Roboter sind seit dem 20. Jahrhundert ein häufiges Thema vor allem in der Science-Fiction. Während sich die Vorstellung von künstlich erschaffenen Menschen bereits in der Antike findet, bekam mit den zunehmenden Fortschritten der Robotik der technisch realisierte Maschinenmensch neue Brisanz. In der Kunst wird anhand des Roboters vielfach das Verhältnis von Mensch und Maschine ausgelotet.
Motive und Deutungsmuster Roboter dienen in Kunst, Literatur, Film und Populärkultur häufig als Projektionsflächen für gesellschaftliche und philosophische Fragen. Sie verkörpern Hoffnungen auf technische Entlastung, Kontrolle über Natur und Körper oder die Überwindung menschlicher Grenzen, zugleich aber auch Ängste vor Entfremdung, Kontrollverlust und der Ersetzbarkeit des Menschen.Minsoo Kang: Sublime Dreams of Living Machines. The Automaton in the European Imagination. Harvard University Press, Cambridge/London 2011.
mini|links|Der Begriff Roboter stammt aus Karel Čapeks Drama R.U.R. (Inszenierung aus dem Jahr 1924) Zu den wiederkehrenden Motiven zählt der Roboter als künstlicher Diener oder Arbeiter. Bereits Karel Čapeks Drama R.U.R. verbindet die Roboterfigur mit industrieller Produktion, Ausbeutung und Aufstand. Das Wort „Roboter“ geht auf das tschechische robota zurück, das Frondienst oder Zwangsarbeit bezeichnet. In späteren Darstellungen erscheinen Roboter unter anderem als Haushalts-, Industrie-, Pflege-, Militär- oder Serviceroboter und stehen dabei zwischen Befreiungsversprechen und Bedrohung.
Ein weiteres zentrales Motiv ist der Roboter als Doppelgänger des Menschen. Humanoide Roboter und Androiden werfen Fragen nach Bewusstsein, Sprache, Erinnerung, Gefühl, Moral und sozialer Anerkennung auf. In solchen Darstellungen wird die Grenze zwischen Mensch und Maschine häufig unsicher.
Roboter werden außerdem als bedrohliche Maschinen dargestellt, die sich gegen ihre Schöpfer wenden, menschliche Befehle auf zerstörerische Weise ausführen oder einer eigenen, für Menschen gefährlichen Logik folgen. Daneben erscheinen sie besonders in neueren Darstellungen auch als soziale und emotionale Wesen: als Gefährten, Pflegekräfte, Liebespartner, künstliche Kinder oder Familienmitglieder.
Häufig berühren Roboterfiguren auch Fragen von Körper, Geschlecht und Begehren. Besonders weiblich gestaltete oder weiblich codierte Androiden verbinden technische Machbarkeit mit Fantasien von Schönheit, Kontrolle, Verfügbarkeit oder Reproduktion und werden in Kunst und Populärkultur sowohl affirmativ als auch kritisch eingesetzt.
Roboter, Arbeit und Automatisierung In Darstellungen seit der industriellen Moderne wird der Roboter häufig als produzierte, vervielfältigbare und funktional eingesetzte Arbeitskraft gezeigt. Anders als der frühneuzeitliche Automat, der oft als technisches Wunder, Täuschung oder Unterhaltungsobjekt erscheint, ist der moderne Roboter eng mit Fragen der Produktion, Rationalisierung und Arbeitsteilung verbunden.Tobias Higbie: Why Do Robots Rebel? The Labor History of a Cultural Icon. In: Labor: Studies in Working-Class History, Band 10, Nr. 1, 2013, S. 99–121.
In der Science-Fiction des 20. Jahrhunderts übernehmen Roboter häufig Tätigkeiten in Fabriken, Haushalten, Raumfahrt, Bergbau oder Militär. Solche Darstellungen verlagern technische Automatisierung in soziale Zusammenhänge: Sie fragen danach, welche Tätigkeiten als gefährlich, monoton, schwer oder unwürdig gelten, wer von maschineller Arbeit profitiert und wer die Maschinen kontrolliert.
Besonders in Darstellungen von Industrie- und Servicerobotern erscheint der Roboter als Teil rationalisierter Produktions- und Dienstleistungsprozesse. In Haushalts- und Pflegeszenarien verschiebt sich diese Funktion in private Räume. Roboter übernehmen dort nicht nur mechanische Aufgaben, sondern Tätigkeiten, die mit Fürsorge, Aufmerksamkeit und sozialer Nähe verbunden sind. Dadurch thematisieren solche Darstellungen die Grenze zwischen technischer Dienstleistung und sozialer Beziehung.Barbara Liedo: Emotional Labor and the Problem of Exploitation in Human-Robot Interaction. In: International Journal of Social Robotics, 2024.
Militärische und sicherheitstechnische Roboter erweitern das Arbeitsmotiv um Fragen von Gewalt, Kontrolle und Verantwortung. Autonome Kampfmaschinen, Polizeiroboter oder Überwachungsapparate erscheinen als Maschinen, die institutionelle Aufgaben ausführen und dabei menschliche Entscheidungen auslagern oder verdecken.George Bekey u. a.: Autonomous Military Robotics: Risk, Ethics, and Design. California Polytechnic State University, 2008.
Roboter in der Literatur Vom Menschen erschaffene künstliche Wesen haben in der Literatur eine lange Tradition, bekannte Beispiele sind der durch Magie erschaffene Golem oder alchimistisch erzeugte Homunculi. Eine mit der Tochter von Kaiser Maurikios vom iranischen Hofstaat verwechselte roboterartige Gliederpuppe wird im persischen Epos Schahname des Dichters Firdausi erwähnt.Volkmar Enderlein, Werner Sundermann: Schāhnāme. Das persische Königsbuch. Miniaturen und Texte der Berliner Handschrift von 1605. Gustav Kiepenheuer, Leipzig/Weimar 1988, Neudruck Müller & Kiepenheuer, Hanau. ISBN 3-7833-8815-5, S. 198 f. Die Vorstellung von Robotern im Sinne von MaschinenmenschenPeter Gendolla: Die lebenden Maschinen. Zur Geschichte der Maschinenmenschen bei Jean Paul, E. T. A. Hoffmann und Villiers de l’Isle Adam. Marburg/Lahn 1980 (= Reihe Metro. Sozialwissenschaftliche Texte, 10) beziehungsweise autonomen Maschinenwesen, die durch menschliche Wissenschaft und Technik verwirklicht werden, entwickelt sich jedoch erst in der Neuzeit. In der Literatur des 18. Jahrhunderts werden täuschend menschenähnliche „Automaten“ beschrieben, die durch eine kunstvolle Mechanik zum (scheinbaren) Leben erweckt werden (siehe auch: Geschichte der Automaten). E. T. A. Hoffmann erzählt in Die Automate (1819) von einem mechanischen Orakel, das an den sogenannten Schachtürken angelehnt ist.
In den Groschenheften des ausgehenden 19. Jahrhunderts findet sich beispielsweise die Fiktion eines dampfgetriebenen Maschinenmenschen (The Steam Man of the Prairies von Edward S. Ellis, 1868).Robert Malone: Roboter. Vom Blechspielzeug zum Terminator. London 2004, S. 10. Da sich das Wort „Roboter“ für die künstlichen Menschen noch nicht eingebürgert hat, werden solche Figuren noch als „Automat“ oder „mechanischer Mensch“ (englisch mechanical man) bezeichnet. Im Jahre 1886 publizierte der Schriftsteller Auguste de Villiers de L’Isle-Adam den Roman L' Eve future (dt. Die Eva der Zukunft oder Edisons Weib der Zukunft), in dem ein weiblicher Automat als Lebensgefährtin eines vornehmen Lords dienen soll.Hörspiel: Die Eva der Zukunft von NDR-Redakteur Michael Becker auf www.ndr.de (Norddeutscher Rundfunk), 26. Juni 2019
Zum ersten Mal wurde die von Josef Čapek geprägte Bezeichnung „Roboter“ von Karel Čapek 1921 in dem Drama R.U.R. – Rossum’s Universal Robots verwendet. Das Wort leitet sich vom tschechischen robota, Frondienst, ab. Die in dem Theaterstück vorgestellten Roboti sind Kunstmenschen auf der Basis von synthetischem Protoplasma, doch die Bezeichnung wurde bald auch auf die zeitgenössische Vorstellung mechanisch konstruierter Automaten übertragen.
mini|hochkant|Isaac Asimov 1965 Durch die Erzählungen Isaac Asimovs wurde der Begriff Roboter einem größeren Publikum bekannt. 1942 beschrieb er in RunaroundRun around in der englischsprachigen Wikipedia zum ersten Mal die drei Robotergesetze, die auch heute noch häufig in der Science-Fiction-Literatur rezipiert werden. 1950 veröffentlicht er mit Ich, der Robot eine Sammlung von Kurzgeschichten zu diesem Thema. Isaac Asimov war fortschrittsgläubig und sah im Roboter zumeist einen Gehilfen bei alltäglichen Verrichtungen und einen Assistenten, der die Menschen dabei unterstützt, das Weltall zu bevölkern, zum Beispiel in seinen Kurzgeschichten Vernunft (Reason, 1941) und Runaround (1942)beide enthalten in Ich, der Robot. Reason ist auch unter dem Titel Logik in anderen deutschsprachigen Anthologien veröffentlicht worden.
Jack Williamson beschrieb im Jahr 1939 mit After World’s End (Jenseits von Raum und Zeit) einen humanoiden Roboter, der sich energisch gegen die Menschheit wendet. Jack Williamson begann danach im Jahr 1947 mit The Humanoids oder With Folded Hands und im Jahr 1952 mit Wing 4 eine Reihe von Romanen über humanoide Roboter, die ihre Aufgabe, den Menschen zu dienen und sie zu beschützen, ein wenig zu gründlich durchführen, was die Freiheit der Menschen stark einschränkt.
Philip K. Dick beschrieb 1953 in seiner Kurzgeschichte Second Variety (Variante Zwei, verfilmt als Screamers) nicht-humanoide und humanoide Killerroboter, und 1955 in seiner Kurzgeschichte Autofac (Autofab oder Krieg der Automaten) eine von den Menschen unerwünschte selbstständige Entwicklung von um die Rohstoffe konkurrierenden Roboterfabriken zu Nanorobotern.
Der polnische Autor Stanisław Lem veröffentlichte ab den 1950er Jahren den Erzählzyklus Kyberiade. Hauptfiguren sind Klapauzius und Trurl, zwei menschengleiche, denk- und empfindungsfähige Roboterwesen, die selbst als Konstrukteure von Maschinen tätig sind und in einer überwiegend von Robotern bevölkerten Welt existieren.
Auch in die Kinderliteratur fanden Roboterfiguren Einzug. 1967 wurde das Buch Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt veröffentlicht, in dem der Roboter ROB 344-66/IIIa und der Erfinder Tobias Findteisen gemeinsame Abenteuer erleben. Ellis Kaut veröffentlichte 1974 das Kinderbuch Schlupp vom grünen Stern über einen kleinen Roboter vom Planeten Balda 7/3, der unerwünscht eine Seele und Gefühle entwickelt und deshalb auf einen Müllplaneten geschossen werden soll, stattdessen aber auf der Erde landet. Die Augsburger Puppenkiste verfilmte 1986 Schlupp als Marionettenstück.
In dem im Mai 2019 erschienenen Roman Maschinen wie ich des britischen Schriftstellers Ian McEwan, publiziert durch den Diogenes Verlag, geht ein junges Liebespaar eine verzwickte Dreiecksbeziehung mit einem Androiden namens Adam ein. In dem Roman Die Nacht war bleich, die Lichter blinkten von Autorin Emma Braslavsky, der im August 2019 im Suhrkamp Verlag erschienen ist, verkauft ein Robotik-Unternehmen menschengleiche Roboter als künstliche Lebenspartner, um zivilisatorische Probleme wie soziale Einsamkeit und Beziehungslosigkeit zu bekämpfen. Ein todkrankes Mädchen schließt in dem Roman Klara und die Sonne Freundschaft mit einem weiblichen Androiden namens Klara, geschrieben hat das im März 2021 im Blessing-Verlag erschienene Buch der Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive des Roboters verfasst, wie die Androidin Klara die Welt der Menschen sieht.Kulturzeit. Beitrag und Interview mit Schriftsteller Kazuo Ishiguro. TV-Kultursendung, 22. Juni 2021, 30 Min. Moderation: Lillian Moschen. Eine Produktion von 3sat In dem KI-Roman Die Erfindung des Ungehorsams (Unionsverlag) von Martina Clavadetscher, der mit dem Schweizer Buchpreis 2021 ausgezeichnet wurde, tritt eine Frau auf, die in einer Sexpuppenfabrik in China arbeitet, wo künstliche Frauenkörper hergestellt werden. Für ihren Roman ließ sich Schriftstellerin Clavadetscher vom Lebenswerk der Mathematikerin Ada Lovelace inspirieren, die sie als „Urmutter der Programmierung und des Computers“ begreift.Das Blaue Sofa. TV-Kultursendung, 24. Oktober 2021, 24 Min. Interview auf der Frankfurter Buchmesse 2021 mit Martina Clavadetscher von Moderatorin Nina Mavis Brunner. Eine Produktion von ZDF und 3sat Von einem Computer, dem Wissenschaftler ein menschliches Bewusstsein verleihen wollen, handelt der Roman Dave von Schriftstellerin Raphaela Edelbauer, der den Österreichischen Buchpreis 2021 zuerkannt bekam.3sat Kulturzeit. TV-Kultursendung, 9. November 2021, 38 Min. Moderation: Vivian Perkovic. Eine Produktion von 3sat
Roboter in Filmen Filmgeschichte