Oberwil-Lieli, im örtlichen Schweizerdeutsch Oberwiil und Niel ,Gemäss Material des Sprachatlasses der deutschen Schweiz sowie dem am Ort ausgefüllten Wenkersatz. statt letzterem jünger ,Gemäss Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 673 f. ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Bremgarten, liegt an der Grenze zum Kanton Zürich und besteht aus den Ortschaften Oberwil und Lieli. Bis 1984 hiess die Gemeinde offiziell Oberwil (AG).

Geographie Die Gemeinde liegt am Rande des Mutschellens auf dem Holzbirrliberg, einem sanft gewellten Hügelzug östlich des Reusstals, an südwestlicher Hanglage mit Fernsicht in die Alpen. Der Ortsteil Oberwil befindet sich im Südwesten des Gemeindegebiets auf Drei Bäche, die durch tief eingeschnittene Tobel fliessen, entwässern die Hochebene zur Reuss hin. Fast mit Oberwil zusammengewachsen sind die Siedlungen Buechimoos und Augenweid. Rund einen Kilometer nordöstlich von Oberwil, getrennt durch den Falterhauwald, liegt der Ortsteil Lieli auf Ganz im Osten des Gemeindegebiets entspringt der Lunnerenbach, der in die Reppisch fliesst.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1090 und 1091, Swisstopo.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 535 Hektaren, davon sind 136 Hektaren mit Wald bedeckt und 101 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf im Oberholz nördlich von Lieli, der tiefste auf im Gebiet Halden südlich von Oberwil. Nachbargemeinden sind Berikon im Norden, Birmensdorf im Nordosten, Aesch im Osten, Arni im Südosten, Unterlunkhofen im Süden und Zufikon im Westen.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Willare erfolgte im Jahr 1040, als König Heinrich III. dem Kloster Einsiedeln seinen Besitz bestätigte. Der Ortsname stammt von althochdeutsch wīlari «Hofsiedlung» und wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Ober-Wiler näher bestimmt.Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau (= Argovia 100/II). Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 332–334. Lieli, älter mundartlich Niel, wird erstmals ebenfalls 1040 als in Liele genannt und kommt von althochdeutsch liola bzw. schweizerdeutsch Niele «Gewöhnliche Waldrebe (Clematis vitalba)».

mini|links|Luftansicht (1964) Im Mittelalter lag Oberwil im Herrschaftsbereich des Hauses Habsburg-Laufenburg. Zu den Lehnsherren gehörten die Klöster Engelberg und Muri. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau, und Oberwil gelangte zum Kelleramt im Herrschaftsbereich der Stadt Zürich. 1429 erwarb Bremgarten die niedere Gerichtsbarkeit. Während des Alten Zürichkriegs verwüsteten die Innerschweizer im Jahr 1445 das Dorf. 1529 traten die Einwohner zur Reformation über, mussten aber nur zwei Jahre später nach dem Zweiten Kappelerkrieg zum Katholizismus zurückkehren. Im Ersten Villmergerkrieg von 1656 plünderten durchmarschierende Truppen das Dorf erneut. Nach der Eroberung der Schweiz durch die Franzosen und der Ausrufung der Helvetischen Republik im März 1798 folgte die Auflösung des Kelleramts. Oberwil und Lieli waren Gemeinden im kurzlebigen Kanton Baden, ab 1803 gehörten sie zum Kanton Aargau.

Das Dorf Lieli war bis 1908 eine selbständige Gemeinde. Aufgrund ihrer schlechten finanziellen Lage vollzog der Grosse Rat des Kantons Aargau die Fusion gegen den Willen der Bevölkerung. Die Gemeinde hiess weiterhin Oberwil. Am 1. Januar 1984 änderte sie jedoch den Namen in Oberwil-Lieli, um der gewachsenen Bedeutung Lielis gerecht zu werden. Nachdem die Bevölkerungszahl in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts leicht rückläufig gewesen war, entwickelte sich die Gemeinde ab den 1960er Jahren aufgrund der Nähe zu Zürich zu einer beliebten Wohngemeinde. Die Einwohnerzahl vervierfachte sich.

Sehenswürdigkeiten mini|Kirche St. Michael in Oberwil mini|Fachwerkhaus in Oberwil

Die katholische Pfarrkirche St. Michael in Oberwil reicht bis ins 11. Jahrhundert zurück, aus dieser Zeit ist der romanische Kirchturm erhalten geblieben. 1445 wurde die Kirche während des Alten Zürichkriegs in Brand gesteckt, 1501 erfolgte ein Neubau. Während des Ersten Villmergerkriegs erlitt die Kirche wiederum schwere Verwüstungen. Ihr heutiges barockes Aussehen erhielt sie 1672/73.Felder: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band IV: Bezirk Bremgarten. S. 341–349.

Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss auf grünem Dreiberg ausgerissener grüner Birnbaum mit gelben Früchten.» Der Birnbaum auf dem seit 1953 in dieser Form bestehenden Wappen weist auf den Holzbirrliberg hin. 1915 hatte der Historiker Walther Merz ohne Erfolg vorgeschlagen, das Wappen der aus Oberwil stammenden Familie von Wile zu führen (weisser Balken in Rot).

Bevölkerung Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 20152020 Einwohner 734 649 602 605 551 768 1191 1591 1729 2147 2216 2501

Am lebten Menschen in Oberwil-Lieli, der Ausländeranteil betrug %. Gemäss 2015 erhobenen Daten bezeichneten sich 36,2 % als römisch-katholisch und 29,0 % als reformiert; 34,8 % waren konfessionslos oder gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 95,1 % gaben bei der Volkszählung 2000 Deutsch als ihre Hauptsprache an, 1,1 % Italienisch sowie je 1,0 % Englisch und Französisch.

Politik und Recht Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Er wird im Majorzverfahren vom Volk gewählt, seine Amtsdauer beträgt vier Jahre. Der Gemeinderat führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm vom Kanton zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist in erster Instanz das Bezirksgericht Bremgarten zuständig. Oberwil-Lieli gehört zum Friedensrichterkreis VII (Bremgarten).

Wirtschaft In Oberwil-Lieli gibt es gemäss der im Jahr 2015 erhobenen Statistik der Unternehmensstruktur (STATENT) rund 420 Arbeitsplätze, davon 17 % in der Landwirtschaft, 18 % in der Industrie und 65 % im Dienstleistungssektor. Die Gemeinde ist wegen ihrer attraktiven Lage vor allem ein Wohnstandort. Die meisten Erwerbstätigen arbeiten in Bremgarten oder in der Agglomeration Zürich. Besondere Standortvorteile sind die Tatsache, dass Oberwil-Lieli einen der tiefsten Gemeindesteuerfüsse im gesamten Kanton besitzt, sowie die verkehrsgünstige Lage in der Nähe zu Zürich.

Verkehr mini|Ortsumfahrungstunnel in Lieli Während Oberwil etwas abseits des Durchgangsverkehrs an der Kantonsstrasse 411 liegt, führt durch Lieli die verkehrsreiche Kantonsstrasse 263 zwischen Bremgarten/Mutschellen im Westen und Zürich im Osten. Das Verkehrsaufkommen hat seit der Eröffnung der nahe gelegenen Westumfahrung Zürich (Autobahn A4) weiter zugenommen. Um die Bevölkerung vor den schädlichen Auswirkungen zu schützen, entstand unter Lieli hindurch ein Umfahrungstunnel, der seit April 2008 in Betrieb ist.

Oberwil und Lieli werden durch eine zwischen dem Bahnhof Berikon-Widen der Bremgarten-Dietikon-Bahn und dem Bahnhof Zürich Wiedikon verkehrende Postautolinie erschlossen. Hinzu kommt ein von PostAuto betriebener Schnellbus der Gesellschaft Aargau Verkehr, der von Bremgarten über Oberwil-Lieli und durch den Uetlibergtunnel zum Bahnhof Zürich Enge führt. An Wochenenden verkehrt ein Nachtbus vom Bahnhof Dietikon über Widen nach Oberwil-Lieli.

Bildung Die Gemeinde verfügt über drei Kindergärten (Oberwil, Lieli und Falter) und eine Primarschule, die genau in der Mitte zwischen den beiden Dörfern steht. Im Schuljahr 2016/17 wurde wegen der wachsenden Schülerzahlen ein Erweiterungsbau der Primarschule in Betrieb genommen. Auch die Kindergärten in Oberwil und Lieli wurden in den Jahren 2014 und 2017 durch Neubauten ersetzt und vergrössert. Die Oberstufenschüler (Realschule, Sekundarschule und Bezirksschule) besuchen das Kreisschulzentrum im benachbarten Berikon. Das nächstgelegene Gymnasium ist die Kantonsschule Wohlen, wobei Schüler auf Gymnasialstufe auch die Kantonsschule Baden oder die Kantonsschule Wettingen besuchen.

Persönlichkeiten Andreas Glarner (* 1962), Politiker (SVP), Nationalrat, Alt-Gemeindeammann René Rindlisbacher (* 1963), Moderator, Komiker und Kabarettist Urs Lehmann (* 1969), Präsident des Schweizerischen Skiverbandes Florian Jenni (* 1980), Schachspieler Jennifer Ann Gerber (* 1981), Miss Schweiz, Lokalpolitikerin (FDP) Matthias Müller (* 1982), Orientierungsläufer Jonas Lüscher (* 1976), Autor und Preisträger des Schweizer Buchpreises

Literatur

Weblinks

Offizielle Website der Gemeinde Oberwil-Lieli

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kanton Aargau Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Ersterwähnung 1040