mini|John Fryer in der Uniform eines Steuermanns (Master) der Royal Navy. Staatsbibliothek von New South Wales. John Fryer (* 15. August 1753 in Wells-next-the-Sea, England; † 26. Mai 1817 ebenda) war ein britischer Seeoffizier und von 1787 bis 1789 der Steuermann des durch die Meuterei bekanntgewordenen Segelschiffs Bounty.

Herkunft und Familie

Fryer blieb Zeit seines Lebens mit seinem Geburtsort Wells-next-the-Sea in Norfolk verbunden. Seine erste Ehefrau Anne (née Sporne) wurde hier am 25. August 1784 auf dem Friedhof der Pfarrkirche St. Nicholas im Alter von 26 Jahren bestattet, vermutlich nachdem sie im Kindbett gestorben war. Zuvor war die Tochter Sarah Ann am 28. Februar 1784 bestattet worden.

Seine zweite Frau wurde Mary (née Tinkler), die er ebenfalls hier am 2. August 1787 heiratete, nur wenige Wochen bevor er mit der Bounty in See gegangen war. Während seiner Abwesenheit wurde ihm ein Sohn geboren, der noch an seinem Geburtstag in seinem Elternhaus getauft und am 14. Mai 1788 in die Kirchengemeinde von St. Nicholas aufgenommen wurde. Auf ihn folgten noch fünf Töchter. Der Sohn starb als junger Seeoffizier und die Ehefrau wurde am 25. Januar 1807 bestattet. Nach seinem eigenen Tod wurde Fryer nebst ihr bestattet. Der originale Grabstein ist inzwischen im Kirchengebäude aufgestellt, während seine Grabstelle mit einem neuen markiert ist. Die Tochter Mary Ann Gamble verfasste später einen kurzen Lebenslauf über ihren Vater.

Harrison Fryer (* 23. April 1788 in Wells, get. 23. April 1788 ebd.; † 18. Januar 1804). Mary Ann Fryer (* 1791 in Chatham; † 8. Juni 1865 in Little Walsingham); ⚭ 1818 mit William Gamble. Sarah Fryer (* 19. Mai 1793 in Wells, get. 27. Mai 1793 ebd.). Maria Fryer (* 15. Januar 1799 in Portsea, get. 28. Januar 1800 in Wells; best. 9. Mai 1813 in Wells). Susanna Fryer (* 23. April 1802 in Wells, get. 24. April 1802 ebd.; best. 30. Dezember 1808 in Wells). Elizabeth Fryer (* 4. August 1804 in Wells, get. 6. August 1804 ebd.; best. 20. Januar 1820 in Wells).

Die Bounty-Expedition

Auf der Bounty

Wann Fryer in den Dienst der königlichen Marine trat, ist unbekannt. Am 10. Januar 1781 wurde ihm die Eignung zum Steuermann (Coxwain) dritten Grades patentiert, dem mit der Schiffsführung und Navigation betrauten wichtigsten Funktionsposten (Sailing Master) in der Segelschifffahrt, auf dem er bis zu seinem Karriereende auf verschiedenen Schiffen eingesetzt war, zuletzt im höchsten Grad. Ob er jemals eine Offizierslaufbahn angestrebt hatte, ist unklar, jedenfalls ist nicht bekannt, dass er je eine Prüfung für ein Offizierspatent abgelegt hätte. Bevor er im Sommer 1787 auf die HMS Bounty abkommandiert wurde, hatte er nie länger als sechs Monate außer Dienst gestanden, wenngleich nur Einsätze auf zwei Schiffen von 1781 bis 1783 seine einzigen bekannten Verwendungen darstellen. Am 20. August 1787 trug er sich in Deptford im Alter von 35 Jahren in die Musterungsrolle der Bounty ein, die an jenem Tag von dem kommandierenden Offizier Lt. William Bligh eröffnet wurde. Wenige Tage später trug sich auch sein junger Schwager Robert Tinkler in die Musterrolle ein, der als Kabinenjunge des Kommandanten seine erste Seefahrt bestreiten wollte. Ab dem 9. Oktober 1787 steuerte Fryer die Bounty von dem Long Reach bei Dartford die Themse hinab und nahm am 20. Oktober in Gravesend Bligh an Bord. Nach der Passage der Downs in stürmischer See ging das Schiff am Abend des 4. November im Spithead vor dem Hafen von Portsmouth vor Anker. In einem hier am folgenden Tag an Sir Joseph Banks adressierten Brief äußerte sich Bligh lobend über seinen Steuermann, dem in den folgenden Wochen der Ankerzeit allerdings auch rheumatische Beschwerden plagten. Am 23. Dezember stach die Bounty zu ihrer Mission, die Brotfrucht von Tahiti nach Jamaika zu transportieren, in See.

Schon zu Beginn der Fahrt war Fryers Aufgabenfeld an Bord auf die Schiffsführung und reine Stellvertretung des Kommandanten beschränkt. Da die Navigation von dem erfahrenen Bligh persönlich übernommen wurde, war er für diese Tätigkeit entbehrlich. In der am 11. Januar 1788 etablierten Wacheinteilung wurde ihm die Führung der ersten Wache übertragen, die von 20:00 Uhr bis Mitternacht den Dienst an Deck zu versehen hatte. Ihm in der Schiffshierarchie unmittelbar unterstellt waren die zwei Steuermannsmaate Fletcher Christian und William Elphinstone. Ersterer war nach vorangegangenen gemeinsamen Fahrten in der Handelsmarine ein persönlicher Freund Blighs, welcher damit die am 2. März vorgenommene Ernennung Christians zum neuen Stellvertreter des Kommandanten (Acting-Lieutenant) begründete. Dem noch jungen Christian sollte damit eine Chance zur Bewährung in der Schiffsführung eingeräumt werden, mit der er sich für eine zukünftige Offizierslaufbahn empfehlen konnte. Wie die damit einhergehende Zurücksetzung von dem fast fünfzehn Jahre älteren Fryer aufgenommen wurde, ist nicht bekannt. Nach eigenem Bekunden hatte er bis zur Meuterei ein freundschaftliches Verhältnis zu Christian gepflegt.

Fryer schien das Vertrauen der Mannschaft genossen zu haben. Als noch im Südatlantik Unmut über die vom Kommandanten angeordnete Rationierung des Proviants aufgekommen war, votierten die Matrosen für Fryer, der die Einteilung und Wiegung der Rationen überwachen sollte, worauf Bligh mit einem Wutausbruch reagierte. Sein Wort als Kommandant sei über jeden Zweifel erhaben und vertrauenswürdig, weshalb die Mannschaft das Abwägen der Rationierung durch ihn zu akzeptieren habe. Jedem, der zukünftig daran einen Zweifel hege, drohte er wegen aufrührerischen Verhaltens eine Bestrafung durch Auspeitschung an. Im weiteren Verlauf der Fahrt verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Bligh und Fryer. Als die Bounty im Spätjahr 1788 bereits im Südpazifik segelte, haben beide nach der Beobachtung des Bootsmannsmaats James Morrison die gegenseitige Kommunikation auf das Nötigste reduziert und sich in ihren Kabinen eingeschlossen. Als am 9. Oktober Bligh die Rechnungsbücher des Bootsmannes und des Zimmermannes sowie die Logbucheintragungen der beiden vorangegangenen Monate mit seiner Unterschrift beglaubigte und diese darauf Fryer zur Gegenzeichnung vorlegen ließ, verlangte dieser zuvor einen Vermerk zu seiner tadellosen Pflichterfüllung im Dienst, der von Bligh aber verweigert wurde. Als darauf Fryer seine Unterschrift verweigerte, ließ Bligh die Besatzung an Deck antreten und die Bestimmungen des britischen Seekriegsrechts (Articles of War) verlesen, womit er Fryer („this troublesome Man“) eine meuterische Handlung bei einem fortgesetzten Widerstand unterstellte. Daraufhin unterzeichnete Fryer die Bücher, allerdings nur in Betonung auf die Gehorsamspflicht gegenüber den Befehlen des Kommandanten und dass seine Unterschrift später widerrufen werden könne. Dieser letzte Zusatz war von Morrison bemerkt, aber von Bligh übergangen wurden. Am 25. Oktober ging die Bounty in der Matavai-Bucht vor Tahiti vor Anker.

Am 14. Januar 1789 will Bligh eine Schlägerei zwischen zwei einheimischen Frauen beobachtet haben („a laughable Scene“), von denen die eine seinen Steuermann als Ehemann beansprucht und ihn beim „Ehebruch“ mit der Anderen ertappt habe. Diese Erzählung basiert einzig auf seiner Beobachtung und wird von keinem anderen Beteiligten bestätigt. Von ihm wurde sie sowohl im Logbuch notiert als auch in seinem später veröffentlichten Narrativ verbreitet, womit er Fryer öffentlich eine Vernachlässigung der ehelichen Treue auf dieser Seereise unterstellte, hatte dieser doch wenige Wochen vor deren Beginn tatsächlich seine zweite Ehefrau geheiratet.

Zwei Wochen nach der Abfahrt von Tahiti führten Fryer und Christian am 26. April 1789 auf der Barkasse einen bewaffneten Landungstrupp auf die Insel Nomuka („Anamoka“), um mit den dortigen Einheimischen Tauschhandel zu treiben und Holz zu schlagen. Doch die Verhandlungen verliefen negativ, bei einem zunehmend aggressiveren Auftreten der Einheimischen. Nach eigener Erzählung entging Fryer nur durch eine Warnung des Matrosen Matthew Quintal einer Attacke aus dem Hinterhalt, worauf sich die Truppe weiter von den Einheimischen bedrängt zum Landungsboot zurückzog und zur Bounty zurückkehrte. Dabei wurde ihnen der Bootsanker gestohlen.

Meuterei

Am folgenden Tag um 20:00 Uhr südlich von Tofua übernahm die von Fryer geführte erste Wache den Dienst an Deck. Um Mitternacht auf den 28. April wurde sie von der von Kanonier William Peckover geführten zweiten Wache abgelöst, worauf sich Fryer in seiner Kabine unter dem Achterdeck schlafen legte. Kurz nach fünf Uhr wurde er hier von den mit Entermessern bewaffneten Matrosen Quintal und John Sumner geweckt, die ihm die Absetzung Blighs als Kommandant durch Fletcher Christian mitteilten. Kurz darauf erschien Corporal Charles Churchill, der sich zweier Pistolen und des Schlüssels zur Waffenkiste bemächtigte. Durch die Kabinentür konnte der Steuermann sehen, wie Bligh laut protestierend und mit den Händen auf den Rücken gefesselt, den Deckaufstieg hinaufgeführt wurde. In seiner Kabine versuchte Fryer seine zwei Bewacher erfolglos zur Aufgabe zu bewegen. Von ihnen erfuhr er die Intention Christians, Bligh mit dessen Sekretär John Samuel und den Fähnrichen John Hallett und Thomas Hayward auf dem Beiboot der Bounty auszusetzen. Nach einem Wortwechsel erreichte er die Erlaubnis an Deck gehen zu dürfen, um dort persönlich mit Christian sprechen zu können.

Auf das Achterdeck geleitet, fand Fryer hier den am Besanmast festgehaltenen Bligh und Christian vor, der sichtlich darin bemüht war, die Kontrolle über die aufgewühlte Situation auf dem Hauptdeck zu behalten, auf dem nahezu die gesamte meuternde Mannschaft versammelt war, unter deren lautstarken Nötigungen der Bootsmann William Cole und andere Loyalisten damit beschäftigt waren, das Beiboot zur Wasserung klarzumachen. Auf Christian einredend, versuchte er diesen zur Aufgabe seines Vorhabens zu bewegen, doch erwiderte der Steuermannsmaat dazu nur, dass es dafür nun zu spät sei. Darauf suchte Fryer das Gespräch mit Bligh, mit dem er sich darauf verständigte, dass so viele Loyalisten wie möglich versuchen sollten an Bord zu bleiben, um eine Rückeroberung des Schiffes zu einem späteren Zeitpunkt zu unternehmen. Da die Meuterer das kleine Beiboot klarmachten, das nur wenige Männer aufnehmen konnte, erschien dieses Vorhaben aussichtsreich. Auch sollte Fryer auf den wankelmütig erscheinenden Bewacher Isaac Martin einreden, um ihn zu einem Seitenwechsel zu bewegen. Doch wurde dies von Christian gehört, der darauf das Bajonett gegen Fryer richtend („If you advance an inch further, I’ll run you through.“), diesem jedes weitere Wort verbot und ihn zurück in seine Kabine befahl, worauf er von seinen Bewachern wieder unter das Achterdeck geführt wurde. Auf dem Weg versuchte er den Bootsmannsmaat Morrison anzusprechen, der sich als loyal zu erkennen gab, aber resignierend bei der Klarmachung des Beibootes half.

Wieder unter Deck versuchte Fryer noch einmal vergeblich einen seiner Bewacher, John Millward, zum Seitenwechsel zu bewegen. Allerdings konnte er mit dem hier festgehaltenen Kanonier Peckover und dem Botaniker David Nelson ins Gespräch kommen, denen er seine Absicht zum Verbleib auf dem Schiff mitteilte. Peckover äußerte Bedenken, da ein Verbleib als Solidarisierung mit den Meuterern ausgelegt werden könnte, doch Fryer widersprach, da die Loyalisten nur so die Chance auf eine Rückeroberung des Schiffes wahren könnten. Er bemerkte, dass der Diener John Smith genötigt wurde die Meuterer mit Rum zu bedienen, womit er die Hoffnung verband, diese überwältigen zu können, sobald sie betrunken genug waren.