Wilzschhaus ist ein Ortsteil der Gemeinde Schönheide im sächsischen Erzgebirgskreis und die westlichste Siedlung des Erzgebirges.
mini|Siedlungsbild in Wilzschhaus
Geografie Wilzschhaus liegt im Westerzgebirge an der Mündung der Wilzsch in die Zwickauer Mulde. Es ist der erste erzgebirgische Ort im Tal der Zwickauer Mulde an der historischen Grenze zum oberen Vogtland. Der Ort liegt auf einer Höhe von 595,7 Metern (Bahnhof) am Fuß des Häckerhannesbergs () zwischen dem Oberen Keilberg () und der Mehltheuer. Wenige Schritte unterhalb des Bahnhofs mündet der von links kommende Silberbach, der längste Bach auf Schönheider Gebiet, in die Mulde.Wilzschhaus liegt nach der Naturraumkarte von Sachsen teilweise in der Mikrogeochore „Carlsfelder Wilzsch-Tal“ und teilweise im „Rautenkranz-Schönheider-Muldetal“, beide sind Teil der Mesogeochore „Eibenstocker Bergrücken“.Nachbarorte sind Schönheide, zu dem es als Ortsteil gehört, Eibenstock und Carlsfeld im Erzgebirgskreis und Morgenröthe-Rautenkranz im Vogtlandkreis. mini|Mündung der Wilzsch an der Zwickauer Mulde – Karte von 1791 mini|Bahnlinie ins Vogtland
Geschichte Wilzschhaus entstand als Siedlung etwa im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Sein Name wechselte allerdings.
Albert Schiffner nennt 1833 das Forstrevier Wilzschhaus, was zur Oberförsterei Eibenstock gehörte.Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen, enthaltend eine richtige und ausführliche geographische, topographische und historische Darstellung aller Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Höfe, Gebirge, Wälder, Seen, Flüsse etc. gesammter Königl. und Fürstl. Sächsischer Lande mit Einschluß des Fürstenthums Schwarzburg, des Erfurtschen Gebietes, so wie der Reußischen und Schönburgischen Besitzungen. Schumann, Bd. 18, Zwickau 1833, S. 739. (Link zum Digitalisat)
Das Neue alphabetische Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen von 1837 erwähnt ein Wilzschhaus mit dem Zusatz Forsthaus an der Wilzsch, es bestünde aus einem einzelnen Haus, einem Wohnhaus mit sieben Bewohnern. Kirchlich und schulisch gehöre es zu Carlsfeld.Neues alphabetisches Orts-Verzeichnis des Königreichs Sachsen. Nach officiellen Nachrichten zusammengestellt von Central-Comité des statistischen Vereins für das Königreich Sachsen. Mit allergnädigst ertheiltem Privilegio. Verlag der Waltherschen Hofbuchhandlung. Zweite Abteilung M.-Z. Dresden 1837, S. 341 Digitalisat Bei diesem Wilzschhaus handelt es sich aber um die heute Wilzschmühle genannte Siedlung oberhalb des heutigen Wilzschhaus, denn Albert Schiffner beschreibt 1839 in seinem Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreichs Sachsen das Forsthaus im heutigen Wilzschmühle und bezeichnet es ausdrücklich als Wilzschhaus.Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreichs Sachsen. Erste Lieferung, den Zwickauer Directionsbezirk enthaltend, bei Friedrich Fleischer Leipzig 1839, S. 191 Digitalisat, abgerufen am 22. August 2015 Später, etwa 1848, nennt er es „königliche[s] Forst- oder Wilzschhaus“.Albert Schiffner: Der Führer im Muldenthale, von des Voigtlands Höhen bis zur Vereinigung beider Mulden. In 16 Lieferungen, enthaltend 37 Ansichten, nach der Natur aufgenommen von Gustav Täubert, lithographiert von J. Riedel, Verlag von Gustav Täubert, Dresden (o. J., 1848), S. 12 (Link zum Digitalisat in der Universitätsbibliothek Leipzig S. 12 ist nicht direkt aufrufbar, im Digitalisat bis dorthin durchblättern oder im Inhaltsverzeichnis links am Rand auf „Schönheide“ klicken.) In Blatt 195 der Berliner Ausgabe der Asterschen Meilenblätter von Sachsen, datierend von 1791, gibt es an der Mündung der Wilzsch in die Zwickauer Mulde keinen Eintrag mit der Bezeichnung Wilzschhaus.Digitalisat in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, abgerufen am 29. November 2014 Die rote Markierung auf der linken Seite der Zwickauer Mulde steht für ein Gebäude, das „Tümmelhaus“. Albert Schiffner beschrieb in seinem etwa 1848 erschienenen Führer im Muldenthale die damalige Situation, das Tümmelhaus stehe isoliert, die Wilzsch münde ihm gegenüber in die Zwickauer Mulde. Muldeaufwärts findet sich in Blatt 195 der Berliner Ausgabe der Meilenblätter von Sachsen die Ortsangabe Tümels Raum. Das Tümmelhaus dürfte das erste Haus im Bereich der Mündung der Wilzsch in die Zwickauer Mulde gewesen sein, die Grundlage für die spätere Siedlung Wilzschhaus. Die Siedlung entstand allerdings auf der westlichen Seite der Mulde. Dies dürfte durch die Lage der Bahnanlagen begründet sein.
Der großen Wälder links und rechts der Zwickauer Mulde gehörten um 1500 den Edlen von der Planitz. Diese beschlossen die Besiedlung des heutigen Schönheide, ließen von 1537 an die ersten Siedler im Gebiet von Schönheide den Wald roden und gaben dem 1549 gegründeten Schönheide die ersten Privilegien, verbunden mit Pflichten wie Frondiensten.Ernst Flath: Die Gründungsgeschichte Schönheides – Zur bevorstehenden Vierhundertjahrfeier des Ortes. In: Glückauf – Zeitschrift des Erzgebirgsvereins. Nr. 5/1937. Mai 1937. Seiten 65 bis 70. Die Rodung und damit die Besiedlung Schönheides ging nach dem Wortlaut der Gründungsurkunde von Schönheide, sog. Befreiungsbrief des Balthasar Friedrich Edlen von der Planitz, vom 20. März 1549 zwar im Süden vom Dorfbach Schönheides bis zur Zwickauer Mulde, die gerodeten Hufen reichten aber muldeaufwärts nie bis Wilzschhaus.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 177–179. 1563 wurde Schönheide vom sächsischen Kurfürsten August gekauft und gehörte seitdem zur Herrschaft Schwarzenberg.Gottfried August Arndt, Archiv der Sächsischen Geschichte, 2. Teil, Leipzig 1785, S. 367 bis 388 , abgerufen am 3. Juli 2014
1566 wurde das erste Hammerwerk an der Zwickauer Mulde im muldeabwärts von Wilzschhaus gelegenen Schönheiderhammer errichtet.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 266 Schönheiderhammer war erst von 1839, also nach dem Inkrafttreten der neuen sächsischen Gemeindeverfassung, an formal eine Gemeinde.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 288
Wilzschhaus war nie eine eigenständige Gemeinde, sondern gehörte zu Schönheiderhammer,Raymond S. Wright: Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs, Band 2, Leipzig 1913, Reprint Baltimore 2000, S. 751 Digitalisat bis dieses im Jahr 1948 nach Schönheide eingemeindet wurde. Vor der Besiedlung wurde die weitgehend von Wald bestandene Gegend des heutigen Wilzschhaus in einem Kartenwerk von Matthias Oeder um 1600 Wilzschheide genannt.Reproduktion des Kartenwerks: Durchsuchen leider notwendig Auch die Karte des erzgebirgischen Kreises von Friedrich Adam Zürner, entstanden in der Zeit zwischen 1721 und 1742, verwendet den Begriff Wilzschheide.Adam Friedrich Zürner: Atlas Augusteus Saxonicus (Exemplar A), Karte vom Erzgebirgischen Kreis, 1711–1742, Beschreibung: XVIII, General-Charte von Gebürgischen Creisse. Des Churfürstenthums Sachsen Ertzgebürgischer Creis, worinnen enthalten die Aemter […], Datierung: 1711–1742. Link zur Karte in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
In der Neuen Sächsischen Kirchengalerie wird berichtet, Wilzschhaus sei seit 1890 nach Schönheide eingepfarrt.Friedrich Volkmar Hartenstein: Die Parochie Schönheide, in: Georg Buchwald (Hrsg.): Neue Sächsische Kirchengalerie. Ephorie Schneeberg, Leipzig 1902, Sp. 564 unten (Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Wilzschhaus hatte eine eigene Schule.Werner Dämmig, Wolfgang Künzel, Dieter Trommer: 100 Jahre Schule Schönheide 1898–1998. Historische Festschrift, Schönheide 1998, S. 6 In den 1880er Jahren wird die Mitversorgung von Rautenkranzer Schülern durch die Schule in Wilzschhaus angegangen.Einrichtung der Schulanlagen in Wilzschhaus für Rautenkranz durch die Gemeinde Schönheiderhammer (Bestand 30364 Archivalie 95 im Staatsarchiv Chemnitz) 1930 wird die Schule im Adressbuch als eine der beiden Schulen der Gemeinde Schönheiderhammer benannt.Adressbuch für Aue und 25 weitere Orte, 1930, S. 372 Digitalisat Die Schulwege nach Carlsfeld oder nach Schönheiderhammer wären selbst im 19. Jahrhundert und in der Zeit davor zu weit gewesen, wenn nicht im Winter ganz unpassierbar. Die Schule bestand noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie hatte zwei Klassenräume, in einem wurden die sechs- bis zehnjährigen Kinder und in dem anderen die elf- bis vierzehnjährigen unterrichtet. Im Jahr 1966 wurde diese Schule geschlossen, und die Kinder gingen in Carlsfeld zur Schule.Schönheider Wochenblatt, Nr. 28–31/2016 vom 15. Juli 2016, S. 1f.
Zum 1. Juli 1948 erfolgte die Eingemeindung Schönheiderhammers und seines Ortsteiles Wilzschhaus nach Schönheide (Gesetz über den Zusammenschluss der Gemeinden Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide – Landkreis Aue – vom 29. April 1949, rückwirkendes Inkrafttreten des Gesetzes).Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes SachsenLandtagsprotokoll (1. Wahlperiode, 59. Sitzung) vom 29. April 1949, S. 1270 (Digitalisat)
mini|Bahnhof Schönheide Süd mini|Der Name des Bahnhofs vor 1950: Wilzschhaus mini|Reste der großen Brücke für die Schmalspurbahn
Flößerei Die Flößerei auf der Wilzsch hatte angesichts der Mündung der Wilzsch in die Zwickauer Mulde große Bedeutung für Wilzschhaus. Auf beiden Flüssen wurde geflößt.
Sogar ein „Spezialaufseher der Flößerei“ wohnte in Wilzschhaus. Die Gemeinde Schönheide hielt im Jahr 1795 „ihre vier Muldenbrücken“ durch das Floßgeschehen für erheblich abgenutzt, erhielt aber den bei der „höheren Landesbehörde“ erbetenen Zuschuss für Brückenbauten nicht.Ernst Flath: Heimatkunde und Geschichte von Schönheide, Schönheiderhammer und Neuheide, Schönheide o. J. (1909), S. 226 f.(Digitalisat in der Staats- und Universitätsbibliothek Dresden)
Wilzschhaus im Eisenbahnzeitalter
Einen großen Zuwachs an Bedeutung erlebte die Wilzschheide ab 1871 mit dem Bau der Bahnstrecke Chemnitz–Adorf und deren Eröffnung am 1. Oktober 1875. Seit der Errichtung des Bahnhofes Wilzschhaus auf Carlsfelder Flur wurde die Ansiedlung Wilzschhaus genannt. Ab 1876 entstanden in Bahnhofsnähe Fabriken der Holz- und Papierindustrie. Mit dem Bau der Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau–Carlsfeld wurde die Station Wilzschhaus zu einem bedeutsamen Kreuzungsbahnhof zwischen Regel- und Schmalspur ausgebaut. Am 16. Dezember 1893 erfolgte die Eröffnung des Abschnittes von Saupersdorf über Schönheide nach Wilzschhaus und am 22. Juni 1897 zwischen Wilzschhaus und Carlsfeld. Zum Überqueren der Zwickauer Mulde und zum kreuzungsfreien Betrieb der Regelspur- und der Schmalspurstrecke musste eine Reihe von Brücken gebaut werden. Die höchste mit der weitesten Spannweite war die Brücke für die Schmalspurbahn, deren Gleise hoch aus dem Tal des Silberbachs kamen und über diese Brücke die Straße im Muldental, danach die Mulde und schließlich auch die Regelspurstrecke überquerten. Für diese Stahlträgerbrücke waren neben den Widerlagern auf beiden Seiten zwei gemauerte Pfeiler und vier Stahlgitterpfeiler erforderlich. Die beiden Mauerpfeiler und die Fundamente der Stahlpfeiler waren zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch vorhanden. Alle Stahlteile der Brücke und der Träger waren nach der 1977 erfolgten Einstellung des Bahnverkehrs abgebaut worden.