sich auf Allgemeine Geschichte umhabilitieren. Ende 1950 wurde er als Dozent für (allgemeine) Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster angestellt. Ab 1957 war er außerordentlicher Professor für Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Niederländischen Geschichte und ab 1969 ordentlicher Professor für Militärgeschichte und Wehrwissenschaften am Historischen Seminar. In der Bundesrepublik Deutschland war er der einzige ordentliche Professor für dieses Fachgebiet. Ende der 1970er Jahre wurde er emeritiert. Zu seinen akademischen Schülern gehörten u. a. Dermot Bradley, Hans-Peter Harstick, Jürgen Kraus, Horst Lademacher, Ulrich Marwedel, Joachim Niemeyer, Winfried Scharlau, Erich Vad, Arnold Vogt, Arnold Wirtgen und Rolf Wirtgen.Dermot Bradley: Professor Dr. Werner Hahlweg. Eine Würdigung zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977. In: Dermot Bradley, Ulrich Marwedel (Hrsg.): Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung. Eine Festschrift für Werner Hahlweg, Prof. für Militärgeschichte und Wehrwissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, zur Vollendung seines 65. Lebensjahres am 29. April 1977 (= Studien zur Militärgeschichte, Militärwissenschaft und Konfliktforschung, Band 15). Biblio-Verlag, Osnabrück 1977, ISBN 3-7648-1094-7, S. 5. Wesentlichen Einfluss nahm er weiterhin auf Roland Beck und Andreas Herberg-Rothe, die bei ihm in Münster hörten; Peter Löw begann seine Promotion bei Hahlweg. Nach mehrjähriger Vakanz wurde 1983 in Münster erneut eine Professur für Militärgeschichte (Bernhard Sicken) eingerichtet.
Ehrenamtliche Verbandstätigkeit