mini|Flaggenmast Bremer Reedereien und Binnenschiffer am Osterdeich

Die Bremer Reedereien haben in der Hansestadt Bremen und der Seestadt Bremerhaven mit ihrer Lage an der Weser und der Nordsee und den Bremischen Häfen eine traditionell große Bedeutung. Eine Reederei ist ein Transport- und Schifffahrtsunternehmen im Bereich der See- und Binnenschifffahrt.

Bremen war der Standort von mehreren Großreedereien. Die bedeutendsten waren der Norddeutsche Lloyd (NDL) sowie die Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Hansa“ und die Neptunreederei.

Geschichte der Reedereien mini|Bremer Walfangflotte um 1840, Vollschiff Europa(I) von Wätjen im Vordergrund Die Reederei F. A. Vinnen & Co. von 1819 wurde als Reederei E. C. Schramm & Co. gegründet und gilt als die älteste bestehende Reederei Bremens. Zu den älteren Reedereien zählen die Reederei Johann Lange Sohn’s Wwe. & Co. von 1642, Cassel & Traub von 1777, die Reederei Friedrich Schröder vom Anfang des 19. Jahrhunderts, die Reederei D. H. Wätjen und Co. von 1821, der Norddeutsche Lloyd (NDL) von 1857 und die Reederei Bischoff von 1859.

16. bis 18. Jahrhundert

Nach dem Seepassregister 1594/95 fuhren jährlich ca. 88 Bremer Seeschiffe mit einer Tragfähigkeit von 2466 Bremer Last, wobei die Hollandfahrten mit 38 Schiffen und 846 Last dominierten sowie die Ostseefahrt mit um die 20 bis 25 Schiffe. 1612 fuhren schon rund 100 Bremer Schiffe mit rund 3140 Last auf See. Die Bremer Ostseefahrt nahm um 1630 bis 1647 stark zu und verlagerte sich, nachdem die Küstenstädte im schwedischen Zollgebiet lagen, nach England und Frankreich. Durch englisch/niederländische Seekriege bis 1675 sowie durch den Elsflether Weserzoll verringerte sich die Bremer Flotte 1658/59 auf nur noch 58 Schiffe mit 1835 Last und wuchs dann kontinuierlich bis 1673 auf 66 Einheiten und 3099 Last. Die Grönlandfahrt beeinträchtigte zunächst die Bremer Reeder bis Bremer Kaufleute zwei Grönländische Companien gründeten. Nach 1674/76 wurden jedoch weniger Schiffe in der Frachtfahrt eingesetzt: 1685 mit 46 und 1693 mit 34 Frachtschiffen. 1702 umfasste die Bremer Handelsflotte 71 Einheiten bei durchschnittlich 65 Last pro Schiff mit 52 Kauffahrtsschiffen und 19 Grönlandfahrern. Die Tragfähigkeit hatte sich in den hundert Jahren mehr als verdoppelt.Hartmut Müller: Untersuchungen zur bremischen Reederei im 17. Jahrhundert. In: Bremisches Jahrbuch. Band 53, 1975, S. 94ff.

Als Bremer Schiffsbestand wurde um die Jahrhundertwende vom 18. zum 19. Jahrhundert folgender Bestand registriert:

Jahr Schiffsbestand davon Bodmerei 1778 96 79 1797 140 82 1789 159 101 1801 177 106 1807 175 101 1815 118 68

Um die rund 60 % der Schiffe fuhren in der Bodmerei, also als Schiffe unter einem Darlehensvertrag nach historischem Seehandelsrecht.Hartmut Müller: Die Fahrgebiete der Bremer Reedereien im Ausgang des 18. Jahrhunderts. In: Bremisches Jahrbuch. Band 56, 1978, S. 41 f.

Fahrgebiete Bremer Schiffe waren um 1778 bis 1788 Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Irland, Norwegen, Grönland und die Ostseeanrainerstaaten. Dabei waren bei rund 1060 einkommenden Schiffen die Häfen Liverpool (69), London (82), Bayonne (85), Bordeaux (318), Nantes (47), Archangelsk (51), Liebau (90), Riga (74) und Kalmar (38) bedeutsam und bei rund 1150 ausgehenden Schiffen zusätzlich noch Danzig (46), Memel (142), Wiborg (36) und St. Petersburg (21).Hartmut Müller: Die Fahrgebiete der Bremer Reedereien im Ausgang des 18. Jahrhunderts. In: Bremisches Jahrbuch. Band 56, 1978, S. 43 bis 50.

Walfang: Auch Bremer Fischer nahmen im 18. Jahrhundert am lohnenden Walfang durch Grönlandfahrten teil. Dazu gründeten einige Kaufleute zwei Grönländische Companien, deren sechs Schiffe „mit reichem Segen heimkehrten“. 1081 bremische Fangschiffe fuhren trotz Treibeis, Packeis, gewaltigen Nordstürmen und Skorbut in der Zeit von 1695 bis 1798 ins Polarmeer. 22 Schiffe blieben auf See; die meisten wurden vom Packeis zerdrückt.

19. Jahrhundert

In den 1820er Jahren waren 90 Segelschiffe in Bremen registriert. 1880 zählte die bremische Handelsflotte 324 Seeschiffe, davon 68 Dampfer. 1884 waren es 356 Seeschiffe. Mit der Umstellung von Segelschiffen auf Dampfschiffe ging die Zeit der typischen Kaufmannsreeder als Personengesellschaften zu Ende. Die hohen Baukosten für Dampfschiffe beförderten wegen des Kapitalaufkommens den Zusammenschluss von Kaufmannsreedern wie Meier, Wätjen, Vietor oder Melchers, zu Reedereigesellschaften, wie dem Norddeutschen Lloyd, der Dampfschifffahrtgesellschaft „Neptun“ oder der Deutschen Dampfschifffahrtsgesellschaft „Hansa“ in der Zeit von 1857 bis 1881.

Mit Gründung des Norddeutschen Bundes am 1. Juli 1867 verschwand die Bremer Flagge am Heck der Flotte und die Schiffe führten ab dann die Schwarz-Weiß-Rote Flagge.

Trotz des Beitritts Bremen von 1882 in das Reichszollgebiet, der 1888 vollzogen wurde, traten nicht die befürchteten Nachteile für Handel und Schifffahrt ein. Bremens Wirtschaft konnte sich ungehindert von hemmenden Zollschranken frei entfalten. 1883 wurde mit der Weserregulierung und 1885 mit dem Bau des Freihafens (später Europahafen genannt) begonnen. Seit 1885 wurde der Reichspostdampferdienst gesetzlich subventioniert und der Norddeutschen Lloyd mit der Durchführung des Linienverkehrs mit Ostasien und Australien beauftragt.

Die Kolonialpolitik des Deutschen Reiches seit den 1880er Jahren stärkte das Bremer Reedereiwesen. 1890 hatte die Bremer Seeflotte 212 Segelschiffe, und 130 Dampfschiffe. mini|Magdalene Vinnen (1933), heute: Sedov mini|Schnelldampfer Bremen, 1931 20. Jahrhundert Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges verfügte die bremische Handelsflotte über 446 Schiffe mit fast 1,5 Mio BRT. Die Niederlage führte zum Verlust der bremischen Handelsschifffahrt. Handels- und Schiffsverkehr konnten nach 1921 wieder an Bedeutung gewinnen. Um 1933 fuhren für bremische Schifffahrtsunternehmen Schiffe mit rund 1,3 Mio. BRT Schiffstonnage.

Im und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die bremische Flotte schwere Verluste durch Kriegszerstörung, Requirierung oder Reparationsleistungen hinzunehmen.

Seit den 1950er Jahren konnte die bremische Flotte wieder an Fahrt gewinnen. Zu Beginn der 1970er Jahre verschärfte sich die Konkurrenz in der Weltschifffahrt. Der Anteil der deutschen Tonnage am Frachtenmarkt sank. 1970 fusionierten NDL und HAPAG zur Großreederei Hapag-Lloyd AG.

Der Container bzw. die Containerisierung veränderte entscheidend den Transport von Stückgütern per Schiff. 1966 legte das erste Containerschiff in Bremen an. Die Neustädter Häfen wurden in den 1960er Jahren gebaut, vorwiegend für Containerschiffe. Es folgte in den 1970er Jahren das Container-Terminal Bremerhaven; damit wurde der Hafen zu einem der größten Containerhäfen der Welt.

1984 fuhren noch 150 Schiffe unter Bremer Flagge. In Deutschland wurde seit 1999 durch eine neue Schifffahrtspolitik eine spezifische „Tonnagesteuer“ eingeführt und die internationalen Wettbewerbsbedingungen verbessert. Die deutsche Handelsflotte wuchs stark.

2012 setzten 41 Bremer Reeder rund 350 Schiffe (= ca. 9 % von Deutschland) mit einer Bruttoraumzahl von rund 6 Mio. BRZ ein.Günther Hörbst: Wirtschaft fordert schnelle Hilfe für Reeder. In: Weser-Kurier vom 5. Oktober 2012, S. 21. Bremer Reeder beschäftigten 2012 rund 1000 Mitarbeiter an Land und rund 7000 an Bord.

2014 setzten 30 Bremer Reeder rund 320 Schiffe ein, von 3400 in Deutschland bereederten Schiffen.Peter Hanuschke: Erstaunlich robuste Reeder. Fazit beim Rhederabend: Bremen ist nach wie vor ein attraktiver Schifffahrtsstandort. In: Weser-Kurier vom 16. März 2014, S. 27.

Liste der Reedereien aus Bremen und Bremerhaven Alphabetische Aufstellung, aktuelle Daten von 2014 Die nicht bremischen Reedereien im Bremer Rhederverein wurden in der Liste aufgenommen.

Hinter dem Namen stehen die bekannten Buchstaben, die in der Flagge oder in der Schornsteinmarke geführt wurden

Ahlmann Transport Die Reederei Ahlmann Transport KG bestand von 1951 bis 1974.

Alpha Ship Die Alpha Ship GmbH in Bremen bereederte (2014) 17 Containerschiffe von rund 1100 bis 1800 TEU unter der Flagge von den Marshallinseln.

Anglo-Eastern (Germany) Die Anglo-Eastern (Germany) mit Sitz in Bremen ist eine 2008 gegründete Tochtergesellschaft der Anglo-Eastern Group aus Hongkong und Mitglied im Bremer Rhederverein.

Aquila Maritime Transport Das Aquila Maritime Management, gegründet 2005 von Erhard Koschorreck, unterhält Massengut- und Mehrzweckfrachter (2014: Fünf Schiffe).

Argo Reederei 35px|rand|links|alt=^ Die Argo Reederei von 1896 bis 2002, zuerst Argo AG, 1936 Argo Reederei Richard Adler & Söhne, fuhr im Linienverkehr nach Großbritannien und hatte Anfang 1960 maximal 35 Schiffe und 53.442 BRT.

Atlas Levante-Linie Die Atlas Levante-Linie (ALL) von 1935 bis 1967 war eine Linienreederei im Levantegebiet, dem östlichen Mittelmeer. Entstanden aus der Hamburger Deutschen Levante-Linie (DLL) von 1889, die mehrheitlich den beiden deutschen Großreedereien, der Hamburg-Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd gehörte. Bei der Ausgliederung von 1935 wurde die ALL in Bremen gegründet mit elf Schiffen des Norddeutschen Lloyds. 1959 übernahm die DDG „Hansa“ die Mehrheit der ALL. 1967 wurde die ALL von der Hamburg-Süd-Gruppe übernommen.

Reederei Helmut Bastian Die Reederei Helmut Bastian von 1947 bis 1989 besaß zuerst Küstenmotorschiffe, Fischlogger und kleine Containerschiffe, dann auch Gastanker und Frachter. 1983 umfasste die Flotte rund 80.000 tdw.

Beluga Shipping 35px|rand|links|alt=^ Die Beluga Shipping wurde 1995 von Niels Stolberg gegründet. 2010 hatte sie 69 Schwergutfrachter. 2009 und 2011 übernahm die US-amerikanische Investmentgesellschaft Oaktree Capital Management Anteile der Reederei; 2011 musste Insolvenz angemeldet werden. Aus Beluga Shipping ging das Unternehmen Hansa Heavy Lift hervor mit Sitz in Hamburg.

Reederei Bischoff/Argo Reederei Die Reederei Bischoff von 1859 bis 1899, gegründet von Johann Dietrich Bischoff mit einer Trampschifffahrt, die seit 1874 auch Dampfschiffe vorwiegend auf der Ostsee einsetzte. Sein Sohn Friedrich Bischoff (Reeder) (1861–1920) verkaufte die meisten seiner Schiffe an die 1896 gegründete Argo Reederei. Die heutige GmbH bei der Argo bereedert drei Frachtschiffe.

Reederei Carl Borm, (CB), Bremen

Bremen-Mindener Schiffahrts-AG Die Bremen-Mindener Schiffahrts-AG von 1939 bis 1971 ist aus dem Zusammenschluss der Bremer Schleppschiffahrtsgesellschaft von 1886 und der Mindener Schleppschiffahrtsgellschaft entstanden mit Sitz in Minden. Die Reederei verfügte über bis zu ca. zehn Schlepper.

Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft 35px|rand|links|alt=^ Die Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft (BV) war eine Loggerfischerei die von 1895 bis 1969 bestand und zeitweise mit 68 Loggern (1938) die größte Heringsfischerei-Gesellschaft Europas war.

Bremer Bereederungsgesellschaft Die Bremer Bereederungsgesellschaft (BBG) von 1970 bereedert aktuell 24 (2015) Massengutfrachter als MS Conti-Schiffe. Acht Containerschiffe wurden verkauft bis 2015.

Bremer Dampferlinie Atlas 1905 von der Deutschen Levante-Linie übernommen

Bremer Lloyd Reederei Die BremerLloyd, 1999 in Bremen gegründet von Herbert Behrens, bereederte 2009 rund 10 Mehrzweckfrachter (Multi Purpose Vessel); 2014 waren es sechs Frachtschiffe.

Bremer Reederei Die Bremer Reederei Eilemann und Bischoff (E&B) von 1951 war und ist im Liniendienst für Skandinavien tätig. Die Flotte umfasste 2009 acht und 2014 sechs Mehrzweckfrachter.

Bugsier-, Reederei- und Bergungs-Gesellschaft