Werneuchen ist eine nordöstlich von Berlin gelegene Kleinstadt im Landkreis Barnim des Bundeslandes Brandenburg. Als Stadt im „engeren Verflechtungsraum“ gehört das Grundzentrum Werneuchen zur europäischen Metropolregion Berlin/Brandenburg.

Geographie Werneuchen liegt auf dem Barnim, einem Höhenzug zwischen Berlin und Eberswalde. Die Landschaft ist durch die letzte Eiszeit geprägt. Zeugnisse dieser Zeit sind das Naturschutzgebiet Weesower Luch und Seen wie der Haussee in Seefeld und der Gamensee. Die Stadt liegt im Regionalpark Barnimer Feldmark.

Das Stadtgebiet grenzt im Norden an das Amt Biesenthal-Barnim, im Osten an die Ämter Falkenberg-Höhe und Barnim-Oderbruch, im Süden an die amtsfreie Stadt Altlandsberg und im Westen an die amtsfreie Gemeinde Ahrensfelde und die amtsfreie Stadt Bernau.

Nachbargemeinden

Nachbargemeinden von Werneuchen sind:

Ahrensfelde Bernau bei Berlin Biesenthal Altlandsberg im Landkreis Märkisch-Oderland Panketal Prötzel im Landkreis Märkisch-Oderland

Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich nach ihrer Hauptsatzung in folgende Ortsteile: Hirschfelde Krummensee Löhme Schönfeld Seefeld Tiefensee Stadt Werneuchen Weesow Willmersdorf

Außerdem sind folgende Wohnplätze ausgewiesen: Amselhain, Bahnhofssiedlung, Elisenhof, Rudolfshöhe, Steinau, Stienitzaue, Werftpfuhl und Werneuchen-Ost.

Die Stadtverordnetenversammlung von Werneuchen beschloss am 19. Dezember 2013 die Verselbstständigung der bisher zu einem Ortsteil verbundenen Gemeindeteile Seefeld und Löhme. Die Trennung wurde zur Kommunalwahl am 25. Mai 2014 rechtswirksam.

Geschichte Die ursprünglich wendische Siedlung Werneuchen wurde 1247 durch Unterschrift des Pfarrers Johann de Warnow als Zeuge auf zwei Urkunden erstmals erwähnt. Am 24. oder 25. April 1432 wurde die Stadt von einer hussitischen Truppe, die am 23. April vergeblich versucht hatte, Bernau zu erobern, völlig zerstört. Da die Stadt im Unterschied zu Bernau über keine starke Befestigung verfügte, hatten die Bewohner keine Verteidigung versucht, sondern waren geflohen. Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Stadt sehr unter Plünderungen und brannte 1637 fast völlig ab. Im Mittelalter wurde die Stadt durch die Wröhe, eine freiwillige Gerichtsbarkeit der Bürger zur Regelung von Flurstreitigkeiten und -schäden, bekannt. Sie fand wöchentlich oder monatlich unter einer Linde auf dem Kirchplatz statt.

Obwohl seit 1375 mit Stadtrecht versehen, hatte der Ort nie überregionale Bedeutung. Theodor Fontane beschreibt ihn in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg.

Zur Geschichte von Krummensee, Löhme, Seefeld, Weesow und Willmersdorf bis 1874 siehe Amt Löhme.

Durch den Bau der Bahnstrecke Berlin–Wriezen, deren Führung über Werneuchen durch einen lokalen Verein wesentlich gefördert wurde (Eröffnung 1898), verbesserte sich die Verkehrsanbindung Werneuchens erstmals erheblich. 1906 erhielt Werneuchen ein Elektrizitätswerk und elektrische Straßenbeleuchtung. Zwischen 1910 und 1930 entstand eine Reihe neuer Wohnsiedlungen wie Rudolfshöhe, Amselhain, Stienitzaue und Werneuchen-Ost. Unverändert ist die Regionalbahnverbindung mit Berlin eine wichtige Ergänzung der bei Ahrensfelde endenden Berliner S-Bahn. Dies führte jedoch weder zu einer großmaßstäblichen Industrialisierung, noch kam es zu einer auf Berlin bezogenen Suburbanisierung. mini|Werneuchen wird Garnison: Schlüsselübergabe 1937 Ab 1937 gewann Werneuchen neue Bedeutung als Fliegerhorst der deutschen Luftwaffe (Jagdfliegerschule 1). Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Flugplatz Werneuchen als Militärflugplatz der sowjetischen Garnison erheblich ausgebaut und von der Westgruppe der Truppen der Sowjetarmee (GSSD/WGT) durch Frontbombenflieger-, Aufklärungsflieger- und HubschrauberverbändeLutz Freundt (Hrsg.), Stefan Büttner: Rote Plätze – Russische Militärflugplätze Deutschland 1945–1994, AeroLit, Berlin, 2007, ISBN 978-3-935525-11-4, S. 135–143 und 292–293. der 16. Luftarmee bis zu deren Abzug 1993 militärisch genutzt. Heute dient er als Sportflugplatz.

In Weesow befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum August 1945 das sowjetische Speziallager Nr. 7, ein Internierungslager. Es wurde später nach Sachsenhausen verlegt.

Nach der Wende wurde im Zuge der Ämterbildung im Land Brandenburg das Amt Werneuchen mit Sitz in Werneuchen gebildet. Der Minister des Innern des Landes Brandenburg erteilte seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Werneuchen am 13. Juli 1992. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 31. Juli 1992 festgelegt. Das Amt bestand zunächst aus neun Gemeinden in den damaligen Kreisen Bernau und Bad Freienwalde: Hirschfelde, Krummensee, Löhme, Seefeld, Weesow, Willmersdorf, Schönfeld, Tiefensee und der Stadt Werneuchen. Am 31. Dezember 1998 wurde die Gemeinde Löhme in die Gemeinde Seefeld eingegliedert. Zum 31. Dezember 2001 wurde die Gemeinde Weesow in die Stadt Werneuchen eingegliedert. Am 26. Oktober 2003 wurden die Gemeinden Hirschfelde, Krummensee, Schönfeld, Seefeld, Tiefensee und Willmersdorf in die Stadt Werneuchen eingegliedert. Das Amt Werneuchen wurde aufgelöst, die Stadt Werneuchen ist amtsfrei. Vier Ortsteile klagten vor dem Landesverfassungsgericht des Landes Brandenburg erfolglos gegen diese Entscheidung. Der Ortsteil Seefeld-Löhme wurde 2013 in die beiden Ortsteile Seefeld und Löhme geteilt.

Werneuchen gehörte bis zum 1. Juli 1950 zum Landkreis Oberbarnim, kam dann zum Landkreis Niederbarnim und am 25. Juli 1952 zum Kreis Bernau im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Am 6. Dezember 1993 wurde der heutige Landkreis Barnim gebildet.

Das heutige Stadtgebiet ist identisch mit dem Gebiet des von 1992 bis 2003 existierenden Amtes Werneuchen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1.426 1890 1.641 1910 1.980 1925 2.249 1933 2.887 1939 4.095 Jahr Einwohner 1946 4.218 1950 4.301 1964 3.908 1971 3.883 1981 3.474 1985 3.448 Jahr Einwohner 1990 3.224 1995 3.206 2000 3.577 2005 7.799 2010 7.920 2015 8.321 Jahr Einwohner 2020 9.226 2021 9.261 2022 9.102 2023 9.176 2024 9.397 2025 9.430

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl 2005 ist auf die Eingliederung mehrerer Gemeinden im Jahr 2003 zurückzuführen.

Politik Stadtverordnetenversammlung Die Stadtverordnetenversammlung von Werneuchen besteht aus 18 Stadtverordneten und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2014Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 Sitze2014 Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024Sitze2024 AfD – – 18,0 % 3 28,8 % 5 Unabhängige Wählergruppe Werneuchen 13,3 % 2 23,7 % 4 14,8 % 3 CDU 16,9 % 3 9,1 % 2 14,0 % 2 Die Linke 33,0 % 6 15,6 % 3 9,4 % 2Gemeinsam für Werneuchen – – – – 8,7 % 2 SPD 19,3 % 3 13,5 % 3 8,4 % 1Grüne – – – – 4,6 % 1Einzelbewerber Germaine Keiling – – – –4,2 %1 Wählerinitiative Werneuchen 8,4 % 2 6,1 % 1 3,9 % 1 Die PARTEI – – 2,8 % 1 1,6 % 0 FDP 2,5 % 0 2,1 % 01,6 % 0 Freie Wähler Werneuchen – – 5,5 % 1 – – Bürger für Werneuchen – – 2,1 % 0 – – Einzelbewerber Holger Heinrich – – 1,6 % 0 – – Wählergruppe pro Seefeld 3,6 % 1 – – – – Die Unabhängigen 3,1 % 1 – – – –

Bürgermeister mini|Rathaus 2001–2019: Burkhard Horn (Die Linke)„Man muss die Tür einen Spalt offen lassen!“ In: verlag-vwm.de. 2020–2024: Frank Kulicke (Unabhängige Wählergruppe Werneuchen) seit 2024: Astrid Hildebrand (parteilos)

Kulicke wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 22. September 2019 mit 69,4 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 22. September 2019. In: brandenburg.de. In einem Bürgerentscheid am 9. Juni 2024 wurde er mit 73,0 % der gültigen Stimmen abgewählt und war seit dem 13. Juni 2024 nicht mehr im Amt.Bürgermeisterabwahl

In der Stichwahl am 13. Oktober 2024 wurde Hildebrand mit 63,8 % der gültigen Stimmen zur neuen Bürgermeisterin gewählt. Ihre Amtszeit beträgt acht Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 74 (1).

Wappen

Historisches Wappen

Flagge „Die Flagge ist Weiß - Grün (1:1) gestreift und mittig mit dem Stadtwappen belegt.“

Dienstsiegel Das Dienstsiegel zeigt das Wappen der Stadt mit der Umschrift .

Städtepartnerschaften Dziwnów, ehem. Berg-Dievenow, in Polen, seit 1996 Ustronie Morskie, ehem. Henkenhagen, in Polen, seit 1996Info-Tafel am Turner-Denkmal Ustronie Morskie

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmale in Werneuchen und in der Liste der Bodendenkmale in Werneuchen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke hochkant=0.7|mini|Stadtkirche St. Michael mini|Schloss Werneuchen Neugotische Stadtkirche St. Michael, erbaut 1873/1874 nach einem Entwurf von Robert Thiem, mit den Gräbern der Familie Schmidt (von Werneuchen), dem Gedenkstein für den in der Schlacht bei Blumberg gefallenen Freiheitskämpfer Otto von Arnim und dem Mausoleum der Familie Petitjean (im Architekturstil des David Gilly) Katholische Pfarrkirche St. Joseph, Lamprechtstraße Schloss Werneuchen, historistischer Bau von 1913 Rittergut Hirschfelde, ein aus dem Herrenhaus, dem Verwalterhaus, der Remise, einem Pferdestall, mehreren anderen Stallgebäuden, einer Schnapsbrennerei, einem Wasserturm und einem Kindergarten bestehender Gutshof. Die erhaltenen Gebäude wurden in den letzten Jahren teilweise restauriert. Johannaheim in Werftpfuhl (im Ortsteil Hirschfelde), als Waisenhaus gestiftet vom Berliner Unternehmer und Hirschfelder Rittergutsbesitzer Eduard Arnhold und heute von der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein genutzt Dorfkirche Krummensee, entstand im 13. Jahrhundert und wurde im 14./15. Jahrhundert um einen Westturm ergänzt. 1866 erneuerte die Kirchengemeinde die Kirchenausstattung. Weitere mittelalterliche Dorfkirchen in Hirschfelde Schönfeld (seit dem Zweiten Weltkrieg zum Teil Ruine) Seefeld (auf dem Kirchhof zahlreiche Gräber für gefallene Soldaten und Volkssturmleute der Schlacht um Berlin vom 21. April 1945) Weesow Willmersdorf

Geschichtsdenkmale Gedenktafel von 1993 am Gemeindehaus des Ortsteils Tiefensee an der B 158 zur Erinnerung an den Reformpädagogen Adolf Reichwein, der zeitweise an der damals dort befindlichen Schule lehrte und sich später am antifaschistischen Widerstand des Kreisauer Kreises beteiligte, weswegen er 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet wurde mini|hochkant=0.7|Hirsch von Louis Tuaillon Gedenkstein auf dem Waldfriedhof des Ortsteiles Tiefensee für die Widerstandskämpfer gegen Faschismus und Krieg. Daneben befindet sich das Grab eines umgekommenen ukrainischen Zwangsarbeiters FIR-Ehrenmal im Park am Paddenphul zum Gedenken an die antifaschistischen Widerstandskämpfer

Parks Der ehemalige Park des Rittergutes Hirschfelde, angelegt von dessen damaligen Besitzer Eduard Arnhold, steht in seinen Resten, ebenso wie das Gutshaus, unter Denkmalschutz. Auf dem Dorfanger von Hirschfelde steht die Bronzestatue eines Hirsches von Louis Tuaillon

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Solarkraftwerk auf dem Flugplatz Werneuchen