mini|hochkant|Ihor Kolomojskyj (2013)

Ihor Walerijowytsch Kolomojskyj (* 13. Februar 1963 in Dnipropetrowsk, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist ein ukrainischer Unternehmer, Milliardär und gilt seit 2010 als einer der reichsten und einflussreichsten Oligarchen der Ukraine. Er besitzt auch die Staatsbürgerschaften Israels und Zyperns und ist damit EU-Bürger. Kolomojskyj war 1992 Mitgründer und danach einer der Hauptgesellschafter der ukrainischen PrivatBank und der Privat-Gruppe mit Beteiligungen an mehreren Medien und Unternehmen in mehreren Wirtschaftszweigen. Von März 2014 bis zu seiner zwangsweisen Absetzung im März 2015 war er Gouverneur der Oblast Dnipropetrowsk.

Leben Kolomojskyj absolvierte am Metallurgischen Institut in Dnipropetrowsk ein Ingenieursstudium, das er 1985 beendete.

1992 gründete er auf Anregung von Serhij Tihipko zusammen mit Hennadij Boholjubow, Alexei Martinov und Leonid Miloslavsky die PrivatBank, die inzwischen größte Bank der Ukraine. Um die Bank entwickelten er und Boholjubow eine einflussreiche Beteiligungsgesellschaft, Privat-Gruppe genannt, die große Teile der Stahl-, Öl-, Chemie-, Energie- und Nahrungsmittelindustrie in der Ukraine umfasst(e). Über sie war Kolomojskyj auch an den inzwischen insolventen ukrainischen Fluggesellschaften Aerosvit Airlines, Dniproavia und Donbassaero beteiligt.Kolomoisky shareholder in AeroSvit, Dniproavia, two Swedish airlines. Kyiv Post, 29. Juli 2011.Airline-Krise in der Ukraine. Aerotelegraph.com, 16. Januar 2013. Er war auch Mitinhaber der seit 2012 insolventen dänischen Fluggesellschaft Cimber Sterling.UPDATE 1-Cimber Sterling gets 165 mln DKK lifeline, Reuters, 7. Juli 2011. Kolomojskyj besitzt Anteile an mehreren ukrainischen Medien. So ist er seit 2010 mehrheitlich an der Fernsehgruppe 1+1 beteiligt.

Er war Präsident des Fußballvereins Dnipro Dnipropetrowsk sowie Vize-Präsident des Ukrainischen Fußballverbandes. Er trug wesentlich zur Finanzierung des Neubaus der Dnipro-Arena bei.

Kolomojskyj ist ein aktives Mitglied der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt. Er finanzierte den Bau eines der größten jüdischen Gemeindezentren in Osteuropa mit, das 2012 eröffnete Menorah Center in Dnipropetrowsk. Er spendete dafür rund 100 Millionen Euro. Im Jahr 2011 gründete er gemeinsam mit Wadym Rabinowytsch den pro-israelischen, englischsprachigen Fernsehsender Jewish News One sowie das European Jewish Parliament.Rina Soloveitchik: Ukrainian oligarchs fund Jewish news channel. Kyiv Post, 5. Oktober 2011, abgerufen am 26. Februar 2022.

Er lebte von 2000 bis 2014 vorwiegend in der Schweiz.ukrinform.de: FBI ermittelt gegen Oligarchen Ihor Kolomojskyj 2017 verließ er die Ukraine, 2018 übersiedelte er nach Tel Aviv; 2019 kehrte er wieder in die Ukraine zurück. Die NZZ berichtet am 21. Februar 2025, dass Kolomoiski "wegen zahlreicher Vorwürfe in Untersuchungshaft" sitze.

Vermögen und Einfluss auf die Politik Kolomojskyj war von 2006 bis 2013 auf dem zweiten und dritten Rang der reichsten Ukrainer.Eight Ukrainians make Forbes magazine’s list of world billionaires. Kyiv Post, 8. März 2012.Rich Man In A Poor Country. Kyiv Post, 17. Dezember 2010. Sein geschätztes Vermögen lag 2013 bei 6,5 Mrd. US-Dollar und sank bis 2022 auf rund 1 Mrd. US-Dollar.Ihor Kolomoyskyy, März 2012 und April 2019 Damit ist er der 7. reichste Ukrainer. Ihm wird ein erheblicher Einfluss auf die politische Führung der Ukraine nachgesagt.Der kalte Krieg der Oligarchen. Die Welt, 23. August 2014.Ukraines Oligarchs are still calling the shots. Foreign Policy, 14. August 2014. Er galt lange Zeit als ein Unterstützer der früheren ukrainischen Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko.http://www.kas.de/wf/doc/kas_7656-1522-1-30.pdf?051206145406 Bei den Präsidentschaftswahlen 2010 unterstützte er allerdings ihren Wahlkampf nicht mehr. Nach dem Amtsantritt von Wiktor Janukowytsch geriet er zunehmend unter Druck der ukrainischen Behörden und lebte bis 2014 vorwiegend in der Schweiz und in Frankreich. 2019 wurde Kolomojskyj vom ukrainischen Magazin Focus in die Liste der 100 einflussreichsten Ukrainer aufgenommen und belegte den dritten Platz, nach Wolodymyr Selenskyj und Andrij Bohdan.

Gouverneur der Oblast Dnipropetrowsk Am 2. März 2014 wurde er vom Übergangspräsidenten Oleksandr Turtschynow zum Gouverneur seiner Heimatregion, der Verwaltung der Oblast Dnipropetrowsk ernannt. Zu seinem Stellvertreter ernannte er Hennadij Korban. Medienberichten zufolge galt Kolomojskyjs Ernennung als Zeichen an die Bürger im Osten des Landes und an die russische Regierung, um deren Vorwürfen von „faschistischen“ oder antisemitischen Neigungen der neuen politischen Führung in Kiew zu begegnen.Die Rückkehr der Oligarchen. Wiener Zeitung, 4. März 2014. Bei seiner Antrittspressekonferenz erklärte er: „Ich kann nicht glauben, dass sich Russen und Ukrainer gegenseitig ermorden sollen. Ich sage jetzt etwas sehr Undiplomatisches, aber wenn wir in der Ukraine schon einen Schizophrenen als Präsidenten hatten, dann war der im Vergleich zu dem anderen Schizophrenen im Kreml ja noch klein. Dessen Besessenheit, das alte Imperium in den Grenzen von 1991 wiederherzustellen, wird die Welt in eine Katastrophe führen.“Referendum unter Kriegsgefahr, deutschlandfunkkultur.de, 14. März 2014 Putin nannte Kolomojskyj anlässlich einer Pressekonferenz zwei Tage später einen „Betrüger“ und „Schurken“ und warf ihm vor, einen Vertrag mit dem russischen Oligarchen Roman Abramowitsch gebrochen zu haben. Kolomojskyjs verlor seine Aktiva auf der Krim, seine russische Bankentochter MoskomPrivatbank wurde am 6. März 2014 unter Zwangsverwaltung gestellt, später verkaufte er sie. Die Russen schrieben ihn international zur Fahndung aus, wegen Verdachts auf Auftragsmorde und Entführungen.Der Oligarch, der Geschäfte führt wie einen Krieg, Die Welt, 30. März 2015Russland stellt ukrainische Bank unter Zwangsverwaltung. Die Presse, 6. März 2014. In seinem Amt als Gouverneur übernahm er zeitweise einen Teil der Gehaltszahlungen an öffentliche Bedienstete sowie die Versorgung der Truppen in Dnipropetrowsk aus seinem Privatvermögen.Oligarch setzt Kopfgeld auf Separatisten aus. Tagesspiegel, 17. April 2014.

Finanzierung von Regiment Asow und anderen Bataillonen Er finanzierte den Aufbau der Kampfverbände Regiment Asow, Regiment Dnipro, Bataillon Ajdar sowie Bataillon Donbas, deren Gründung er 2014 bekannt gab.Ukrainian Nationalist Volunteers Committing ‘ISIS-Style’ War Crimes. Newsweek.Коломойский создает батальон добровольцев спецназ «Днепр» для защиты Украины. dp.vgorode.ua, 14. April 2014. Anders als Luhansk oder Donezk blieb Dnipro unter ukrainischer Kontrolle – und Kolomojskyj wurde für viele ein Held. Im Rahmen der Kampfhandlungen während des russisch-ukrainischen Konflikts erklärte Kolomojskyj 2014, er zahle für jeden verhafteten pro-russischen Separatisten eine Prämie von 10.000 US-Dollar.Kolomoisky promises cash rewards for fighting pro-Russian separatists. Kyiv Post, 17. April 2014.

Verhältnis zu Wolodymyr Selenskyj Da Kolomojskyj die Mehrheit an der Fernsehgruppe 1+1 besitzt, bei der Wolodymyr Selenskyj unter Vertrag stand, wurde schon vor dem Präsidentschaftswahlkampf 2019 gemutmaßt, Selenskyj sei ein von Kolomojskyj gesetzter „Bauer im Schach“. Seit Mai 2019, nach Selenskyjs Wahlsieg, ist er laut UNIAN wieder in der Ukraine zurück.

Nach Veröffentlichung der Pandora Papers wurde bekannt, dass Selenskyj zusammen mit engen Mitarbeitern Offshore-Firmen auf den Britischen Jungferninseln betrieb. Indirekt hielt Selenskyj mit seinen Mitarbeitern so 50 % der Anteile an der Firma „SVT“, die für „1+1“ produzierte.Yana Lysenko, Offshore-Geschäfte: Selenskyj und Kolomojskyj in den Pandora-Papers, Die Verwicklung des ukrainischen Präsidenten in den neuen Offshore-Skandal, Bundeszentrale für politische Bildung, 19. Oktober 2021, Online

Kontroversen In den 2000er-Jahren soll Kolomojskyj mittels eigener „quasi-militärischer“ Einheiten mehrere feindliche Übernahmen von Unternehmen vollzogen und einen Ruf als Corporate Raider erlangt haben.http://www.zahvat.ru/media/bookshelffile/original/34484.pdf So berichtete Forbes etwa, er habe 2006 bewaffnete Schläger angeheuert, um eine Stahlfabrik in Krementschuk zu übernehmen.Melik Kaylan: An Injection Of Rule Of Law For Ukrainian Business? Oligarch’s Lawsuit Could Help Improve The Culture Of Business Dealings In The Post Soviet Space. In: Forbes, 15. Juli 2013 (englisch). Um Konkurrenten auszustechen, soll er auch Einfluss auf die Justiz genommen haben. 2013 äußerte ein Londoner Richter im Rahmen eines Prozesses „ernsthafte Zweifel“ an Kolomojskyjs „Ehrlichkeit“.

Kolomojskyj wähnte sich immer wieder über dem Gesetz: So machte er im Oktober 2014 Schlagzeilen, als er freimütig zugab, drei Staatsbürgerschaften (Ukraine, Israel, Zypern) zu besitzen. Von Journalisten befragt, wie dies mit seiner Position als Gouverneur der Region Dnepropetrowsk vereinbar sei, da die ukrainische Verfassung den Besitz zweier Staatsbürgerschaften verbot, antwortete er: „Aber die dreifache ist nicht verboten.“ Als EU-Bürger (Zypern) konnte Kolomojskyj weltweit 154 Länder visumsfrei besuchen.

2020 ernannte ihn das internationale Zentrum für die Erforschung der Korruption und des organisierten Verbrechens zu einem der vier korruptesten Amtsträger des Jahres. Kolomojskyj habe eine „Geschichte von Unternehmensrazzien, Betrug, Unterschlagung und politischen Intrigen“ und vertrete „viele ideologische und korrupte Milliardäre, von den Koch-Brüdern bis zu Arron Banks, die die Demokratie zum persönlichen Vorteil untergraben haben“.

Konflikt mit Präsident Poroschenko Nachdem am 18. März 2015 das ukrainische Parlament Novellen verabschiedet hatte, die Kolomojskyjs Einfluss auf den größten ukrainischen Öl- und Gasförderer Ukrnafta und des Pipelinebetreiber Ukrtransnafta beschnitten, ließ dieser die Zentralen der Unternehmen durch seine Privatarmee stürmen und besetzen. Kolomojskyj selbst war bei der Aktion anwesend und beschimpfte einen regierungstreuen Journalisten „in unflätiger Art und Weise“. Innenminister Awakow stellte daraufhin ein Ultimatum, dass die Männer binnen 24 Stunden ihre Waffen niederzulegen und die Firmen zu verlassen hätten. Aus den Reihen der Kiewer Führung wurde Kolomojskyj daraufhin indirekt des Banditentums bezichtigt, indem ihm Morde, Folter und Schmuggel vorgeworfen wurden. Poroschenkos Konten in Kolomojskyjs Privatbank wurden vorübergehend gesperrt.

Das vom Parlament beschlossene Reformpaket für die staatliche Industrie gehörte zu den Reformen, die der IWF als Gegenleistung für benötigte Kredite forderte. Die Novellen beinhalten, dass Eigentümerversammlungen staatseigener Unternehmen bei 51 % Anwesenheit anstatt wie bisher bei 60 % beschlussfähig sind. Kolomojskyjs Unternehmen Privat Group hält über diverse Firmenkonstrukte 43 % der Anteile und er konnte als Minderheitsaktionär bis dato durch Abwesenheit Beschlüsse blockieren.

Kolomojskyj erklärte, im Falle seiner Absetzung durch Poroschenko seine Privatarmee – das Bataillon Dnjepr – nach Dnipropetrowsk zu holen. Dennoch wurde er von Poroschenko abgesetzt, der offiziellen Kiewer Sprachregelung zufolge trat er jedoch am 25. März 2015 nach einer Unterredung mit Poroschenko zurück.Kolomojskij tritt zurück. Frankfurter Allgemeine (faz.net), 25. März 2015. Zum Nachfolger auf dem Posten des Gouverneurs der Oblast Dnipropetrowsk wurde der bisherige Gouverneur der Oblast Saporischschja, Walentin Resnitschenko, ernannt.

Verstaatlichung der Privatbank Bis Dezember 2016 war Kolomojskyj einer der Haupteigentümer der Privatbank. Im Dezember 2016 wurde sie verstaatlicht, um die Bank und das ukrainische Finanzsystem vor einem Zusammenbruch zu bewahren, nachdem 4,5 Milliarden Dollar aus ihrer Bilanz verschwunden waren. Er soll mehr als 5 Milliarden Dollar von seiner damaligen Privatbank geliehen haben, die in einer Reihe von Offshore-Unternehmen verschwunden seien.